Manchester Citys Außenverteidiger

Auch unter nicht Taktik interessierten Menschen gilt Pep Guardiola als der Fußballstratege und Taktiktüftler. Aktuell spielt vor allem die Neudefinition der Außenverteidigerposition eine Rolle. Eigentlich ist dies nicht neu. Guardiola ließ bereits bei Bayern seine Außenverteidiger Phillip Lahm und David Alaba häufiger einrücken, um so eine Überzahl in der Mitte herzustellen. Auch agierten die Außenverteidiger bereits bei Jupp Heynckes gelegentlich mit diagonal Läufen.

Die einrückenden Außenverteidiger brachte Guardiola mit nach England. Während letztes Jahr die Implementierung jener schwierig war aufgrund des Guardiola zur Verfügung stehenden Personals, investierte City diesen Sommer viel Geld in neue Außenverteidiger.

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Die Außenverteidiger spielen bei Guardiola in seinen Plänen in England eine sehr große Rolle. Nicht nur passt Guardiola die Aufgaben an die Stärken seines Personals an. Die Rolle der Außenverteidiger hat auch einen direkten Einfluss auf alle anderen Positionen und die Abläufe in Citys Spiel. Deshalb lohnt es sich einen Blick auf jene zu werfen.

Das Personal

Guardiola hat dabei vier Akteure, die er bisher auf der Position des Außenverteidigers einsetzte. Rechts ist dies Kyle Walker, der dynamische aber zugleich auch technisch gute Engländer ist dabei Guardiolas Stammkraft. Walker hat eine enorme Durchschlagskraft und kann mit vertikalen Sprints eine Abwehr vor große Probleme stellen. Allerdings bringt er nicht nur physische Attribute mit. Walker Technik und sein Spielverständnis erlauben es, ihn auch mal einrücken zu lassen oder in einer etwas abwartenden Rolle aufs Feld zu schicken.

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Der von Real Madrid gekommene Danilo kann ebenfalls als Rechtsverteidiger auflaufen. Im Vergleich zu Walker verfügt er nicht über die Schnelligkeit ist dafür aber technisch stärker. Guardiola bot ihn diese Saison auch schon als Innenverteidiger in einer Dreierkette auf.

Links ist zumeist Benjamin Mendy gesetzt. Ähnlich wie Walker verfügt auch er über eine starke Physis ohne spielerisch sonderlich abzufallen. Jedoch fällt Mendy nun erst einmal verletzt bis Ende März aus und wird Guardiola nicht zur Verfügung stehen.

In alter Guardiola-Manier spielte mit Fabian Delph ein Mittelfeldspieler auf der Linksverteidigerposition gegen den FC Chelsea. Allerdings befand sich Delph nur bei gegnerischem Ballbesitz auch wirklich links hinten. Hatte City den Ball bewegte sich Delph ins Mittelfeld.

Die linearen Außenverteidiger

Guardiola stellt seine Außenverteidiger bisher häufig linearer auf. Besonders Mendy links beackerte in einigen Spielen die komplette linke Seite alleine. Dies lag daran, dass anders als in München Guardiola in Manchester das Spiel nicht so sehr auf die Flügel fokussiert. Einfach da nicht so viel Qualität dort vorhanden ist wie noch in München.

Meist lässt Guardiola seine Außenverteidiger breiter agieren, wenn mit Jesus und Agüero zwei zentrale Stürmer auf dem Feld sind. Meist gepaart mit einem Außenspieler. Gegen Watford lief beispielsweise Raheem Sterling rechts auf, schob aber sehr häufig in die Mitte hinein, um mit De Bruyne, Silva und den beiden Stürmern zu kombinieren.

Die Außenverteidiger müssen in solchen Spielen dann die Breite halten, damit es noch genug Ausweichoptionen für die zentralen Spieler gibt und sich der Gegner nicht noch mehr auf das Verteidigen der Mitte konzentrieren kann. Gegen Watford konnten Walker und Mendy immer wieder von den sich öffnenden Räumen profitieren und durch Dribblings den Raum nutzen.

herausziehen

Wie auch hier deutlich zu erkennen ist, lässt sich in solchen Spielen Fernandinho häufiger zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen, abhängig davon wie hoch, intensiv und mit wie vielen Spielern der Gegner City versucht zu pressen.

In dieser Szene wird deutlich wie sich Räume für Walker nach Verlagerungen ergeben. Durch den Zentrumsfokus der anderen Spieler von City erhält der Rechtsverteidiger weniger Aufmerksamkeit und dadurch mehr Raum.

 

Eingerückte Außenverteidiger

Nach der Verletzung von Benjamin Mendy stellte Pep Guardiola Fabian Delph als Linksverteidiger auf, eigentlich ein gelernter Mittelfeldspieler. Dies machte sich Guardiola zu nutzte und ließ Delph in Ballbesitz konstant einrücken. Dabei spielte Delph entweder neben Fernandinho, daraus folgte dann eine 3-2 Staffelung gegen Chelseas zwei Mann Pressing. Oder Delph schob höher, was interessante Folgen mit sich zog.

Dadurch, dass Delph nun ebenfalls höher stand, führte dazu, dass City konstant drei mit Jesus sogar vier Spieler zwischen Chelseas Abwehr und ihrem Dreiermittelfeld hatten. Durch die hohe Präsenz Citys konnte keiner von Chelseas Mittelfeldspielern nach vorne rücken und den beiden Stürmern helfen oder Fernandinho nach Ballannahme pressen.

build up FB pushes higher

Hier zu sehen ist ebenfalls, dass Guardiola die Rolle von Kyle Walker auf der anderen Seite anpasste. Walker agierte auch leicht eingerückt, jedoch positionierte er sich in der letzten Linie. Das heißt er bildet mit Otamendi und Stones zusammen eine Dreierkette. Dies ermöglichte es City mit einer Raute im Spielaufbau Chelseas zwei Stürmer konstant zu überspielen und sicher nach vorne zu gelangen.

