Die alltäglichen Probleme verhindern Bosz Umstellungserfolg

Es war wieder Zeit für das Revierderby. Angeschlagene Dortmunder trafen auf formstarke Schalker, die mal vor dem BVB in der Tabelle standen. Es ging auch um die Zukunft von Peter Bosz beim BVB. Nach 45 Minuten sah es nach einem deutlichen Sieg für Dortmund aus, Schalke schaffte aber das unglaubliche Comeback. Grund dafür, Tedescos Umstellung und Dortmunds Schwächen.

Die Aufstellungen

Domenico Tedesco veränderte im Vergleich zur letzten Begegnung gegen den HSV nichts. Im Tor lief wie immer Ralf Fährmann auf, davor spielten Naldo, Stambouli und Kehrer in der gewohnten Dreierkette und wurden in der Defensive von Oczipcka und Caligiuri unterstützt, die die beiden Flügelverteidigerpositionen besetzten.

Vor der Abwehr liefen die beiden Schalker Eigengewächse Max Meyer und McKennie auf. McKennie hatte eine sehr weiträumige Rolle, während Max Meyer die Sechserposition stets besetzte. Nach 30 Minuten kam Goretzka im Zuge einer Anpassung für McKennie und übernahm dessen Position. Des Weiteren spielte diesmal Konoplyanka etwas tiefer, neben Max Meyer im linken Halbraum.

Vorne liefen Franco di Santo und Guido Burgstaller auf, zu Beginn der Partie formierte sich Schalke also in einem 5-3-2 in der Defensive. Eine Aufteilung, die man so diese Saison beispielsweise auch schon gegen Freiburg beobachten konnte.

Peter Bosz hingegen überraschte ein wenig mit seiner Aufstellung. Der oft kritisierte Niederländer ließ seine Mannschaft diesmal nicht im 4-3-3 auflaufen, sondern installierte hinten eine Dreierkette. Diese wurde vor Torwart Roman Weidenfeller von Sokratis im Zentrum, Toprak halbrechts und Schmelzer halblinks gebildet. Auf den Flügelverteidigerpositionen liefen links Guerreiro und rechts Christian Pulisic auf.

Nuri Sahin und Julian Weigl liefen gemeinsam als Doppelsechs auf und hielten ihre Position konstant. Neben den beiden Sechsern liefen außerdem noch Mario Götze und Yarmolenko im Zentrum auf. Die beiden agierten zwischen Mittelfeld und Abwehr der Schalker. Während Pierre-Emerick Aubameyang wieder vorne im Sturm auflief.

Dortmunds verbesserte Struktur

Durch die Dreierkette im Spielaufbau hatten die Dortmunder einen Spieler mehr in der Spieleröffnung und waren dadurch schwieriger zu pressen für die Schalker. Die Dreierkette stellt eine Überzahl gegen Schalkes zwei Mann Sturm dar. Des weiteren wurde Schalkes Formation so noch etwas weiter auseinandergezogen, Schmelzer und Toprak hatten durch ihre sehr breite Position andere Passwinkel und konnten Dortmunds Mittelfeldspieler durch diagonale Anspiele theoretisch im Zentrum finden. Allerdings sind beide Halbverteidiger der Dortmunder nicht unbedingt die Stärksten was flache Pässe zwischen die Linien angeht. Auch schafften es die Schalker durch das Herausrücken der Achter diese Pässe zu verhindern.

Allerdings ergaben sich andere Möglichkeiten für den BVB im Spielaufbau sicher nach vorne zu kommen, durch die Umstellung der Formation im Spielaufbau. Denn Dortmund schaffte es durch das Spiel über den Dritten teils über außen hinter Schalkes erste Linie zu kommen. Dies hing mit dem Schalker Pressing zusammen. Di Santo und Burgstaller standen recht eng. Meist bewegte sich Burgstaller ein zwei Meter weiter hinter Di Santo, der das Anlaufen der Innenverteidiger ab einer bestimmten Höhe übernahm. Beide Stürmer konnten selten aggressiv herausrücken, da in ihrem Rücken Sahin und Weigl sich positionierten.

Dortmund hatte gegen Schalkes erste Linie bereits eine Überzahl hergestellt, die das Dortmunder Aufbauspiel erheblich erleichterten. Die Schalker versuchten bei einem Anspiel auf Marcel Schmelzer über das Herausrücken von McKennie das Pressing starten. Schmelzer wurde so unter Druck gesetzt. Allerdings funktionierte dieser Schachzug nicht wirklich gut, sondern hatte aufgrund der Dortmunder Formation tiefgreifende Folgen.

McKennie Herausrücken.PNG

Schmelzer konnte nämlich Guerreiro anspielen, der auch unter Druck stets noch gute Entscheidungen trifft. Caligiuris pressen von Guerreiro stellte zwar den Weg nach vorne zu, allerdings konnte der Portugiese mit einem einfachen Pass ins Zentrum auf Sahin den Raum, den McKennies Herausrücken öffnete, nutzen.

