Bayerns Positionsspiel auf dem Höhepunkt

Die Bayern spielten in der Gruppenphase gegen Arsenal in der Saison 2015-2016. Im Hinspiel verloren die Bayern noch in London etwas unglücklich. Das Rückspiel sollte eine Machtdemonstration und gleichzeitig der Höhepunkt des Bayern Positionsspiel in seiner Zeit in München sein.

Die Aufstellungen

Auf Arsenal möchte ich mich hier kaum konzentrieren. Arsenal verteidigte im 4-5-1/4-4-1-1. Durch Konter wurden sie in der ersten Hälfte, besonders in den Anfangsminuten sehr gefährlich. Die Konter wurden meist über Özil und Sanchez gespielt, Olivier Giroud besetzte dabei das Sturmzentrum.

Unterstützt wurden die drei Spieler auf rechts von Campbell. Der Spielaufbau wurden vom Spanier Santi Cazorla ausgeführt, neben jenem spielte der ehemalige Freiburger Coquelin. In der Viererkette vor Torhüter Petr Cech liefen Monreal, Gabriel, Debuchy und der Weltmeister Per Mertesacker auf.

Bei den Bayern stand wie gewohnt Manuel Neuer im Tor. Davor bildeten Jerome Boateng und Javi Martinez das Innenverteidiger-Duo. Links verteidigte Alaba, rechts Philipp Lahm. Der nominell einzige Sechser Xabi Alonso wurde von Thiago unterstützt, während Douglas Costa und Thomas Müller abwechselnd die rechte Seite und den rechten Halbraum besetzten. Kingsley Coman legte seine Rolle links sehr breit aus, während Robert Lewandowski im Sturmzentrum auflief.

Bayerns starkes Positionsspiel

Bayern dominierte über weite Strecken das Spiel. Grund dafür war das sehr präzise Positionsspiel. Wie in dieser Saison häufiger der Fall, ließ Guardiola fünf Akteure der Bayern in der vorderen Angriffslinie. Coman spielte wie erwähnt auf dem linken Flügel nahe der Außenlinie. Unterstützt wurde er dabei vom sehr weit in den Halbraum vorschiebenden Alaba. Lewandowski besetzte das Zentrum, Costa bewegte sich im rechten Halbraum oder auf der rechten Außenbahn, je nach Costas Position besetzte Müller die offen gebliebene Stelle.

Dahinter hatten die Bayern drei sehr pass- und spielstarke Akteure. Philipp Lahm agierte wie sein Pendant auf der anderen Seite in einer eingerückten Rolle. Jedoch positionierte er sich etwas tiefer im rechten Halbraum. Auf einer Linie mit Alonso und Thiago. Die Bayern hatten so drei Spieler die in der Lage waren das Spiel schnell zu verlagern und die Offensiven zwischen den Linien zu finden. Hinter dem Dreiermittelfeld agierten noch die beiden Innenverteidiger, die wahlweise durch andribbeln oder im Falle von Boateng durch flache scharfe Pässe zwischen die Linien offensiv aktiv wurden.

Arsenals Probleme gegen die eingerückten Außenverteidiger

Arsenal hatte in diesem Spiel große Probleme die Außenverteidiger der Bayern und dessen Rolle zu verteidigen. Wie erwähnt rückten beide in den Halbraum, jedoch war dies keinesfalls symmetrisch. Lahm spielte als zusätzlicher zentraler Mittelfeldspieler. Seine Aktionen im Halbraum stellten Arsenal häufiger vor Probleme. Bayern schaffte es so Situationen von positioneller Überlegenheit herzustellen.

Positionelle Überlegenheit heißt in diesem Fall, dass die Spieler die Räume so besetzten, dass sie immer eine Angriffsmöglichkeit haben, egal welche Aktion der Gegner versucht zu verteidigen.

Bayern Positionsspiel

In dieser Szene wird die positionelle Überlegenheit der Bayern deutlich. Costa, Lahm und Müller bilden ein Dreieck im rechten Halbraum. Arsenal kann durch das Herausrücken eines Innenverteidigers oder das weite Verschieben eines Sechsers gleichzahl herstellen. Nichts desto trotz ergeben sich viele verschiedene Angriffsmöglichkeiten für die Bayern, nachdem Lahm den Pass auf Müller spielte.

varianten

Aufgrund von Lahms Position musste Arsenals Flügelspieler etwas herausrücken und den Kapitän pressen. Im Folgenden versucht er nun den Pass auf jenen zurück zuzustellen. Jedoch öffnet sich dadurch die Mitte. Müller kann nun Costa im Zwischenlinienraum anspielen, der Brasilianer hätte dort Platz und könnte von Arsenals Innenverteidiger nicht, ohne die Gefahr Lewandowski aus den Augen zu verlieren, unter Druck gesetzt werden. Des Weiteren würde Costa ein 1vs1 Duell gegen einen der Innenverteidiger mit ziemlicher Sicherheit gewinnen, also hätten die Bayern einen qualitativen Vorteil.

