Wie Man City ein mannorientiertes 4-4-2 zerspielt

Die nächsten Wochen stehen einige harte Spiele für Manchester City und Pep Guardiola auf dem Programm. In der Champions League trifft man auf Donezk, wenig später trifft man auf den amtierenden Meister Chelsea. Davor spielen die Citizens gegen Crystal Palace, die sehr schwach in die Saison starteten, und sich gegen City voraussichtlich für eine sehr defensive Formation entscheiden werden. Wie City ein tiefes in England meist mannorientiertes 4-4-2 versucht zu knacken, versuche ich am Beispiel des Spiels gegen Watford versuchen zu erklären.

Am letzen Samstag trafen die Mannen von Pep Guardiola auf den FC Watford. Bis dahin Tabellenvierter, für ihre Verhältnisse mit einem super Start. Eine Woche nach dem überragenden 5:0 Erfolg gegen Liverpool und dem gelungenen Champions League Auftakt gegen Feyernoord, änderte Guardiola sein Team ein wenig.

City asymmetrisch unterwegs

Im Vergleich zu den anderen Partien bisher, formierte sich Manchester City diesmal in einem 4-3-3 System, das aber sehr beweglich war und selten wirklich eine klare 4-3-3 Anordnung erkennbar war. Im Tor stand Ederson, eine Woche nach dem Horrorfoul von Mané an ihn. Davor bildeten Otamendi und Stones zusammen mit den Außenverteidigern Mendy und Walker die nominelle Viererkette.

Fernandinho spielte wieder als Sechser und wurde von David Silva und dem zuletzt überragend aufgelegten Kevin de Bruyne flankiert. Vorne agierten die Citizens asymmetrisch, Sterling kam über die rechte Seite, hielt sich gelegentlich auch dort auf, während es Gabriel Jesus konstant in die Mitte zu Sergio Agüero zog, der Brasilianer überließ Benjamin Mendy die komplette Seite.

Watford im klassischen 4-4-2

Der Fc Watford formierte sich defensiv in einem 4-4-2, mit zwei Viererketten, die versuchen sollte die Räume eng zu halten und die Gegenspieler durch mannorientiertes Verteidigen schon bei der Ballannahme zu stören. Die beiden Stürmer mussten versuchen die Passwege in den Sechserraum, besonders zu Fernandinho zu kappen, um City so auf die Seite zu leiten.

Diese Strategie ging zu Anfang auch sehr gut auf, City hatte Probleme konstant in die gefährlichen Räume zu kommen, und der Spielaufbau wurde seltener über den Sechserraum eröffnet, sondern Stones spielte zumeist die Offensivabteilung mit vertikalen Pässen an.

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Citys größtes Problem war die gelegentlich schlechtere Besetzung des Sechserraums, wodurch die Citizens zu Beginn viel über die Flügel kamen, was Watford noch einfacher verteidigen konnte. Jedoch schaffte es die Mannschaft durch häufigeres Abkippen von Fernandinho und flexiblere Besetzung des Sechserraums Watford weiter nach hinten zu drücken und ihre zermürbende Ballzirkulation mit allen Feldspielern in der gegnerischen Hälfte aufzuziehen.

City kreiert Überzahl gegen das Pressing

Da sich die beiden Stürmer immer lose an Fernandinho orientierten, kippte der Brasilianer irgendwann nach rechts ab und positionierte sich neben Stones. Durch den zusätzlichen Mann in der ersten Linie hatten die Citizens nun eine Überzahl im Aufbauspiel. Die beiden Stürmer von Watford mussten sich nun anders positionieren. Cleverly, der von seiner nominellen Zehnerposition gegen den Ball nach vorne stieß, orientierte sich zumeist eher zu Fernandinho, während Gray versuchte sich zwischen Otamendi und Stones zu positionieren, um beim Anlaufen durch seinen Deckungsschatten einen der Akteure zu isolieren.

Allerdings hatte die leichte Orientierung von Cleverly hin zu Fernandinho einen Nachteil. John Stones hatte nun viel freien Raum vor sich, immer wieder ergaben sich Passlinien zu einem der Stürmer, die sich wechseln fallen ließen, oder Stones konnte De Bruyne und Silva im nun freien Sechserraum finden. Durch geschicktes Nutzen des Spiels über den Dritten schaffte es City die erste Pressinglinie des FC Watford ein ums andere Mal zu überspielen und in der Folge konnten sie leicht nach vorne rücken.

