Leipzig gegen Stuttgart – Ein Hauch von Tottenham beim VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart musste zum schwierigen Auswärts Spiel bei RB Leipzig antreten. Im Vorfeld wurde reichlich diskutiert, ob etwas zählbares für den VfB zu holen ist. Der VfB probierte es daraufhin mit einer noch defensiveren Aufstellung. VfB mit bisher 6 Toren in dieser Saison und ich darf natürlich vorgreifen, es kam kein weiteres hinzu.

Neue Formation – neues Glück?

Leider kann man von Glück nicht sprechen. Nach dem erfolgreichen Spiel gegen Köln war ein wenig Euphorie da. Diese wurde ein wenig gehemmt durch die Verletzung des zuletzt starken A. Donis. Jeder VfB Fan stellte sich die Frage, wen wird Wolf für Donis spielen lassen. Man wurde überrascht und Wolf änderte sogar seine Formation. Zuerst ging man von einem 5-2-3 System aus, nach den Anfangsminuten sah man deutlich, dass es zu einem 5-3-2 System wurde. Hier war für jeden klar, es wird gemauert und vorne hofft man auf sein Glück. Leipzig ist für sein hohes Pressing und sein Umschaltspiel, sowohl bei Ballgewinn als auch nach Ballverlust bekannt. Wolf fordert die Mitte und die Halbräume sehr eng zu halten. Das führt dazu, dass die Leipziger mit den einrückenden Flügelspielern, die Mitte überladen Der Spielaufbau kann dann nur noch durch die Außenverteidiger der Leipziger stattfinden. Im ersten Moment sieht die Formation ängstlich aus und von einer offensiv Gewalt nicht zu sprechen. Wolf wollte eher, dass klassische Leipziger Spiel unterbinden und auf Konter für den VfB hoffen. Zu diskutieren ist ob die Positionen nicht anders besetzt hätten müssen und ob nicht mit so einer Formation signalisiert wird “ 1 Punkt reicht mir“.

Die Umsetzung

VfB startete ohne Akolo und Brekalo im Vergleich zum Köln Spiel. Es begann Terrode mit Asano im Sturm. Jetzt wurde endgültig klar, dass der VfB auf Konter setzt, da Asano zu den schnellsten Spielern des VfB gehört. Aogo wurde in den Anfangsminuten ausgewechselt und dadurch besetzte Insusa wieder die linke Abwehrseite. Das Mittelfeld wurde von Burnic, Mangala und Ascacibar besetzt. Sehr junges Mittelfeld und eher klassische defensive Mittelfeldspieler, die sich durch Zweikampfstärke auszeichnen.

VfB überraschte in den Anfangsminuten und ließ nicht viel zu. Sie verschoben fleißig und man überließ den „Bullen“ den Ball. Leipzig wusste damit nicht viel anzufangen, da die Räume in der Mitte sehr eng waren und oftmals die Flügelspieler mit in das Zentrum einrückten und somit die Mitte überladen wurde. Dennoch war es wieder dieser Moment als der VfB aus einem Ballverlust ungeordnet agierte. Die Szene des Tors zeigte ganz klar, dass sich der VfB hier nur schwer zu helfen weiß. Ein taktische Foul oder auch einfach die Besetzung der Positionen wäre richtig gewesen. Alle drei 6er waren bei Forsberg dran, aber gaben ihm nur Begleitschutz. Burnic der normalerweise Mitte links zu sehen war, stand auf einmal rechts bei Forsberg. Wiederum Managala hätte Burnic seine Position einnehmen müssen. Die 6er des VfB hatten keinen Abstand mehr zueinander und das war genau dieser Moment den die Leipzig ausnutzen. Langer Querpass zu Sabitzer und der dürfte Maß nehmen und erzielte ein Tor außerhalb des Strafraumes. Zu wenig Aggressivität von Pavard, der in dem Moment Sabitzer stärker unter Druck hätte setzen müssen. Rückendeckung wäre dagewesen, durch Badstuber und Insua. Die letzten beiden Gegentore fielen genau gleich beim VfB Stuttgart. Dennoch zeigt es, dass der VfB gegen leipzig defensiv sehr disziplinert spielte und den Matchplan von Wolf gut umsetzte. Sie ließen wenig Chancen zu und erst gegen Ende kamen die Leipziger zu mehr Chancen.

Was passiert mit der offensive?

