Atletico müht sich gegen Bilbao zum Sieg

Die spanische Liga ist diese Saison zwar nicht so eindeutig wie die Bundesliga, allerdings setzte sich Barcelona bereits früh ab und gewinnt konstant jedes Wochenende, auch wenn sie dabei nicht immer glänzen. Real Madrid hingegen hat die ganze Saison schon Probleme und ist weit abgeschlagen auf Platz vier, hinter Valencia und Stadtrivale Atletico Madrid.

Atletico ist aktuell die einzige Mannschaft, die noch mit Barcelona mithalten kann, nach anfänglichen Schwierigkeiten punkten die Rojiblancos wieder jedes Wochenende, obwohl ihre Offensive weiterhin nicht zu den Gefährlichsten der Liga zählt. Aktuell liegen sie sieben Punkte hinter Barcelona. Nach dem Ausscheiden in der Champions League tritt Atletico nur noch in der Europa League an. An diesem Spieltag trafen sie auf Athletic Bilbao, die mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen haben, und ohne ihre Leistungsträger Aduriz, Raul Garcia und Iker Muniain in Madrid antreten mussten.

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In einem interessanten Spiel siegte Atletico trotz größerer Schwierigkeiten am Ende mit 2:0. Allerdings ließ sich gegen Bilbao wieder die Offensivprobleme der Mannschaft von Diego Simeone gut beobachten.

Atleticos Unverbundenheit

Diego Simeone stand schon immer mehr für kompaktes, perfekt strukturiertes Defensivspiel und weniger für ein kreatives Offensivspiel. Atletico hatte auch in dieser Partie damit zu kämpfen die recht kompakte Verteidigung der Basken zu knacken. Bilbao verdichtete das Zentrum und verschob konsequent ballorientiert, um den Raum für Atletico zu verknappen. Meist taten die Basken dies in einem 4-1-4-1, dass bei einem höherschieben eines Achters auch mal zum 4-4-2 werden konnte.

Atletico hatte damit zu kämpfen, dass ihre Positionierungen in Ballbesitz nicht immer passend zueinander waren, entweder es standen zu wenig Spieler zwischen den Linien, oder man versuchte sich durch sehr enge Räume zu spielen, was meist leicht zu verteidigen war.

Offensivprobleme.PNG

Hier braucht Atletico recht lange um die Seite zu wechseln, da zu viele Spieler auf einer Linie standen, schaffte es Bilbao durch wenige Bewegungen die Passlinien zwischen Atleticos Mittelfeldspieler zu kappen und den Ballführenden unter Druck zu setzten. Erst durch ein aufwändiges Dribbling schaffte es Atletico irgendwie von der linken auf die rechte Seite sich durchzuspielen. Allerdings gab dies Bilbao die Zeit sauber zu verschieben, um keine Lücken zu offenbaren.

Über Vrsaljko und Griezmann schafft es Atletico sich dann irgendwie in den Halbraum zu Correa zu spielen. Allerdings befand Atletico sich dort in einer 4vs6 Unterzahlsituation, und Correa konnte bereits bei der Ballannahme gestellt werden. Letztendlich schaffte es Atletico in dieser Situation zwar noch ins Gegenpressing zu gelangen, da Atleticos Spieler einfach ein sehr gutes Stellungsspiel und gutes Timing im Anlaufen von Gegenspielern haben, jedoch konnte Bilbao aus dieser Situation einen der wenigen Konter fahren.

Meist schaffte es Atletico nach eigenen Kontern oder schnellen vertikalen Angriffen aus einer Aufbauseqeunz heraus gefährlich zu werden. Dann profitierten sie von Bilbaos Problemen im Gegenpressing, auf die ich später noch zu sprechen komme. Atletico schaffte es in diesen Situationen den Ball schnell zwischen die Linien zu bekommen. Mit Griezmann, Correa oder auch Saul haben sie großartige Spieler, die auch unter Druck konstant für Gefahr sorgen können.

Griezmanns Direktablagen

Einige Male konnte man beispielsweise Direktpässe von Griezmann beobachten, die zwar nicht immer zum Erfolg führten, aber stets für Gefahr sorgten. Entweder Griezmann ließ den Ball passend klatschen, während er sich fallen ließ und meist mannorientiert verfolgt wurde. Dies hatte zur Folge, dass Griezmanns Gegenspieler seine Position verließ und sich somit Raum für Atletico besonders in Umschaltsituationen ergab. Beeindruckend war vor allem die Präzision und das Timing mit welchem Griezmann diese kurzen Ablagen spielte. Meist hatte der Gegenspieler keine Chance den Ball nach der Ablage zu erobern, da der Ball präzise zu einem Mitspieler abgelegt wurde, der sofort vertikal nach vorne stoßen konnte.

