Lucas Torreira, die Defensivmaschine aus Uruguay

Genua. Das Team von Marco Giampaolo spielt bisher eine herausragende Saison. Sie liegen aktuell auf Platz 6 vor Teams wie Florenz oder der AC Mailand. Das Team aus Genau spielt dabei einen schön anzusehenden Fußball, den Giampaolo bereits bei Empoli praktizierte. Mittendrin kontrolliert ein junger Mann aus Uruguay das Geschehen. Lucas Torreira zählt aktuell schon zu den besten Sechsern in der Serie A und wird nächste Saison wahrscheinlich für einen der europäischen Topklubs oder zumindest für einen international vertretenen Klub auflaufen. Atletico Madrid soll Interesse an ihm haben, es tauchen aber auch Gerüchte um RB Leipzig auf.

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In Sampdorias 4-3-1-2 nimmt Lucas Torreira die Rolle des zentralen Sechsers vor der Abwehr ein. Er misst nur 1,68 Meter, allerdings ist er sehr robust gebaut und verfügt über eine herausragende Athletik. Sein muskulöser Körperbau und sein tiefer Körperschwerpunkt gepaart mit seiner hohen Spielintelligenz machen ihn zu einem wahnsinnig starken Sechser vor der Abwehr, dessen größte Stärke mit Sicherheit seine Zweikampfführung ist.

Zweimkampfführung

Meist geht Torreira bei seinen Zweikämpfen sehr aggressiv zu werke, was teils zu überhartem Herangehen führt und gelegentlich von den Schiedsrichtern abgepfiffen wird. Allerdings erobert Torreira so viele Bälle, bringt den Gegner aus dem Gleichgewicht oder verhindert dessen einfache Spielfortsetzung.

Torreiras Timing, wann er den Gegner anläuft ist beeindruckend. Meist verschiebt er recht gemächlich und positionstreu mit dem Rest seines Teams ballorientiert. Nur um dann plötzlich im richtigen Moment explosiv aus seiner Position zu sprinten und den direkten Zweikampf zu suchen.

Torreira erkennt meist genau wann der Gegner ihn nicht kommen sieht oder wohin der Gegner das Spiel fortsetzen könnte. Gerade dann, wenn der Gegner ihn nicht richtig sieht, da er sich außerhalb seines Blickfeldes befindet, geht Torreira aggressiv in den Zweikampf. Sein überraschendes und schnelles attackieren bringt so viele Gegner aus dem Gleichgewicht.

aggressives Herausschieben.PNG

Hier schiebt Torreira schnell aus seiner Position um Juventus Mittelfeldspieler unter Druck zu setzen. Dieser sieht Torreira vor der Ballannahme nicht und kann so nicht verhindern, dass Torreira sofort seinen Körper versucht zwischen Ball und Gegner zu bekommen. In diesem Fall zu kosten eines Fouls, allerdings verhinderte sein gutes Timing beim Herausrücken, dass Juventus den Raum in der Mitte bespielen konnte.

Meist läuft der Uruguayer den Gegner diagonal an, seine Körperhaltung und das kurze Verzögern vor dem Zweikampf lenken den Gegner in Räume, die ihn von seinen Gegenspielern abschneiden oder in strategisch unvorteilhafte Räuem befördern. Wenn der Gegner gestellt und kurz gelenkt wurde, versucht Torreira zügig den Körper zwischen Ball und Gegenspieler zu bringen. Dabei antizipiert er häufig in welche Richtung der Gegner sich drehen wird und schafft es genau bei der Drehung in diesen Raum den Körper zwischen Ball und Gegner zu bekommen, oder er bringt der Gegner mit seinem stabilen Körperbau aus dem Gleichgewicht.

Wegen seinem explosiven Antritt und seiner starken Zweikampfführung inklusive gutem Timing beim Herausrücken aus seiner Position, ist Torreira in der Lage große Räume in Sampdorias Formation abzudecken. Er kontrolliert meist den Sechserraum alleine und sichert den Rest seiner Kollegen ab, wenn diese nach außen schieben, um ins Pressing überzugehen.

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Gerade wenn Sampdoria es mit seinem engen Mittelfeld schafft den Gegner in einem bestimmten Raum zu isolieren, schiebt Torreira dorthin mit und sichert ab. Im richtigen Moment sucht er aufgrund seiner Zweikampfstärke das direkte Duell mit dem Gegenspieler.

Sein Stellungsspiel in Pressingsituationen ist darüber hinaus sehr gut. Er antizipiert welche Räume der Gegner ansteuern könnte, um sich aus dem Druck zu befreien und das Spiel fortzusetzen. Diese Räume läuft Torreira geschickt zu. Sonst bewegt er sich recht wenig im Defensivverbund und hält seine Position während des Verschiebens bzw. passt sie marginal an.

