Wo liegen die Schwächen des 5-2-3?

In meinen beiden bisherigen Artikeln warf ich einen Blick auf die grundsätzlichen Abläufe im 5-2-3 und zeigte erste Beispiele wie durch kleine Spielformen das Verteidigen der Mittelfeldspieler und Angreifer trainiert werden kann. In diesem Artikel werfe ich nun einen Blick auf die Schwächen des 5-2-3 und wie man es bespielen könnte.

Eine Formationsanalyse

Für viele, die beginnen sich für Taktik im Fußball zu interessieren, denken zuerst an Formationen und schauen sich verschiedene Varianten an. Beispielsweise kann man bei einem 4-3-3 sich die Dreiecke einzeichnen, die durch die Positionen entstehen oder die freien Räume im 4-4-2 markieren.

Das System ist wie eine Telefonnummer, es sind nur Zahlen“

Pep Guardiola

Beschäftigt man sich weiter mit Taktik und Strategie wird einem immer mehr bewusst, dass es viel entscheidender ist, wie sich die Spieler innerhalb ihrer Position, ihrem Raum verhalten und wie sie mit ihren Mitspielern interagieren.

 “Tactics are so important because everybody has to know what they have to do on the pitch.”

Pep Guardiola

Allerdings gehen wir nun doch erst einmal den Weg über die Formation und schauen uns an, welche Räume eine Mannschaft nicht besetzt, wenn sie sich in der Verteidigung in einem 5-2-3 formiert.

Räume im 5-2-3.PNG

Die Außenbahn ist beispielsweise nur einfach besetzt, außerdem ergibt sich Raum hinter den Flügelstürmern, dieser Raum ist auch einer der Ansatzpunkte den Teams gegen ein 5-2-3 nutzten, um schnell nach vorne zu kommen. Besonders nach Seitenwechseln ergeben sich Räume hinter den Flügelstürmern und neben/ kurz vor den Sechsern. Aus diesen Räumen heraus können diagonale Angriffe gestartet werden.

Die Mannschaft in Ballbesitz kann beispielsweise nach einem Seitenwechsel den Raum nutzen und nach vorne stoßen, um dann mit diagonalen Pässen zwischen Abwehr und Mittelfeld zu gelangen. Alternativ können auch vertikale Pässe hinter die Abwehr versucht werden.

Schwächen 5-2-3

Entscheidend ist hier das Verhalten des Flügelspielers, wenn die Ballbesitzende Mannschaft mit doppelter Besetzung der Außen agiert. Wenn der Außenverteidiger den Ball in einer breiten Stellung nach einem Seitenwechsel erhält und ihn dann nach vorne treibt, rückt der Flügelverteidiger aus der Fünferkette heraus, um den Ballführenden zu stellen. Der Flügelstürmer der angreifenden Mannschaft hat nun verschiedene Möglichkeiten seiner Mannschaft zu helfen und die gegnerische Defensive zu destabilisieren.

Zum einen kann er nach außen ziehen, wir nehmen an er agierte davor in einer eingerückten Rolle, und so den frei gewordenen Raum hinter dem Flügelverteidiger nutzen. Diese hätte zur Folge, dass der Halbverteidiger aus seiner Position gezogen wird, da er den Flügelstürmer verfolgen könnte. Oder der Flügelstürmer erhält Raum und kann mit einem Pass in die Tiefe geschickt werden.

Wenn der Halbverteidiger den Flügelstürmer verfolgt, entsteht mehr freier Raum im Zentrum, außerdem öffnet sich eine diagonale Passlinie. Der Außenverteidiger der zuvor mit dem Ball nach vorne dribbelte, kann nun mit einem diagonalen Pass einen Mitspieler zwischen Mittelfeld und Abwehr des Gegners erreichen. RB Leipzig konnte so einige weniger gefährliche Angriffe gegen Leverkusen fahren.

Das Bespielen der Mitte

Aus der oben beschriebenen Situation können auch andere Möglichkeiten zu einem erfolgreichen Bespielen der Formation führen. Beispielsweise müssen die gegnerischen Sechser sich fallen lassen, um den Zwischenlinienraum so eng wie möglich zu machen. Dadurch ergibt sich Raum vor den gegnerischen Sechsern im Zentrum. Meist brauchen die drei Offensivspieler bei höherem Pressing kurz um wieder weiter nach hinten zu kommen. Das bedeutet, dass es im Zentrum für eine kurze Zeit Raum gibt, der für eine weitere Spielverlagerung genutzt werden kann.

Dieser Raum kann beispielsweise genutzt werden, wenn der Stürmer oder Flügelstürmer angespielt wird und der Ball ins Zentrum klatschen gelassen wird. Also über das Spiel über den Dritten wird der zentrale Mittelfeldspieler freigespielt. Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten dies zu nutzen. Beispielsweise kann der ballferne Halbraum genutzt werden. Gerade wenn über eine Seite angegriffen wird, schieben die Sechser auf diese Seite, eine schnelle Verlagerung über die Mitte in den anderen Halbraum, gibt dem Offensivteam die Möglichkeit über den Halbraum vor die Abwehr zu gelangen.

