Schalke spielt sich souverän auf Platz 2 gegen ungefährlichen HSV

Am Sonntag traf der FC Schalke 04 auf den Hamburger SV. Für Schalke ging es darum, nach den Patzern von Leipzig und Dortmund auf Platz zwei zu springen. Der HSV hingegen kämpft gerade um jeden einzelnen Punkt gegen den Abstieg. Am Ende konnten sich die Schalker mit einem souveränen 2:0 Sieg durchsetzen und belegen jetzt mit Erfolgstrainer Tedesco Platz 2 in der Tabelle.

Die Aufstellungen

Die Schalker begannen wie immer mit ihrer Dreierkette in der ersten Linie. Tedesco wählte in diesem Spiel ein 3-4-2-1 mit Di Santo und Konolyanka auf den Zehnerpositionen, die aber beide viel auswichen und die Flügelverteidiger Caligiuri und Oczipka auf den außen unterstützten. Guido Burgstaller als nomineller Stürmer wich ebenfalls viel aus, dadurch hatte der HSV immer wieder Probleme den Stürmer in den Griff zu bekommen

Auf der Doppelsechs liefen mit Max Meyer und McKennie zwei Spieler aus der eigenen Akademie auf. Beide unterstützen den Spielaufbau über außen und den Halbraum und waren so einer der äußeren Punkte der Rauten, die im Halbraum gebildet wurden. Schalkes Dreierkette dahinter war wie immer durch Naldo im Zentrum und Stambouli und Kehrer auf den Halbpositionen besetzt. Im Tor stand wie immer Ralf Fährmann.

Der HSV hingegen trat in seinem üblichen 4-2-3-1 System an. Mathenia startete im Tor. In der Viererkette setzte Trainer Gisdol auf Diekmeier rechts, Papa und Mavraj als Innenverteidiger und Douglas Santos auf der Position des Linksverteidigers.

Die Doppelsechs, die meist auch ihre Position hielt wurde von Jung und Sakai gebildet. In der offensiven Dreierreihe agierte Hunt zentral, während Ito auf rechts und Kostic über links Druck machen sollte. Vorne durfte wieder Hamburgs größtes Talent Fine Arp starten.

Schalke mit breiter Dreierkette, HSV im 4-2-3-1 Pressing

Seit Domenico Tedesco das Ruder auf Schalke übernahm, setzt er meist konsequent auf die Dreierkette. Im Spielaufbau der Schalker fächern die Dreierkette auf, um Breite in den Spielaufbau zu bekommen. Durch die breite Position der Halbverteidiger wird das Pressing des Gegners auseinandergezogen. So auch gegen den HSV. Der junge Arp hatte als einziger Stürmer kaum Zugriff auf die Dreierkette. Auch deshalb pressten die Flügelspieler der Hamburger immer wieder etwas höher. Sie liefen die Halbverteidiger im Bogen an und versuchten Pässe auf die Flügelverteidiger zu zustellen.

Hunt sollte dahinter Pässe ins Mittelfeld verhindern und eine Überzahl gegen Schalkes Doppelsechs zusammen mit Jung und Sakai herstellen. Beide Sechser der Hamburger rückten mannorientiert heraus und versuchten so den Spielaufbau über die Mitte zu verhindern. Oder sie mussten sich um Di Santo und Konoplyanka im Zehnerraum kümmern, wenn diese sich zentral aufhielten. Da es Schalkes Zehner allerdings mehr nach außen zog, waren häufiger die Außenverteidiger für diese Spieler zuständig.

Das Ausweichen der beiden Zehner war sehr wichtig im Spiel mit dem Ball für die Schalker, da sie so immer wieder Situationen herstellen konnten, in denen sie eine Überzahl herstellten. Sehr viele der Angriffe wurden über außen vorgetragen. Dabei bildeten die Schalker eine Raute im Halbraum, meist mit dem Halbverteidiger, dem Flügelverteidiger, dem ballnahen Sechser und dem ausweichenden Zehner.

Für den HSV entstanden so immer wieder Situationen, in denen sich die Schalker über außen durchspielen konnten. Grund dafür waren Schalkes strategische Vorteile durch das Ausweichen der beiden Zehner. Presste beispielsweise Ito auf der rechten Hamburger Seite Kehrer, bildete Schalke eine Raute. Meyer schob in den Halbraum, um die Ballzirkulation zu unterstützen. Meyer wurde dann meist von Sakai verfolgt, während Oczipcka im Deckungsschatten von Ito blieb. Allerdings war Oczipcka in solchen Situationen der freie Spieler. Und hier kommen die ausweichenden Zehner ins Spiel. Konoplyanka schob nach außen, dadurch musste sich Diekmeier um ihn kümmern. Durch ein leichtes Spiel über den Dritten konnte Meyer also Oczipcka freispielen, der dann am Flügel Platz hatte und zusammen mit Konoplyanka attackieren konnte.