Seine kleineren Schwächen im Defensivverhalten liegen im Detail, nach Seitenwechseln verschiebt er nicht immer schnell genug und der Gegner findet deswegen offenen Raum. Außerdem passt er seine Position für die Nutzung des Deckungsschattens nicht oft genug an. Gerade Atleticos Mittelfeldspieler um Saul und Koke sind darin Spezialisten. Diese kleinen Veränderungen der Position sind eine Reaktion auf die Körperdrehung des Gegners oder eine kurze Ballberührung in eine andere Richtung. Die Feinjustierung der Position dient dazu, stehts möglichst viel Raum mit seinem Deckungsschatten abzudecken.

Torreira hat in diesem Bereich noch Verbesserungspotenzial, nicht immer steht er perfekt, allerdings mit seinen 1,9 interceptions pro Spiel gehört er bereits zu den besseren Akteuren in der Serie A, kann sich aber in diesem Bereich noch steigern.

Torreiras Spiel in Ballbesitz

Wenn Sampdoria den Ball hat, bewegt sich Torreira weiterhin im Sechserraum und hält seine Position meist konsequent. Recht selten schiebt er weiträumig aus seiner Position, um seine Mitspieler zu unterstützen.

Im Zentrum bietet sich Torreira geschickt für seine Mitspieler an, um jenen eine Passoption zu geben, die einfach erreichbar ist. Torreira wird häufig durch das Spiel über den Dritten, das eine zentrale Rolle in Sampdorias Spiel mit dem Ball spielt, gefunden. Diese Bälle verarbeitet er sehr sauber und setzt das Spiel meist risikoärmer fort. Nur selten versucht er mit schwierigen Direktpässen den Rhythmus des Spiels zu ändern.

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Der Rechtsverteidiger Jacobo Sala von Sampdoria wird nach der Ballannahme von zwei Gegenspielern attackiert. Torreira muss nur leicht seine Position verändern und bietet Sala die Anspielstation die er benötigt. Da er sich davor sauber orientierte, kann er den Ball einfach nach außen prallen lassen.

Die meisten seiner Pässe sind unspektakulär allerdings strategisch sehr passend. Torreira hilft seiner Mannschaft das Spiel am Laufen zu halten. Wenn nötig verlagert der Uruguayer den Ort des Geschehens durch geschickte Verlagerungen, die seine Mitspieler in aussichtsreicheren Positionen einfach verarbeiten können.

Einzig sein Anbieten zwischen den Linien kann man zu einer seiner kleineren Schwächen zählen. Zwar hat er ein gutes Raumgefühl und positioniert sich in einigen Szenen sehr gut, nimmt den Ball mit dem richtigen Fuß an und trifft sinnvolle Entscheidungen. Allerdings läuft er sich nicht konstant frei. Häufiger ist zu beobachten, dass er im Deckungsschatten des gegnerischen Stürmers verweilt. Wenn seine beiden Achter tiefer stehen ergibt das auch etwas mehr Sinn.

Zu große Freilaufbewegungen würden Passlinien zu den Teamkollegen schließen, allerdings gab es häufiger Szenen in denen Sampdoria komplizierte Angriffe über den Flügel starten musste, da die Innenverteidiger unter Druck gerieten und nicht von Torreira unterstützt wurden.

Torreiras Pressingresistenz

Zu Torreiras großen Stärken zählt die Pressingresistenz. Er verliert sehr selten den Ball unter Druck. Zum einen liegt das an seinem Umblickverhalten, dass maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Torreira immer die Ruhe unter Druck bewahrt und einfache Lösungen findet.

Zum anderen ist Torreira sehr sicher am Ball und schafft es so sich aus Drucksituationen mit einfachen Drehungen zu befreien. Durch seine gute Antizipation, weiß er meist wie der Gegner versuchen wird ihn unter Druck zu setzten, und kann sich so frühzeitig in den richtigen Raum bewegen und dem Tackling ausweichen.

Diese Antizipation für Defensivbewegungen und sein Raumgefühl sorgen dafür, dass er bei seinen wenigen Dribblings beispielsweise in Kontersituationen oder wenn er unter Druck gerät, die richtigen Räume ansteuert und so seinem Team mehr Raum verschafft.

Fazit

Torreira ist einer der zentralen Akteure in einem wirklich interessanten Team. Auf der Position vor der Abwehr glänzt er mit seiner Klasse als Defensivspieler. Torreira vereint Zweikampfstärke, Pressingresistenz und Unterstützen der Mitspieler in Ballbesitz. Auch deshalb wird er für viele Topteams in Europa eine interessante Option als defensiver Sechser sein. Wie erwähnt hat er aber noch kleinere Dinge an denen er arbeiten muss, um zur absoluten Spitzenklasse aufzusteigen. Sein nächster Karriereschritt wird entscheidend sein.

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