Stärken maximieren: Ancelottis mögliche Änderungen

Wie ich bereits in meinen letzten Artikeln anmerkte haben die Bayern aktuell noch Probleme im Positionsspiel, was sich auf der einen Seite auf ihre Spieleröffnung auswirkt, andererseits auch auf ihr Spiel im zweiten und letzten Drittel. Ebenso hat Ancelotti es noch nicht geschafft alle Spieler gemäß ihrer Stärken perfekt einzubinden und damit das Spiel auf eine höhere Ebene zu hieven.

Ancelottis Idee

Die grundsätzliche Idee von Carlo Ancelotti ist simpel. Die Außenverteidiger der Bayern sollen die Breite geben und recht hoch stehen, um den Gegner nach hinten zu drücken. Die Achter im 4-3-3 schieben weit nach außen und übernehmen die Position der Außenverteidiger. Zusammen mit dem Sechser soll in der ersten Phase des Aufbauspiels, bei Ballbesitz der Innenverteidiger eine 2-3 Formation enstehen, um möglichst viele Dreiecke zu bilden und eine sichere Ballzirkulation zu gewährleisten. Die nominellen Flügelspieler sollen in den Halbraum schieben. Dadurch entsteht zwei Rauten. Der Innenverteidiger hat nun jeweils zwei diagonale Anspielstationen (Achter und Sechser) und eine Vertikale (Flügelspieler).

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Im Notfall können die Innenverteidiger immer noch einen Pass auf die Außenverteidiger, bei kurzem Entgegenkommen, spielen, Manuel Neuer mit einbinden oder Lewandowski mit einem langen Ball suchen.

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Hier dazu die entsprechenden Laufwege

Aktuelle Probleme

Soweit die Idee von Ancelotti, in der Realität haben die Bayern aktuell noch mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Oftmals sind die Halbräume und der Zehnerraum unbesetzt, der Rekordmeister lässt sich dadurch zu leicht nach außen drängen und dort isolieren. Macht der Gegner weniger Druck schafft es Bayern nicht in die Formation hineinzuspielen, sondern lässt den Ball in einem U zirkulieren.

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Darüberhinaus stehen die Achter sehr breit und lassen dadurch das Zentrum verwaisen, eine Verbindung zwischen dem Sechser und den Achter gibt es nicht konstant, ebenfalls stehen die Außenverteidiger nicht so hoch, da die Flügelspieler nicht konstant einrücken. Die Bayern lassen sich dadurch oft aus dem Zentrum drängen und haben auf den außen recht viele Spieler, da der Gegner die Bayern auf dem Flügel leicht isolieren kann, fällt es Bayern öfters schwer, hinter die Linien des Gegners zu kommen.

Wer mehr wissen möchte, ich habe bereits selbst zwei Artikel zu Bayerns Problemen im Positionsspiel geschrieben, außerdem seien jedem die Artikel auf Miasanrot ans Herz gelegt. Einmal werden Ancelottis Neuerungen beschrieben, in einem anderen Artikel geht es um die Probleme in Zone 14.

Möglichkeiten, um Probleme zu lösen

Ich möchte hier nicht für mich beanspruchen, das diese Optionen wirklich in der Praxis funktionieren würden, geschweige den, das sie Bayerns Probleme lösen könnten. Allerdings versuche ich es trotzdem einmal.

Meiner Meinung nach ist es wichtig die Stärken der einzelnen Spieler zu maximieren und ihre Schwächen zu minimieren. Aus diesem Grund ist ein stark symmetrisches System in München nicht unbedingt ideal.

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Wie bereits festgestellt, fehlt es den Bayern an Präsenz in den Halbräumen. Ausgehend von Ancelottis 4-3-3, müssten einige Änderungen in der Positionierung der Spieler vorgenommen werden.

Auf rechts könnte Philipp Lahm wieder als einrückender Außenverteidiger agieren und den rechten Halbraum besetzten. Robben würde rechts das Breitegeben übernehmen, da er sein gewohnter Ablauf ein diagonales Dribbling in den Zwischenlinienraum, Richtung Tor, ist. Für Robben ist es eher schwierig den Ball mit Rücken zum Tor im Halbraum zu erhalten, während Lahms Fähigkeiten im Passspiel zentral besser genutzt werden können. Im weiteren Angriffverlauf kann Lahm dann Robben bei Dribblings absichern und wieder etwas nach außen rücken.

Auf der anderen Seite würde Ribery konstanter einrücken, der Franzose fühlt sich auch im Zentrum und zwischen den Linien des Gegners etwas wohler als der Niederländer auf rechts. Riberys verschiedene ausweichende Läufe können einrückend besser genutzt werden.Vor allem  kann Ribery kurzzeitig den aktuell meist unbesetzten Zehnerraum füllen. Alaba würde erstmal eine vertikale Rolle auf der linken Seite einnehmen, sollte Ribery aber mal den linken Flügel besetzten, kann Alaba mit diagonalen Läufen aus der Tiefe für Gefahr sorgen. Durch seine Athletik und Technik ist ein Vorderlaufen von Ribery sinnvoller, als ein Hinterlaufen des Franzosen, da Alaba so auch in den Strafraum eindringen kann und mit flachen Hereingaben Gefahr erzeugen kann.

Robert Lewandowski muss wieder beweglicher werden, dass heißt mehr ausweichende Bewegungen, auch mal kurz in den Zehnerraum fallen lassen, damit man den Polen wieder besser ins Kombintionsspiel einzubinden.

Auch die Achter würden passend zu den Außenverteidigern asymmetrisch agieren. Während der rechte Achter aufgrund von Lahms Einrücken weiter nach vorne rücken könnte, und somit den Zehnerraum mitbesetzten würde, würde sich der linke Achter tiefer aufhalten, Alabas weites Aufrücken absichern und das Spiel aus der Tiefe ankurbeln. Er wäre gleichzeitig mit Lahm zusammen auch für die Verbindung der Innenverteidiger und dem Sechser mit der Offensivabteilung zuständig.

Der Sechser hingegen würde sich zumeist zentral anbieten, möglichst hinter der ersten Linie des Gegners, könnte aber bei höherem Pressing des Gegners auch zwischen die Innenverteidiger abkippen, die im allgemeinen breiter als aktuell agieren würden.

Zu guter letzt, wäre auch eine vermehrte Einbindung von Manuel Neuer sinnvoll, um Überzahl zu schaffen.

Fazit

Diese Aufstellungsmöglichkeit ist nur eine von vielen, auch die eingesetzten Spieler und ihre genaue Position kann verändert werden, beispielsweise Müller einbauen, Alonso oder Thiago als Sechser oder Coman auf links und dadurch etwas symmetrischer. Wichtig dabei ist vor allem, dass Ancelotti kleinere Anpassungen vornehmen sollte, um die Stärken der einzelnen Spieler besser nutzen zu können und die strategischen Probleme der Münchner zu lösen.

 

 

 

Kategorie Allgemein, Aspektanalyse, Portraits

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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