Anderlechts Jugendarbeit und die Probleme des belgischen Fußballs

Der belgische Fußball boomt seit einigen Jahren. Besonders in der Premier League sind belgische Spieler aufgrund ihrer Schnelligkeit und meist der körperlichen Robustheit gerne gesehen, Spieler wie Eden Hazard oder Vincent Kompany sind Leistungsträger bei den Topclubs der Premier League. In Deutschland sind belgische Fußballer eher eine Ausnahme, obwohl mit Kevin de Bruyne 2015 ein Belgier Spieler des Jahres wurde und danach für eine astronomische Summe von kolportierten 75 Millionen verkauft wurde, natürlich in die Premier League zu Manchester City.

Auch die belgische Nationalmannschaft hat großes Potenzial, konnte dies aber weder während der WM 2014 noch bei dem EM 2016 komplett zeigen, allerdings gehören sie trotzdem zur erweiterten Weltspitze. Mit Roberto Martinez soll nun in den nächsten Jahren der ganze große Wurf, ein Titel bei WM oder EM, gelingen.

Vereinsfußball international erfolglos

Allerdings wird auch eins schnell deutlich. Bei allem Erfolg des Nationalteams, die belgischen Clubs sind auf europäischer Bühne eher kleine Außenseiter. Seit Jahren hat kein Team aus Belgien mehr den Sprung in die K.O. Phase der Champions League geschafft. Der Grund ist, eigentlich alle belgischen Topspieler wechseln frühzeitig ins Ausland oder verlassen bereits in der Jugend Belgien wie beispielsweise Eden Hazard.
Die belgischen Clubs haben ihr Los scheinbar angenommen und versuchen das beste aus der Situation zu machen. Insbesondere der RSC Anderlecht, das Aushängeschild Belgiens versteht sich als Club der junge Spieler ausbildet und teuer verkauft. Spieler wie Vincent Kompany, Romelu Lukaku oder Adnan Januzaj stammen aus der Jugendabteilung Anderlechts. Der Nächste, der auf dem Sprung ins Ausland ist, heißt Youri Tielemans. Er debütierte bereits mit 16 Jahren für die Profimannschaft und wurde beispielsweise auch schon mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht.

Ausbilderverein RSC

Der RSC Anderlecht konzentriert sich also voll auf die Ausbildung von jungen Spielern. Das Ergebnis lässt sich sehen. Die U19 stand in der letzten Saison im Halbfinale der UEFA Youth League und stellte mit Iseka den besten Torjäger.
Anderlecht geht bei der Jugendausbildung auch oft unkonventionelle Wege, in dem 2011 fertiggestellten Jugendzentrum Neerpede, in dem 220 Spieler zwischen 6 und 21 ausgebildet werden, herrscht ein Verbot von Grätschen bis zur U21.
Die Philosophie ist auf Ballbesitz- und Offensivfußball ausgelegt. Alle Jugendteams sollen Ballbesitzwerte um die 70% haben und stehts offensiv spielen.
Erstaunlich ist, dass alle Jugendteams in einer 3-4-3 Formation agieren, und nicht weil die erste Mannschaft diese Formation bevorzugt, sondern weil man die jungen Spieler vor größere Herausforderungen stellen will. In einer Dreierkette müssen die einzelnen Verteidiger viel mehr Raum abdecken als in einer Viererkette.
Neben dem fußballerischen steht auch die Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund. Die Spieler sollen lernen sich Herausforderungen zu stellen und diese zu meistern. Auch möchte man den Jugendlichen eine Siegermentalität einimpfen. Doch genauso sollen die Spieler verantwortungsbewusst und selbstständig werden.

Zusammenarbeit mit den Schulen

Die Jugendlichen dürfen sich nicht nur auf den Fußball konzentrieren, sondern müssen sich frühzeitig auch Gedanken um einen Plan B machen. Der RSC Anderlcht achtet sehr darauf, dass die Spieler auch gut in der Schule sind. Bei anhaltenden schlechten Noten, müssen sie im Training kürzer treten oder auch einfach mit dem Training für eine Weile aussetzten.
Um den Jugendlichen ihren Alltag aber zu erleichtern, arbeitet der RSC mit verschiedenen Partnerschulen zusammen. Die Jungs bekommen extra Unterricht und können so alle ihre Trainingseinheiten wahrnehmen. Auch wird unter der Aufsicht von RSC-Trainern extra Techniktraining im schulischen Umfeld angeboten.

Probleme für die belgischen Clubs

Allerdings haben viele belgische Clubs, nicht nur der RSC Anderlecht mit dem Problem zu kämpfen, das viele Jugendspieler schon mit 15-17 Jahren den Club für kleines Geld verlassen. Einige Jahre später sind sie viele Millionen wert, allerdings sehen die Ausbildervereine davon nur wenig. Ebenso helfen diese jungen Spieler auch der Kampfmannschaft nicht mehr, was ein Mitgrund für die Erfolglosigkeit der belgischen Clubs auf europäischer Bühne ist. Die Clubs kämpfen darum, dass die Talente in Zukunft bis 22 oder 23 warten ehe sie wechseln, damit die belgischen Teams nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sportlich in Zukunft wieder stärker sind.

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