Jetzt wurde viel über die Formation gesprochen und wie man den Leipzigern das Leben in der offensive schwer machen kann. Trotzdem geht man in jedes Spiel, um zu gewinnen und dazu muss man Tore schießen. Leider bot der VfB mit seiner Aufstellung nur zwei offensive Spieler auf. Zum einem Terrode und zum anderen Asano. Der eine groß, robust und langsam und der andere klein, quirlig und schnell. Für mich ist ganz klar Terrode der Leidtragende des Systems. Kein Ball wurde gefährlich in den Strafraum zu ihm gespielt und der Spielaufbau des VfB war ganz einfach reihen zu überspielen, die Schnelligkeit von Asano zu nutzen oder durch kompaktes nachrücken auf die zweiten Bälle zu spekulieren. Genau für dieses offensiv Spiel, hätte ich mir gerne Akolo und Asano gewünscht als Doppelspitze. Das ist keine Kritik an Terrode, der bemüht und willig war. Sondern eher auf die Spielauslegung zurück zuführen, zu der man sagen muss, dass  Terrode dann der falsche Spieler für das System ist. Einige gefährlich Szenen wurden nur über Asano gefährlich, da er geschickt wurde oder auf Fehler beim ablaufen spekulierte. Des weiterem muss man sagen, dass der Japaner ein starkes Spiel machte und mit dem Pfostentreffer, fast das Spiel nochmal spannend gemacht hätte. In einer Szene des Spiels, eroberte Terrode einen Ball im Mittelfeld, aber braucht zu lange um in den Strafraum nachzurücken. Die Flanke in den Strafraum von Beck verpuffte, da man keinen Abnehmer fand. Wenn es gefährlich wurde hat man Terrode nicht gefunden oder Asano wurde angespielt.

VfB muss mehr Ballsicherheit wieder anstreben, kompaktes nachrücken nach vorne und mehr Bälle in die „Box“ wieder spielen. Dort findet man Terrode und dort kommt man auch zu den Toren. 6 Tore in 9 Spielen schmeckt niemanden und man muss aufpassen, dass man nicht nach ganz hinten in der Tabelle abrutscht.

VfB = Tottenham – leider nicht

Die Tottenham Hotspurs spielen auch in diesem 5-3-2 Sytem, dass Hannes Wolf gegen Leipzig spielen ließ. Dennoch werden die Positionen bei Tottenham anders besetzt. Vor allem die Außenverteidiger sind sehr offensiv. Eine wirkliche Abgrenzung zum 3-5-2 findet nicht statt. Genau, dass hat man auch zuteilen beim VfB gesehen. Mit Ball war dieses System eher ein 3-5-2. Von den Spielertypen im Sturm, kann man mal abgesehen von dem großen Qualitätsunterschied, die gleichen Typen erkennen. Der Schnelle Son und der Robuste und große Kane. Dennoch ist das Mittelfeld bei Tottenham mit Spielern besetzt, die eher ein 10er sind, als ein klassischer 6er. Somit kommt mehr Ballsicherheit und Kreativität mit nach vorne zustande. Leider fehlt dem VfB hier diese Kreativität. Berkay Özcan der als Talent gilt, könnte eher diese Position erfüllen als Mangala. Özcan der technisch versiertere der beiden und sieht sich selbst eher als 10er.

Gemeinsamkeiten sind, dass beide Trainer die defensive Stärken möchten und die Räume im Mittelfeld eng zu halten. Die Tore kassieren beide durch Ballverluste in denen  es dann zu einer Unordnung der Positionen kommt. Tottenham hat einer der geringsten Anzahl von Gegentoren in der Liga. Der VfB gehört in der Bundesliga, was die defensive angeht, zum oberen Mittelfeld.

Fazit

Der VfB muss jetzt schauen, dass er durch seine starken defensiven Aufgaben nicht die offensive vernachlässigt. Beide Außenverteidiger müssen noch höher stehen und noch mehr Richtung Seitenlinie beim Spielaufbau gehen. Die Mittelfeldpositionen sollen zur Anlehnung an Tottenham, nicht nur an klassische 6er vergeben werden. Terrode muss mehr wieder in Gefahrenzonen angespielt werden. Besser gesagt, man soll ihn wieder suchen, damit der VfB wieder mehr Torgefahr ausstrahlt. Wenn dies so umgesetzt wird in den nächsten Wochen, kann sich der VfB Stuttgart von den hinteren Tabellenplätzen befreien.

 

SK

 

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