Oder Griezmann versuchte mit teils schwierigen Direktpässen hinter Bilbaos Abwehr für Gefahr zu sorgen, die meisten dieser Pässe spielte er diagonal hinter die Linie, da er den Pass mit dem ersten Kontakt aus seiner zum Mitspieler offenen Stellung, also mit dem Rücken zum Tor spielte.

Costas Ausweichen und fehlende Breite

Des Weiteren hatte Bilbao hin und wieder Probleme Diego Costas ausweichende Bewegungen zu verteidigen. Costa wich sehr häufig aus dem Zentrum auf die linke Seite aus, besetzte entweder die Außenbahn um die Breite zu geben, da Koke eigentlich konstant eingerückt spielte. Oder Costa bewegte sich wie im oberen Beispiel zwischen Außen- und Innenverteidiger von Bilbao um an der Kante zum Abseits auf Pässe hinter die Abwehr zu lauern.

Chance Costa.PNG

In der oberen Szene spielt sich Atletico auf engstem Raum durch die Linien von Bilbao, letztendlich schafft es Koke Costa mit einem Pass in den freien Raum in Szene zu setzten. Davor dribbelte Filipe Luis kurz mit dem Ball in die Mitte und schaffte es den Ball zwischen zwei Gegenspielern hindurch auf Koke durchzustecken. Der Raum hinter Susaeta und Beñat ist geöffnet, allerdings ist auch hier nicht sonderlich viel Platz. Bilbao schaffte es in dieser Situation allerdings nicht Druck auf den Ballführenden auszuüben und die Passlinie zu schließen. So konnten sie ausgehebelt werden, was allerdings recht selten passierte.

Die Probleme von Atletico zeigen sich hier recht deutlich, in diesem Moment fehlt Atletico die Breite im Spiel, was durch die eingerückte Position von Koke und Correa häufiger vorkam. Filipe Luis und Sime Vrsaljko rückten nicht immer so weit mit auf, deswegen fehlte es Atletico dann an der Ausweichoption im Angriff und Bilbao hatte es leichter die Mitte kompakt zu halten.

Des Weiteren zeigt sich hier auch das Problem der Unverbundenheit im Offensivspiel von Atletico, Thomas und Saul stehen tief und auf einer Linie, ein Seitenwechsel ist nur über Vrsaljko möglich, der sofort unter Druck gesetzt werden kann. Auch bei einem Pass auf Griezmann kann jener sofort unter Druck gesetzt werden. Letztendlich wird Atleticos Offensivspiel erst durch die individuelle Klasse von Spielern wie Koke, Saul oder Griezmann in dieser Partie gefährlich. Vereinzelte Aktionen auf der Außenbahn, insbesondere rechts mit Correa und Vrsaljko konnten darüber hinaus mal für Gefahr sorgen.

Bilbaos Absicherungsprobleme

Wie angesprochen wurde Atletico insbesondere in der zweiten Halbzeit durch Konter oder nach Pässen aus dem Aufbauspiel in den Zehnerraum gefährlich. Letztlich waren auch das wenige Situationen, in denen aber Bilbaos Gegenpressing die grundsätzliche Schwäche der Absicherung offenbarte.

Im Gegenpressing schaffte es Bilbao nicht immer sofort Druck zu erzeugen und offenbarte Räume hinter den pressenden Mittelfeldspielern.

Probleme Gegenpressing.PNG

Bilbaos Angriff über rechts endet mit einem Ballverlust auf der rechten Seite. Zwar schalten die Basken schnell um und versuchen Druck auf den Ballführenden auszuüben, allerdings befreit Saul sein Team mit einem einfachen Pass auf Thomas in den freien Raum. Atletico hat daraufhin sehr viel Platz für einen Konter und kann eine 4vs4 Situation herstellen.

Wie kam es zu dem Konter, wo lagen die Probleme die die Basken in dieser Situation haben, die das Verhindern des Konters unmöglich machen?

Um ein erfolgreiches Gegenpressing zu spielen, kommt es nicht nur auf das schnelle mentale Umschalten der Spieler an, wie viele denken. Vielmehr spielen verschiedene Komponenten eine Rolle, um ein erfolgreiches Gegenpressing zu praktizieren. Natürlich dürfen die Spieler nach einem Ballverlust nicht einfach stehen bleiben, sondern müssen im Kopf von Angriff auf Verteidigung umschalten.

Die obige Szene ist ein perfektes Beispiel dafür, wie wichtig bereits die Staffelung einer Mannschaft bei eigenem Ballbesitz für das Gegenpressing ist. Wie man sehen kann, stehen vier Spieler auf einer Linie und befinden sich nicht hinter dem Ball. Nur zwei Spieler stehen hinter und gleichzeitig in der Nähe des Balles, einer davon (Beñat) muss erst einmal weit aus der Position rücken, um Druck zu erzeugen.