 

Das Schaffen von Überzahl hinter den Linien des Gegners ist das wichtigste Grundprinzip des Positionsspiels, wie es Guardiola predigt. Das Abkippen eines Sechsers ist dabei eines der häufig beobachtbaren Mittel, um Überzahl herzustellen. Xabi Alonso oder auch Sergio Busquets taten dies bei Guardiolas vorherigen Stationen auch immer wieder. Dadurch, dass City eine Dreierkette im Aufbauspiel bilden kann, wird die erste Linie des Gegners auseinander gezogen und es resultieren daraus die bereits angesprochenen Probleme der Positionierung der beiden Stürmer.

Neben dem Abkippen des Sechser konnte man ebenso andribbelnde Innenverteidiger beobachten, die mit Ball am Fuß Richtung Mittelfeld liefen und das herausrücken eines Stürmers oder Mittelfeldspielers provozierten, daraus folgt ein freier Spieler irgendwo anders für die Sky Blues.

Die Möglichkeiten für vertikale Pässe von Stones oder das Finden von freien Spielern, nachdem die Innenverteidiger oder Fernandinho andribbelten, hing hauptsächlich mit der Überzahl der Citizens im Zehnerraum und dem bereits beschriebenen Abkippen von Fernandinho zusammen. Wie bereits erwähnt, spielte weder Jesus noch Sterling außen, die Außenbahn überließen sie den beiden dynamischen Außenverteidigern Walker und Mendy. Jesus, Agüero, Sterling und entweder de Bruyne oder Silva bewegten sich im Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr des Fc Watfords.

Agüero ließ sich häufiger fallen und wurde von Stones so einige Male mit einem flachen vertikalen Pass gefunden. Die Innenverteidiger konnten Agüero nicht immer verfolgen, zum einen da Jesus und/oder Sterling sich gleichzeitig höher positionierten, um die Verteidigung zu binden. Zum anderen präferierten die Innenverteidiger des FC Watford das Halten ihrer Position, um in der letzten Linie keine Räume zu offenbaren. Wenn sie den Argentinier dann doch mal verfolgten, konnte dieser den Ball auf die aufgerückte Dreierkette oder De Bruyne und Silva klatschen lassen. Die Gefahr bestand nun, dass Citys Mittelfeldspieler, die mit dem Blick zum Tor den Ball erhielten, Sterling und Jesus anspielen konnten und diese die Lücken die Agüero gerissen hatte nutzen konnten. Alternativ konnte City durch die Ablagen von Agüero weiter aufrücken und den Ball in einer höheren Grundposition zirkulieren lassen.

Spiel über Dritten

Dies alles führte dazu, dass Watford immer weiter nach hinten gedrückt wurde, dadurch mussten sie aus einer tieferen Position heraus verteidigen, und City war in der Lage Watfords strategische Schwächen im Verteidigungsverbund zu bespielen.

City mit Überzahl, Watford mannorientiert

Wie bereits erwähnt, agierte Watford gegen den Ball sehr mannorientiert. Dadurch versuchten sie Citys Kreativspieler schon bei der Ballannahme unter Druck zu setzten. Es sollte verhindert werden, dass Spieler wie Silva oder de Bruyne sich Richtung Watfords Tor mit Ball drehen konnten. Auch auf den außen agierte Watford mit einzelnen relativ strikten Mannorientierungen, besonders auf der linken Seite der Citizens war dies häufiger zu beobachten. Watfords Rechtsaußen Carrillo verfolgte den jungen französischen Außenverteidiger meist weit bis nach hinten, rückte Mendy beispielsweise weit auf, bildete sich bei Watford eine Fünferkette. Meist blieb Mendy jedoch auf Höhe des Sechserraums.

