Weihnachtliches Aufeinandertreffen in Gladbach

Das Topspiel des Wochenendes in der Bundesliga fand ich Gladbach statt. Die Borussia traf auf die wieder erstarkten Schalker von Domenico Tedesco. Beide Teams wollten die Fehler der Konkurrenz, Dortmund und Leipzig konnten beide nicht gewinnen, nutzen, um sich oben weiter festzusetzen. Nach einer dominanten ersten Hälfte der Gladbacher, schafften die Schalker es in der zweiten Halbzeit auszugleichen und holen so letztlich einen wichtigen Auswärtspunkt.

Die Aufstellungen

Dieter Hecking schickte sein Team im präferierten 4-4-2 aufs Feld. Yann Sommer ist als Keeper gesetzt, davor liefen Ginter und Vestergaard im Zentrum auf. Der Schweizer Elvedi agierte als linearer Rechtsverteidiger, während Oscar Wendt links, im Angriff auch immer wieder in die Mitte rückte.

Vor der Abwehr lief Neuzugang Denis Zakaria neben Kramer auf, flankiert wurden sie rechts von Hazard und links von einem anderen Neuzugang, nämlich Vincenzo Grifo. Die beiden sehr beweglichen Stürmer waren wie so oft diese Saison Kapitän Lars Stindl und der Brasilianer Raffael.

Die Schalker agierten in den ersten Minuten in der Defensive mit einer Tannenbaumformation, das heißt vor Ralf Fährmann lief diesmal eine Viererkette mit den Innenverteidigern Nastasic und Naldo auf. Links verteidigte Oczipka und rechts der junge Thilo Kehrer.

Max Meyer nahm die zentrale Sechserposition ein und wurde defensiv rechts von Embolo und links von Daniel Caligiuri unterstützt. Hinter Stürmer di Santo agierten dann die beiden nominellen Achter Harit und McKennie.

Schalker Tannenbaum

Für die Partie gegen Gladbach entschied sich Domenico Tedesco diesmal für eine kleine Änderung zum üblichen Defensivsystem. Statt eines 5-3-2/5-2-3 formierte er diesmal seine Mannschaft in einem 4-3-2-1. Dies bedeutet, Schalke verschloss die Mitte und hatte gegen Gladbachs Kombinationsspiel eine Linie mehr.

Tannenbaum schalke

Durch die eine Linie mehr im Verteidigungsbund sichern sich die Schalker gegenseitig noch besser ab. Des Weiteren werden in dieser Formation die Räume sehr sauber geschlossen, die Linie davor schließt immer die Räume zwischen den Spielern. Ein diagonales Passspiel wird so deutlich erschwert, was gegen Gladbachs Kombinationsspiel mit vielen Ablagen wichtig ist.

Darüber hinaus ist das Verdichten der Mitte gegen Gladbachs Offensivabteilung ein probates Mittel, um das Offensivspiel der Gladbacher zum erliegen zu bekommen. Über außen ist es für die Gladbacher viel schwieriger Gefahr zu erzeugen. Hazard und Grifo sind beides keine schnellen geradlinigen Offensivspieler, die gute Hereingaben spielen können. Ebenso hat Gladbach mit Raffael und Stindl zwei Stürmer, die in den Engen im Zentrum sehr stark sind, allerdings Schwächen beim Kopfballspiel und präzisen Hereinlaufen in den Sechzehner haben.

Vorteile Tannenbaum

Der Vorteil der Tannenbaumformation, die Räume zwischen den Spielern werden durch die Linie davor geschlossen, Gladbach hat nur außen Platz

Schalke spielte das ganze System sehr raumorientiert und ließ sich so von Gladbachs fluidem Offensivspiel nicht aus der Position ziehen. Besonders Max Meyer tat sich für hervor aufgrund seines sauberen Verschiebens und der damit einhergehenden Kontrolle im Zentrum. Caligiuri und Embolo positionierten sich zu meist im Halbraum, stellten allerdings den Spieler der Gladbacher, der den Ball in einer breiten Position erhielt. Dadurch blieb die Viererkette der Schalker stets sehr eng beieinander, was auch notwendig gegen Gladbachs hohe Anzahl von Spielern zwischen den Linien ist.

