Attraktiver Kombinationsfußball von Maurizio Sarri und dem SSC Napoli

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Seit Beginn der Traineramtszeit von Maurizio Sarri in Neapel, ist der SSC Napoli eines der interessantesten Teams der Serie A. Sarri, der kein Profifußballer war und erst recht spät zu einem professionellen Coach wurde, machte bereits mit Empoli von sich reden und hat nun seit letzter Saiosn in Neapel eine talentierte Truppe zusammen, die auch trotz des Abgangs von Goalgetter Gonzalo Higuain zum Rivalen aus Turin, erfolgreich Fußball spielen kann. Besonders ihr Spiel in Ballbesitz ist äußerst interessant

Unter Maurizio Sarri versucht Napoli möglichst immer das Spiel selbst zu gestalten. Nominell läuft man in einem 4-3-3 auf, dass aber durch verschiedene Asymmetrien geprägt ist. Der rechte Verteidiger Hysaj schiebt beispielsweise erst recht spät im Angriffsverlauf nach vorne, und auch lange nicht so hoch wie Linksverteidiger Ghoulam. Dadurch baut Napoli oft in einer Dreierkette auf.  Während der linke Innenverteidiger öfter etwas hinausschiebt, bleibt der rechte Innenverteidiger etwas zentraler (meist Albiol) aufgrund der Positionierung von Rechtsverteidiger Hysaj. Die Viererkette wird durch den spielstaken ehemaligen Bayerntorhüter Pepe Reina unterstützt. Vor der Viererkette spielt meist ein Sechser, in den letzten Spielen vermehrt der junge Diawara. Dazu kommen noch die beiden Achter, Marek Hamsik ist dabei gesetzt. Der Slowake fühlt sich im linken Halbraum am wohlsten und wird dementsprechend als nominell linker Achter aufgeboten und dabei meist von dem jungen Polen Zielinski auf der anderen Achterposition unterstützt. Die beiden Flügelspieler sind etwas unterschiedlichere Typen. Während Lorenzo Insigne sehr weit einrückt, sich im linken Halbraum und allgemein zwischen den Linien bewegt, rückt rechts Callejon nicht so konstant ein. Zwar treibt es auch ihn immer wieder in die Mitte, er verlässt aber dabei die rechte Seite nicht so extrem. Im Sturm läuft nach der Verletzung von Neuzugang Milik der kleine Belgier Dries Mertens auf, der mit seinen vielen Toren in den letzten Spielen für Furore sorgte und aufgrund seiner Beteiligung am Spiel auch gerade Manolo Gabbiadini vorgezogen.

Überladung der Mitte

Grundsätzlich versucht Napoli stehts flach hinten herauszuspielen. Aufgrund der spielstärke von Pepe Reina hat Napoli im Aufbauspiel immer einen Spieler mehr und kann auch so hohe Pressingsituationen noch zielgerichtet lösen. Die drei Mittelfeldspieler stehen häufig tief und bieten sich hinter der ersten Pressinglinie des Gegners für die Innenverteidiger an. Wie bereits erwähnt schiebt Ghoulam etwas höher, während Insigne einrückt. Auf der anderen Seite versucht Hysaj die Ballzirkulation der Innenverteidiger zu unterstützen. Die Mannschaft von Sarri versucht oft die Mitte zu überladen und dabei viele Dreiecke und Anspielstationen zu schaffen. Sehr oft befinden sich viele Spieler auf recht kleinem Raum.

dreiecksbildung

Wie hier zu sehen, hat der Sechser bereits sehr viele Anspielstationen. Hier primär nach vorne und wichtig teilweise auch zwischen den Linien des Gegners. Im Aufbauspiel führt dieses überladen der Mitte zu freien Räumen in denen die „Azurri“ (die Blauen) nach vorne stoßen können.

zentrumsuberladung

In obiger Szene wird die Mitte massiv überladen, der Gegner versucht das Zentrum eng zu halten, allerdings ergibt sich dadurch Raum auf rechts für Hysaj. Zielinski hat in dieser Szene auch verschiedene Möglichkeiten das Spiel über die Mitte fortzuführen, durch ein kurzes Dribbling und eine passende Freilaufbewegung von Hamsik, könnte der Slowake den Ball zwischen den Linien erhalten. Darüber hinaus wäre auch ein etwas riskanter Pass auf Callejon möglich, wenn Insigne beispielsweise den Passweg durch eine ausweichende Bewegung freizieht. Callejon könnte dann mit etwas Platz auf die Viererkette zulaufen. Allerdings muss Zielinski aufgrund des Drucks von hinten eine schnelle Entscheidung treffen und den Ball auf den Flügel spielen. Hysaj kann einige Meter machen und hat sofort durch Callejon und Insigne Unterstützung. Allerdings muss man hier betonen, dass der Gegner eine recht schwache Defensivstaffelung hat. Es fehlt einerseits der direkte Zugriff auf den Ballführenden und andererseits die Kompaktheit.

