Dortmunder Ideenlosigkeit gegen 5-2-3

Am Samstag reiste das Team von Peter Bosz ins Nahe Leverkusen. Nach dem unglaublichen 4:4 im Derby, dass sich für den BVB nach einer 4:0 Führung wie eine Niederlage anfüllte, ging es nun darum nach langer Zeit endlich den befreienden Sieg einzufahren. Leverkusen hingegen entwickelte sich unter Trainer Heiko Herrlich diese Saison immer weiter und hatte vor dem Spiel die Möglichkeit den BVB in der Tabelle sogar zu überholen.

Die Aufstellungen

Peter Bosz setzte wie im Derby auf eine Dreierkette und ließ sein Team im 3-4-2-1 auflaufen. Dieses System überzeugte bereits gegen Schalke, vor allem in den ersten dreißig Minuten. Roman Bürki kehrte wieder zurück ins Tor. Die Dreierkette wurde von Sokratis, Schmelzer und etwas überraschend Neven Subotic gebildet.

Auch im Mittelfeld gab es eine Änderung. Diesmal lief Gonzalo Castro auf der rechten Seite gegen seinen Ex-Verein auf. Julian Weigl und Nuri Sahin besetzten wieder das Zentrum, während Raphael Guerreiro auf der linken Flügelverteidigerposition auflief.

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Vorne agierten Christian Pulisic und Yarmolenko auf den beiden Zehnerpositionen, während Maximilian Philipp im Sturm startete, jedoch nach wenigen Minuten aufgrund einer schweren Verletzung durch Andre Schürrle ersetzt wurde.

Heiko Herrlich setzte wie sein Gegenüber ebenfalls auf ein 3-4-2-1. Bernd Leno stand im Tor, davor agierte Sven Bender gegen seinen Ex-Verein als zentraler Innenverteidiger und wurde von Tah und Wendell flankiert. Auf den Flügelverteidigerpositionen liefen mit Benjamin Henrichs einem schon oft als Außenverteidiger eingesetzten Spieler und Leon Bailey eigentlich ein offensiver Spieler zwei etwas unterschiedliche Spielertypen auf.

Im Zentrum liefen Aranguiz und Lars Bender auf. Auf den Zehnerpositionen hat Leverkusen mit Brandt den idealen Spielertypen für diese Position, dessen Leistungen unter Heiko Herrlich wieder klar verbessert haben. Auch Kai Havertz passt sehr gut, bewegt sich gut zwischen den Linien und ist stets für kurze Kombinationen anspielbar. Im Sturm lief wieder Kevin Volland auf. Mit seinem 9 Saisontor sammelt er weiter Argumente für sich mit Blick auf die WM im nächsten Jahr.

Kampf des 5-2-3

Wie erwähnt ließen beide Trainer ihre Teams im 3-4-2-1 auflaufen. Defensiv wurde dieses System zu einem 5-2-3. Das 5-2-3 ist mittlerweile eines der Standarddefensivsyteme in der Bundesliga. Durch die Fünferkette sichert man die letzte Linie sehr gut. Die 2-3 Staffelung macht das Zentrum sehr eng. Leverkusen agierte bereits wie gegen Leipzig etwas zurückhaltender. Das heißt, sie zogen sich etwas zurück und liefen Dortmunds Spielaufbau nicht hoch an, sondern agierten in einem Mittelfeldpressing. Kurz vor der Mittellinie liefen dann Kevin Volland und der ballnahe Zehner die Dortmunder Verteidiger an und versuchten sie nach außen zu leiten.

Dortmunds Spielaufbau wurde oft nach außen geleitet, allerdings fokussierten auch die Dortmunder im Angriff ihre linke Seite mit Schmelzer und Guerreiro. Spielten die Dortmunder den Ball nach außen, schob Leverkusen die Seite zu und verknappte den Raum. Henrichs rückte heraus, Havertz stellte den Rückpass zu Schmelzer zu, während Lars Bender die Mitte zustellte.

Die Idee hinter Dortmunds Aufbauspiel ergab Sinn. Man lenkt den Gegner so nach außen und versucht horizontal oder diagonal in den Sechserraum zu kommen und von dort beispielsweise zwischen Mittelfeld und Abwehr des Gegners, oder man wechselt die Seite und findet dort Raum um anzugreifen.

Ballverlust über außen

In dieser Situation erhält Guerreiro den Ball am Flügel und dribbelt Richtung Zentrum. Lars Bender rückt aggressiv heraus, und wird von Kai Havertz unterstützt, der davor Marcel Schmelzer unter Druck setzte. Letztendlich verliert Guerreiro den Ball hier, in der rot markierten Zone aufgrund einer schlechten Ballkontrolle. Die Frage stellt sich hier warum er nicht eine schnelle Verlagerung über Weigl forciert hat. Weigl hatte durch Benders herausrücken den Platz um aufzudrehen.

