PSG vs Bayern eine Taktikvorschau

Die Bayern spielen am Mittwoch beim Luxusensemble aus Paris, dort geht es bereits um vieles. Nicht nur wird dieses Duell entscheidend für den Gruppensieg sein, ebenso geht es auch um die Aussichten für die Saison und Carlo Ancelotti. Sind die Bayern trotz schwächerem Saisonstart und fehlender Form in der Lage gegen die besten Teams in Europa zu bestehen?

Die neu zusammengesetzte Pariser Mannschaft ist ebenfalls in keiner guten Form. Gegen Lyon hatte man sehr lange Probleme und gewann nach 2 Eigentoren des Gegners noch mit 2:0. Gegen Montpellier kam man am Wochenende gar über ein 0:0 nicht hinaus. Trotzdem ist Paris mit seiner immensen individuellen Klasse ein echter Härtetest für die Münchner. Doch wie kann man gegen Neymar und Co in Paris bestehen?

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Zuletzt lief es nicht immer so gut

Eine Frage des Ansatzes

Interessant wird sein, mit welcher Einstellung die Münchner die Partie im Parc des Princes angehen. Versucht man wie sonst immer das Spiel mit viel Ballbesitz zu kontrollieren und dominieren, oder wird Ancelotti sein Team mit einer etwas abwartenderen Grundhaltung ins Spiel gehen lassen.

So oder so es wird auf die Umsetzung ankommen. Jedoch ist es gar nicht so abwegig, wenn die Bayern in Paris erst einmal abwarten und versuchen über einzelne Konter nach Ballverlusten gefährlich zu werden. Paris ist natürlich noch nicht komplett eingespielt. Neymar und Mbappé sind genauso wie Dani Alves erst ein paar Wochen beim Team. Dies merkt man in ihrem Spiel mit Ball. Ähnlich wie die Münchner unter Ancelotti, hat auch Paris St. Germain Probleme mit der Positionierung in Ballbesitz. Nicht immer bilden sich genug Dreiecke oder geeignete Verlagerungsoptionen. Viel hängt von Marco Verratti, Neymar und der restlichen individuellen Klasse im Angriff ab.

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Die beiden neuen Superstars in Paris

Hier könnten sich Räume für die Bayern bieten. Das Gegenpressing der Hauptstädter ist nicht immer aggressiv und kompakt genug, schafft man es den Ball aus diesen Drucksituationen zu bekommen, ermöglicht die weniger starke Defensivarbeit von Paris Flügelspielern einiges an freiem Raum. Olympique Lyon konnte so in Paris auch immer wieder vereinzelte Nadelstiche setzten, spielte manche Konter allerdings nicht sauber aus, jedoch verfügt Bayern hier natürlich über eine höhere individuelle Klasse.

Die Probleme die Paris in Ballbesitz hat, haben die Bayern wie angesprochen auch. Obwohl das Ballbesitzspiel gegen Schalke 04 bereits sehr vielversprechend aus sah, muss man doch auch dort einwenden, dass das Gegenpressing weiterhin nicht stabil war, und auch die Defensive nicht immer kompakt genug war. Die Chancen die Schalke vergab, wird Paris nutzen. Durch eine etwas abwartendere Haltung, ohne sich zu weit nach hinten drücken zu lassen, könnte den Bayern helfen die eigenen Schwächen zu kaschieren und Paris Lücken auszunutzen. Des weiteren kann man auch durch ein geschicktes Pressing das Spiel auch ohne Ball dominieren. Wichtig ist, dass das Pressing gewährleistest, dass man Paris nicht einfach das Zentrum überlässt.

Hohes kompaktes Mittelfeldpressing

Lyon ließ in der ersten Halbzeit kaum eine Chance durch Paris zu. Lyon verschob im 4-4-2 sehr konsequent, stellte vielfach die Räume zu und ließ sich aufgrund ihres mehr auf Raumkontrolle bedachten Stil nicht von Neymars oder Draxlers Bewegungen aus der Position ziehen.

Lyon defensiv vs Paris

Lyon versuchte primär die Mitte zu kontrollieren und so die gefährlichen Zonen für die Mannschaft aus Paris zu schließen. Die Stürmer liefen meist kurz vor oder kurz hinter der Mittellinie die Verteidigung an, Hauptziel war es Paris auf die Seite zu lenken und alle ballnahen Räume zwischen den Linien zu schließen.

Vereinzelt warfen sie auch aggressivere Pressingphasen ein, jedoch blieb das die Ausnahme, zu mal Paris das hohe Pressing der Stürmer leicht überspielen konnte. Dies alles noch ohne Paris Dreh- und Angelpunkt Marco Verratti im Spielaufbau.