Schwächen 5-2-3

Optionen wenn der Ball in den Halbraum gelangt

Wichtig, damit die Sechser auch zurückweichen, ist eine gute Besetzung des Raums zwischen Abwehr und den Sechsern. Es sollten sich mehrere Angreifer auf Lücke anbieten. Auf Lücke bedeutet, sie positionieren sich zwischen den Linien und zwischen den einzelnen Spielern der jeweiligen Linie. Denn um ein erfolgreiches Öffnen der Mitte zu erlangen, müssen andere Gefahren für den Gegner lauern, beispielsweise eben ein diagonales Anspiel ins Zentrum, nur wenn die Gegenspieler vor eine Entscheidung gestellt werden, entstehen Möglichkeiten für die Offensivmannschaft, denn dann macht der Gegner langfristig Fehler.

Ein Zitat aus dem Basketball von Warriors Guard Steph Curry fasst die Idee sehr gut zusammen:

„The main goal, is to just make the defense make as many decisions as you can so that they’re going to mess up at some point with all that ball movement and body movement and whatnot”

Steph Curry

Gleiches gilt auch für den Fußball, am Ende des Tages sollte es ein Ziel der Offensivmannschaft sein, die gegnerische Defensive zu möglichst vielen Entscheidungen zu zwingen, damit die Defensive Fehler macht.

Kehren wir also wieder zum oberen Beispiel zurück. Das Bespielen der Defensive durch diagonale Pässe haben wir bereits besprochen, auch die Nutzung des Spiels über den Dritten, um in die Mitte zu kommen. Optimal wäre es für die Mannschaft in Ballbesitz, wenn sie beide Optionen bei einem Angriff über außen besitzt und dann nur noch auf das Verhalten des Gegners reagieren muss, letztendlich sich also nur noch für Variante A oder B entscheiden muss.

Der Spielaufbau

Das große Problem gegen das 5-2-3 oder 5-2-2-1 wie es beispielsweise Leverkusen interpretiert, ist die hohe Präsenz in der gegnerischen Hälfte bzw. in der Hälfte des Teams das den Ball hat. Gerade wenn das gegnerische Team im 5-2-3 auch noch höher presst, haben viele Teams Probleme das Spiel von hinten sauber zu eröffnen und tendieren dazu den Ball häufig lang nach vorne zu schlagen oder sehr früh über die Außenbahn zu spielen.

Gerade wenn man selbst mit einer Viererkette aufbaut und hoch von drei Spielern gepresst wird, sollte das erste Ziel sein, mindestens eine Gleichzahl in der ersten Aufbaulinie zu schaffen, um den Spielaufbau sicherer zu gestalten. Dies kann durch das Abkippen eines Sechsers, durch eine tiefe Position der Außenverteidiger oder das Einbinden des Torwarts geschehen.

Des Weiteren sollte die Abwehr im Spielaufbau nicht zu flach stehen, diagonale Pässe ermöglichen nicht nur mehr Raumgewinn, sondern sind auch nicht so leicht zu verteidigen, da der Passempfänger den Ball meist bereits auf dem richtigen Fuß mit Blick zum Feld hat und so schneller Entscheidungen treffen kann. Mit einem Sechser hinter der ersten Pressinglinie kann eine Raute im Spielaufbau entstehen, die diagonale Passoptionen erlaubt.

Wichtig ist zudem noch, dass man im Zentrum versucht eine Überzahl herzustellen. Wie ich bereits im ersten Artikel anmerkte, wird das Zentrum nur von zwei Spielern des Gegners besetzt. Dadurch, dass ein Sechser im Spielaufbau abkippt, tendieren manche Teams dann dazu, dass sie in Ballbesitz keine Überzahl mehr gegen das gegnerische 5-2-3 haben. Beispielsweise lässt sich das Lösen, indem ein Stürmer sich etwas fallen lässt oder ein Flügelspieler hereinkippt. Auch ein einrückender Außenverteidiger wäre denkbar, um im Zentrum eine Überzahl herzustellen. So können Mannorientierungen des Gegners verhindert werden und die erste Linie des Gegners leichter überspielt werden, da dahinter Anspielstationen für die Verteidiger existieren.

Fazit

Dies ist der abschließende Artikel meiner kleinen Serie über das 5-2-3, dass viele Teams nutzen, wenn der Gegner den Ball hat. Dieser Artikel sollte einen kurzen Einblick geben, wo potenzielle Schwächen liegen könnten. Allerdings hängt das wie immer auch vom Spielermaterial des Gegners und der eigenen Mannschaft ab. Ebenso von der Interpretation des 5-2-3. Manche Teams weichen leicht davon ab, indem sie ein 5-2-2-1 oder 5-4-1 nutzen und es entstehen nur kurzfristige 5-2-3 Staffelungen.

Kategorie Allgemein, Aspektanalyse

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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