Die Heynckes Euphorie Bayerns Entwicklung unter Jupp Heynckes

Die ersten Spiele von Jupp Heynckes vierter Amtszeit beim FC Bayern sind nun vorüber. Zeit einen ersten Blick auf seine Veränderungen zu werfen. Neben der Verbesserung der Teamchemie und der scheinbar besseren Motivation der Spieler, änderte Heynckes auch taktisch einiges.

Zurück zum 4-2-3-1

Mit Heynckes kehrte auch das 4-2-3-1 aus der Triple-Saison zurück. Javi Martinez agierte gegen Freiburg auf der Sechs, zeigte ein gutes Spiel, musste allerdings verletzt runter. Die Position neben Martinez übernahm der andere Spanier, Thiago. Thiago hat im System von Jupp Heynckes viele Freiheiten und soll das Spiel durch seine Kreativität leiten und lenken, was ihm bisher auch sehr gut gelang. Gegen Celtic Glasgow ersetzte Sebastian Rudy Javi Martinez auf der Sechserposition. Dies gab den Bayern noch mehr Klasse im Spielaufbau durch Rudys ruhiges Passspiel.

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Spielt unter Heynckes wieder eine zentrale Rolle

Allerdings wird die Doppelsechs gar nicht so konstant gespielt. Thiago ist oft viel unterwegs und schiebt auch mal höher zwischen die Linien. Im Spielaufbau ergibt sich dann häufig ein Dreieck des einen Sechser mit den beiden Innenverteidigern. Thiago spielt vor allem zwischen der Mittelfeld- und Abwehrlinie wenn Kingsley Coman links etwas breiter steht. So ließen sich bei Bayern im Spielaufbau immer wieder 4-1-4-1 Staffelungen erkennen. Besonders gegen tiefere Gegner, die die Bayern nicht immer sofort am Spielaufbau versuchen zu verhindern, ergibt dies auch Sinn. Dadurch haben die Bayern eine höhere Präsenz zwischen den Linien, dies drückt den Gegner weiter nach hinten und gibt den Bayern mehr Raum.

Wenn Thiago höher spielt, schaltet er sich in die aktive Ballzirkulation erst ein, wenn sich der Ball im zweiten bzw. nahe am Angriffsdrittel befindet. Dann ergibt sich wieder eine klarere Doppelsechs bei den Münchnern.

Thiago positioniert sich im Spielaufbau tiefer, wenn dadurch Coman nach innen schiebt und sich zwischen den Linien bewegt. In diesem Punkt machte Coman Fortschritte in letzter Zeit. Er wirkt auch unter Druck ruhiger und kann mit seinen Dribblings gefährlich werden. Primär funktioniert dies aber, wenn der den Ball außen erhält und mit Tempo auf die Verteidiger zu gehen kann.

Eine weitere Änderung betrifft die Eröffnung des Spiels. Boateng und Hummels haben beide mehr Verantwortung für den Spielaufbau und sollen die ersten Pässe spielen. Unter Ancelotti wurde der Ball meist schnell an abkippende Sechser wie Vidal übergeben. Überlegt man sich über welche spielerische Klasse die beiden Innenverteidiger verfügen, lassen sich daraus schon Gründe ableiten, wieso nicht alle Spieler von Ancelotti überzeugt waren.

Gegen Freiburg rückte Martinez außerdem noch vereinzelt zwischen die Innenverteidiger. Dies blieb aber die Ausnahme und scheint auch von Jupp Heynckes nicht so geplant zu sein. Besonders gegen Teams die nicht so hoch pressen, ergibt ein abkippender Sechser wenig Sinn, da seine Präsenz im Zentrum daraufhin fehlt.