Lyon eroberte Bälle vielmehr nachdem sie Paris erfolgreich auf die Seite lenkten und Pässe in die Mitte versperrten. Lyon verengte den Raum auf dem Flügel schnell und profitierte von Paris schwächeren Struktur in Ballbesitz. Neymar wurde zum Beispiel genauso wenig wie Mbappé dauerhaft mit zwei Spielern attackiert, vielmehr wurde den beiden durch das Kollektiv die Räume genommen. Sie sahen sich dann meist einem Dreieck von Lyon gegenüber, so konnte Lyon dann situativ die Superstars doppeln, ohne aber Räume in der Mitte zu öffnen.

Die Bayern könnten ähnlich wie Lyon im Parc des Princes auflaufen. Auch Ancelotti präferiert zumeist ein 4-4-2 Mittelfeldpressing. In den bisherigen Partien war dies meist nicht kompakt genug, dies muss sich gegen Paris ändern. Geschieht dies, wäre Bayern in der Lage über ein geschicktes Pressing das Spiel auch ohne Ball zu dominieren.

Neben dem Verdichten der Mitte, um Paris Angriffsreihe vom Rest zu isolieren, wird Bayern auch noch versuchen müssen, die Kreise von Marco Verratti einzudämen, der gegen Lyon beispielsweise ausfiel. Er ist der Dreh- und Angelpunkt des Spiels der Pariser, kann mit seinen starken Pässen oder klugen Dribblings hin und wieder die ganzen Bemühungen um Kompaktheit zerstören, indem er einzelne Linie selbst aushebelt.

Bayern

Zentrales Thema der Münchner muss es sein, Paris aus dem Zehnerraum und den Halbräumen zu halten, nicht nur sind dies strategisch wichtige Positionen, vielmehr hat Paris auch dafür geeignete Spieler, Raum in diesen Zonen eiskalt zu nutzen. Besonders Neymar kann tödlich für eine Abwehr sein, wenn er sich durch ein Dribbling mit Ball in den Zehnerraum manövriert oder dort einfach angespielt werden kann.

Sollte Neymar oder auch eventuell Julian Draxler, sofern er denn spielt den Ball zwischen den Linien erhalten, sind beide wie angesprochen unheimlich gefährlich. Vor allem da sie mit Pässen die beiden Stürmer Cavani und Mbappé füttern können. Besonders zweit genannter ist unheimlich stark Räume hinter der Abwehr zu nutzen. Durch seine Schnelligkeit ist er auch in der Lage lange Wege von der anderen Seite zu machen und trotzdem noch gefährlich zu sein. Diese Tiefenläufe sind sehr schwer für die Defensive zu verteidigen, obwohl Mats Hummels und Jerome Boateng dafür prädestiniert sind.

Neymar offensiv

Gefährlichste Szene aus dem Spiel gegen Lyon in der ersten Hälfte, Neymar erhält den Ball zwischen den Linien und kann ihn sofort in die Tiefe auf Alves spielen. Cavani und Mbappé besetzten sofort das Zentrum

Gefährlich wird es für Bayerns Defensive, wenn Mbappé, Neymar und ein Außenverteidiger im Halbraum kombinieren können. Zusammen mit Cavanis ausweichenden Läufen entwickeln sie dadurch eine enorme Durchschlagskraft.

Bayerns Chancen

Sollte sich Ancelotti auf einer eher zurückhaltendere Taktik entscheiden, werden die Bayern doch immer wieder Chancen erhalten, über Konter gefährlich zu werden. Die Absicherungen im Offensivspiel sind nicht immer da. Auch das Gegenpressing ist zum Teil in der Liga nicht wirklich aggressiv, was zum Teil auch an der Einstellung liegen. Jedoch erhalten die Gegner nach Balleroberung relativ viel Platz.

Ist mal das lokale Gegenpressing überspielt bieten sich viele Räume, die man im Konter nach diagonalen flachen Verlagerungen nutzen kann. Zum einen ist Thiago Motta nicht mehr der schnellste, obwohl Verratti und Rabiot seine Schwächen ausmerzen können, zum anderen rücken die Außenverteidiger in Ballbesitz weiter auf. Besonders Dani Alves schaltet sich gerne nach vorne ein. Hier könnten die Bayern Räume für gefährliche Konter finden, durch schnelle flache vertikale Kombinationen können die Bayern hier ihre Klasse mal unter Beweis stellen. Jedoch wird man im Spiel dann sehen müssen wie viel Risiko Paris selbst gehen wird, und wie sie ihre eigene Absicherung bei Ballbesitz organisieren werden.