So fanden die Dortmunder häufiger Raum hinter Schalkes erster Linie. Sahin hat nun den Ball am Fuß und blickt auf Schalkes Tor. Götze, Yarmolenko und Aubameyang bewegen sich zwischen den Linien und Schalkes zwei verbleibende Sechser könne so leicht überspielt werden. Erhalten Spieler wie Götze der Yarmolenko den Ball zwischen den Linien, herrscht sofort Gefahr für den Gegner, da diese Spieler den Ball auch unter Druck behalten können und wenig Platz benötigen, um Gefahr auszustrahlen.

Peter Bosz Wahl der Spieler für dieses System passte gut. Neben Götze und Yarmolenko standen auch noch Pulisic und Guerreiro auf dem Platz. Beide schaffen es durch Dribblings in engen Räumen, Raum zu schaffen und den Gegner zu destabilisieren. Bei Tor Nummer vier für Dortmund wird dies deutlich, Pulisic dribbelt an und spielt dann den Pass in die Mitte auf Götze, der sich im Zentrum auf engsten Raum zusammen mit Aubameyang durchsetzen konnte.

Die Dortmunder kamen wieder viel über die Flügel und den Halbraum. Wenn die Außen den Ball erhielten wurden sie sofort gut unterstützt. Yarmolenko beispielsweise bildete häufiger mal ein Pärchen auf der Seite mit Pulisic, indem er nach außen auswich oder sich im Halbraum positionierte. Ebenso half der ballnahe Sechser mit auf dieser Seite und diente als Rückpassoption im Halbraum. Der ballferne Sechser besetzte die Mitte, hielt am stets die Verbindung zum Rest der Offensivspieler. Des Weiteren schob auch der ballferne Zehner mindestens mal in die Mitte, während Aubameyang ballnah unterstütze. Dortmund hatte so viele Anspielstationen in ballnähe und konnte so sofortigen Zugriff im Gegenpressing herstellen.

Schalkes Probleme im Spielaufbau und Tedescos Umstellung

Tedesco stellte um die 25 Minute um. Aus dem 5-3-2, dass bis dahin nicht funktionierte wurde ein 5-2-3 in der Defensive. So schafften es die Schalker im Zentrum kompakter zu stehen und auch beim Anlaufen ergaben sich weniger Räume für die Dortmunder, wie noch davor. Durch Harit, der für Di Santo kam, und Konoplyanka in den Halbräumen waren keine Pässe mehr auf Götze und Yarmolenko von den Innenverteidigern möglich. Auch konnten Weigl und Sahin im Zentrum einfacher und besser abgesicherter gepresst werden.

Durch Schalkes höhere Präsenz in der ersten Linie erhielt Dortmund keinen Zugang zur Mitte und die Angriffe wurden ungefährlicher. Allerdings lag dies auch am Spielstand. Der BVB führte bereits mit 4:0.

Neben der kompakteren Defensive, verbesserte sich auch das Schalker Spiel mit dem Ball. Meyer wurde von Goretzka oder Harit unterstützt. Außerdem gab es nun wieder Anspielstationen im Halbraum für Schalkes Innenverteidiger. Vor der Umstellung bewegte sich meist nur Meyer im Mittelfeld, McKennie und Konoplyanka schoben weiter nach vorne. Dies teilte die Schalker in zwei Teile mit wenigen Verbindungen. Häufig wurde zum langen Ball gegriffen.

Schalke Aufbau erste Halbzeit.PNG

Die Schalker fanden meist nur über Außen Raum und versuchten sich über den Flügel nach vorne zu spielen. Allerdings konnte das der BVB recht einfach zustellen. Den Schalkern fehlte dann die Verbindung ins Zentrum. Oft gab es Situationen zu beobachten, wie sich die Schalker praktisch fast nur über Einwurfsituationen nach vorne spielten. Durch die Umstellung und Einwechslungen von Harit und Goretzka, hatten die Schalker mehr Präsenz im Zentrum und eine weit aus bessere Struktur in Ballbesitz.

2 Halbzeit, Schalke spielbestimmend

In der zweiten Halbzeit hat Schalke von Anfang an mehr Spielanteile und baute das Spiel von hinten ruhiger auf. Die Dortmunder warteten etwas mehr ab, verständlich bei dem Spielstand. Sie setzten die Dreierkette der Schalker nicht mehr so stark unter Druck wie noch in Durchgang eins. Letztendlich hatten die Dortmunder zu Beginn der zweiten Halbzeit trotzdem ihre Chancen das Ergebnis noch weiter in die Höhe zu schrauben. Durch Schalkes allgemein höheres stehen ergaben sich Räume für die Dortmunder zwischen den Linien.

