Futsal. Zukunft für den Jugendfußball?

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Dies soll ein kurzer Erfahrungsbericht über die Anwendung von Futsalregeln im normalen Jugendfußball sein.

Die angewandten Regeln

Typisch für ein Hallenturnier bei den D-Junioren betrug die Spieldauer 10 Minuten. Es wurde 4vs4+Torwart auf Handballtore gespielt. Fliegende und unbegrenzte Wechsel waren erlaubt. Das Turnier war Teil der wfv-Hallenrunde. Dies hieß es waren 8 Mannschaften in der Halle und jeder spielte gegen jeden. In der Hallenrunde werden die Futsalregeln angewandt. Für jeden der sich hier nicht auskennt eine kurze Einführung. Der Torwart durfte den Ball nur abwerfen nachdem er ihn in der Hand hatte, dafür blieben ihm aber nur 4 Sekunden sonst gab es einen indirekten Freistoß für den Gegner. Auch bei allen anderen ruhenden Bällen galt die 4 Sekunden-Regel. Des Weiteren durfte der Torwart in Ballbesitz nur ein Mal angespielt werden. Er durfte erst wieder angespielt werden wenn der Gegner den Ball zwischendurch noch einmal berührte. Dafür durfte er aber über die Mittelline, um theoretisch als zusätzliche Anspielstation zu fungieren. Untypisch für Hallenturniere wurden lange Abwürfe des Torhüters über die Mittellinie nicht abgepfiffen. Das ganze Turnier über wurde mit einem Futsalball gespielt, der Ball ist kleiner und hat weniger Druck als ein normaler Fußball, was beispielsweise zu einem anderen Sprungverhalten führte.

Die Idee hinter den Futsalregeln waren klar. Es sollte ein schnelles Spiel mit wenig langen Bällen und vielen 1vs1 Situationen provoziert werden, das am besten nicht stoppte.

Grundsätzlich gute Idee
Das man die jungen Spieler immer wieder mit unterschiedlichen Situationen konfrontieren sollte ist klar. Da der Futsal sich doch vom Fußball unterscheidet, vor allem aufgrund des anderen Balls und des ständigen Drucks eines Gegners bringt es die Spieler weiter. Futsal kreiert aufgrund der anderen Regeln und Begebenheiten Schwankungen, die gemäß der differenziellen Lernmethode zu einem besseren Lernen bzw. schnelleren Lernen führen. Julian Weigl ist ein passendes Beispiel. Der Sechser spielte früher auch Futsal und sieht es als sehr fördernd für die Technik an, wie er im Interview mit  dfb.de betonte.

Futsal ist für die Entwicklung der Technik auf jeden Fall sehr, sehr gut. Man lernt, auch auf engeren Räumen fast alle Situationen spielerisch zu lösen. Da der Ball kaum springt, wird man noch mehr gezwungen, flache Pässe zu spielen. Futsal ist eine gute Schule, eine gute Alternative. 

Julian Weigl (dfb.de)

Allerdings sind selbst bei regelmäßigen Futsalspielern,  Julian Weigl spielte in seiner Jugend regelmäßig Futsal, die Regeln umstritten:

Manches finde ich schon extrem. Dass man nur fünf Sekunden hat, um den Ball wieder ins Spiel zu bringen zum Beispiel. 

Julian Weigl (dfb.de)

Die Realität

Die Idee die Spieler mit Futsal zu konfrontieren, um die Technik zu verbessern hielt und halte ich weiterhin für sinnvoll und dies sollte in der Zukunft weiter ausgebaut werden. Auch die Regel mit der Addition von Fouls ist eine gute Idee. Bei unserem Turnier ergaben 3 Fouls einen Zehnmeter. Normalerweise sind es sechs Fouls.

Gut finde ich, dass Fouls addiert werden und es nach dem sechsten Foul einen Zehnmeter (ein Freistoß ohne Mauer; Anm. d. Red.) gibt. Das Spiel wird dadurch nicht so ruppig, die Verletzungsgefahr ist also geringer als beim normalen Hallenfußball.

Julian Weigl (dfb.de)

Allerdings waren die anderen Regeln für das Spiel eher hinderlich. Denn die Regeln hatten zur Folge, dass die Spiele alle recht hektisch waren. Zu oft verlor eine Mannschaft den Ball aufgrund der 4 Sekunden-Regel, was irgendwann einfach nur zu hektischen Schlägen führte. Allgemein gab es kaum Passstaffetten mit vier Pässen am Stück. Vielmehr ging es chaotisch hin und her, die Spieler waren in viele Zweikämpfe verwickelt und selbst die technisch stärkeren Teams, die teilweise zwei Ligen über meiner Mannschaft spielten konnten sich nicht durchsetzten.

Für mich waren besonders zwei Regeln hinderlich für ein vernünftiges Kurzpassspiel, das ich meiner Mannschaft beibringen möchte. Nummer eins war die Tatsache, dass der Torhüter den Ball nur abwerfen durfte und dafür nur 4 Sekunden Zeit hatte. Oftmals warf der Torwart den Ball vor lauter Panik einfach nur nach vorne. Zweitens stellte der Torwart keine wirkliche Anspieloption dar. Dadurch war es schwierig von hinten herauszuspielen, da die Gegner enge Manndeckung betrieben, was natürlich legitim war.

Fazit

Schlussendlich muss man sagen, dass die Rolle des mitspielenden Torwarts durch die Regeln in der Halle überhaupt nicht zu verwirklichen sind, ebenso wie ein Kurzpassspiel. Der DFB scheint damit viele 1vs1 Situationen und schnelle Entscheidungen provozieren zu wollen, was aber auf diesem Leistungslevel (Kreis- bis Bezirksliga) nur zu einem zerfahrenden Spiel führt und den Kindern aufgrund der vielen Regeln auch weniger Spaß macht. Die Erfahrung des Futsals bringt die Spieler sicherlich auf bereits höherem Niveau weiter, allerdings sollte man bei Elf- und Zwölfjährigen aufpassen, dass man nicht durch zu viele Regeln das Spiel kaputt macht.

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