Neben schnellen Kontern, müssen aber auch die Bayern aus längeren Ballbesitzphasen Kapital schlagen. Paris das Spiel komplett zu überlassen funktioniert nicht, dafür sind die Bayern gegen den Ball zu schwach und mit Ball zu stark. Um im Mittelfeld dagegen zu halten, ist Müller wahrscheinlich der falsche Spielertyp. Mit Rudy und Thiago hätte man zwei Spieler, die sich aus den kurzen Druckphasen gut befreien können und zusammen mit Boateng und Hummels einen sicheren Spielaufbau gewährleisten. Zusätzlich könnte mit Tolisso und Vidal ein eher physischer Spieler daneben starten. Aufgrund Vidals Formtief und dessen gelegentlich fehlende Disziplin in der Defensive, wäre der junge Tolisso vielleicht die bessere Wahl.

Die linke Seite von PSG könnte eine der Schwachpunkte sein. Neymar wird häufiger einrücken und fehlt dann im Umschaltmoment außen, darüberhinaus ist der Brasilianer nicht unbedingt für seine starke Defensivarbeit bekannt. Mit einem weit aufrückenden Kimmich, James im Halbraum, Tolisso als Absicherung und Lewandowski könnte man den doch im 1vs1 etwas schwächeren Kurzawa ausnutzen.

offensiv

Sollte Carlo Ancelotti doch mit einem 4-2-3-1 in Ballbesitz spielen, könnte Thiago als Bindeglied in der Zentrale dienen. Wichtig wird es sein über eine gute Spieleröffnung von Hummels, Boateng und Rudy nicht sofort auf den Flügel zu kommen und dann sofort zu Flanken, sondern wie gegen Schalke wird es wichtig sein in den Zwischenlinienraum zu gelangen. Dies kann in der Tat über Kimmich diagonal auf James sein, oder Thiago schafft es den Kolumbianer oder Lewandowski zwischen den Linien zu finden. Auch auf links liegt möglicherweise durch Comans Schnelligkeitsvorteil gegen Dani Alves eine Option, um hinter die Abwehrkette der Pariser zu kommen. Wichtig wird es sein, in Ballbesitz nicht immer sofort vertikal zu spielen. Eine gute Positionierung für das Gegenpressing ist aufgrund der Qualität von Neymar und Co wichtiger.

In Umschaltmomenten hingegen können die Bayern durch schnelle flache vertikale Kombinationen ihre Klasse mal unter Beweis stellen. Jedoch wird man im Spiel dann sehen müssen wie viel Risiko Paris selbst gehen wird, und wie sie ihre eigene Absicherung bei Ballbesitz organisieren werden.

Fazit

Alles in allem wird es auf den Mix im Spiel mit Ball für die Bayern ankommen. Sonst ergeht es einem wie Barcelona letzte Saison im Hinspiel der Champions League. Zum einen sollte man mit schnellen Kontern versuchen Paris Lücken im Umschaltmoment zu nutzen, zum anderen werden die Bayern kaum das ganze Spiel hinterherlaufen und Paris den Ballbesitz überlassen. Wie erwähnt sollte man den Schwung aus dem Schalkespiel mitnehmen, als das Offensivspiel wieder sehr vielversprechend aussah, allerdings wird es in Pariser notwendig sein, nach Ballverlusten geschlossener Räume zu schließen und Ballgewinne zu erzielen.

Die wichtigsten Punkte der Bayern werden sein

  1. Neymar darf im Zehnerraum keine Bälle erhalten, sonst wird es sehr gefährlich
  2. Verrattis Aktionen müssen gut verteidigt werden, am besten nimmt man den Italiener durch einen taktischen Kniff (Sonderbewachung?) aus dem Spiel, leichter gesagt als getan
  3. In Ballbesitz die Schwächen von Paris über links nutzen und gleichzeitig gut abgesichert sein
  4. Konter sauber ausspielen und Chancen eiskalt nutzen wäre gegen Paris darüber hinaus hilfreich

Nun bleibt die Frage, welche Aufstellung? Ich selbst würde ein 4-3-3/4-2-3-1 mit Thiago, der gelegentlich auf die Zehnerposition schiebt oder James der vom Flügel in die Mitte schieben könnte.

Aufstellung

Die Aufstellung wäre mein Favorit. Denke ich Carlo Ancelotti wird diese wählen? Eher nicht, wahrscheinlich wird Vidal und Robbery auflaufen, Müller hingegen tippe ich, wird auf der Bank Platz nehmen. Wie fit Alaba ist kann ich nicht beurteilen, sonst wird Rafinha links gegen Mbappé verteidigen müssen.

 

 

Kategorie Champions League, Portraits, Spielanalysen

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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