Kleine Einblicke; Leganes, Atleticos Lite Version

 

In dieser Ausgabe Kleine Einblicke möchte ich einen Blick nach Spanien werfen. Neben den drei großen Teams gibt es in Spaniens höchster Spielklasse auch noch andere sehr interessante Teams. Valencia beispielsweise spielt eine überragende Saison bisher und mischt ähnlich wie Sevilla letzte Saison oben mit. Sevilla spielt zwar nicht mehr so stark wie im letzten Jahr, gehört allerdings trotzdem noch zu den besten Teams. Auch Real Betis unter Quique Setien, der letzte Saison durch ein starkes Ballbesitzspiel mit Las Palmas überraschen konnte, führt seine Arbeit nun in Sevilla fort. Allerdings möchte ich mich hier auf zwei Defensivkonzepte von kleineren Teams konzentrieren, zum einen das Überraschungsteam CD Leganes und zum anderen werde ich mich kurz um Levantes 4-5-1 kümmern.

Leganes, Atletico Madrid für Arme

Der kleine Verein CD Leganes mischt diese Saison in der oberen Hälfte der Tabelle mit, obwohl man über kein hohes Budget verfügt und eigentlich auch erst in die erste Liga aufstieg, ist Leganes ein Gegner, der für jedes Team unangenehm zu bespielen ist. Die Mannen von Trainer Asier Garitano sind ein sehr starkes Defensivteam und erinnern in Ansätzen an eine individuell schwächere Variation von Diego Simeones Atletico zu Beginn seiner Amtszeit

Für ESDF Analysis warf ich bereits einen Blick auf Leganes und analysierte ihre Niederlage beim FC Valencia. Leganes machte Valencia das Leben lange schwer und verhinderte, dass Valencias fluides schnelles Angriffspiel ins Rollen kam.

Leganes formiert sich defensiv in einem sehr engen kompakten 4-4-2. Dabei agieren sie zumeist in einem Mittelfeldpressing und attackieren den Gegner erst aggressiv ab einer bestimmten Höhe. Im Vergleich zu anderen kleineren Teams die sich auch erstmal abwartend in ein Mittelfeldpressing fallen lassen, wirkt Leganes Defensivabläufe wesentlich strukturierter. Garitano hat verstanden, dass eine hohe Abwehrlinie im Verbund mit einem kompakten Mittelfeld wesentlich weniger risikoreich ist, als die Abwehr einige Meter tiefer zu stellen, um keinen Raum hinter der letzten Linie zu öffnen.

Leganes überlasst dem Gegner so sehr wenig Raum zwischen den Linien. Die Innenverteidiger wie auch die Stürmer halten stehts Kontakt zu den zentralen Mittelfeldspielern, um ja keine Räume zu öffnen. Für viele Gegner ergibt sich daraus das Problem, dass sie nicht in der Lage sind durch die Mitte spielen zu können. Daraufhin greifen viele Teams gegen Leganes über die Flügel an. Angriffe über die Flügel sind allerdings weniger gefährlich und leichter zu zustellen.

Auf den Flügeln agiert Leganes recht mannorientiert. Beispielsweise folgten die Außenverteidiger gegen Valencia häufig den gegnerischen Flügelspieler, um diese bei der Ballannahme nach hinten zu drücken. Leganes Flügelspieler können dann beim Doppeln helfen oder stellen Passwege zurück auf ihre Gegenspieler zu. Die Flügelspieler von orientieren sich nämlich an den gegnerischen Außenverteidiger und laufen diese bei einem Pass nach außen, aus dem Mittelfeldblock aggressiv an.

Leganes kompakt

Im Zentrum herrschen weniger mannorientierte Verhältnisse. In der oberen Grafik lässt sich neben der hohen zentralen Kompaktheit erkennen, wie Leganes die gegnerischen Sechser, in diesem Fall Kondogbia und Parejo verteidigt.

