Wenn Ballbesitz nur Ballbesitz ist Spaniens B-Elf enttäuscht bei knappen Sieg in Israel

 

Am Montagabend kam es in Jerusalem zum Aufeinandertreffen der israelischen Nationalmannschaft und Spanien im Rahmen der WM-Qualifikation. Das Spiel hatte nicht mehr die größte Bedeutung. Israel hatte keine Chance mehr auf die WM, während der Weltmeister von 2010 bereits qualifiziert war. Für Julen Lopetegui bot sich allerdings die Möglichkeit Spielern eine Chance zu geben, die noch nicht sicher Teil des Aufgebots für Russland im nächsten Jahr sind.

 

Spanien mit B-Elf

Lopetegui schickte in Jerusalem eine B-Elf aufs Feld. Im Tor stand Napolis Pepe Reina. Davor bildete Kapitän Sergio Ramos mit Mannschaftskollege Nacho, Chelseas Azpilicueta und Arsenals Monreal die Viererkette. Vor der Abwehr bauten Sergio Busquets und Illarramendi das Spiel auf. Außerdem agierte Jonathan Viera im zentralen Mittelfeld. Die nominellen Außen, die aber zumeist weit in die Mitte schoben waren Reals Asensio und Pedro. Aduriz spielte vorne als Stoßstürmer, hatte letztendlich aber einen sehr unglücklichen Tag.

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Bei Israel agierte Harush im Tor. Davor bildeten Keltjens, Tibi, Ben Haim und Davidadze die Viererkette. In Israels 4-3-3/4-2-3-1 spielte Ingolstadts Almog Cohen zusammen mit Natcho und Kabha im Mittelfeld. Im Sturm spielte Hemed, der seit Geld in der Premier League bei Brighton&Hove verdient. Auf den Außen liefen Atar und Melikson auf.

 

Erwartbarer Spielverlauf

Bereits vor der Partie war klar, Spanien würde das Spiel mit viel Ballbesitz dominieren und versuchen sich durch die engen Abwehrketten der Israeli durchzuspielen, während Israel aus einer sicheren Defensive versuchten würde über Konter gefährlich zu werden.

So ähnlich verlief auch das Spiel. Die Spanier hatten viel Ballbesitz, ohne aber wirklich zwingend in ihren Aktionen zu werden. Busquets und Illarramendi agierten tiefer und bauten zusammen mit Ramos und Nacho das Spiel auf. Tiefer ist hier nur relativ. Im Laufe der ersten Halbzeit stand Spanien sehr hoch, so dass Sergio Ramos teilweise in der Nähe des israelischen Sechzehner agierte.

1 Halbzeit

Die spanischen Außenverteidiger schoben dementsprechend sehr weit nach vorne und gaben grundsätzlich die Breite. Azpilicueta wurde einige Male durch lange Diagonalpässe von Ramos freigespielt und konnte durch seine Hereingaben kurz für Gefahr sorgen.

Die Offensivreihe der Iberer war sehr beweglich. Asensio und Pedro positionierten sich nur selten auf außen, viel häufiger rückten sie ein und bewegten sich zusammen mit Viera viel zwischen den Linien, um Passoptionen für das Mittelfeld der Spanier zu schaffen. Stürmer Aduriz bewegte sich meist nur im Sturmzentrum zwischen Israels Innenverteidigern.

Trotz sehr viel Ballbesitz schafften es die Spanier nicht, sich viele Chancen herauszuspielen. Israel, die in einem 4-5-1 verteidigten, schaffte es die Räume gut zu verknappen und Spanien aus dem strategisch wichtigen Zehnerraum herauszuhalten. Dies lag zum Teil an Israels gute Verteidigung. Zum anderen aber an Spaniens Probleme in Ballbesitz. Die Spanier hatten zwar viel den Ball allerdings stimmten die einzelnen Positionierungen der Spieler nicht immer. Spanien bildete zu wenig Dreiecke und unterstützte sich nicht gegenseitig optimal. Dies führte dazu, dass die Spanier selten den Ball zwischen das Mittelfeld und die Abwehr der Israelis spielen konnte.

