Was Salzburg von Leipzig unterscheidet – eine Toranalyse

In der Europa League kam es zu einem Aufeinandertreffen der besonderen Art. Die beiden von Red Bull unterstützten Klubs Salzburg und Leipzig trafen in der Europa League erstmalig aufeinander. Salzburg gilt oft als Ausbildungsstelle für Leipzig, obwohl die Verantwortlichen mittlerweile direkte Zusammenhänge zwischen den Klubs dementieren und rein rechtlich auch keine direkten Verknüpfungen mehr bestehen.

Fakt ist, dass beide Klubs der „RB-Philosophie“ folgen. Ralf Rangnick, der aktuelle Trainer der Leipziger ist eine der prägenden Figuren für diese Spielweise. Aggressives hohes Pressing, schnelles Gegenpressing und vertikales Umschalten nach Ballgewinn. Auch bei RB Salzburg kann man diese Grundprinzipien erkennen. Allerdings unterscheidet sich das Team von Marco Rose in wenigen Punkten deutlich von RB Leipzig. Diese Punkte sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass Salzburg scheinbar aktuell die Nase vorne hat und zumindest das direkte Duell trotz des individuell schlechteren Kaders für sich entscheiden konnte.

Denn im Vergleich zu Ralf Rangnicks Team, agieren die Männer von Rose in Ballbesitz wesentlich besser strukturiert. Das Positionsspiel der Salzburger ist auf einem hohen Niveau. Durch die Nutzung einer Raute haben sie stets Überzahl im Zentrum und besetzen die Räume sehr präzise. Das alles erleichtert es den Salzburgern ins letzte Drittel zu gelangen. Diese Details lassen sich ganz gut an Salzburgs zweitem Tor erkennen, eine Blitzanalyse.

Salzburgs Asymmetrie

In der Entstehung des zweiten Tores der Salzburger konnte man eine klare asymmetrische Staffelung erkennen. Durch Asymmetrie entstehen oft interessante Wechselwirkungen und besonders Teams, die mannorientiert gegen den Ball verteidigen werden so vor sehr große Probleme gestellt.

Schlager im Sechserraum Grafik

Schlager, der sonst als linker Achter agierte bietet sich dieses Mal zentral an. Der nominell rechte Achter Haidara steht sehr hoch und fungiert praktisch als Angreifer. Der Sechser Samassékou bewegte sich des Öfteren nach halbrechts um Raum in Zentrum zu schaffen, so auch in dieser Szene.

Für Leipzig ergaben sich so verschiedene Zuordnungsprobleme. Cunha orientierte sich an Samassékou, während der Linksaußen der Leipziger seine Position hielt, um notfalls den Rechtsverteidiger zu pressen. Durch die Überzahl im Zentrum und die Position von Wolf konnte Ilsanker nicht so weit nach vorne schieben. Deshalb rückte Sabitzer in den Halbraum, um notfalls Zugriff auf Schlager zu erzeugen.

Letztlich blieb Linksverteidiger Ulmer komplett frei, da Leipzigs Laimer aufgrund von Dabbur seine Position zu nächst hielt.

Druck provozieren

Das große Ziel im Positionsspiel ist das Finden des freien Mannes. Dafür gibt es verschiedene Konzepte. Ein Beispiel ist das Anlocken des Gegners. Hier provozierten die Salzburger eine Pressingaktion der Leipziger, indem Xaver Schlager angespielt wurde. Da Schlager mit dem Rücken zum Feld stand, setzten Cunha und Sabitzer den Mittelfeldakteur sofort unter Druck, waren dabei aber zu spät. Schlager wusste, dass Ulmer der freie Spieler war und spielte den Linksverteidiger sofort an.

Das unkompakte und nicht gut abgestimmte Pressing der Leipziger wurde schnell überspielt. Von diesem Punkt an hatte Salzburg einen Vorteil und konnte die vielen sich bietenden Räume attackieren.