Allerdings ließ sich an einer Szene, die zu einem vielversprechenden Durchbruch von Sterling führte, die Probleme der strikten Mannorientierungen auf den Außen, wie auch im Zentrum gut beobachten. Mendy schob weit nach vorne und zog so Carillo mit sich. Agüero, Jesus und Silva bewegten sich flexibel zwischen den Linien, deshalb hielt sich auch Watfords Sechser Chalobah weiter hinten auf, jener war aufgrund dessen, dass Jesus in seinem Rücken lauerte, nicht in der Lage Silva sofort zu verfolgen, als dieser in den durch Mendys Aufrücken frei gewordenen Raum abkippte. Silva konnte sich drehen und hatte nun im linken Halbraum viel Platz und den Ball am Fuß. De Bruyne, Agüero und Jesus waren nun seine Anspieloptionen, ihm gegenüber stand in diesem Moment nur ein Sechser, folglich konnte der kleine Spanier relativ leicht den Ball zwischen die Linien spielen und City erspielte sich eine gute Chance. Ausgangspunkt war eben jener Raum und das Abkippen von Silva, dass aufgrund der Mannorientierung außen und der Überzahl im Zentrum niemand verteidigen konnte.

Nicht nur Silvas Aktionen aus dem linken Halbraum sorgten für Probleme bei Watford. Allgemein bewegte sich City sehr flexibel im Zehnerraum. Ihre generelle Überzahl spielten sie immer wieder geschickt durch diagonale Seitenwechsel aus. In Kombination mit den wechselnden vertikalen Bewegungen von Jesus und Agüero, einer positionierte sich mal hoch, während der Andere sich fallen ließ, schafften es die Citizens immer wieder Watford vor Zuordnungsprobleme zu stellen.

Meist dribbelte ein Innenverteidiger ein wenig an, Watfords Stürmer blieben bei solchen Aktionen eher passiv. Silva konnte sich dann fallen lassen, zog dabei Doucouré aus seiner Position. Silva ließ den Ball dann einfach klatschen. Ziel solcher Pass und Klatsch Aktionen ist es, denn Gegner in Bewegung zu bringen, ihn aus seiner Position zu ziehen, in dem man ihm die Möglichkeit gibt kurz Druck zu erzeugen. Dieses Druck machen öffnet woanders Räume.

herausziehen

Während Silva sich fallen ließ, bewegte sich beispielsweise auch Agüero etwas tiefer, der ballferne Sechser musste nun den Argentinier kurz übernehmen. Der Trick, um die Mannorientierungen Watfords zu nutzen liegt darin, dass nachdem Silva den Ball prallen ließ, sich der Spanier sofort wieder eine Linie nach vorne bewegte, gleiches gilt für Agüero. Gleichzeitig lässt sich nun Jesus fallen. Dies sorgt für einige Übergabemomente der verteidigenden Mannschaft. Dies erfordert ein gutes Gespür wann man seine Position verlassen kann und nicht andere Räume für die Offensive Mannschaft zu öffnen, wie auch ein hohes Maß an Kommunikation und sauberem Übergeben.

Pass in Tiefe

Watfords ballfernen Sechser musste sich häufig auf zwei Spieler konzentrieren und immer je nach Position des Balles zwischen zwei Gegenspielern pendeln. Nach Seitenwechseln der Citizens führte dies dazu, dass der verschiebende Sechser meist zu spät kam und City einen Pass zwischen die Linien spielen konnte.

 

Fazit

Das Team von Pep Guardiola präsentierte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr stark gegen Watford. Das Heimteam hatte vor allem aufgrund seiner mannorientierten Spielweise viele Probleme die Bewegungen der Citizens Offensive zu verteidigen. Auch in England zeigt Guardiola Mannschaft, dass das Positionsspiel und dessen Prinzipien viele hilfreiche Vorteile gegen ein einfaches mannorientiertes 4-4-2 System bietet. City schaffte es geschickt Überzahl zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld wie auch beim Spielaufbau gegen die beiden Stürmer zu schaffen und war so ab der ersten Minute in Ballbesitz. Vereinzelt schaffte es Watford mal einen Nadelstich in Form eines Konters zu setzten, jedoch verschoben sie hauptsächlich in ihrem 4-4-2 und wurde gegen Ende der ersten Hälfte immer weiter hinten hineingedrückt. Durch Citys Dreierpack vor der Pause war das Spiel bereits entschieden. Guardiolas Team scheint in guter Form für die nächsten Aufgaben zu sein. Nach dem Spiel gegen Palace und der Champions League Begegnung gegen Donezk wartet der amtierende Meister Chelsea London.

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