​Kurz ausgeführt: Freiburgs Offensivprobleme gegen Hertha BSC

In einer Liga voller Mannorientierungen wird es immer schwerer für die kleineren Mannschaften spielerische Ansätze im Offensivspiel erfolgsstabil auf den Platz zu bringen. Ein hervorragendes Beispiel dafür sind die Breisgauer aus Freiburg. Im Ligaspiel gegen Hertha BSC am vergangenen Sonntag ist dies nochmal deutlich zum Ausdruck gekommen.
Der SCF begann, wie gewohnt, mit einer 5-3-2-Formation mit Höfler als Solo-Sechser und Frantz und Terrazzino als Achtern. Schuster agierte wieder als zentraler Spieler der Dreierkette zwischen Söyüncü und Lienhart.

Im Aufbauspiel in der Anfangsphase wurde deutlich, dass Freiburg trotz einer Dreierkette wenig zwingend nach vorne kam. Dies lag vor allem daran, dass man das Mittelfeld kaum nutzen konnte. Bedingt dadurch, dass Herthas Sturmreihe darauf bedacht war, Höfler im Zentrum abzudecken, fanden die Breisgauer kaum konstruktive Möglichkeiten nach vorne. Die Achter hingen auf Höhe der Mittelfeldreihe des Gegners und wurden ohnehin sehr weit bis in die eigene Hälfte mannorientiert verfolgt.

Deshalb ließen sich die Wingbacks Günter und Stenzel sehr tief fallen bzw. hielten sie sich mit weiten Vorstößen zurück und boten sich den Verteidigern als Anspielstation an. Meist verschob Hertha allerdings früh genug auf die Außen, um auch den beiden genannten Akteuren des SCF frühzeitig das Handwerk zu legen. So gab es minutenlange Zirkulationen in der Abwehrkette der Freiburger ohne, dass man konstant Lücken reißen konnte.

Gelegentlich ließen sich auch Haberer und Niederlechner tief zurückfallen, um Überzahl im Mittelfeld zu schaffen und Übergabeprobleme bei Berlin auszulösen, allerdings waren die Folgestrukturen im Mittelfeld von Freiburg suboptimal: dadurch, dass weder Höfler, noch Terrazzino oder Frantz sich loslösten, um sich als Ablagestation anzubieten, verpasste man Steil-Klatsch-Situationen à la Hoffenheim aufs Parkett zu bringen und auf diese Weise mit dem Blick zum gegnerischen Tor im Mittelfeld zu landen.

Lösungsmöglichkeiten für die Probleme im Übergang ins zweite Drittel:

Ohne großartig detailliert Elemente des Juego de posición ins Visier zu nehmen, kann man die Schwierigkeiten des SC Freiburg in der „transition“ minimieren, indem man Positionsstrukturen anhand einfacher Faustregeln anpasst.

Der wichtigste Aspekt ist Höflers Positionierung: im Zentrum sieht er sich mindestens 2 Gegenspielern gegenüber. Bewegt er sich in dieser Situation etwas weiter halbrechts und folgt Terrazzino dieser Bewegung, öffnet sich für Schuster der Passkanal zu Günter und er muss nicht abdrehen.

Daher lautet das Stichwort für Freiburgs Mittelfeld: ausweichende Bewegungen. Per sé ist desweiteren lobend zu erwähnen, dass Haberer und Niederlechner sehr intelligent Gegenspieler im Mittelfeld binden und eine Grundlage für oben genannte Veränderungen bieten.

Beweist sich der durchaus gute Stratege Streich in solchen Situationen als ebenso guter Taktiker und nimmt Anpassungen vor, so kann Freiburg noch viel effizienter proaktive Angriffe fahren und in diesem exzessiv manndeckenden Lande einen vermeintlichen Nachteil als Underdog in einen Vorteil ummünzen und vielleicht ähnlich überraschen wie abgelaufene Saison.
von Shahin Bazani

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