Raute außen

In der Szene hier verfolgte Hunt Meyer und konnte dann mit Ito zusammen Kehrer pressen, allerdings konnte jener einfach eine andere Passroute wählen und mit einem Anspiel auf Konoplyanka die Drucksituation auflösen. Diekmeier verfolgt ihn hier, während Jung zentral den Raum besetzt, letztendlich erhalten die Schalker durch gute Nutzung des Spiels über den Dritten einen freien Mann auf außen. Der HSV konnte zumeist solche Situationen noch zu schieben und die Schalker zu riskanten Pässen verleiten, allerdings schafften es die Hamburger in solchen Situationen nicht immer, Schalke alle Wege zu nehmen, so dass die Königsblauen durch Verlagerungen Raum finden konnten.

Allerdings presste der HSV nicht immer höher, sondern ließ im Laufe der ersten Halbzeit den Innenverteidigern der Schalker mehr Platz und konzentrierten sich auf die Sicherung der Mitte. Dann hingegen hatten die Innenverteidiger mehr Platz und konnten andribbeln. Bei höherem Pressing schafften es die Schalker Meyer und McKennie zu finden, spielten die Hamburger tiefer, suchten die Innenverteidiger Konoplyanka und Di Santo.

Des Weiteren hatte der HSV durch sein mannorientiertes Pressing häufiger Probleme den ausweichenden Burgstaller in den Griff zu bekommen. Der Stürmer konnte im Halbraum die Außenspieler unterstützen. Ebenso konnten die Schalker Burgstaller durch lange Bälle immer wieder im Zehnerraum finden. Schalke lockte Sakai und Jung teils geschickt heraus, teils lag es aber auch an deren Mannorientierungen. Dadurch entstand viel Raum zwischen den Linien, in den Burgstaller hineinstieß und für lange Bälle eine Anspielstation war.

Die Hamburger schafften es aber häufig den Raum gut zu zustellen und die Schalker zu riskanten Bällen zu zwingen. Teils fehlte es den Schalkern an der ausreichenden Präzision um Hamburg vor noch größere Probleme zu stellen.

Schalke mit 5-2-3 im Pressing

Die Schalker hingegen formierten sich in einem 5-2-3 Mittelfeldpressing und versuchten vor allem die Mitte dadurch dicht zu halten. Über außen konnte der HSV hin und wieder kurz für Gefahr sorgen, allerdings hatten die Schalker bei Flanken schlicht einen Größenvorteil und zudem massive Überzahl im Sechzehner.

In ihrem 5-2-3 warteten die Schalker eher etwas ab, ließen den HSV aufbauen. Die Santo und Konolyanka positionierten sich im Halbraum, um die Mitte eng zu halten, pressten aber auf die Außenverteidiger, wenn jene den Ball erhielten. Burgstaller versuchte ab einer gewissen Höhe die Innenverteidiger der Hamburger anzulaufen im Verbund dann mit Konolyanka und di Santo. Meyer und McKennie dahinter orientierten sich an Hamburgs Sechsern, während Caligiuri und Oczipcka sich nach hinten fallen ließen und eine Fünferkette bildeten.

Spielaufbau HSV.PNG

Hier sieht man nochmal gut wie eng die Schalker das Zentrum rund um Sakai und Jung machen und den HSV fast schon dazu zwangen über außen zu attackieren. Allerdings hatte auch der Defensivverbund der Schalker einzelne Schwächen. Meyer und McKennie orientierten sich teils zu sehr an Sakai und Jung. Nachdem der HSV den Ball in der ersten Linie kurz zirkulieren ließ, öffneten sich Passlinien in den Zehnerraum für die Innenverteidiger, die so Arp und Hunt finden konnten.

Am Ende schaffte es der HSV nicht daraus ausreichend Kapital zu schlagen, um durch gefährliche Aktionen die Schalker vor Probleme zu stellen. Denn selbst wenn der HSV zwischen die Linien kam, fehlten häufig die unterstützenden Bewegungen und die Präzision im Abspiel. Als sich Waldschmidt in der ersten Halbzeit mal in die Tiefe bewegte konnte der HSV nach einem Anspiel auf Arp und dem Spiel über den Dritten auf Waldschmidt sofort für Gefahr sorgen.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Schalke das Spiel souverän und verdient für sich entschied. Unter Tedesco hat sich die Mannschaft stets weiterentwickelt, hat bereits saubere Abläufe im Spiel mit dem Ball und gegen den Ball. Im Angriff fehlt es teils noch an Kreativität und noch besserem Positionsspiel, jedoch befindet man sich alles in allem auf einem sehr guten Weg, wie auch die Tabelle beweist.

Der HSV hingegen darf sich wohl weiterhin mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen. Die Hamburger spielten keineswegs schlecht, hatten ein paar gute Ansätze, allerdings fehlt es ihnen in viele Bereichen noch. Das Kombinationsspiel ist nicht sauber genug. Im Pressing und Gegenpressing fehlt es an der Abstimmung und Intensität, obwohl sie den Raum für die Schalker häufig eng gestalten konnten. Gisdol muss noch an ein paar Stellschrauben drehen, jedoch sieht der HSV nicht wie ein hoffnungsloser Fall aus.

Kategorie Allgemein, Bundesliga, Spielanalysen

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true) Artikel abonnieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.