Harits und McKennies Aufgabe war es, Pässe ins Mittelfeld zu verhindern und so Raffael, Stindl oder einen anderen Spieler aus der Offensivabteilung, der sich fallen ließ, aus dem Spiel zu nehmen. Wenn die Schalker dann versuchten höher zu pressen, rückten Harit und McKennie diagonal aus ihrer Position auf den Spieler in der Halbposition, also die seitlichen Spieler der Gladbacher Dreierkette, heraus. So entstanden kurzfristig aus der Tannenbaumformation auch mal 4-4-2 Konstellationen. Di Santo konnte nach einem Pass auf einen Halbverteidiger die Rückpassoption auf den zentralen Verteidiger zustellen oder das Zentrum für Seitenwechsel verschließen. Aufgrund Gladbachs Ballsicherheit und sauberer Positionierung schafften es die Schalker aber nur selten wirklich Ballgewinne aus ihren höheren Pressingbewegungen zu generieren.

Schalkes Zugriffsprobleme für die aktive Balleroberung und das schwache Spiel mit dem Ball veranlassten Tedesco dazu, die Defensivformation nach 20 Minuten zu ändern. Schalke wurde von da an in ihrem gewohnten 5-3-2 dominanter. Das 5-3-2 nutzen die Schalker auch in der zweiten Halbzeit.

Gladbachs Versuche den Tannenbaum zu schlagen

In den ersten 20 Minuten dominierten die Gladbacher die Partie. Schalke formierte sich in ihrer angesprochenen Tannenbaumformation und warteten erstmal ab. Nach kurzer Anpassungsphase formierten sich die Gladbacher recht clever gegen Schalkes erste und zweite Linie. Einer der beiden Sechser kippte meist neben den zentralen Verteidiger, meist Vestergaard ab. Dadurch entstand eine Dreierkette im Spielaufbau. Der andere Sechser bewegte sich zwischen den Linien und versuchte beim Herausrücken eines Achters anspielbar zu sein. Gladbach bildete also eine Raute gegen Schalkes 2-1 Staffelung.

Rechts hab Nico Elvedi stets die Breite und war so als Ausweichoption für den ballnahen Verteidiger eine Option. Thorgan Hazard rückte konstant ein, besetzte den Halbraum oder das Zentrum und bewegte sich meist zwischen Schalkes Linien. Hazard Einrücken erhöhte die Präsenz der Gladbacher zwischen den Linien. Wenn sich Stindl oder Raffael fallen lassen wollte, rückte Hazard etwas höher, um das Verfolgen von Stindl oder Raffael durch einen Verteidiger zu unterbinden.

Auf der linken Seite waren die Positionierungen gleich, allerdings die Umsetzung wesentlich flexibler. Meist rückte Grifo ebenso wie Hazard auf der anderen Seite ein und besetzte den Raum zwischen Innen- und Außenverteidiger. In diesen Fällen blieb dann Oscar Wendt breiter. Doch diese Aufgabenteilung war nicht starr. Auch Oscar Wendt schob gelegentlich in die Mitte, besetzte dann durch einen diagonalen Laufweg den Halbraum zwischen Abwehr und Mittelfeld, oder er rückte eine Linie tiefer ein und unterstützte den Sechser. Dadurch wurde von Zeit zu Zeit die Passlinie auf Grifo frei. Nach Seitenwechseln konnte Grifo so frei gespielt werden, allerdings ist Grifo nicht so stark im 1vs1, deshalb konnte Gladbach so nicht hinter Schalkes Linie kommen. Meist wurde Grifo dann von einem der Stürmer und Oscar Wendt unterstützt, jedoch dauerte dies immer etwas und Schalke konnte so auf die Seite schieben und den Raum verengen.

Die beiden Stürmer Stindl und Raffael waren wie immer sehr beweglich. Meist überluden sie zusammen mit Hazard den rechten Halbraum der Schalker, oder unterstützten wie bereits erwähnt Grifo auf Links. Wenn die Innenverteidiger den Ball hatten, ließen sie sich häufiger in den Raum zwischen Max Meyer und einem der Außen fallen, um eine Passoption für flache Pässe mit anschließendem prallen lassen, zu sein.

In den dominanten ersten 20 Minuten hatte Gladbach zwar den Ball, erspielte sich viele Eckbälle durch Angriffe über außen oder durch freispielen eines Spielers im Zehnerraum mit anschließendem Abschluss von dort. Gladbach ließ den Ball teils sehr lange in der ersten Linie zirkulieren und versuchte die Schalker auf eine Seite zu locken, um dann nach einem Seitenwechsel Platz für einen Pass in Richtung Stindl oder Raffael zu erhalten. Die beiden Stürmer sorgten dann für Ablagen dafür, dass der Ball in höheren Zonen gehalten werden konnte, um in den Sechzehner einzudringen, überluden sie den rechten Halbraum. Dort versuchten sie Spieler, die mit dem Rücken zum Tor standen anzuspielen und über Ablagen und Doppelpässe entweder diagonal in den Zehnerraum oder hinter die Abwehr zu kommen. Beispielsweise konnten sie durch ein vertikales Vorstoßen von Kramer oder Zakaria über Doppelpässe Durchschlagskraft erzeugen, da die Schalker Probleme hatten den Lauf aus der Tiefe eines Sechser zu stoppen. Jedoch resultierten auch daraus keine riesen Chancen. Vielmehr war Schalke gut in der Endverteidigung und konnte zu vielen Eckbällen klären.