Spielaufbau

Bayerns Aufbauspiel gegen den SC Freiburg

Im Offensivspiel hackt es immer noch

Im Offensivspiel hat sich bisher noch nicht so viel geändert. Dies ist allerdings bei englischen Wochen und wenigen Trainingstagen sehr schwierig. Im Bayernspiel ist nun mehr Tempo vorhanden. Die Außenverteidiger hinterlaufen dynamischer und mit besserem Timing. Jedoch ist dies flexibel. Mal bieten sich Kimmich und Alaba als Anspielstation an, mal hinterlaufen sie Coman oder Robben. In seltenen Fällen nutzen sie den Halbraum und vorderlaufen die Flügelspieler. Bestes Beispiel ist das 1:0 gegen den SC Freiburg, als Alabas Lauf durch den Halbraum in die Tiefe die Breisgauer vor Probleme stellte und Alaba letztendlich den Ball aus einer guten Position nach innen spielen konnte.

Alaba Tor

Des Weiteren besetzten die Bayern den Sechzehner nun besser. Zusätzlich zu Lewandowski, bewegt sich Müller intelligent in den Sechzehner und wird dabei vereinzelt von Kingsley Coman und Arjen Robben unterstützt. Alles in allem ist die Wahrscheinlichkeit nach Flanken ein Tor zu erzielen gering. Das Offensivspiel der Bayern hat aber kaum Variationen, bisher geht noch viel über Flanken, obwohl auch hier unter Heynckes zwischen hohen und flachen Flanken variiert wird.

Eine wichtige Änderung im Angriffsspiel ist das verbesserte Gegenpressing. Durch eine bessere Struktur im Offensivspiel, Jupp Heynckes übernahm Elemente des Positionsspiels, wie sich auch bei seiner ersten Trainingseinheit erkennen ließ. Meist sicheren Thiago und der ballferne Außenverteidiger ab, wenn der Ball in die Mitte geflankt wird. Zusammen mit dem anderen Sechser (Rudy oder Martinez), der etwas tiefer steht, können die Bayern die Abpraller und zweiten Bälle abfangen und so viele Konter bereits vor dem Entstehen verhindern. Gegen Freiburg dominierte der FC Bayern so in der ersten Hälfte und auch die Schotten aus Glasgow konnten so weiter nach hinten gedrückt werden.

Allerdings ist das Gegenpressing weit vom Ideal entfernt, man bedenke, dass Ancelotti darauf kaum Wert legte. Gegen Glasgow gab es immer wieder Szenen in denen die Schotten viel Platz hatten einen Konter zu starten. Dies war bedingt durch einen zu breiten ballfernen Außenverteidiger, Thiago der zu hoch stand oder ein zu schnell gespielter Angriff, der nicht sauber vorbereitet wurde.

Bayerns neue Stärke

Jupp Heynckes wichtigste Veränderung betriff allerdings die Defensive. Wie er bereits einige Male nun betonte, wünscht er sich noch mehr defensive Kompaktheit. Für Heynckes ist eine stabile Defensive der Grundstein zum Erfolg. Vor allem in der aktiven Balleroberung konnte man große Fortschritte feststellen. Unter Heynckes agieren die Bayern zumeist mit einem 4-1-4-1 Pressing. Der Stürmer läuft dabei die Innenverteidiger an und versucht sie auf die Seite zu lenken. Wahlweise kann er dabei von einem Flügelspieler unterstützt werden, der den Innenverteidiger nach einer Verlagerung sofort aggressiv unter Druck setzt.

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Jupp Heynckes greift immer wieder ein

Da das Pressing meist auf klare Mannorientierungen abgestimmt ist, versuchen die Flügelspieler entweder die Außenverteidiger zu attackieren, oder sie nehmen diese in ihren Deckungsschatten, gegen Freiburg konnten zusätzlich noch die Außenverteidiger aufgrund der einfachen Besetzung des Flügels die gegnerischen Außenspieler pressen, und pressen die Innenverteidiger.

Die Achter stellen derweil die gegnerischen Mittelfeldspieler zu. Meist verfolgen sie sie mannorientiert allerdings nicht so weit, dass sie aus ihrer Position gezogen werden. Das 4-1-4-1 entsteht erst durch Thiagos Vorrücken. Die Bayern bauen so sehr viel Druck auf die gegnerische Verteidigung auf und stören den Spielaufbau. Durch Thiagos und Müllers hohe Position kontrollieren sie außerdem den Sechserraum und lenken den Gegner nach außen, von wo aus er weniger Gefahr ausstrahlen kann.