Müller könnte allerdings auch Costa hinter die Abwehr schicken. Monreal kann nicht den ganzen Raum abdecken. Costa würde so also mit Ball am Fuß hinter die Abwehr von Arsenal gelangen und so selbst zum Abschluss kommen, oder Lewandowski durch eine gefährliche Hereingabe in Szene setzten.

Bayern Positionsspiel

Die dritte Möglichkeit, wenn Arsenals Flügelspieler den Pass auf Costa zustellen will. Müller könnte Lahm anspielen. Am Ende des Tages wäre es ein simpler Doppelpass. Durch das Verschieben und Zustellen des Gegners aller anderen Optionen, hat Lahm nun mehr Platz und könnte das Spiel schnell verlagern. Arsenal wird so immer weiter nach hinten gedrückt und muss ständig verschieben, dies führt zu Fehlern, die die Bayern ausnutzen können.

Auf der anderen Seite hatte David Alabas weites Vorschieben in den Halbraum zwischen die Linien des Gegners einen etwas anderen Effekt. Alaba öffnete durch seine Bewegung aus der Tiefe immer wieder die Passlinie auf Coman. Alaba brachte Campbell dazu sich entscheiden zu müssen. Bayern hatte hier einen Vorteil.

Bayern Positionsspiel

Costa bewegte sich hier nach einem Angriff über die rechte Seite in die Mitte und versuchte so die Seite zu wechseln. Die Sechser schieben nicht schnell genug heraus, da auch sie noch im Verschieben sind. Alaba bewegt sich genau in diesem Moment zwischen die Linien. Campbell muss sich nun entscheiden, ob er David Alabas Laufweg zustellt oder den Pass auf Coman verhindert. In beiden Szenarien können die Bayern gefährlich werden. Entweder Alaba erhält den Ball mit Blick zum Tor im Zwischenlinienraum, oder Coman erhält außen den Ball, hat Platz und kann in eine 1vs1 Situation gelangen.

Alaba und Coman wechselten sich bei der Positionierung immer wieder ab, allerdings passte es besser zum Fähigkeitsprofil, wenn Coman breiter blieb und Alaba aus der Tiefe in den Raum zwischen den Linien vorstoßen konnte. Genau wie auf der rechten Seite ergab sich ein Dreieck im Halbraum, im Gegensatz zur rechten Seite, war es Thiago der die Position vor dem Arsenal Block einnahm, während Coman und Alaba sich außen oder zwischen den Linien bewegten.

Bayerns Überlegenheit im Zentrum

Bayerns Positionsspiel war in diesem Spiel, wie bereits angesprochen, sehr präzise. Dies stellte Arsenal immer wieder vor Herausforderungen und verhinderte, dass die Gunners überhaupt mal Zugriff auf den Ballführenden bekamen. Besonders die Tatsache, dass Alonso, Thiago und Lahm für Arsenal sehr schwer zu pressen waren, ließ die Bayern das Spiel kontrollieren.

Die Bayern konnten bereits von hinten recht leicht aufbauen. Dadurch standen sie meist gut organisiert mit Ball in Arsenals Hälfte und konnten die Gunners so immer weiter nach hinten drücken. Giroud und manchmal Sanchez die versuchten zu pressen, hatten gegen die Überzahl der Bayern kaum eine Chance.

Bayern Positionsspiel

Darüber hinaus konnte Arsenals Mittelfeld nur selten nach vorne schieben. Aufgrund der fünf Spieler in der vordersten Linie, ist ein Herausrücken riskant. Man müsste die offenen Räume durch die anderen Spieler zuschieben, dies ergibt Raum auf außen, Bayern könnte also schnell außen ein 1vs1 herstellen, oder es ergeben sich Lücken im Zentrum, die Bayern versuchen konnte auszunutzen.

Für die Mittelfeldspieler ergaben sich durch das gute Positionsspiel sehr viele Passoptionen, je nachdem wie der Gegner reagiert können unterschiedliche Pässe gespielt werden.

