Die Heimpremiere von Tayfun Korkut glückt

Zum ersten Heimspiel vom neuen Trainer Tayfun Korkut empfing der VfB Stuttgart die Borussia aus Mönchengladbach. Die Ausgangslage war klar, während Korkut die positiven Eindrücke aus der zweiten Hälfte in Wolfsburg festigen, sowie den dort gewonnen Punkt „vergolden“ wollte um sich Luft zu den Abstiegsrängen zu verschaffen, wollten die Gäste nach zwei Niederlagen in Serie endlich wieder punkten um den Anschluss an die Plätze für das internationale Geschäft nicht zu verlieren.

Die Aufstellungen

VfB - Gladbach 1718

Beide Trainer schickten ihre Mannschaften in einer 4-4-2 Grundformation aufs Feld. VfB-Trainer Korkut vertraute dabei auf die Elf, die in der zweiten Hälfte in Wolfsburg zu überzeugen wusste. Vor Torwart Zieler agierten das Duo Baumgartl-Pavard in der Innenverteidigung, flankiert von Beck auf der rechten, und Insua auf der linken Seite. Die Doppelsechs bildeten der junge Ascacibar und Aogo, auf den Außen fanden sich Captain Gentner und der Winterneuzugang Thommy wieder. In der Spitze bot der VfB-Übungsleiter Gomez und Ginczek auf.

Auf der Gegenseite vertrat Sippel den verletzten Yann Sommer im Tor. Vor ihm agierten Ginter und Vestergaard in der Innenverteidigung, Elvedi auf der rechten, sowie Jantschke auf der linken Seite. Im zentralen Mittelfeld spielte Christoph Kramer neben Zakaria, auf den Flügeln agierten Jonas Hofmann und Grifo. Die Doppelspitze bestand zu Beginn des Spiels aus Lars Stindl und Thorgan Hazard.

Gladbach zu statisch – der VfB mit Ballgewinnen

Von Beginn an nahmen die Gäste aus Mönchengladbach das Spiel in die Hand. Um gegen die Doppelspitze des VfB nicht permanent unter Druck gesetzt zu werden, sondern in Ruhe das Spiel aufbauen zu können, ließ sich Kramer im Spielaufbau immer wieder zwischen, teilweise auch neben die Innenverteidiger fallen, um in der ersten Linie eine 3 vs 2 Überzahl zu haben. Ähnlich wie Kramer ließ sich auch Stindl konstant aus der Spitze zurückfallen ins Mittelfeld, stand dabei aber fast immer höher als Zakaria, so dass im Zentrum eine 2 vs 2 Gleichzahl entstand. Die Außenverteidiger der Gäste schoben, als Reaktion auf das Abkippen von Kramer, auf den Flügeln etwas höher, so dass im Spielaufbau der Gladbacher eine Art 3-4-3 Formation entstand.  Der VfB lief den Aufbau der Borussia immer wieder sehr früh und hoch an. Die beiden Stürmer versperrten den Passweg in den Sechserraum und forcierten so einen Pass auf einen der breiter positionierten Spieler der Aufbaudreierkette, dieser wurde in der Regel dann direkt vom äußeren Mittelfeldspieler des VfB angelaufen, welcher dabei immer darauf bedacht war seinen eigentlichen Gegenspieler, den aufgerückten Außenverteidiger der Gladbacher, im Deckungsschatten zu halten.

Aus diesen Situationen wollte sich Mönchengladbach in der Regel spielerisch, mit flachen Vertikalpässen befreien. An sich eine gute Idee, war doch nach dem Herausrücken des Außenspielers des VfB immer wieder Außenverteidiger der Gladbacher frei und prinzipiell „einfach“ über einen Wandspieler erreichbar. Dies gelang jedoch, vor allem in der Anfangsphase, in vielen Situationen aus diversen Gründen nicht. Zum einen verteidigte der VfB ziemlich engagiert, war eng an den Gegenspielern und konnte so einige Zweikämpfe für sich entscheiden. Zum anderen war das Spiel der Gäste zu statisch. Hinter Stindl und Zakaria, die in der Regel eng von Aogo und Ascacibar gedeckt wurden, fand kaum Bewegung statt. Hazard hielt in den ersten 25 Minuten ziemlich konstant die letzte Linie, ließ sich nicht hinter Stindl und Zakaria in den Zwischenlinienraum fallen um angespielt zu werden. Selbiges galt in dieser Phase für die Außenspieler Grifo und Hofmann. So wurden die Gladbacher schon im Spielaufbau zu schwierigen Bällen, oder zu Bällen die relativ einfach zu verteidigen sind gezwungen, was zahlreiche Ballverluste zur Folge hatte. Dass einige dieser Ballverluste dann auch tatsächlich gefährlich wurden, hatte nicht zuletzt mit einer mangelnden Besetzung des Sechserraums zu tun. Durch das abkippen von Kramer in die erste Aufbaulinie war Zakaria im Sechserraum oft auf sich alleine gestellt, so dass der VfB im schnellen Umschaltspiel durchaus offene Räume vorfand, die er bespielen hätte können. Nach einem solchen Ballverlust in der Anfangsphase fiel dann das frühe 1:0 durch Ginczek.

