Mannorientierungen und Pressingfallen Das ist das Pressing von Jorge Sampaoli

Im Sommer übernahm Jorge Sampaoli das Zepter in Sevilla. Nach drei erfolgreichen Jahren in der Europa League mit Unai Emery, wollte man in Sevilla nun auch mehr Erfolg in der Liga. Nachdem Emery nach Paris gegangen war, entschied man sich für Sampaoli, der davor bereits bei Chelsea im Gespräch war. Sampaoli ist einer der Schüler von Marcelo Bielsa. Charakteristisch besonders das aggressive Pressing und die vielen verschiedenen Systeme. Jedoch muss man sagen, dass Jorge Sampaoli seinen eigenen Stil fand und diesen nun konsequent auf die andalusische Mannschaft überträgt.

In einem berauschenden Spiel schlug die Mannschaft von Sampaoli am letzten Wochenende Atletico Madrid, dieses Wochenende gab es aber nur ein Unentschieden gegen Sporting Gijon. Alles in allem steht man aber gut da, auf Platz vier in Schlagdistanz zu den großen spanischen Drei. Wie bereits erwähnt wurde Jorge Sampaoli in Teilen von Marcelo Bielsa, der auch in Europa durch seine unkonventionelle Art bekannt wurde, beeinflusst. Insbesondere den Ansatz, wie Biesla das Pressing spielen lässt, hat Jorge Sampaoli übernommen.

Eine große Rolle im Pressing der Andalusier spielen die vielen Mannorientierungen und die schnelle Verknappung des Raumes, indem sich der Ball gerade befindet. Durch die Mannorientierungen steht der Gegner stehts unter Druck und wird zum schnellen und klugen handeln gezwungen, was oftmals nicht so leicht ist. Trifft der Gegner eine falsche Entscheidung, spielt beispielsweise einen Mitspieler in einem Raum ohne weitere Passoptionen an, wird der Empfänger sofort unter Druck gesetzt und gejagt, dabei wird auch mal gedoppelt oder getrippelt, was sich vom europäischen Pressingansatz doch unterscheidet. Gerade deswegen arbeitet Sampaoli auch immer wieder mit Pressingfallen. Dem Gegner wird also eine Anspielstation angeboten, erhält dieser aber den Ball, befindet er sich schnell gegen drei Andalusier. Doch wie sieht ein solcher Pressingablauf aus?

Der Stürmer teilt das Spielfeld

Wichtig ist zuerst, dass der Gegner auf eine Spielhälfte gedrängt wird, um auch am Ende des Tages in die Pressingfalle zu tappen.

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Vietto teilt das Spielfeld

Wie man den Gegner auf eine Hälfte drängt ist an dieser Szene gut zu erkennen. Luciano Vietto läuft den ballführenden Innenverteidiger bogenförmig an. Dadurch nimmt der den anderen Innenverteidiger in den Deckungsschatten und drängt den Ballführenden dazu, sich auf die linke Spielhälfte zu konzentrieren. Zusammen mit der Mannorientierung von Samir Nasri gegen den gegnerischen Sechser ist es sehr schwierig für die gelbe Mannschaft durch einen flachen Pass auf ihre rechte Seite zu gelangen.

Hier gut zu sehen wie Sevilla durch die Mannorientierungen und den bogenförmigen Lauf von Vietto fünf gegnerische Spieler fast komplett aus dem Spiel nimmt.

Auch die Mannorientierungen und das Anlaufen der einzelnen Spieler sorgt für ständigen Gegnerdruck.

Cleveres Anlaufen und die Pressingfalle

pressing-grafik  Den roten Raum bietet Sevilla dem Gegner an

Die Abläufe im Pressing inklusive Mannorientierungen sind angepasst. Gegen Atletico Madrid agierte Sevilla im Pressing beispielsweise in einem 3-4-3, was durch die einzelnen Mannorientierungen selten wirklich zu beobachten war. Einer der Achter (meist Samir Nasri) orientiert sich wie hier am gegnerischen Sechser, sollte es einen zweiten Sechser geben, orientiert sich hier entweder Vazquez oder N´Zonzi an jenem. Normalerweise ist    N´Zonzi aber für das Abfangen von Bällen vor der Abwehr zuständig. Die Wingbacks der Viererkette im 3-4-3 orientieren sich an den gegnerischen Flügelspielern während die zwei Flügelstürmer bei Sevilla die gegnerischen Außenverteidiger im Blick behalten. Auch die Verteidiger der Dreierkette agieren recht mannorientiert.

In der obigen Grafik wird deutlich, dass durch die Mannorientierungen ein großes Loch entsteht (rot) was aber als Pressingalle getarnt ist. Dem Ballführenden wird nur ein Pass auf den RM ermöglicht, aufgrund des Anlaufens von Vietto hat der Innenverteidiger kaum Zeit zu überlegen und spielt den Pass auf den eingerückten Flügelspieler.

Die Pressingfalle schnappt zu

Der Pass auf den RM löst ein schnelles Zusammenziehen der ballnahen Spieler von Sevilla aus.

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Die Pressingalle schnappt zu und es wird sofort Druck ausgeübt

Aufgrund des vertikalen Passes rückt Mercado sofort raus, um ein Aufdrehen des RM zu verhindern. Außerdem zeigt sich schnell wieso der rot markierte Raum ein Vorteil für Sevilla bedeutet. In diesem Raum haben sie eine große Überzahl. N´Zonzi schiebt sofort mit in den Halbraum und verhindert einen Pass auf einen der Stürmer. Mercado macht Druck und zwingt den RM dazu einige Meter nach hinten zu machen. Nasri, Mariano und Vazquez laufen sofort an und haben dabei ihre Gegenspieler im Deckungsschatten. Vietto stellt den Pass nach hinten zu. Der RM wird sofort gejagt und muss ins Dribbling gegen vier Gegenspieler, hat dabei kaum Raum und Zeit und verliert deshalb schlussendlich den Ball.

Fazit

Sampaoli setzte sofort seine Ideen um. Nachdem er im Sommer begann, verbesserte sich das Ballbesitzspiel und auch im Pressing sind man seine Handschrift. Es geht vor allem darum den Gegner ständig unter Druck zu setzen, ihm wenig Zeit zu geben und ihn in Räume zu drängen, in denen er in Unterzahl ist. Sampaoli spielt oftmals sehr riskant, mit einer echten Dreierkette und vielen 1vs1 Situationen. Doch aufgrund ihres starken Pressings und Gegenpressings sind sie oft recht stabil. Natürlich benötigt das Projekt Sampaoli noch Zeit, allerdings sind sie bereits jetzt ein extrem unangenehmes und gefährliches Team. Am Sonntag treffen sie zu Hause auf den FC Barcelona und können da ihre Klasse wieder unter Beweis stellen.

Kategorie Allgemein, Aspektanalyse, Kleine Einblicke

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