Holländische Mannorientierungen in Mailand

Nach einer seltsamen Vorbereitung samt Trainerentlassung kam Inter nur schwer in die Saison, nach einer Niederlage gegen Chievo Verona und einem Unentschieden gegen Palermo, konnte man gegen Pescara immerhin den ersten Sieg feiern, um sich danach zu Hause in der Europa League mit einer Niederlage gegen Hapoel Beer Sheva aus Israel zu blamieren. Die Vorzeichen vor dem Klassiker gegen Juventus Turin waren äußerst schlecht, jedoch wusste Inter zu überraschen. Am Ende siegten die Nerrazurri mit 2:1 gegen die dominierende Mannschaft der letzten Jahre in Italien.

Während das Offenisvspiel weiterhin nicht wirklich gut und produktiv war, konnte Inter vor allem in der Defensive überzeugen. Juventus gelangen in 90 Minuten nur zwei Schüsse aufs Tor. Juventus fand meist kein Mittel, das Pressing Inters zu überwinden und sich mit einem sicheren Spielaufbau Chancen zu erarbeiten.

Juve mit Dreierkette

Massimiliano Allegri nutze auch in diesem Spiel eine Dreierkette, die von Neuzugang Benatia, Chiellini und dem spielstarken Bonucci besetzt wurde. Davor agierte Pjanic als Sechser, während Khedira und Kwadwo Asamoah die Achter Positionen besetzten. Die beiden Wingbacks waren rechts Stephan Lichtsteiner und links Alex Sandro, im Sturm agierten Paulo Dybala und der Ex-Münchner Mario Mandzukic.

Inter agierte im für de Boer typischen 4-3-3. Miranda und Murillo agierten als Innenverteidiger, während Santon und D´Ambrosio als Außenverteidiger aufliefen. Medel als Sechser und Joao Mario und Ever Banega spielten im Mittelfeld. Im Sturmzentrum lief Mauro Icardi auf, er wurde flankiert von Eder und Candreva.

Inter presst hoch

Inter Mailand lief Juves Dreierkette immer wieder früh an und unterbund ein ruhiges Aufbauspiel.

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Icardi lief meist früh Bonucci als zentralen Verteidiger an, bei einem Querpass wurde Benatia sofort von Eder unter Druck gesetzt. Icardi lief bei einem Querpass den Halbverteidiger, in diesem Beispiel Benatia mit an, der ballferne Flügelspieler rückte weit ein und orientierte sich meist an Pjanic, der nicht nur mannorientiert verfolgt wurde, sondern auch gelegentlich in Icardis Deckungsschatten landete, jedoch hauptsächlich vom ballfernen Flügelspieler und dem zentralen Mittelfeldspieler bei Inter, meist Gary Medel bewacht wurde, der immer wieder auf Pjanic herrausrückte.

Die Mittelfeldspieler von Inter agierten mit meist klaren Zuteilungen und verfolgten die Achter von Juves 3-5-2 mannorientiert. Der ballferne Achter rückte leicht ein, konnte den Raum für Medel besetzten, wenn er vorrückte, agierte  als freier Mann im Mittelfeld oder stopfte Löcher, wenn sich Dybala fallen ließ und von Medel übernommen wurde.

Der ballnahe Außenverteidiger von Inter rückte, bei einer Verlagerung auf den Halbverteidiger, auf Juves Wingback heraus, während der ballferne Außenverteidger einrückte. Überraschend war, das die Innenverteidger Miranda und Murillo meist Mann gegen Mann verteidigten, solange sich Dyballa im Sturmzentrum aufhielt. Dabei wurden die Stürmer von Juve bei Pässen auf sie, verfolgt und bei der Ballannahme bereits unter Druck gesetzt.

Die Mannorientierungen bei Inter waren deutlich, aber immer nur kurzfristig. Durch das mannorientierte Pressing entstanden zwar immer wieder Lücken hinter dem Mittelfeld, die Juventus auch fand, allerdings wurden die langen Bälle auf Mandzukic oder Dybala meist gut verteidigt, die Innenverteidiger schafften es Juves Angreifer unter Druck zu setzten, dabei schafften sie es zwar selten den Ball zu erobern, allerdings wurden Pässe der beiden Stürmer ungenau oder landeten bei Inters Mittelfeldspieler.

Gute Kompaktheit, Probleme bei Juve

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Wenn das Pressing nicht funktionierte, dass heißt Juve schlug keinen langen Ball, zog sich Inter zurück. Sie positionierten sich im tiefen Mittelfeldpressing. Meist agierten sie in einer 4-4-1-1/4-5-1 Mischformation, je nachdem wie hoch Eder stand. Auch das tiefe Mittelfeldpressing war geprägt von vielen Mannorientierungen, ein typisches Stilmittel für die niederländische Eredivise, in der Frank de Boer zuvor als Trainer von Ajax Amsterdam tätig war.

In der oberen Situation werden die Wirkungen der Mannorientierungen deutlich. Ein achter von Juve stößt vor, Dybala lässt sich fallen. Beide werden kurz mannorientiert, dann aber im Raum stehen gelassen. Es handelt sich auch nur um Mannorientierungen, kein Verfolgen eines Gegenspielers über den ganzen Platz. Durch das kurze Verfolgen, verpuffen die beiden Aktionen der Juve Akteure, sie sind deswegen trotzdem nicht frei, und konnten die Defensive von Inter auch nicht vor große Probleme stellen.

Daraufhin spielt der rechte Halbverteidiger einen Pass auf den Sechser namens Pjanic, er hat Raum und Zeit, und wird zuerst nicht richtig attackiert, allerdings ergeben sich für ihn keine Passoptionen zwischen den Linien von Inter, er verlagert das Spiel auf den linken Wingback, der aber sofort von Inters Außenverteidiger attackiert wird. Schlussendlich hat Inter die Situation im Griff und kann eine ungefährliche Flanke von Juve klären.

Juventus Turin hatte das Problem, dass ihnen die Mittel fehlten, die Mannorientierungen von Inter zu knacken und gefährlich in die Formation der Nerrazurri einzudringen. Die wenigen Freilaufbewegungen bei Juve wurden von Inters Mannorientierungen aufgefangen. Juventus schaffte es so das ganze Spiel über Offensiv nicht gefährlich zu werden.

Fazit

Schlussendlich lässt sich sagen, dass Inters Sieg in Ordnung ging. Ihr Pressing war gut an Juves Dreierkette angepasst und sie schafften es mit vielen Mannorientierungen Juventus Angriffe zu verteidigen. Was bleibt ist, dass in der Offensive Inter noch die Mechanismen fehlen, sie sind von Einzelaktionen und genialen Momenten von beispielsweise Icardi, Banega oder Perisic abhängig. Defensiv konnte de Boer sein Team bereits verbessern, auch im Angriffsspiel zeigte sich Inter im Vergleich zu den ersten zwei Spieltagen etwas verbessert, allerdings braucht de Boer noch sehr viel Zeit, um Inter konstant erfolgreich zu machen.

Kategorie Allgemein, International, Spielanalysen

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