Dortmund stark, Real effizient Unentschieden im Signal Iduna Park

Borussia Dortmund traf am Dienstag zu Hause auf Real Madrid, die letzte Begegnung konnte Dortmund im Halbfinale 2013 mit einem überragenden Robert Lewandowski mit 4:1 für sich entscheiden. Vor diesem Spiel waren die Vorzeichen ganz andere, nicht nur war es nur ein Gruppenspiel, die beiden Teams sind mit den Teams von 2013 schwer bis gar nicht zu vergleichen. Während Real Offensiv durch sein Sturmtrio BBC glänzt, und im Mittelfeld mit Kroos und Modric herausragend besetzt ist, entwickelte Thomas Tuchel nach seiner Übernahme von Jürgen Klopp, die Dortmunder zu einer dominanten und mehr auf Ballbesitzt ausgelegten Mannschaft, die dieses Jahr einen jungen sehr starken Kader hat.

Startformation

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Beide Teams starteten in einem 4-3-3, bei Real lief ein wenig überraschend James Rodriguez als linker Achter auf, der sich im Offensivspiel allerdings weiter vorne als Modric bewegte, was zu einem asymmetrischen 4-3-3 führte. Toni Kroos gestaltete von der Sechser Position aus das Spiel und sorgte dafür, Verbindungen herzustellen und so den Ballbesitz zu sichern, als dritter Mann im Bunde, nahm Luka Modric den Platz halbrechts ein, zur Pause wurde er auf die Sechserposition geschoben. Vorne spielte wie immer BBC, während hinten mittlerweile Varane seinen Stammplatz sicher hat.

Bei Borussia Dortmund gab es nur eine Änderung im Vergleich zum Spiel gegen Freiburg, Guerreiro ersetzte Emre Mor. Guerreiro driftete oft von seiner linken Position in den Halbraum oder tauschte die Position mit Götze. Götze bewegte sich vor allem viel zwischen den Linien der Madrilenen, meist war er an den vielen schnellen Kombinationen von Dortmund beteiligt, neben Götze lief Castro auf, der den etwas vertikaleren Part übernahm und im Aufbauspiel gelegentlich zurückfiel um den einzigen Sechser Weigl und die Viererkette zu unterstützen. Die Außenverteidiger rückten wie immer weit auf und machten das Spiel breit.
Beide mit Defensivproblemen

Defensiv agierte der BVB im 4-1-4-1, was durch vorschieben von Götze auch mal kurzfristig zum 4-4-2 werden konnte. Meist lief der BVB aggressiv an und schaffte es meist Real nach außen zu drängen, die allerdings aufgrund ihrer individuellen Klasse auf den Flügeln dies dankend annahmen. Allerdings war der BVB oft instabil, Defensiv verteidigten sie nicht immer wirklich sicher die Angriffe, ebenso rückte Weigl im Gegenpressing zu schnell heraus und offenbarte so Lücken im Sechserraum der Dortmunder, deutlich wurde dies vorallem beim 0:1.
Real Madrid presste häufig im 4-4-2, da James eigentlich Weigl im Aufbauspiel dauerhaft verfolgte, mal machten Bale und Ronaldo Druck auf die Innenverteidiger der Dortmunder und Benzema hielt sich zurück, doch meist verfolgten Ronaldo und Bale die Außenverteidiger mannorientiert. Durch James hohe Position offenbarte Real Lücken im Zwischenlinienraum, hinter Kroos und Mordic war immer wieder Raum, den der BVB attackieren konnte und so leicht auf die Real Viererkette zulaufen konnte.
Dortmund mit schnellen Kombinationen

Besonders in der ersten Halbzeit legte die Borussia ein hohes Tempo vor, Real wurde weit nach hinten gedrückt. Besonders der linke Halbraum wurde von den Dortmundern anvisiert. Guerreiro, Götze und Schmelzer sind alle sehr kombinationsstark und schafften es gut Drucksituationen aufzulösen, darüberhinaus unterstütze Weigl das Trio als sichere Anspielstation. Ausgehend von Kombinationen im linken Halbraum wurde Dortmund nach Verlagerungen in den rechten Halbraum, oder durch Angriffe durch die Mitte , von dort aus konnte man auch wieder nach links verlagern, gefährlich. Castro war meist die Anspielstation nach einer Verlagerung, während Dembele oftmals Probleme gegen Danilo im 1vs1 hatte, und somit etwas unterging.

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Passendes Beispiel für einen Angriff der Dortmunder, aus dem linken Halbraum heraus können sich Castro, Guerreiro und Götze aus einer Drucksituation befreien und haben aufgrund Reals Problemen die Mitte zu sichern eine 3vs1 Situation, die schlussendlich nicht konsequent zu Ende gespielt wurde. Ebenso auffällig, dass sich Bale weit in die letzte Verteidigungslinie drücken ließ, was auch häufiger anderen Spielern passierte. Dadurch dass viele Spieler in der letzten Linie Reals standen, ergaben sich Lücken im Mittelfeld wie obiges Beispiel zeigt.
Real im Kontermodus

Real hingegen setzte auf seine Konterstärke und wurde oftmals über die Flügel gefährlich. Besonders problematisch wurde es für die Dortmunder, wenn Modric mit seinen starken Dribblings oder Kroos durch kluge Pässe das Gegenpressing auflösen oder im Spielaufbau die Mittelfeldlinie der Dortmunder überspielen konnten. Danach wurden die Angriffe mit viel Tempo ausgespielt, häufig versuchte Real diagonal zu verlagern und so Bale oder Ronaldo auf der anderern Seite Platz zu verschaffen, wie auch das 0:1 aus Dortmunder Sicht zeigte.
2 Halbzeit

In der zweiten Halbzeit verlor Dortmund etwas an Intensität und zog sich etwas zurück. Nach der Halbzeit hatte Real mehr Kontrolle und bei Dortmund zeigten sich Schwächen in der Verteidigung, besonders mit Reals Hereingaben hatten sie Probleme, dies führte zu vielen Ecken bei Real und schlussendlich rächte sich die schlechte Strafraumverteidigung der Dortmunder beim Tor von Varane.
Tuchel reagierte und brachte mit Mor, Pulisic und Schürrle noch etwas mehr Tempo auf den Rasen, Dortmund wurde daraufhin wieder gefährlicher, besonders die Tempodribblings der Eingewechselten sorgte für kleine Probleme bei Real. Allerdings entwickelte Dortmund zu wenig Durchschlagskraft und wurde meist nur durch Distanzschüsse gefährlich.
Fazit
Abschließend lässt sich sagen, dass Dortmund definitiv auf sehr hohem Niveau mithalten kann und das Unentschieden  verdient war. Mit einer sichereren Defensive und konsequenter Chancennutzung wäre auch der Sieg möglich gewesen. Besonders deutlich wurde die Tiefe des BVB Kaders, alle drei Einwechslungen halfen dem BVB gegen Ende noch den Ausgleich zu erzielen. Man darf gespannt sein, wie sich die Dortmunder im Laufe der Champions League Saison entwickeln.

 

Kategorie Allgemein, Champions League, Spielanalysen

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