Zu große Räume bei Leipzig

Ulmer auf Dabbur

Leipzigs Plan ist es oftmals schnell herauszurücken, wenn ein Gegenspieler den Ball erhält. In dieser Szene versuchte Laimer Ulmer schnell zu pressen. Jedoch waren die Abstände bei den Leipzigern deutlich zu groß. Entsprechend hatte Andreas Ulmer genug Zeit am Ball und konnte Dabbur an der Außenlinie anspielen.

Die Bewegung von Munas Dabbur stellte sich dabei aus mehreren Gründen als clever heraus. Zum einen war er so direkt anspielbar für Ulmer und verschwand nicht im Deckungsschatten. Zum anderen öffnete er den Halbraum für den Linksverteidiger. In der Folge sollte dies den Angriff der Salzburger prägen.

Leipzig spielte in der Verteidigung 1v1 durch das Vorschieben von Laimer. Entsprechend musste Upamecano Dabbur folgen, um ihn zu stellen. Leipzig wurde so aus der Ordnung gezogen. Der Halbraum war geöffnet und Salzburg fand nicht nur dort, sondern auch im Zentrum viele Räume vor. Grund dafür war die sehr schlecht Rückwärtsbewegung der Mannschaft von Ralf Rangnick.

Ausspielen der Überzahl

Wichtig für das Tor war die Beteilung von Linksverteidiger Ulmer. Nach seinem Pass auf Dabbur startete er sofort in den Halbraum und erhielt den Ball wieder. Das stellte die Abwehr der Leipziger vor noch größere Probleme. Ilsanker musste letztlich Wolf und Ulmer verteidigen, was der ehemalige Salzburger nicht meistern konnte.

Ulmer durch Halbraum Grafik

Ulmer spielt Ilsanker intelligent aus, statt selbst den Durchbruch zu versuchen legte er den Ball weiter auf Wolf und setzt seinen Laufweg fort. Durch diesen Pass ändert sich der Referenzpunkt der Verteidiger. Für kurze Zeit konzentriert sich Ilsanker auf den Ballführenden. Entsprechend kann Ulmer im Rücken von Ilsanker weiter durchstarten.

In dem Moment, indem Wolf den Ball erhält ist es für Leipzig bereits zu spät. Wolf hat im Zehnerraum Zeit und Platz, außerdem erhalten die Leipziger keinen Zugriff auf den Ballführenden. Entsprechend kann Wolf den Ball einfach auf Ulmer durchstecken.

Wolf Durchstecker

Letztlich legt Ulmer den Ball im Sechzehner quer auf den am langen Pfosten einlaufenden Haidara. Die Strafraumbesetzung der Salzburger ist dabei ebenfalls sehr gut, denn Yabo hielt sich ebenso im Strafraum auf. Dies verhinderte, dass Konaté einfach nur Ulmer attackieren konnte. Auch in der Strafraumverteidigung zeigte sich RB Leipzig nicht von seiner besten Seite. Mukiele fällt zu schnell zu tief und kann den Pass auf Haidara nicht abfangen. Lletztlich kann er den Schuss nicht mehr vor der Linie blocken.

Fazit

Das Tor zeigt sehr deutlich welche Probleme RB Leipzig aktuell im Defensivverbund hat. Fehlende Abstimmung, zu große Abstände, kein Zugriff und schlechte individuelle Entscheidungen. Auch mit dem Ball wirkten die Leipziger selten kreativ. Das Ballbesitzspiel ist im Vergleich zu Marco Roses Mannschaft nicht so gut strukturiert. Bei Leipzig fehlen klare Strukturen in Ballbesitz, die bei Salzburg implementiert wurden. So gesehen ist die Salzburger Mannschaft aufgrund des Positionsspiels eine wesentlich komplettere Mannschaft als Leipzig. Dieses Tor zeigte sehr schön die spielerische Klasse der Österreicher. Und eine Weiterentwicklung des RB-Stils.

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