Die Roten Bullen kommen

Das Projekt RB Leipzig, in Deutschland aufgrund der 50+1 Regel nur RasenBallsport Leipzig genannt, ist eins der heiß diskutiertesten Projekte im deutschen Fußball. Besonders nachdem die Leipziger im Sommer den Aufstieg in die Bundesliga schafften. Besonders die Ultras vieler Vereine demonstrierten gegen das Projekt von Red Bull. Mit neuem Trainer in Person von Ralph Hasenhüttl starteten sie furios in die Saison und sind nach der Niederlage der Bayern gegen Dortmund erstmals Tabellenführer. Charakteristisch für die Philosophie von RB Leipzig und auch den anderen Red Bull Standorten, beispielsweise Salzburg, ist das aggressive Pressing und das starke Umschaltspiel. Um Leipzigs Pressing, das bisher viele Gegner vor extreme Probleme stellte, soll es heute gehen. 

Grundaufbau

RB Leipzig

Gut zu erkennen, Leipzig formiert sich gegen den Ball in einem 4-4-2/4-2-2-2. Meist agieren die Flügelspieler nicht auf einer Linie mit den Sechser, sondern etwas versetzt. Darüberhinaus steht Leipzig recht eng und schließt den strategisch so wichtigen Sechserraum fast vollkommen. Dadurch kontrollieren sie die Mitte des Spiels und können durch ihr Pressing das Spiel bestimmen. Ebenso wichtig ist die Höhe der Abwehr, zwischen dem Mittelfeld und der Abwehrkette ist meist wenig Platz, was zu einer starken vertikalen Kompaktheit führt. Die obere Grafik ist aus dem Spiel gegen Dortmund. Der Sechser Weigl ist umringt von Gegenspielern, während die Spieler zwischen den Linien der Leipziger kaum anspielbar sind.

Die Leipziger pressen nicht dauerhaft aggressiv und zwingen den Gegner sofort zum langen Ball. Vielmehr möchten sie den Ball hoch erobern, um einen kurzen Weg zum gegnerischen Tor zu haben. Dies ist nach einem langen Ball des Gegners schwierig. Deshalb formiert sich der Leipziger Block rund um die Mittellinie. Primäres Ziel ist es den Sechserraum zu schließen und diagonale genauso wie vertikale Pässe zwischen ihre eigenen Linien zu verhindern. Sollte beispielsweise der Sechser doch mal angespielt werden, rückt sofort ein Leipziger Sechser heraus und die Stürmer pressen rückwärts, dies führt dazu, dass der gegnerische Sechser meist kaum Zeit hat sich zu drehen und eine Entscheidung zu fällen.

Pressingauslöser

Wichtig für Leipzigs Pressing, ist ein Pressingauslöser. Durch eine bestimmte Aktion des Gegners beginnt Leipzig mit einem aggressiven Pressing, verengt den Raum stellt jede Anspielstation nach vorne. meist auch zur Seite zu. Der Ballführende soll isoliert werden und zum Ballverlust gezwungen werden. Solche Auslöser können beispielsweise ein Pass nach außen, eine schlechte Ballannahme, ein Innenverteidiger ohne Anspielstation sein oder der Gegner rückt schlicht zu weit auf.

An der folgenden Situation im Spiel gegen Dortmund werden die Prinzipien des Leipziger Pressings deutlich.

RB Leipzig

Pass von Bartra auf Sokratis, Leipzigs Stürmer erhält Zugriff

Nach einem Pass von Marc Bartra auf Sokratis, läuft der Grieche noch einige Meter. Poulsen, der Leipziger Stürmer kann Druck ausüben und läuft den Griechen bogenförmig an. Gleichzeitig spekuliert der Flügelspieler der Leipziger schon ein wenig auf einen Pass nach außen, allerdings ohne die Kompaktheit der Leipziger zu gefährden. Das Anlaufen von Poulsen löst aber bereits das plötzliche aggressive Pressing der Leipziger aus.

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Plötzliches aggressives Anlaufen der Leipziger

Der Pass nach außen kommt mangels Anspielstation und Druck von Poulsen. Der linke Flügelspieler läuft sofort aggressiv an. Der Rest des Mittelfelds verschiebt schnell auf die linke Seite. Auch wichtig, der linke Außenverteidiger bewacht den Flügelspieler der Dortmunder und der Innenverteidiger achtet auf den Dortmunder im Zwischenlinienraum. Wie bereits erwähnt versuch Leipzig den Gegner nach außen zu leiten und den Raum dort schnell eng zu machen, deswegen wird schnell verschoben. Dortmund baute zum Teil mit einer Dreierkette, was ein Pressing mit zwei Stürmern erschwert. Allerdings schaffen es die Leipziger den rechten Verteidiger (Rode) zu isolieren.

Der Druck lässt nicht nach

RB Leipzig

Da Werner nicht weit verschob, ist sein Weg kürzer und er kann Bartra sofort unter Druck setzen

Die Dortmunder schaffen es noch das Spiel zu verlagern, allerdings rücken dabei die Leipziger noch weiter auf, Werner kann Bartra schnell unter Druck setzen, da er nicht soweit mit auf Dortmunds rechte Seite verschob. Die Leipziger schaffen es durch das Aufrücken den Raum rund um Bartra noch weiter zu verengen. Schlussendlich hat dieser keine Anspielstation mehr und muss zu einem Befreiungsschlag greifen, den die Leipziger aber bereits im Mittelfeld abfangen können und nun schnell in Richtung des Dortmunder Tors spielen.

Fazit

Die sauberen Abläufe und die hohe Intensität des Leipziger Pressings sind wirklich beeindruckend. Besonders gefährlich ist das Pressing aufgrund der plötzlichen Tempowechsel. Der Gegner wird nach einer bestimmten Aktion, die das Pressing der Leipziger auslöst fast schon überrumpelt und hat sehr wenig Zeit und Raum, um sich aus dem Pressing zu befreien. Das so gut funktionierende Pressing ist einer der Grundbausteine für Leipzigs Höhenflug. Bedingt durch den teils nicht perfekt strukturierten Spielaufbau von vielen Bundesligateams erobert Leipzig häufig weit vorne den Ball und wird so sehr leicht gefährlich. Es wird interessant zu beobachten sein, wie das noch junge Team auf Rückschläge und Anpassungen der Gegner auf ihren Spielstil reagieren wird. Klar ist allerdings, dass das Projekt Rb Leipzig auf Dauer sehr erfolgreich sein wird.

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Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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