Das wichtigste im Fußball ist es die Mitte zu kontrollieren. Ergo heißt das für die Defensivmannschaft, wenn der Gegner den Ball im Sechserraum erhält und sich drehen kann haben wir ein Problem. Leganes verteidigt den Sechserraum wie auch die gegnerischen Sechser sehr flexibel. Zumeist agieren die Sechser von Leganes, gegen Valencia waren es Moran und Gabriel raumorientierter und versuchen primär den Raum zu vertedigen. Dabei orientieren sie sich nicht so sehr am direkten Gegenspieler wie beispielsweise Leganes Spieler auf dem Flügel. Eher schieben verschieben die Sechser gut im Raum, schließen die Lücken zwischen den Mannschaftsteilen oder sichern im Halbraum die Außen ab, wenn diese ins Pressing gehen.

In der Mitte wurden gegen Valencia Kondogbia und Parejo flexibel verteidigt. Wenn sich Leganes etwas fallen ließ und eher abwartete, dann stellten die beiden Stürmer Eraso und Beauvue die Sechser von Valencia über ihren Deckungsschatten zu, Gabriel und Moran hielten sich eng an den eigenen Stürmer und konnten so sofort Parejo und Kondogbia stellen und in Zweikämpfen den Ball erobern.

Stellte Leganes Valencias Spielaufbau höher zu, entstand folglich mehr Raum im Zentrum. Grundsätzlich kann man durch eine mannorientierte Spielweise größere vertikale Räume im Zentrum kontrollieren, da man die Gegenspieler durch das Verfolgen bereits bei der Ballannahme unter Druck setzten konnte.

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Allerdings ergaben sich beim hohen Pressing von Leganes immer wieder viele Lücken im Zentrum. Valencia schaffte es durch sein fluides Angriffsspiel mit ausweichenden Bewegungen der Stürmer und Sechser Leganes aus der Position zu ziehen und freie Räume zu erhalten.

Levantes 4-5-1 in der Defensive

Levante auf der anderen Seite, hat bis her eine durchschnittliche Saison und steht auf Tabellenplatz 14. Ihr Defensivansatz, mit 15 Gegentoren stellen sie eine solide Verteidigung, ist recht interessant. Levante verteidigt je nach Gegner in einem 4-5-1. Eine Formation, die so um 2012-2014 häufiger von kleinen Teams genutzt wurde, in den letzten Jahren aber ein bisschen aus der Mode kam.

Das problematische an der 4-5-1 Formation ist zumeist, dass man den Gegner bei der Ballzirkulation selten wirklich richtig unter Druck setzten kann, da man mit einem Stürmer kaum Zugriff erhält. Dies führt dazu, dass man sich schneller nach hinten drücken lässt. Durch die tiefe Position der Flügelspieler sind die Wege für Konter meist recht weit.

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Allerdings verfügt man im Mittelfeld über eine stabile Fünferkette und kann so einfacher Pässe zwischen die Linien verteidigen. Levante zeigte in dieser Hinsicht bereits einige gute Ansätze, zu meist am Anfang einer Partie. Durch das Herausrücken einem der zentralen Spieler kann Levante Druck auf den Ballführenden machen und schließt gleichzeitig durch Verschieben alle diagonalen und vertikalen Passoptionen. Wie man im unteren Bild erkennen kann, bildet sich ein Dreieck durch das Herausrücken von Bardhi, wird diese überspielt gibt es immer noch zwei sofortige Absicherungen, die den Ballführenden attackieren können.

Levante schafft es durch seine Fünferkette im Zentrum stets stabil zu stehen, allerdings zeigt sich in einigen Spielen bisher, dass durch eine gute Positionierung und schnelles Ball laufen lassen Levantes Mittelfeld doch häufiger überspielt werden kann. Außerdem ist Levante eben selten über Konter gefährlich, sondern muss versuchen sich von hinten nach vorne zu spielen, was aufgrund fehlender individueller Klasse nicht immer möglich ist.

Fazit

Besonders Leganes ist ein sehr interessantes Team, nicht nur in der Defensive, auch offensiv bringen sie sehr gute Ansätze mit und können so gegen eigentlich jeden Gegner mithalten. Ihr sauberes Verschieben in der Defensive macht sie des weiteren zu einem sehr unangenehmen Gegner, gegen den man viel Geduld benötigt und die richtige Balance finden muss. Levante hingegen ist eher durchschnittlich, für sie geht es darum die Klasse zu halten. Die defensiven Abläufe im 4-5-1 hingegen sind für kleinere Teams weiterhin interessant.

 

 

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