​Pacos Las Palmas trotzt Valencia Unentschieden ab

Im Achtelfinalhinspiel der Copa del Rey trafen am Mittwochabend Las Palmas und der FC Valencia aufeinander, wobei bei den Gästen Paco Jemez sein Debüt an der Seitenlinie der Kanaren gab. Obwohl der ehemalige Coach von Rayo Vallecano als gewiefter Taktiker gilt, war die Favoritenrolle sicherlich den Gästen von Coach Marcelino zuzuschreiben, zumal Valencia in der laufenden Spielzeit nicht nur durch gute Ergebnisse, sondern vor allem durch starke Leistungen zu überzeugen weiß. 

Aufmüpfige Heimherren gegen rotierende Gäste

Valencia begann in der üblichen 4-4-2-Formation, wobei sie allerdings personell nicht in voller Montur antraten: so saßen Kapitän Dani Parejo, Gabriel Paulista, Rodrigo sowie Gonçalo Guedes zunächst auf der Bank. Trotzdem lautete die Devise Kompaktheit und situatives Pressing
Las Palmas auf der anderen Seite zeigte relativ früh, dass sie durchaus an Ballbesitz und konstruktivem Aufbau interessiert waren. Dies gestaltete sich äußerst schlicht: Alberto Aquilani ließ sich als Sechser leicht fallen, wenn Gálvez und Bigas auffächerten. Dieser Mechanismus war zur Aufteilung von Valencias Angriffspressing gedacht. Die Außenverteidiger David Simón und Herrera standen verhältnismäßig hoch, um nicht noch zusätzlich die Außen Valencias in deren Pressing zu locken. Dadurch, dass Aquilani allerdings immer von einem der zentralen Mittelfeldspieler des Gegners mannorientiert verfolgt wurde, mussten die Kanaren desöfteren den Weg über die Außen suchen, was im Endeffekt dann doch in unangenehmen Pressingsituationen endete. 

Bei Ballbesitz Valencias stand die Abwehrreihe der Heimherren relativ hoch, was teilweise auch bei Abstößen zu erkennen war. Man war um Spielkontrolle in allen vier Phasen bemüht, wie es schien.

Durch Valencias hohes Pressing kam es zu vielen Umschaltsituationen auf beiden Seiten. Hatten die Kanaren Überzahl ab dem zweiten Drittel und nahm der Ballführende Tempo auf, so versuchte man relativ schnell und unkompliziert Pässe in die Spitze oder Schnittstellen anzuvisieren. Zogen die Gäste sich zurück, versuchte Las Palmas über die von Valencia freigelassenen Außen ins Spiel zu kommen.

Interessanterweise übernahm Sergi Samper, wenn Aquilani aufgerückt war, den Spielaufbau situativ und zeigte im Gegensatz zu letzterem eine sehr solide Pressingresistenz und versuchte zudem den ein oder anderen Laserpass ins Mittelfeld anzubringen. Seine Technik hierbei ist fast schon verblüffend ähnlich zu der von Barcelonas Sergio Busquets (als dessen Ersatz und/oder langfristiger Nachfolger er bei den Katalanen aufgebaut werden soll). Auch gegen den Ball zeigte er sehr gute Antizipationen in der Phase des Gegenpressings, was den Vergleich nur bestätigt. Den Rest der Zeit besetzte er die rechte Halbposition im Mittelfeld.

Der Spielfilm

Mit zunehmendem Spielverlauf erspielte sich Las Palmas so ein Übergewicht und nutzte Valencias Pausen im Pressing aus, um sie in der eigenen Hälfte im Abwehrpressing festzunageln und in Ruhe zu bespielen. Mit der ersten richtigen Torchance fiel dann nach Flügelkombination und flacher Hereingabe das 1:0 für die Heimherren durch den Treffer von Calleri.

Dies verleitete Rubén Uría (der als eigentlicher Co-Trainer für den abstinenten Coach Marcelino an der Seitenlinie stand) zur Hereinnahme des Kapitäns Dani Parejo für den wenig auffälligen Kondogbia. Im weiteren Verlauf kamen noch Rodrigo und Guedes in die Partie. Somit übernahm Valencia das Kommando, Las Palmas lief nicht mehr so früh an und Valencia konnte mehr konstruktiv herausspielen. Auch das Pressing wurde immer aggressiver und noch strenger mannorientiert, während den Kanaren die Luft ausging. Gerade als die Gastgeber um die 75.-80. Minute herum wieder gut ins Spiel kamen, die ebenfalls ermüdeten Valencianer laufen ließen und lange Ballbesitzpassagen hatten, schlug Rodrigo auf der anderen Seite zum 1:1-Ausgleich zu.

Fazit – Paco Jemez und Las Palmas

Als Fazit lässt sich festhalten, dass im Rückspiel alles offen ist und man Las Palmas unter Paco Jemez auf jeden Fall auf der Rechnung haben sollte. Das kontrollierte Spiel, das an die Zeit unter Quique Setién erinnert, ist wieder eingekehrt und macht aus dem Tabellenletzten der Primera División gar eine nicht zu unterschätzende Mannschaft mit taktischen Kniffen in der Hinterhand. Valencia hat sich indes vom vertikalen Direktspiel der Kanaren zeitweise überfordert gezeigt, bis ihre Stammspieler die Kontrolle wiederherstellten. Wenn sie nicht allzu tief hineingedrängt werden und auch eigene Ballbesitzphasen zum Ausruhen haben, sind sie eine relativ komplette Mannschaft und sind auf dem besten Weg eine sehr solide Saison zu spielen und nächstes Jahr wieder auf europäischem Parkett aufzutreten.

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