Besonders Aubameyangs Schnelligkeit spielte eine wichtige Rolle, der Gabuner konnte immer in die offenen Räume stoßen und mit seiner Schnelligkeit für Gefahr sorgen. Allerdings gab es nicht so viele Möglichkeiten für Aubameyang und Co. Da die Schalker höher pressten und der BVB im Spielaufbau teils zu flach gestaffelt war. Die Schalker gewannen so viele Bälle schnell wieder, Dortmunds Spiel mit dem Ball wirkte hektisch und auf Schnellangriffe bedacht. Jedoch fehlten dann die Staffelungen um ein erfolgreiches Gegenpressing durchzuführen.

Wie erwähnt drückte aber Schalke in der zweiten Halbzeit. Die Struktur im Spiel mit dem Ball war besser ausbalanciert wie noch zu Beginn der ersten Halbzeit. Leon Goretzka unterstützte Max Meyer im Aufbauspiel und offerierte den Innenverteidiger eine weitere Anspielstation. Harit ließ sich immer wieder kurz aus der vordersten Linie fallen und es entstand wieder die Raute auf dem Flügel wie bereits gegen den HSV am letzten Spieltag.

Goretzka hielt aber nicht immer seine Position neben Meyer. Vielmehr schob er im Laufe des Angriffs weiter nach vorne und bewegte sich zwischen Dortmunds Mittelfeld und Abwehr. Beispielsweise konnte er bei Hereingaben in den Strafraum in offene Räume stoßen.

Schalkes Flügelverteidiger schoben nun auch weiter nach vorne. Links gab es immer wieder ausweichende Bewegungen von Konoplyanka. Der Ukrainer fühlt sich meist auf dem Flügel wohler. Rechts kurbelte Harit durch kurzes Fallen lassen und gefährlichen Dribblings das Spiel an. Harit eingerückte Rolle mit den Bewegungen nach hinten halfen Schalke mehr Anspielstationen zu generieren. Die verbesserte Struktur zusammen mit Dortmunds tiefer Defensive sorgten für ein variableres Spiel mit Ball. Auch Guido Burgstaller schaltete sich vermehrt ein.

2 Halbzeit.PNG

Die Schalker hatten bessere Verbindungen in der zweiten Halbzeit, auch bei Ballverlust konnte schnell nachgesetzt werden und Dortmund schaffte es nur aufgrund der hohen Qualität von Spielern wie Pulisic oder Weigl sich zu befreien. Bei den Toren profitierte Schalke von den individuellen Problemen der Dortmunder in der Defensive. Fast alle Dortmunder verlieren regelmäßig ihre Gegenspieler aus den Augen, da sie zu ballfokussiert sind. So auch bei Schalkes Toren.

Nachdem Aubameyang mit Gelb-Rot vom Platz flog, mussten die Dortmunder zu zehnt spielen. Bosz stellte um. Mit den Einwechslungen von Bartra und Zagadou bildeten die Dortmunder eine Viererkette und verteidigten im 4-4-1. Pulisic war der einzige vorne. Gewann Dortmund den Ball konnte er von Castro und Schmelzer, der sich defensiv teils durch mannorientiertes Verfolgen aus der Position ziehen ließ, unterstützt.

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Schalke konnte dadurch noch höher stehen und die Dortmunder weiter unter Druck setzten. Vor allem im Zentrum fehlte es den Dortmundern dann an Präsenz, während man außen die Zweikämpfe verlor. Schmelzer konnte beispielsweise Zagadou nicht immer konsequent helfen. Die Schalker holten in den letzten Minuten nicht die Brechstange heraus, sondern spielten überlegt ihre Überzahl aus. Letztendlich wurden sie belohnt.

Fazit

Nach 45 Minuten sah es so aus, als ob Dortmunds Krise beendet wäre. Bosz Umstellung auf eine Dreierkette hatte einen positiven Effekt auf das Dortmunder Spiel mit Ball. Dortmund bot sich besser an, konnte seine Überzahl gegen das in der ersten Halbzeit unpassende Pressing der Schalker, ausspielen. Verdient führten überlegene Dortmunder zur Pause. Tedescos Umstellung auf 5-2-3, die Hereinnahmen von Goretzka und Harit und Dortmunds individuellen Schwächen in der Defensive ließen die Schalker wieder ins Spiel kommen.

Nach dem unglaublichen Comeback geht es weiter erfolgreich für die Schalker weiter. In der ersten Halbzeit zeigte sich aber, dass zum absoluten Spitzenteam noch ein paar Prozente fehlen. Peter Bosz wird für seine Umstellung nicht belohnt und von den alltäglichen Problemen in der zweiten Halbzeit eingeholt. Dortmunds Entwicklung bleibt weiter spannend.

Kategorie Allgemein, Bundesliga, Spielanalysen

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