Für Gladbach war der Raum zwischen den Linien sehr begrenzt, einige Kombinationen waren dann zu ungenau und konnten von Schalke verteidigt werden, Schalkes Formation erlaubte es ihnen mit vielen Spielern schnell ballnah Zugriff zu erhalten. Aufgrund der hohen Anzahl an Spielern die Gladbach in der Nähe des Balles hatte, eroberten sie viele Bälle schnell wieder zurück. Jedoch erst als Schalker höher stand und sich somit mehr Platz zwischen den Linien ergab, konnte Gladbach sein schnelles Ablagenspiel durchziehen. Spätestens nach dem 1:0 versuchte Gladbach über Konter für Gefahr durch ihre quirligen Offensivspieler zu sorgen. Bereits das 1:0 fiel nach einer Ecke, die aus einem Gladbacher Konter resultierte.

1-0 Gladbach

Schalke verteidigt den Eckball mannorientiert. Embolo verliert allerdings Kramer sehr schnell aus den Augen, da er zu viel auf den Ball fokussiert ist. Hier zeigt sich auch der Vorteil, wenn Ecken auf den ersten Pfosten geschlagen werden. Die Abwehr zieht sich dort zusammen und es kann Raum am langen Eck geben. Ginters Kopfball wirkte nämlich wie ein Versuch eines Torschusses und weniger wie eine Vorlage

Schalker Offensivprobleme

Wie bereits gegen die Bayern zeigten die Gladbacher auch gegen eine weitere Top-Mannschaft eine gute Defensivleistung. Wie immer formierten sie sich dabei in ihrem engen eher 4-4-2. Gladbach presste meist erst im Mittelfeld, vereinzelt stellten sie aber auch mannorientiert den Spielaufbau der Schalker zu. Aus einer solchen Situation entstand der Ballgewinn, der zu Grifos Lattentreffer führte.

Meist jedoch verschoben sie raumorientiert in ihrem 4-4-2 und stellten die ballnahen Räume zu. Schalke hatte so vielmals das Problem, dass sie sich nicht zwischen oder hinter die Linien von Gladbach spielen konnten, und viele Schalker Angriffe endeten an der Außenlinie.

Gegen Gladbach durfte Breel Embolo mal wieder für die Schalker beginnen, er gesellte sich an die Seite von di Santo zwischen die Abwehr- und Mittelfeldkette der Gladbacher. McKennie und Harit agierten auf den beiden Achterpositionen. Schalke spielte wie meist viel über die Flügel mit ihrer rautenförmigen Staffelung durch das Ausweichen eines Stürmers. Jedoch fehlten in diesem Spiel die Verbindungen ins Zentrum. Vielfach blieb Max Meyer im Sechserraum und konnte so Verlagerungen auf die andere Seite spielen, allerdings erreichte Schalke Embolo und di Santo im Zentrum kaum.

Schalke über außen

Gladbach verschiebt schnell und gut, Oczipka ohne Anspielstation nach vorne. Weder Harits Position noch Embolos Ausweichen helfen Oczipka

Schalkes Achter besetzten teils nicht konstant den Raum zwischen Gladbachs Angreifern und Mittelfeldspielern. Durch die breitere Position verfielen sie wieder in die 3-3-4 Formation wie gegen Dortmund, was zu einer Unverbundenheit der Mannschaftsteile sorgte. Des Weiteren stand die Schalker Offensive teils auf eine Linie. Diese flache Staffelung verhinderte, dass die Schalker über das Spiel über den Dritten mal durch Gladbachs Block durchspielen konnte. Diese Umstände sorgten dafür, dass Schalke selten hinter die Gladbacher Linien kam und viele Angriffe auf der Außenbahn verpufften.

