Liverpool knackt Mourinhos Manndeckung – holt am Ende trotzdem nur 1 Punkt

Für Jürgen Klopps Team stand schon viel auf dem Spiel gegen Manchester United. Die letzten Wochen ließ das Team immer wieder unnötig Punkte liegen. Die Defensive wirkte nicht immer stabil und vorne war die Chancenauswertung mehr als nur mangelhaft. Gegen Manchester United musste also ein Sieg her, um weiter Anschluss an die Tabellenspitze zu halten. Letztendlich zeigte sich aber wieder das gleiche Bild. Liverpool war bemüht, kam zu Chancen, spielte jedoch am Ende trotzdem nur 0:0

Keine Überraschungen bei den Aufstellungen

Beide Trainer überraschten nicht wirklich bei ihren Aufstellungen. Jürgen Klopp schickte seine aktuell beste Mannschaft ins Rennen. Mignolet agierte im Tor, die Viererkette wurde durch Matip und Lovren zentral, Moreno links und Gomez rechts gebildet. Vor der Viererkette lief Kapitän Jordan Henderson auf, er kümmerte sich um den Spielaufbau und ließ sich vereinzelt zwischen die Innenverteidiger fallen. Unterstützt wurde er dabei durch Emre Can, der deutsche Nationalspieler schob vereinzelt weiter nach vorne, war aber zumeist eine der Anspielstationen hinter Manchesters erster Pressinglinie. Sei Pendant war Wijnaldum, der Niederländer agierte wie immer etwas höher. Im Sturm lief der Ex-Hoffenheimer Firmino auf. Flankiert wurde er dabei rechts von Mohammed Salah und links von Coutinho, den es immer wieder weit ins Zentrum zog.

[getty src=“861219960″ width=“594″ height=“396″ tld=“de“]

Bester Mann auf dem Platz bei Liverpool

Jose Mourinho stellte David de Gea ins Tor, davor agierten Valencia, Smalling, Jones und Darmian in einer Viererkette. Auf der Doppelsechs kam Neuzugang Nemjana Matic neben Ander Herrera zum Einsatz. Rechts sollte Martial für Tempo bei Kontern sorgen, während Ashley Young auf der anderen Seite defensiver agierte. Hinter Stürmer Lukaku lief der Ex-Dortmunder Henrikh Mkhitaryan auf.

Mourinhos Defensivplan

Die am häufigsten beobachtbare Situation war der Spielaufbau bzw. das Spiel ins letzte Drittel bei Liverpool gegen Uniteds Defensivblock. Mourinho setzte dabei auf ein 4-4-2 Mittelfeldpressing, das zumeist etwas defensiver ausgelegt war. Lukaku und Mkhitaryan versuchten primär den Sechserraum zu zustellen. Henderson sollte den Ball nicht zwischen den Linien bekommen, dies versuchten die beiden durch Nutzung des Deckungsschattens zu meistern. Die Innenverteidiger von Liverpool durften zu meist sich den Ball in Ruhe hin und her spielen, ohne attackiert zu werden. Mkhitaryan unterstütze dabei die beiden Sechser noch intensiver wie Lukaku, so dass gelegentlich auch mal ein 4-4-1-1 bei Liverpool entstand. Der Armenier zeigte zeitweise, dass er ein gutes Stellungsspiel besitzt und mit seinem Deckungsschatten den Sechserraum zustellen konnte.

Auf den Außen agierte Manchester sehr mannorientiert. Die Außenverteidiger orientierten sich an Liverpools Flügelspielern während sich Young und Martial zumeist auf Liverpools Außenverteidiger konzentrieren. Waren sie die ballfernen Spieler konnten sie auch kurzfristig den ballfernen Achter von Liverpool im Auge behalten und zustellen.

Im Zentrum herrschten flexible Bindungen der beiden Sechser, Herrera und Matic. Zumeist gab es klare Mannorientierungen gegen Liverpools Mittelfeldspieler. Wurde der Ball nach außen gespielt rückte der ballnahe Sechser meist etwas vor und löste sich von seinem Gegenspieler und kontrollierte ihn über den Deckungsschatten. Dadurch schaffte United es, den Raum ballnah enger zu machen. Manchester United schaffte es so in den ersten Minuten Liverpools Spiel zu unterbinden und sie aus den gefährlichen Räumen fernzuhalten. Neben den Sechser verfolgten auch die Innenverteidiger die Offensivspieler Liverpools relativ weit, bis sie sie an die Sechser übergeben konnten.

Liverpool sehr flexibel

Nachdem Liverpool in den ersten Minuten so seine Probleme hatte, kamen die Männer von Jürgen Klopp besser ins Spiel. Der Ball lief schneller durch die eigenen Reihen und es gab mehr Passoptionen zwischen den Linien für Liverpools Aufbauspieler. Um die Mannorientierungen zu bespielen, war besonders ein Spieler entscheidend. Phillipe Coutinho, der im Sommer noch nach Barcelona wechseln wollte, ersetzte Mané auf dem linken Flügel. In Liverpools Offensivspiel war er dort allerdings sehr selten zu finden.