Pressing

Die Viererreihe im Mittelfeld wird von dem einzigen Sechser abgesichert. Auch deswegen ist Martinez so wichtig für Jupp Heynckes. Der Baske kann mit seinem Stellungsspiel und seiner Athletik fast den ganzen Sechserraum kontrollieren. Sei es durch Verfolgen eines Gegenspielers oder das Sichern des Raumes hinter der Viererreihe, Martinez versteht sich auf beides hervorragend. Sebastian Rudy hingegen verlässt sich mehr auf sein Stellungsspiel und gutes Antizipieren. Gegen Glasgow konnte er dies hin und wieder auch unter Beweis stellen.

Unterstützt wird der Sechser durch die Innenverteidiger, die häufiger herausschieben, um den Gegner schon bei der Ballannahme zu stören. Boateng und Hummels antizipieren solche Situationen meist sehr schnell und sind beide aufgrund ihrer Schnelligkeit in der Lage rechtzeitig Druck auszuüben.

Das Pressing wurde bisher in allen Partien variiert. Ein aggressives Angriffspressing 90 Minuten durchzuspielen ist so gut wie unmöglich, da es sehr viel Kraft kostet. Gegen Freiburg zog man sich nach 20 Minuten etwas zurück und agierte in einem Mittelfeldpressing, jetzt wurden vor allem die ballnahen Räume noch enger gemacht. Jedoch kam der Gegner so eigentlich erst wieder zurück ins Spiel. Den Bayern fehlte es noch an den Abläufen, um auch aus dem Mittelfeldpressing Ballgewinne zu erzielen.

Des Weiteren, konnte man gegen Celtic einzelne Varianten des Pressings sehen. Thomas Müller schob hin und wieder auf die Höhe von Robert Lewandowski und beide versuchten die Innenverteidiger anzulaufen und gleichzeitig Celtics Achter in den Deckungsschatten zu nehmen. Dahinter gestaltete es sich dann wie folgt. Rudy spielte weiterhin alleine vor der Abwehr, Thiago, Coman und Robben bildete eine Dreierreihe. Das 4-1-3-2 Pressing, was es in diesen Phasen war, konnte man auch während der Amtszeit von Pep Guardiola bei den Bayern erkennen.

FC Bayern Pressing Variante

Das Pressing im 4-1-3-2 wurde nur situativ sichtbar. Der Vorteil hier, der hinteren Reihen des Gegners werden schon extrem zugestellt durch den zweiten Stürmer. Allerdings, wenn die Intensität nicht stimmt, die Laufwege nicht sauber ausgeführt werden, dann ergibt sich doch recht viel Platz im Zentrum für den Gegner.

Defensiv stehen die Bayern unter Heynckes also wieder weitaus stabiler, jedoch gibt es immer noch Probleme, die zu lösen sind. Nicht immer wirkt Bayerns Defenisve 100% stabil. In den Spielen gegen Leipzig wird sie erstmals unter Jupp Heynckes richtig gefordert.

Expected Goals

Quelle @11tegen11

Bayern ließ auch gegen nur 10 Hamburger nichts zu, die Offensive tat sich hingegen lange sehr schwer

Fazit

Überraschenderweise änderte sich sogar schon recht viel unter Jupp Heynckes, beachtet man, dass er bisher kaum Trainingszeit mit seinem kompletten Kader hat. Unter Heynckes wird die defensive Kompaktheit wieder stärker, das Pressing entwickelt sich vielleicht zu einer echten Waffe, vor allem in der Champions League wäre dies gegen bessere Gegner sicherlich ein gutes Mittel, um deren Rhythmus zu brechen und das Spiel zu dominieren.

Am Offensivspiel muss weiterhin geschraubt werden, jedoch ist dies auch weitaus schwieriger zu trainieren. Neben den taktischen Änderungen herrscht beim FC Bayern auch wieder ein anderer Wettbewerb. Die Spieler sind motivierter und mit Heynckes ist ein Trainer da, der erst mit 100% zufrieden ist und immer wieder noch Nuancen findet die verbessert werden müssen. In der Vergangenheit hat das die Bayern stark gemacht, ob das auch für die Zukunft gilt, bleibt abzuwarten.

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