Die Unverbundenheit der Mannschaft war nur teilweise ein Problem. Max Meyer schob teils etwas höher und Harit ließ sich etwas fallen, dadurch hatte Schalke dann wieder ein verbundeneres Konstrukt. Nach dem 1:0 schob Schalkes Abwehr sehr weit vor, Gladbach überließ den Königsblauen auch mehrheitlich die Spielanteile, dadurch konnten Nastasic und Kehrer mit dem Ball das Spiel aus dem Halbraum ankurbeln. Allerdings kamen insgesamt wenig Pässe der Schalker zwischen die Linien. Breel Embolo bewegte sich teils noch wie ein Fremdkörper im Schalker System, und auch die Unterstützung auf außen passte nicht immer optimal zueinander.

Schalke mal zwischen die Linien

Hier schafft es Max Meyer mal durch seine höhere Position einen Pass zwischen die Linien zu spielen. Embolo geht danach aber ins Dribbling und verliert den Ball gegen vier Gladbacher. Auch wichtig, keine wirkliche Verlagerungsoption für Meyer.

Gladbach dominant, nach dem Gegentor aber von der Rolle

Die zweite Halbzeit lief zu Beginn ähnlich wie die erste Halbzeit. Gladbach war die dominierende Mannschaft und versuchte durch nun etwas schnellere vertikalere Angriffe mit weniger Zirkulation in der ersten Linie auf das zweite Tor zu gehen und die Partie so zu entscheiden. Wie bereits erwähnt änderte Tedesco schon in der ersten Halbzeit seine Defensivformation, der Tannenbaum musste dem klassischen 5-3-2 weichen. Dadurch hatten die Schalker etwas mehr Kontrolle über die Außenbahn und konnten dort die Gladbacher pressen, gleichzeitig erhöhte sich auch ihr Zugriff auf Gladbachs Aufbauspiel aufgrund des zweiten Spielers in der ersten Linie.

Die Gladbacher reagierten daraufhin mit einer breiteren Viererkette. Wendt positionierte sich konstant an der Außenlinie, genauso wie Elvedi. Beide rückten nicht so weit auf, sondern boten sich konstant tiefer für die Innenverteidiger an, damit diese den Ball nach außen spielen konnten, wenn Schalkes Stürmer ins Pressing übergingen. Weiterhin orientierte sich ein Sechser, meist Kramer tiefer und bot sich zwischen Embolo/Burgstaller und di Santo an.

Gladbach begann die zweite Hälfte wesentlich vertikaler. Flache Pässe aus der letzten Linie nach vorne gab es häufiger zu sehen. Besonders fokussiert wurde dabei das Fallenlassen von Stindl, der dann Ablagen auf Thorgan Hazard spielen konnte. Von der rechten Seite starteten viele Angriffe. Gladbach kam häufiger hinter die letzte Linie und wurde sogar durch Flanken mit gut getimten Läufen aus der Tiefe gefährlich.

Allerdings hatten Gladbachs schnellere Angriffe einen Nachteil. Die Gladbacher wirkten hektischer in ihren Aktionen, besonders nach dem für sie unglücklichen Ausgleich. Viele der Gladbacher Angriffe waren nicht mehr so sauber strukturiert, was zu mehr Ballverlusten und mehr Raum für Schalke führte. Gladbach kam nicht mehr so gut ins Gegenpressing, da die Abstände zwischen den einzelnen Spielern und Mannschaftsteilen sehr groß wurden.

Spätestens nach dem Ausgleich presste Schalke noch höher und aggressiver. Das Spiel wurde daraufhin hektischer und Gladbach hatte Probleme mit dem Spielaufbau. Schalke wiederrum nutzte die vielen Ballverluste der Gladbacher durch schnelle Angriffe. Besonders die Hereinnahme von Guido Burgstaller hatte einen positiven Effekt auf das Schalker Angriffsspiel, da der Österreicher im Gegensatz zu Embolo die richtigen Laufwege unternahm und seine Mannschaftskollegen besser unterstütze wie auch die Abwehr der Gladbacher vor größere Probleme stellte.

Fazit

Am Ende hatten die Schalker sogar noch die Chance auf den Sieg, wie Tedesco nach dem Spiel auch anmerkte. Gladbachs Offensivspiel war besonders in der ersten Halbzeit sehr dominant. Auch die Entscheidung von Dieter Hecking nur sehr selten die Schalker höher zu pressen und sonst sich eher tiefer zu positionieren ergab Sinn. Durch den tieferen, engen Block der Gladbacher hatte Schalke kaum Raum. Ihr noch nicht perfekt ausgereiftes Angriffsspiel gegen einen tiefen Gegner kam negativ zum Tragen.

Letztendlich bleiben beide Teams weiterhin oben in der Tabelle, verpassten aber die Möglichkeit auf Platz zwei zu springen, bzw. in Gladbachs Fall punktgleich mit Leipzig dazustehen.

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