Er bewegte sich meist sehr weit in die Mitte und ließ sich während des Spielaufbaus fallen. Dies hatte den Effekt, dass er relativ selten einen klaren Gegenspieler hatte und so Überzahl für Liverpool im Zentrum schaffen konnte. Durch den Platz, den er erhielt konnte er aufdrehen und mit Tempo Richtung Zehnerraum dribbeln. Über Coutinhos Dribblings konnte Liverpool so häufiger mal die Linien von Manchester überspielen und so das Team von Mourinho immer weiter nach hinten drücken.

diagonal in Zwischenlinienraum Skizze

Coutinho löst sich aus dem Deckungsschatten und erhält den Ball, nun hat er Platz und kann sein Dribbling starten

Neben Coutinhos Dribblings spielte auch Liverpools sehr bewegliches Offensivspiel mit ausweichenden Bewegungen von Can und Wijnaldum, die nicht nur ihre Höhe immer wieder änderten, sondern auch gelegentlich nach außen schoben, um Raum in der Mitte zu öffnen. Dies öffnete Räume in Uniteds Mittelfeld, die dann von Coutinho oder Firmino, der sich auch immer wieder anbot, genutzt werden konnten.

Des weiteren besetzte Liverpool den Zwischenlinienraum, zwischen Mittelfeld und Abwehr nach einigen Minuten besser. Mit Wijnaldums Vorschieben und Coutinhos eingerückte Rolle stellten sie dort Überzahl her. Da Manchester häufig mannorientierter agierte, ergaben sich Räume für flache Pässe von Matip oder Henderson. Salah, Firmino oder Coutinho waren dann die Anspielstationen. Zwar schaffte es United oft rechtzeitig da zu sein. Aufgrund der Überzahl im Zehnerraum ergab sich aber Raum. Spieler wie Coutinho oder Salah konnten dann den Ball zwischen den Linien kontrollieren und die Angriffe fortsetzten.

Liverpools Probleme im Aufbauspiel

Bereits in den vorherigen Spielen wurden Liverpools Probleme im Aufbauspiel deutlich. Auch gegen Manchester United zeigten sich diese Probleme. Durch die schlechtere Struktur in der ersten Linie konnte Liverpool nicht immer seine Offensivspieler konstant finden. Besonders durch das Abkippen von Henderson und die relativ tiefen Außenverteidiger hatte Liverpool sehr viele Spieler vor Manchester Uniteds Verteidigungsblock. Zum einen fehlte es dadurch immer wieder an Spielern, die auf der Sechserposition sich anboten. Zum anderen konnte United aufgrund der tieferen Außenverteidiger Liverpool höher pressen ohne Gefahr über Außen befürchten zu müssen.

diagonal in Zwischenlinienraum optionen

Beispielhafte Skizze wie Liverpool mit einer besseren Struktur sich viele Vorteile erarbeiten könnte

Außerdem fehlt es Liverpool an der richtigen Positionierung in der ersten Linie. Die Innenverteidiger und Henderson standen zu meist auf einer horizontalen Linie. Dies macht sie leichter zu pressen und verbessert nicht wirklich die Passwinkel ins Mittelfeld, ganz im Gegenteil. Darüber hinaus stehen Liverpools Innenverteidiger auch bei Abkippen von Henderson nicht wirklich breit. Dies hängt auch mit der tiefen Position der Außenverteidiger zusammen. Würden Liverpools Innenverteidiger breiter und mit Henderson besser versetzt stehen, wären diagonale Pässe zwischen die Linien des Gegners einfacher möglich und Liverpool hätte sich noch mehr Chancen herausspielen können.

Außerdem sind Wijnaldum und Can beide nicht die besten Aufbauspieler und treffen nicht immer die besten Entscheidungen, wenn sie den Ball zwischen den Linien erhalten. Ebenso stimmt die Staffelung darunter nicht immer. Selten konnte Liverpool gegen United das Spiel über den Dritten nutzen, um die erste Linie zu überspielen. Dies alles sorgte dafür, dass Liverpool letztendlich sich nicht genug Chancen herausspielen konnte. Ihre besten Chancen resultierten aus Gegenpressingsituationen mit schnellem Umschalten.

Fazit

Letztendlich war Liverpool das spielbestimmende Team und drückt Manchester sehr weit nach hinten. Chancen erspielten sich Klopps Männer auch, diese wurden jedoch von de Gea vereitelt oder vergeben. Abschließend lässt sich sagen, dass Liverpool es schaffte Uniteds Defensivblock vor größere Probleme zu stellen. Mangelnde Chancenverwertung und Probleme im Spielaufbau verhinderten Liverpools Sieg.

Kategorie Allgemein, International, Spielanalysen

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true) Artikel abonnieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.