Das Rautenspielfeld

Ich möchte in nächster Zeit gelegentlich mal eine Trainingsübung/Spielform vorstellen, die ich im Training bereits genutzt habe. Kurz zu mir, ich bin hobbymäßig Trainer der D-Jugend meines lokalen Klubs. Mit meiner D-Jugend probiere ich immer wieder einzelne Spielformen aus, nicht immer mit Erfolg, aber ich merke in den Spielen, dass sich die Jungs weiterentwickelt haben. Ob das an den Spielformen allein liegt, kann ich nicht beweisen, allerdings habe ich das Gefühl das die Trainingsgestaltung von mir bisher sinnvoll war. Deshalb möchte ich hier einzelne Übungen vorstellen.

Aufbau der Spielform

Diese Spielform habe ich mir bei Thomas Tuchel abgeschaut und mit anderen Spielfeldmaßen und weniger Regeln umgesetzt.

Video von Ruhr Nachrichten

Wie im Video zu erkennen, schnitt Thomas Tuchel die Seiten seines Spielfeldes ab. Man kann also sagen, es wurde in einer Raute gespielt.

raute-aufbau

Ich vergrößerte das Spielfeld, da meine Spieler noch sehr jung und dementsprechend noch nicht so stark unter Druck sind. Wir spielten im 7vs7 auf die D-Jugendtore. In der D-Jugend wird 9vs9 auf ein verkleinertes Feld und kleinere Tore gespielt. Von uns Trainern wurden keine Sonderregeln wie eine maximale Ballkontaktzahl vorgegeben. Allerdings besprachen wir die Ziele der Spielform bevor wir starteten. Wichtig ist uns, ein Kombinationsspiel mit vielen Dreiecken und Spielern die das Spielfeld breit machen im Spielaufbau. Im vorderen Drittel wollen wir schnell Spielen mit vielen Ablagen und Pässe auf unsere Flügelspieler die in die Mitte ziehen. Für das Defensivspiel gab es keine richtigen Vorgaben, außer das schnelle Umschalten nach Ballverlust. Da wir diese Spielform erst gegen Ende des Trainings durchführten, war die Konzentration für das Zuhören nicht mehr so groß.

Die Spielform ließen wir 3×8 Minuten mit jeweils 2×2 Minuten Pause. In den Pausen nannte ich nur kurz ein bis zwei Punkte die mir auffielen, sonst war kurzes ausruhen angesagt. Während der Spielform coachten wir sporadisch, um einzelne Aspekte zu verbessern, brüllten aber keine Dinge wie: „Spiel jetzt, geh in den Zweikampf“ o.ä. die Spieler sollen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Allerdings hielten wir das Spiel gelegentlich kurz an, um anhand von speziellen Situationen taktische Punkte zu nennen.

In den ersten 8 Minuten ließen wir ohne irgendwelche Regeln spielen. In den zweiten 8 Minuten galt die Regel maximal drei Ballkontakte. In den letzten 8 Minuten spielten wir wieder ohne Zusatzregeln und fuhren auch das Coaching runter. Die Jungs sollten alleine spielen und Entscheidungen treffen. Zu unserer Zufriedenheit setzten sie bereits ein paar der besprochenen Punkte um.

Wo lang der Schwerpunkt 

Wir hatten drei Punkte, die wir verbessern wollten.

Der erste Punkt, unsere Flügelspieler machen das Spielfeld im Spielaufbau nicht breit und sind dadurch keine diagonale Anspielstation für unsere Innenverteidiger. Dadurch versperrte unser eigener Flügelspieler die Anspielstation auf den Richtung Ball schiebenden Stürmer.

Rautenspielfeld

Durch die breite Position des Flügelspielers hat unser Innenverteidiger drei Anspielstationen. Den Stürmer als Vertikale und den Flügelspieler und den Sechser als diagonale Anspieloption. In diesem Spielfeld wird automatisch noch der richtige Winkel für den Pass auf den Flügelspieler und auch die Positionierung des Flügelspielers wird verbessert, da er sich so breit wie möglich anbieten soll, positioniert er sich an der geraden Seite des Spielfeldes.

Dieses Schema in der Spieleröffnung wurde von uns explizit kurz angesprochen und durch implizites Lernen während der Spielform gefestigt. Gegen Ende positionierten sich die Flügelspieler automatisch breit.

Unser zweiter Punkt war die Unterstützung des zentralen Mittelfeldspielers und des Stürmers bei Ballbesitz des Flügelspielers. Oftmals passt hier die Unterstützung nicht und die beiden Zentralen unterstützen den Flügelspieler nicht oder nur wenig, was zur Isolation führt. Dies wurde von uns immer wieder angesprochen allerdings schafften die Jungs es nicht konstant umzusetzen, für meinen Geschmack zu oft, musste der Flügelspieler in Dribblings gehen.

Der dritte Punkt betraf unser Offensivspiel. Zu oft spielen wir noch vertikal über die Flügel, um dann auf den Außen hängen zu bleiben. Selten kommen wir durch einen Pass hinter die Linien. Zum einen liegt es daran, dass wir nicht oft genug kontrolliert ins letzte Drittel kommen, um den Pass in die Tiefe zu spielen, zum anderen bewegen sich unsere Flügelspieler nicht ohne Ball diagonal in die Tiefe.

Rautenspielfeld

Durch das diagonale Spielfeld wurden die Spieler dazu gezwungen diagonal und nicht vertikal in die Tiefe zu starten. Die Pässe in die Tiefe wurden dann auch immer wieder gespielt. Häufig war noch zu beobachten, dass wir versuchten vertikale Pässe über außen zu spielen. Ein ums andere Mal liefen Spieler mit dem Ball ins Aus oder der Pass landete ohne Ballberührung des Empfängers im Seitenaus.

Bei unserem ersten Mal schafften wir es nur gelegentlich mal nach einer Seitenverlagerung den Flügelspieler in eine gute Schussposition zu bringen, sonst schafften wir es erst nach einigen Wiederholungen dieser Spielform im Training mal mit einem diagonalen Lauf und einem Pass in die Tiefe gefährlich zu werden.

Fazit

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit der Reaktion meiner Spieler auf das ungewohnte Spielfeld. Nach ein paar Wiederholungen im Training konnte man auch Fortschritte in den genannten Punkten sehen. Klar ist auch, dass mit einer D-Jugend natürlich kein klar strukturiertes Spiel möglich ist, was auch nicht unser Ziel ist, da die Spieler trotzdem noch selbst kreativ sein sollen. Mit solchen Spielformen möchten wir implizit einige Verhaltensmuster einüben, um den Spielern für das Spiel Richtlinien mitzugeben und ihren Erfahrungsschatz erweitern. In den folgenden Trainingseinheiten bauten wir noch Sonderregeln wie Ballkontaktanzahl oder auch neutrale Spieler ein.

Kategorie Spielformen, Training

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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