Wirft man in der folgenden Szene einen Blick auf Thiagos Passoptionen wird dies besonders deutlich. Thiago kann das Spiel über die sicheren Routen, Alonso und Martinez neu aufbauen. Die sichere Passoption nach hinten steht für die Mittelfeldspieler der Bayern immer zu Verfügung aufgrund der 5vs2 Überzahl im Spielaufbau. Im Notfall kann natürlich auch noch Manuel Neuer angespielt werden.

Neben den sicheren Passoptionen kann Thiago mit seiner Passqualität immer noch beide Flügelspieler erreichen und den Gegner zum schnellen Verschieben zwingen. Ebenso konnte Thiago gefährliche Pässe zwischen die Linien spielen. Diese Passoptionen erschwerten Arsenal das Herausrücken. Die Spieler der Bayern konnten zwischen den Linien den Ball annehmen und gefährlich werden oder einfach prallen lassen. Auch das prallen lassen hat einen Effekt. Der Gegner muss sich kurz fallen lassen und ballnah zusammenziehen. Dies ergibt wiederum mehr Platz für die Mittelfeldspieler, bereits bei Lahms Rolle angesprochen. Arsenal wurde so immer wieder in Bewegung gebracht, bis sich Lücken ergaben. Zumeist versuchte man durch Durchbrüche am Flügel mit Pässen nach innen gefährlich zu werden.

Thiago Passoptionen

Die Vorteile des Fünfersturms

Wie bereits erwähnt agierten bei den Bayern fünf Spieler in der vordersten Linie. Dies führte dazu, dass die Bayern sehr viele Anspielstationen zwischen den Linien hatten und so Arsenals Mittelfeld daran hinderten nach vorne zu pressen.

So wurde Arsenal bereits recht weit nach hinten gedrückt. Zusätzlich gab es immer wieder Bewegungen einzelner Akteure in die Tiefe, die die Abwehr nach hinten drückten und weiteren Raum eröffneten.

Wichtig bei der vollen Nutzung der Vorteile der Fünferreihe ist die richtige Positionierung der Spieler. Die beiden Flügelspieler standen extrem breit und zogen so Arsenals Viererketten auseinander. Diese sehr breite Position gab den Flügelspielern auch den Raum, um mit Tempo auf die Verteidigung nach einem Seitenwechsel zuzulaufen.

Die zentralen Spieler müssen sich stets zwischen den Gegenspielern anbieten. Dabei muss ihre Position zwischen den Linien je nach Position des Balles leicht angepasst werden, um nicht im Deckungsschatten zu verschwinden. Durch die richtige Position müssen fast immer vier Akteure von Arsenal die Position eines der Angreifers kennen. Dies macht das Herausrücken und pressen eines Spielers enorm schwer, da sich dadurch ein Angreifer im Deckungsschatten lösen kann. Bayerns Qualität unter Druck und die vielen sich ergebenden Passoptionen führt dazu, dass die Münchner einen geöffneten Raum nach Herausrücken eines Gegenspielers auch bespielen können.

Bayern Positionsspiel

Arsenal wurde durch die Fünferreihe wie auch die eingerückten Außenverteidiger immer vor die Herausforderung gestellt, wie hält man die Mitte kompakt ohne auf den Außen zu viel Raum für Bayerns Flügeldribbler zu lassen. Die Gunners schafften es kaum. Sie erhielten so gut wie nie wirklich Zugriff in der Defensive und die Bayern konnten durch gute Laufwege von Lahm und Alaba wie starken Dribblings von Coman und Costa stets für Gefahr sorgen.

Fazit

Eigentlich sollte das Ganze eine klassische Spielanalyse werden. Jedoch fokussiere ich mich jetzt doch rein auf das System der Münchner. Das 2-3-5 nutzte Guardiola in der Hinrunde 15/16 sehr oft, viele Gegner waren schlicht mit der Offensivpower und dem präzisen Positionsspiel überfordert. So auch Arsenal. Für Taktikinteressierte lassen sich aus Guardiolas System viele Elemente entnehmen, wie eine durchschlagsfähige Offensive, die die einzelnen Stärken der Spieler betont, funktionieren kann. Für mich war das eines der stärksten, wenn nicht sogar das stärkste Spiel der Münchner unter Guardiola. Gegen den VFB Stuttgart durfte ich mich damals live im Stadion von der Stärke des Positionsspiels begeistern lassen.

Kategorie Allgemein, Champions League, Mannschaftsportrait, Portraits, Spielanalysen

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.