 

Ballnahe Unterstützung und Spiel über den Dritten

Wie bereits oben angemerkt, bildet Napoli in Ballbesitz sehr viele Dreiecke, und versucht ballnah eine sichere Zirkulation zu ermöglichen. Selten sieht man, wie einzelne Spieler den Ball in Situationen bzw. Räumen erhalten, in denen sie vom Rest des Teams abgeschnitten sind. Napoli schafft es auch nach einer Verlagerung konstant Anspielstationen zu schaffen, was es dem Gegner schwerer macht den Ball zu gewinnen.

Die Dreiecke und konstanten Anspielstationen, genauso wie die hohe Präsenz auf vergleichsweise wenig Raum sind bedingt durch ein besonders hervorstechendes Merkmal der Süditaliener. Sarris Truppe arbeitet sehr oft mit dem Spiel über den Dritten bzw. Pass und klatschen lassen.

druck

 

Oftmals wird ein Spieler angespielt, der bereits ein wenig unter Druck steht. Der Gegner versucht schnell zu verschieben und den Ball dort zu erobern, da der Passempfänger aber den Ball sofort klatschen lässt, ergibt sich anderswo durch das schnelle verschieben zum Ball Raum, den Napoli nutzt. Verschiedene Kombinationen mit Laufwegen die Linien des Gegners durchbrechen sollen, sind charakteristisch für Napolis Spiel.

Dabei nutzt Napoli die Schwächen der Italienischen Liga. Viele Teams verteidigen sehr mannorientiert, und so lassen sich einzelne Spieler oftmals aus der Position ziehen, was zu offenen Räumen führt, die Napoli sofort nutzen kann.

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Eine häufig zu beobachtende Kombination, ist ein Pass in die Mitte, ein Spieler lässt sich fallen (hier Insigne), während der Andere in die Tiefe startet (Ghoulam), mit einem einfachen Pass in den Raum schafft es Napoli aufgrund der recht strikten Mannorientierungen des Gegners durchzubrechen. Häufig wird bei solchen Kombinationen auch noch ein Lauf eines Achters (Hamsik) aus der Tiefe genutzt, der dann zu noch größeren Zuordnungsproblemen beim Gegner führt.

Kamil Orawczak zeigt hier verschiedene Beispiele der angesprochenen Kombinationen aus dem Spiel gegen den AC Florenz

Freiziehen von Räumen

Napoli arbeitet nicht nur mit Passkombinationen. Typisch für Sarri sind auch die vielen Bewegungen der Spieler ohne Ball, um Räume zu öffnen und sich sofort wieder anzubieten. Auch hier werden die Mannorientierungen der Gegner ausgenutzt, um Passwege zu öffnen.

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Beispielsweise entstehen beim Freiziehen eines Passweges verschiedene Dinge. Der Gegner wird geschickt manipuliert, in dem er aus seiner Position herausgezogen wird. Sobald der Pass durch den geöffneten Raum kommt, orientiert sich der Gegner, der seine Position verließ und den Raum öffnete kurz zum Ballführenden und kann nicht mehr den Laufweg seines Gegenspielers verfolgen. Dieser hat nun kurz Zeit und Raum und kann durch ein einfaches klatschen lassen eingesetzt werden. Wichtig sind hierfür die Bewegungen außerhalb des Sichtfeldes des Gegners. So nutzen Sarris Teams ein schlechtes Umblickverhalten beispielsweise aus.

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Judah Davies zeigt ähnliches hier auf.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Napoli eine sehr interessante Mannschaft ist, die mit verschiedenen schnellen Kombinationen einen Gegner auseinander nehmen kann und wirklich attraktiven Fußball spielt. Offensiv ist das Team bereits sehr stark, allerdings fehlen noch ein paar Prozente, beispielsweise im Gegenpressing, das meist nur individuell und wenig intensiv umgesetzt wird, um auch in Italien wirklich ganz oben zu stehen. Allerdings wird es interessant zu beobachten sein, wie Maurizio Sarri seine Mannschaft weiterentwickelt und vor allem, wie sie sich gegen Real Madrid schlagen wird.

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