Entscheidend für das Einrücken von Delph ist das Timing und die Bewegungen der restlichen Spieler. Beispielsweise eröffnete City vereinzelt gegen Chelsea das Spiel mit einer Viererkette. Walker und Delph hielten dann die Breite. Delph rückte erst ein, wenn Sané auf links anspielbar wurde und Walker rechts neben Stones und Otamendi in die Dreierkette rückte.

FB pushes in center

Die Dreierkette im Spielaufbau entspricht dabei eines von Guardiolas Grundprinzipien. Die Spieleröffnung ist das wichtigste und soll möglichst problemlos von statten gehen. Deshalb versucht man eine Überzahl in der ersten Linie gegen das Pressing des Gegners herzustellen.

Delph schob nicht immer nach vorne, in manchen Szenen spielte er neben Fernandinho und City baute im 3-2 auf. Die zwei Stürmer haben dann kaum eine Chance an den Ball zu kommen. Wenn dann doch mal eine gute Pressingaktion gelang, konnte dies durch die Überzahl und Prinzipien wie dem Spiel über den Dritten gelöst werden.

Spiel über Dritten

Spielen die Außenverteidiger Citys breiter, kippt meistens Fernandinho ab. Wie im oberen Beispiel erkennbar.

Der eingerückte Außenverteidiger gibt City einen zusätzlichen Spieler im Mittelfeld. Deshalb verfügen sie meist über eine Überzahl in der Mitte und sind schwerer für den Gegner zu pressen. Der zusätzliche Mittelfeldspieler ist nicht nur als weitere Anspielstation notwendig, sondern auch als Absicherung bzw. Gegengewicht zu Silva und De Bruyne, die sich gegen Chelsea beispielsweise dadurch noch freier bewegen konnten. Fabian Delph besetzte dann die entsprechenden Räume.

counterpressing

Die höhere Anzahl an Spielern im Zentrum ergibt nicht nur einen Vorteil in Ballbesitz, sondern wie immer, jeder Offensivaktion hat auch einen Defensivennutzen. Durch die erhöhte Anzahl im Zentrum besitzt City schnell viele Spieler in ballnähe und kann so ein erfolgreiches Gegenpressing praktizieren.

Hier ist es deutlich zu sehen, dass Delph zusammen mit Fernandinho und hier sogar dem aufgerückten Walker den Raum nach vorne sichert. Chelsea wird so davon abgehalten sofort einen Pass nach vorne zu spielen. Des Weiteren können De Bruyne, Silva und Co. Höher stehen, dies bringt vor allem nach Ballgewinn sofortige Anspielstationen nach vorne, was City stabiler gegen ein gutes Gegenpressing des Gegners macht.

Jedoch gibt es im Umschaltmoment auch Schwächen. Die gelben Räume sind unbesetzt. Erhält City mal nicht schnell genug Zugriff im Gegenpressing, sind diese Räume die der Gegner attackieren kann. Stones und Otamendi haben dann gegen Spieler wie beispielsweise Morata, Hazard, Salah oder Alexis Sanchez ihre Probleme.

Pep Guardiola geht dieses Risiko allerdings ein. Er will den Konter verhindern bevor er überhaupt ins Rollen kommt. Das Risiko sofort viele Spieler im ballnähe zu haben, scheint wie ein größeres Risiko, jedoch ist das Gegenpressing oft genug erfolgreich. Denn wichtig, würde sich City schneller fallen lassen, könnte der Gegner den Konter beginnen, dass dies nicht weniger gefährlich ist, konnte man in Ancelotti Laufzeit beim FC Bayern häufiger erkennen. In der ersten Halbzeit war Chelsea gelegentlich in der Lage die geöffneten Außenbahnen zu nutzen, vor allem Morata mit seinen ausweichenden Bewegungen konnte Raum hinter der Abwehr finden.

Abgesehen davon bieten die eingerückten Außenverteidiger zu viele offensive Vorteile.

counterpressing with linear fullback

Wenn die Außenverteidiger breiter stehen reduziert das die Gefahr über die Außen ausgekontert zu werden, jedoch ist die Mitte nicht so kompakt. Daraus müsste gegen eine Mannschaft wie Chelsea resultieren, dass entweder De Bruyne oder Silva tiefer spielen, um Fernandinho zu helfen die Mitte zu sichern.

Fazit

In Pep Guardiolas System spielen die Außenverteidiger eine zentrale Rolle. Je nachdem wie sie agieren sollen, kreieren sie eine Überzahl im Zentrum oder geben die Breite und versuchen von außen Durchschlagskraft zu erzeugen. Die Weiterentwicklung der Außenverteidigerposition zeigt Guardiolas Anpassungsfähigkeit und seine Weiterentwicklung des eigenen Systems. Gegen Chelsea ergab die eingerückte Rolle Sinn, jedoch hatte Guardiola durch den Ausfall von Mendy auch kaum andere Optionen. In der Defensive sind die Citizens weiterhin dünn besetzt. Man wird sehen wie dies die Saison und Guardiolas Optionen beeinflusst.

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Schreibt außerdem für Miasanrot und Total Football Analysis

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