Defensiv stabil – offensiv harmlos

Im Laufe der ersten Halbzeit wurde das Spiel der Gäste zunehmend besser. Hazard, Grifo und Hofmann zeigten sich jetzt aktiver, boten sich immer wieder im Zwischenlinienraum an und konnten damit sicherstellen, dass die Borussia ein spielerisches Übergewicht erlangte und den VfB vermehrt in die eigene Hälfte drückte. Hazard ließ sich jetzt vermehrt fallen während Grifo und Hofmann in der letzten Linie etwas einschoben. So konnten die Fohlen zum einen eine 3 vs 2 Überzahl in der Mittelfeldzentralen herstellen und diese Überzahl auch immer wieder für Kombinationen nutzen, zum anderen banden die beiden etwas eingerückt stehenden Außen die gesamte Viererkette. Mit der Hereinnahme von Raffael für Grifo, Hazard rückte in diesem Zuge auf die Außenbahn während Raffael seine zentrale Position einnahm, verstärkte sich die Dominanz der Gäste im Zentrum noch mehr. Während die Innenverteidiger immer wieder wachsam die Schnittstellen vor Pässen sichern mussten, konnten auch die Außenverteidiger nicht mit ins zentrale Mittelfeld einrücken, da sie sonst Räume für Vorstöße der VfL-Außenverteidiger geöffnet hätten.

Aus diesem spielerischen Übergewicht konnten die Fohlen jedoch kein Kapital schlagen. Der VfB verschob kompakt und diszipliniert, bot den Gästen nur selten die Möglichkeit zentral vor dem Tor in den Rücken der Abwehr zu kommen. Auch die Hereingaben der Fohlen verpufften in der Regel, da sie zum einen schlecht gespielt waren, und sich der VfB zum anderen sehr stabil, mit vielen Spielern in der Endverteidigung zeigte.

Im eigenen Aufbau versuchte der VfB den Sechserraum nach Möglichkeit direkt zu überspielen. Gegen die beiden Stürmer Stindl und Hazard standen Baumgartl und Pavard in Gleichzahl, so dass der ballführende Innenverteidiger relativ einfach unter Druck gesetzt werden und zu schnellen Aktionen gezwungen werden konnte. Darauf schien der VfB aber durchaus vorbereitet und man schien dies auch bewusst in Kauf zu nehmen, um das Mittelfeldzentrum nicht preiszugeben. In der Regel gab es zwei Varianten die der VfB zum Ballvortrag nutzte. In vielen Situationen kamen die leicht eingerückt positionierten Außenbahnspieler Gentner und Thommy im Halbraum entgegen und sollten als Wandspieler fungieren. Diese wurden zwar immer wieder von den Innenverteidigern getroffen, jedoch fehlte es in der Folge an Anspielstationen mit offenen Stellungen um den Angriff mit Tempo fortführen zu können. So kam es dass sie den Ball meist lange behaupten mussten bis sie endlich eine Anspielstation fanden, dies war oft der Innenverteidiger der sie schon angespielt hatte und sich in der Zwischenzeit wieder freigelaufen hatte, oder den Ball verloren.

Eine andere Variante war der lange Ball auf einen der beiden Stürmer. Da Kramer und Zakaria im Pressing immer wieder auf die beiden VfB-Sechser herausrückten, war zwischen Mittelfeld und Abwehr durchaus genug Platz um dort lange Bälle hinein zu spielen. In der Regel wurden die Stürmer auch gefunden, jedoch fehlte in diesen Szenen auch wieder, ähnlich wie in den Situationen in denen man versuchte flach herauszuspielen, eine freie Anspielstation um den Ball abzulegen. So mussten die Stürmer den Ball entweder länger behaupten, in der Zwischenzeit konnten sich die Gladbacher wieder zusammenziehen und hinter dem Ball formieren, oder versuchen den Ball direkt in den Lauf des durchstartenden Kollegen zu verlängern, was jedoch für die Gäste leicht zu verteidigen war.