Diese Ungenauigkeiten, sei es eine schlechte Ballkontrolle von Guerreiro oder eine schwache Positionierung der Dortmunder Spieler tauchten häufiger auf. So dass Dortmund selbst die Räume, die Leverkusen in der ersten Halbzeit selten bot, nicht nutzen konnte.

Dortmunds Struktur war nämlich nicht immer sauber genug, um über ein schnelles Kombinationsspiel Leverkusens kompakter Abwehr zu knacken. Wie erwähnt ging sehr viel über den linken Flügel der Dortmunder. Christian Pulisic wich beispielsweise häufiger in den Raum hinter Henrichs aus um dort den Ball zu erhalten, allerdings schob Jonathan Tah in diesen Situationen den Raum schnell zu und sorgte dafür, dass Pulisic nicht mit Tempo diagonal in die Mitte stoßen konnte. Dortmund wurde so häufiger auf der linken Seite isoliert. Und hier ergab sich das Problem der Dortmunder. Durch das Ausweichen von Pulisic und die tiefere Position von Sahin konnte der BVB die Seite kaum wechseln und verlor so viele Bälle aufgrund der hohen Kompaktheit und Aggressivität der Leverkusener auf dieser Seite.

Vereinzelt versuchten es die Dortmunder auch durchs Zentrum und hatten tatsächlich bei mal etwas längeren Ballstafetten die Möglichkeit den Ball zwischen Abwehr und Mittelfeld der Leverkusener zu spielen. Allerdings schaffte es Dortmund hier nicht passende Anschlussaktionen zu finden und passte den Ball teils schnell wieder raus aus Leverkusens Block. Dortmund muss man hier zu gute halten, dass Leverkusen sehr kompakt verteidigte, es entstand kaum Raum zwischen den Linien. Wenn dann mal doch ein Pass dorthin gespielt wurde, timten die Innenverteidiger ihr Herausrücken sehr gut und wurden von einem der Sechser unterstützt.

  Pulisic zwischen Linien

Hier sieht man, wie Pulisic den Ball zwischen den Linien erhält und sofort von Wendell und Aranguiz unter Druck gesetzt wird. Aufgrund der suboptimalen Körperhaltung von Pulisic beim Anspiel von Subotic, kann der US-Amerikaner nur auf Sokratis klatschen lassen, jedoch stellte Leverkusen sonstige Optionen weitestgehend zu.

Ein Pass auf Yarmolenko mit anschließendem Tiefenlauf von Schürrle, oder eine schnelle komplizierte Ablage von Pulisic in den Raum hinter der Abwehr für Castro wären Optionen gewesen. Allerdings wären dies alles sehr schwierige Aktionen gewesen. Aufgrund von Leverkusens Kompaktheit gab es kaum Raum um diese Aktionen erfolgsversprechend durchzuführen.

Die schlechten Verbindungen im Dortmunder Kombinationsspiel hatten zum Teil auch damit zu tun, dass Andre Schürrle vorne als Stürmer in der Luft hing und nur selten Kontakt zum Rest des Teams hatte. Darüber hinaus kippten Sahin und Weigl teils vor den Leverkusener Verteidigungsblock und so gab es wenig Verbindungen nach vorne. Auch wenn sich beide mal zwischen den Linien aufhielten, waren sie selten ins Offensivspiel involviert, eventuell als erhöhte Absicherung. Jedoch schafften es die Dortmunder so nie wirklich gefährlich zu werden, des Weiteren gerieten sie recht häufig in enge Situationen und Leverkusen gestaltete das Spiel aufgrund der zweikampfbetonten Spielweise sehr chaotisch.

Leverkusens Offensivplan

Auch die Dortmunder agierten defensiv im 5-2-3. Etwas höher als die Leverkusener allerdings tiefer wie sonst bisher in der Saison. Peter Bosz wollte seinem Team so eventuell etwas mehr Stabilität verleihen. Die Leverkusener waren im Vergleich zu Dortmund weniger bereit dazu, den Spielaufbau durchgehend flach von hinten zu betreiben. Schlicht und ergreifend fehlen Leverkusen dazu die Spieler, um auch unter Druck ein flaches Spiel von hinten heraus zu gewährleisten.