Die einzigen gefährlichen Aktionen entstanden durch Seitenwechseln und Flanken oder vereinzelten Dribblings von Asensio oder Pedro. Im Laufe der ersten Halbzeit landete dann Spanien vermehrt auf dem Flügel, konnte dort von Israel aber mit 3-4 Mann einfach zugestellt werden. Alles in allem hatte Spanien in der ersten Halbzeit nur wenig nennenswerte Torchancen, meist durch Distanzschüsse. Die beste Torchance ergab sich aus einem Konter nachdem Israel den Ball in Spaniens Hälfte verloren hatte, tauchte Pedro allein vor dem Tor auf, vergab aber die Großchance.

Einen Vorteil hatte der viele Ballbesitz allerdings. Zwar passte die Struktur im Spiel mit Ball nicht immer, jedoch waren meist mehrere Spieler der Spanier rund um den Ball und konnten so nach Ballverlust den Raum schnell verengen. Israel verlor so viele Bälle gleich wieder und war durch Konter kaum gefährlich.

 

Israel mit guten Ansätzen

In Ballbesitz versuchten die Israelis durch schnelle Kombinationen über die Außen für Gefahr zu sorgen. Normalerweise bauten sie mit ihrer Viererkette auf, die Außenverteidiger standen etwas tiefer, zwei zentrale Mittelfeldspieler spielten tiefer, aufgrund Spaniens 4-4-2 Mittelfeldpressing, in dem die Sechser Spaniens sehr hoch standen, gab es für Israel kaum eine Möglichkeit ihre zentralen Spieler wirklich anzuspielen. Israel fokussierte sich mehr darauf Überzahl auf dem Flügel zu schaffen. Mit zwei zentralen Mittelfeldspielern, dem Außenverteidiger und dem Flügelspieler wurde der Halbraum und Flügel überladen und man versuchte sich mit Flachpasskombinationen durchzuspielen. Einige Male gelang es Israel über den Flügel gefährlich zu werden, vor allem in Halbzeit zwei strahlten sie so immer wieder Torgefahr aus.

2 Halbzeit

Zur Pause tauschte Lopetegui und stellte Spaniens System auf ein 3-5-2 um. Sergio Ramos blieb in der Kabine, für ihn wurde Stürmer Iago Aspas eingewechselt. Spanien agierte daraufhin mit einer Dreierkette, die prompt unter Druck geriet, als Israel über außen gefährlich wurde.

2 Halbzeit

Die Umstellung veränderte allerdings nicht viel. Pedro und Asensio blieben nun als nominell einzige Flügelspieler mehr auf der Außenbahn, zwischen den Linien bewegten sich Spanien Offensivkräfte viel in die Tiefe. Dies drückte Israel noch weiter nach hinten, teilweise standen sie bereits mit einer Sechserkette am eigenen Sechzehner. Spanien hatte nun das Problem, dass der Raum zum Spielen zwischen den Linien noch kleiner wurde. Hinter Israels Abwehrlinie war auch kein Platz mehr. Spanien beschränkte sich daraufhin auf viele ineffektive Flanken.

Auch mit dem Wechsel Isco für Aduriz änderte sich nicht viel, die Flanken nahmen etwas ab, allerdings schaffte es Spanien mit Isco als zusätzlichem Mittelfeldspieler trotzdem nicht Israels Abwehr vor große Probleme zu stellen. Illarramendi entschied letztendlich das Spiel mit einem schönen Distanzschuss nach einer Ecke.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Spanien große Probleme hatte sich wirklich Torchancen herauszuspielen, zu selten ließen sie den Ball schnell laufen und fanden ihre Offensivkräfte. Dies kann natürlich auch an den vielen neuen Spielern in der Startelf liegen. Letztendlich hatte Spanien viel wertlosen Ballbesitz, jedoch zeigte sich, dass Lopeteguis Team zumindest ein gutes Gegenpressing spielen kann.

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Alles in allem konnte sich aber keiner der Spieler, die neu in die Mannschaft kamen nachhaltig für größere Aufgaben empfehlen. Die Auffälligsten waren noch Torschütze Illarramendi und Asensio von Real Madrid.

Kategorie Allgemein, International, Spielanalysen

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