Mit zunehmender Spieldauer wurden die ohnehin größtenteils harmlosen Offensivbemühungen des VfB auch weniger, man konnte kaum Konter fahren, einfach weil man durch die Dominanz der Elf vom Niederrhein so tief hinten reingedrückt wurde, dass die Wege zum gegnerischen Tor enorm weit waren. Zudem hatten die Gladbacher auch einige gute Momente im Gegenpressing, so dass der VfB den Ball unter Gegnerdruck blind herausschlagen musste.

Gladbach setzt alles auf eine Karte – der VfB bewahrt die Ruhe

Nach etwas mehr als einer Stunde begann Hecking mehr offensives Personal auf den Platz zu bringen. Er opferte mit Zakaria einen Sechser und brachte dafür mit Drmic einen Mittelstürmer. Dieser Wechsel änderte die Statik des Angriffsspiels der Gäste. Drmic bildete im Sturm nun eine Art Fixpunkt. Links neben Drmic gab Hazard konstant breite, auf der anderen Seite fand sich Außenverteidiger Elvedi jetzt konstant auf Höhe der letzten Linie wieder. Mit dem nominellen Rechtsaußen Hofmann, Raffael und Stindl hatten die Fohlen jetzt drei Spieler die sich konstant im Zwischenlinienraum bewegten und als Anspielstation dienen sollten. Durch diesen Wechsel agierte Mönchengladbach jetzt in einer Art 3-1-3-3. Um der geballten Offensivpower Herr werden zu können und genug Personal in der letzten Linie zu haben um auch Tiefenläufe von Raffael, Stindl und Hofmann kontrollieren zu können reagierte VfB-Trainer Korkut und stellte mit der Einwechslung von Badstuber für Thommy auf Fünferkette um. Der VfB spielte von diesem Moment an ein 5-4-1, attackierte die erste Linie des gegnerischen Spielaufbaus gar nicht mehr und beschränkte sich auf das tiefe verteidigen und darauf, viele eigene Spieler hinter den Ball zu bringen um den Gladbachern so Räume zu nehmen.

Bis circa eine viertel Stunde vor Schluss hatte die Borussia ihre vermutlich dominanteste Phase im ganzen Spiel. Stindl und Raffael wurden immer wieder angespielt und versuchten das Spiel anzukurbeln, jedoch ohne Erfolg. Oft verstrickten sich die Gäste zu sehr in kleinräumige Kombinationen die der VfB sehr einfach zu schieben konnte. Allgemein fehlte oft das Tempo um Lücken in den Defensivverbund des VfB zu reißen und so in den Rücken der Abwehr zu kommen.

Mit seinem letzten Wechsel brachte Hecking den Stürmer Bobadilla für Hofmann, wodurch Drmic auf die rechte Seite rücken musste und Elvedi wieder etwas tiefer stand. Dadurch raubte der Gästetrainer seiner eigenen Mannschaft eine Anspielstation im Zwischenlinienraum – die plausible Reaktion dass von diesem Moment an Hazard vermehrt ins Zentrum rückt und Jantschke hoch steht war nur vereinzelt zu beobachten, nicht in der Klarheit wie dieses Verhalten von Hofmann und Elvedi betrieben wurde – was dazu führte dass der VfB wieder mehr Zugriff im Zentrum bekam und sich etwas aus der Umklammerung der Fohlen lösen, sogar selbst wieder ein paar halbherzige Konter fahren konnte. Da die Gäste fußballerisch nicht mehr so viel Druck ausüben konnten wie zuvor verlegte man sich in den letzten Minuten auf das Schlagen langer Bälle. Hierfür wurde auch noch der große Innenverteidiger Vestergaard in die Spitze beordert. Diese langen Bälle konnten vom VfB jedoch recht stabil verteidigt werden, so dass es letztendlich beim 1:0 Heimsieg blieb.

Fazit

In einem chancenarmen Spiel konnte sich letztendlich die effektivere Mannschaft durchsetzen. Die Borussia aus Mönchengladbach hatte zwar insgesamt mehr vom Spiel und dominierte den VfB phasenweise, spielte im letzten Drittel jedoch zu langsam und nicht zielstrebig genug, um die Überlegenheit auch in entsprechend viele Chancen ummünzen zu können. Zudem zeigte man sich in der Anfangsphase zu statisch, lud den VfB quasi dazu ein den eigenen Spielaufbau unter Druck zu setzen und Ballverluste zu erzwingen. Ein Umstand den die Heimmannschaft zu nutzen wusste und deshalb als Sieger vom Platz ging.

 

 

 

 

Kategorie Allgemein, Bundesliga, Spielanalysen

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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