Wenn die Leverkusener von hinten aufbauten, versuchten sie über einen der Halbräume über flache Kombinationen schnell nach vorne zu gelangen. Dabei schoben Bailey und Henrichs recht weit nach vorne und schoben so Dortmund weiter nach hinten. Die Innenverteidiger fächerten etwas auf, um Breite zu geben. Besonders Charles Aranguiz unterstützte den Spielaufbau von hinten.

Interessant zu beobachten bei den Leverkusener war die Rolle von Wendell, der halblinks in der Dreierkette agierte. Wendell rückte immer wieder mit Ball am Fuß weit ins Mittelfeld und stellte durch das Andribbeln Dortmunds Verteidigung vor Probleme. Zum Teil konnte durch dieses Aufrücken Julian Brandt aufgrund des Herausrückens eines Dortmunders frei zwischen den Linien gefunden werden.

Wie bereits erwähnt, war das Spiel besonders in der ersten Halbzeit aufgrund vieler Ballbesitzwechsel recht chaotisch. Leverkusen fand so immer wieder Räume um schnell nach vorne zu gelangen, wenn sie sich aus den engen Gegenpressingsituationen befreien konnten. Besonders wenn Leverkusen es dann schaffte die Seite zu wechseln, wurden sie gefährlich.

Wendell aufrückend

In dieser Situation ist dies gut zu erkennen. Leverkusen erobert den Ball erfolgreich auf ihrer rechten Seite (grauer Raum) und dank ihrer ordentlichen Struktur können Brandt und Aranguiz auf Wendell verlagern. Wie erwähnt rückte der Brasilianer dann aggressiv mit Ball nach vorne. Bailey gibt die Breite und rückte weiter auf, Brandt bietet sich sofort im Halbraum an und bildet ein Dreieck. Mit solchen schnellen Angriffen konnte Leverkusen Dortmunds Abwehr in der ersten Hälfte vor Probleme stellen. Vor allem nach Verlagerungen auf die außen konnten Henrichs und Bailey durch Hereingaben für Gefahr sorgen.

Wie bereits gegen Leipzig wich Kevin Volland viel aus, auf der linken Seite entstanden so recht enge Verbindungen bei den Leverkusener, die sie für schnelle Kombinationen nutzen konnten. Auch im Konter war Kevin Volland einer der wichtigen Akteure, durch seine Sprints in die Tiefe. Nicht ohne Grund erzielte er auch das 1:0 für Leverkusen.

Dortmund in Überzahl

Nach Wendells roter Karte agierten die Dortmunder mehr als eine Halbzeit in Überzahl. Dies führte dazu, dass die Dortmunder mehr Ballbesitz hatten, die Leverkusener wurden weiter nach hinten gedrückt. Das Spiel beruhigte sich und Dortmund konnte sich den Gegner besser zurechtlegen. Zwar kamen nun die Dortmunder besser zwischen die Linien, Kagawa, der für Castro kam hielt seine Position im Zentrum konstanter und diente dort als Anspielstation. Allerdings tendierte Dortmund weiterhin dazu viel über den linken Flügel zu kommen. Konnten sich aber mehr Chancen erspielen. Allerdings waren es kaum hochwertige Chancen.

Leverkusen agierte nach der roten Karte in einem 5-3-1 mit Volland als einzigem Spieler der die Dortmunder noch etwas anlief. Leverkusen versuchte weiterhin die Mitte eng zu halten und Dortmund auf den Flügel zu zwingen. Die Flanken der Dortmunder konnten sie aufgrund ihrer körperlichen Vorteile recht leicht verteidigen.

Die vereinzelten Konter erbrachten wenig Gefahr, letztendlich ging Leverkusen hier auch nicht mehr volles Risiko.

Fazit

Leverkusen dominierte die erste Halbzeit durch ihr gutes Pressing und die schnellen Angriffe. Verdienter Maßen erspielten sie sich gute Chancen und gingen in Führung. Dortmund fiel vor allem mit dem Ball recht wenig ein, um gefährlich zu werden. Julian Weigls Rolle wirkt weiterhin unpassend auch Christian Pulisic hatte im Zentrum keinen sonderlich effektiven Tag.

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Quelle @11tegen11

Aufgrund der roten Karte hatte Dortmund in der zweiten Halbzeit mehr vom Spiel schaffte es aber trotzdem nicht sich reihenweise gute Chancen zu erspielen. Im Vergleich zum Spiel gegen Schalke kann man dies als kleinen Rückschritt bezeichnen und auch über Bosz Aufstellung diskutieren. Die Frage über die Zukunft des Trainers in Dortmund bleibt weiterhin spannend, eine Wende sieht anders aus.

 

Kategorie Allgemein, Bundesliga, Spielanalysen

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true) Artikel abonnieren

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