Kleine Einblicke: Gisdols Pressing scheitert, Hamburg geht unter

Der HSV wurde nach seiner 2:5 Niederlage gegen Dortmund an diesem Wochenende für Tod und abgestiegen erklärt. Die Fans extrem wütend, auch zurecht, mit teils haarsträubenden Fehlern halfen sie kräftig mit, dass Dortmund einen lockeren Samstag Nachmittag verlebte und sich mit drei Punkten wieder auf die Heimreise begeben konnte. Allerdings wenn man das Spiel genauer betrachtet, war der HSV gar nicht so extrem unterlegen. Besonders nach dem frühen 0:1 hatten sie eine stärkere Phase und schafften es den BVB vom eigenen Sechzehner fernzuhalten, nur um dann mit individuellen Fehlern vieles ihre gute Phase kaputt zu machen. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick auf das Pressing der Hamburger und insbesondere die vielen Mannorientierungen.

Viele Mannorientierungen und gutes Lenken

Der HSV spielte sehr mannorientiert, fast schon überall auf dem Feld 1vs1. Neu-Trainer Markus Gisdol übernahm auch Tuchels 3-4-2-1 um auf dem Feld klare Zuteilungen zu schaffen. Die Mannorientierungen waren in manchen Phasen übertrieben und ließen den HSV instabil werden, da sie sich zu weit aus ihrer Position ziehen ließen.

Nicht zu vergleichen mit dem Meister der Mannorientierungen.

Allerdings schafften sie es das Dortmunder Aufbauspiel für einige Zeit lahm zu legen. Dabei rückten die Hamburger Sechser Jung und Sakai auf Castro und Rode und verfolgten sie. Die Dreierreihe davor schaffte es immer wieder die Sechser der Dortmunder in den Deckungsschatten zu nehmen und so die Dreierkette der Dortmunder anzulaufen.

Mannorientierungen

Hier deutlich zu sehen. Der Sechserraum (rot) wird vom HSV kontrolliert, dort hat er eine 5vs2 Überzahl und schaffte es den BVB zu langen Bällen oder vielen Pässen über den Flügel zu zwingen. Auch deshalb hatten die Dortmunder in der ersten Hälfte Probleme sich Chancen herauszuspielen. Viel passierte nur über lange Bälle und Dribblings über außen, da die Dortmunder kaum durch die Mitte kamen. Dies lang auch an Hamburgs recht intelligentem Lenken des Dortmunder Aufbaus.

hsv-pressingablauf

Der zentrale Innenverteidiger der Dortmunder wurde meist bogenförmig von Lassoga, der als zentraler Stürmer auflief, angelaufen. Sobald der Sokratis den Ball auf Ginter, den rechten Halbverteidiger spielte, wurde dieser von Hamburgs linkem Offensivspieler angelaufen, der den Passweg Richtung Sechserraum geschickt versperrte. Lassoga schloss gleichzeitig den Passweg auf Sokratis zurück. Der rechte Wingback der Dortmunder (Piszczek) wurde von Douglas Santos, dem Hamburger Wingback, bewacht. Während sich Hamburgs Halbverteidiger um den Zehner der Dortmunder, in diesem Fall Mor im Halbraum kümmerte. Meist blieb Ginter nichts anderes übrig, als mit einem langen Ball den Dortmunder im Halbraum anzuspielen. Oftmals fing Djourou den Ball durch aggressives Herausrücken ab, doch bereits hier zeigte sich die Schwäche der vielen Mannorientierungen.

Löcher durch Mannorientierungen

Denn, Djourou wurde oft weit aus der Position gezogen, hinterließ Raum der von Aubameyang auch mal genutzt werden konnte oder Djourou kam gegen Mor gar nicht an der Ball. Passierte dies war der HSV sehr anfällig, da er im ganzen Spiel Probleme mit den langen Pässen und Läufen der Dortmunder hinter ihre Abwehrlinie hatte.

Mannorientierungen

Wie bereits erwähnt ließen sich die Verteidiger des HSV weit aus der Position ziehen und mussten mit sehr viel Risiko Pässe abfangen. Nicht immer gelang dies. Durch ihr weites Herausrücken hinterließen sie regelmäßig Löcher in letzter Linie. Besonders oft nutzen die Dortmunder dies über Hamburgs rechte Seite aus, allerdings schaffte es auch Mor links sich gegen Djourou durchzusetzen, oder Aubameyang sprintete in dieses Loch. Da dann der HSV Geschwindigkeitsprobleme hatte, konnte sich so Dortmund einfach Chancen erspielen. Allerdings nutzten dies die Dortmunder in der ersten Hälfte kaum aus. Gingen trotzdem aufgrund von individuellen Fehlern des HSV mit einer 3:0 Führung in die Pause und gewannen schlussendlich das Spiel.

Fazit

Schlussendlich ist das Ergebnis sehr hart für den HSV, besonders nach dem 0:1 schafften sie es die Partie ungefähr ausgeglichen zu gestalten, allerdings machten sie danach zu viele Fehler. Die Dortmunder hatten Probleme durch die Mitte aufzubauen, der HSV verdichtete das Zentrum, auch die Besetzung der Doppelsechs mit Castro und Rode war nicht optimal. Besonders Rode ist nicht wirklich pressingresistent. Schlussendlich nutzten die Dortmunder allerdings die Schwächen des HSV aus und gewannen verdient, konnten aber besonders Defensiv nicht überzeugen. Der HSV hingegen befindet sich in der Krise, zeigte aber gegen den Ball halbwegs gute Ansätze, die aber nicht konsequent durchgezogen wurden bzw. auf die einzelnen Spielertypen besser angepasst werden müssen.

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