Diese Komponenten verhindern, dass Bilbao sofort den Raum so eng machen kann, dass Atletico sich nicht befreien kann. In dem Moment, indem Saul nach der Ballannahme aufdrehen kann, hat Bilbao keine Chance mehr den Ball dort zu gewinnen. Wie man erkennen kann, kam beispielsweise Williams zu spät, um ein Aufdrehen verhindern zu können.

Nicht nur direkt in der Nähe des Balles hat die schlechte Staffelung von Bilbao seine Auswirkungen. Die Absicherung fehlt den Basken nämlich ebenso. Im Zentrum ist so viel Raum für Thomas, der sich einfach im Rücken seines Gegenspielers davon bewegen kann, da Susaeta zu sehr auf den Ball fokussiert ist und sich nicht um die direkte Absicherung seiner Teamkollegen kümmert. Darüber hinaus ist auch San Josés Positionierung nicht optimal, er hätte sofort etwas mehr ins Zentrum schieben sollen, um Beñat abzusichern und den Raum in der Mitte und den damit verbundenen Pass auf Griezmann zu verhindern.

In der zweiten Hälfte häuften sich diese schwächeren Positionierungen bei Bilbao, vielleicht auch dem Grund der schwindenden Energie geschuldet, denn besonders im ersten Durchgang war das Spiel recht hektisch, mit vielen Wechseln des Ballbesitzes. Beide Teams organisierten sich in der Defensive sehr gut, Bilbao offenbarte im Pressing nur selten Raum zwischen den Linien.

Gut organisiertes Pressing

Im Gegensatz zum Gegenpressing schaffte es Bilbao im Pressing die Abstände zwischen den Linien besser zu halten und so Atletico weniger Raum zu geben. Meist verschoben sie in einem 4-1-4-1 im Mittelfeld und fokussierten sich auf das Verengen des ballnahen Raums.

Immer wieder pressten sie allerdings auch höher und stellten so Atletico doch vor größere Probleme. Meist rückten die Achter recht aggressiv auf die Sechser von Atletico und versuchten ballnah mit vielen Spielern Druck zu erzeugen. San José war als Sechser der Spieler der versuchte alles abzusichern. Er hielt dabei meist Kontakt zu den Innenverteidigern, um diese zu unterstützen, wenn Griezmann oder Costa den Ball mal erhielten. Darüber hinaus fing er die Bälle ab, die Atletico mal an Bilbaos Mittelfeldlinie vorbeibrachte.

Bilbao Pressing.PNG

Hier drängt Bilbao Atletico auf die Seite und schaffen es dort die Rojiblancos zu isolieren. Beñat und Vasga, die beiden Achter schieben aktiv aus ihrer Position und setzten Saul bei der Ballannahme unter Druck. Susaeta schließt den Passweg zu Koke, während Williams einen Pass auf Gimenez und damit einen Seitenwechsel verhindert. Wichtig ist hier noch anzumerken, dass Saul den Ball wieder auf Filipe Luis prallen lässt und Vasga weiter durchläuft, um den Druck auf Atleticos Verteidigung im Spielaufbau hochzuhalten.

Hier war Bilbao besser abgesichert. Der ballferne Flügelspieler Sabin bleibt bewusst tiefer und orientiert sich an Thomas, während San José den Sechserraum sichert. Atletico konnte sich aus solchen Situationen hin und wieder umständlich befreien, beispielsweise hier über eine Verlagerung auf Vrsaljko, allerdings schaffte es Bilbao dann sich schnell wieder in seine Defensivformation fallen zu lassen und die Positionen sauber zu besetzten.

Dann musste Atletico wieder versuchen einen Weg durch die enge Defensive zu finden, was wie angesprochen für Probleme bei den Spielern von Diego Simeone sorgte. Wenn man es dann doch mal nicht spielerisch schaffte, nutzte Atletico auch mal einen langen Ball, allerdings konnten sie diesen in Person von Diego Costa gut festmachen oder Bilbao war bei der Balleroberung schlicht zu weit vom gegnerischen Tor entfernt, um noch gefährlich zu werden.

Fazit

In einer interessanten Partie setzte sich Atletico letztendlich verdient durch. Sie erhielten aufgrund von Bilbaos Problemen im Gegenpressing und Simeones Umstellung, Koke durch Gameiro zu ersetzten mehr Möglichkeiten schnelle Angriffe zu fahren. Darüber hinaus waren sie wie immer sehr gut organisiert in der Defensive, was es Bilbao schwer machte zu Chancen zu kommen. Allerdings musste Bilbao auch auf drei Leistungsträger in der Offensivabteilung verzichten.

Bilbao auf der anderen Seite verteidigte gut und hielt das Spiel lange ausgeglichen, auch weil Atletico im Offensivspiel so seine Probleme hatte konstant Bilbaos Defensive vor Herausforderungen zu stellen.

 

 

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