Titz schenkt dem HSV wieder Hoffnung

Der HSV kann noch gewinnen und überzeugt darüber hinaus noch mit einer guten Leistung gegen die Mannschaft von Domenico Tedesco. Der neue HSV Coach Titz änderte bereits einige Dinge und fand gegen den Tabellenzweiten gute Ansätze, um die davor fünfmal zu Null spielende Schalker Defensive zu knacken.

HSVs Aufbauspiel interessant aber noch mit kleineren Problemen

Trainer Titz arbeitete in seinen ersten Wochen beim HSV besonders am Ballbesitzspiel, der HSV wirkt wesentlich kontrollierter und versucht das Spiel von hinten heraus flach zu eröffnen, um vorne nicht so schnell die Bälle zu verlieren. Zwar streuen sie auch immer wieder lange Bälle ein, die gegen Schalkes Abwehr nur sehr selten gefährlich wurden, dies lag aber an den kleineren Problemen die der HSV in Ballbesitz noch besitzt.

Grafik von HSV_Taktik  https://twitter.com/hsv_taktik

Grundsätzlich bildete der HSV eine 4vs3 Überzahl im Spielaufbau gegen das 5-2-3 der Schalker. Besonders die Rolle von Torhüter Pollersbeck ist dabei interessant. Wie bereits in den ersten Spielen unter Titz bildete Pollersbeck eine Dreierkette mit den Innenverteidigern und war der Hauptverantwortliche im Aufbauspiel der Hamburger. Dabei schob Pollersbeck teilweise konstant lange nach vorne und positionierte sich im Zentrum der eigenen Hälfte, nahe zum Mittelkreis.

Die Schalker Stürmer konnten aufgrund der Überzahl des HSVs durch Pollersbeck nicht immer effektiv Druck machen. Meist lief keiner Pollersbeck an, der aber der Spieler war, der das Spiel bestimmte und von hinten aufbaute. Dies lag zum Teil an der Herangehensweise der Schalker, die sehr mannorientiert pressten. Embolo und Burgstaller liefen meist nur die beiden sehr breit positionierten Innenverteidiger der Hamburger an, während sich Harit um Steinmann kümmerte und Pollersbeck deshalb nicht anlief. Die breite Dreierkette der Hamburger hatte zur Folge, dass das Schalker Pressing auseinandergezogen wurde und die Wege für Burgstaller und Embolo sehr weit waren.

HSV

Der HSV hatte letztlich allerdings trotzdem hin und wieder Probleme konstant die Räume neben Schalkes Defensivformation zu nutzen. Zum einen wirkte vor allem Papadopoulos unter Druck alles andere als sicher, zum anderen waren auch die Pässe von Pollersbeck nicht immer perfekt. Jedoch schaffte es Pollersbeck hin und wieder durch lange Bälle den HSV in die offenen Räume zu bringen.

Auch nach schnellen Seitenwechseln konnte der HSV über seine Außenverteidiger nach vorne gelangen. Die Außenverteidiger wurden meist nämlich schnell von den Offensivspielern genutzt.

Das kleine Problem beim HSV im Spielaufbau war, dass die fünf Offensivspieler sehr hoch und die Viererkette sehr breit stand. Über die Halbräume und über Steinmann konnte nur selten aufgebaut werden. Speziell die Innenverteidiger der Hamburger hätten Pässe in die offenen Halbräume spielen können, allerdings scheiterte dies meist aufgrund mangelnder Anspielstationen.

Hamburger Offensivvorteile

Wie erwähnt schafften es die Hamburger allerdings doch häufiger in Schalkes Hälfte. Dort bespielten sie die Eigenarten der Schalker Defensive sehr gut und wurden so immer wieder gefährlich. Der HSV agierte in dieser Partie ohne echten Stürmer. Nominell spielte Aaron Hunt im Sturmzentrum, doch der ehemalige Bremer wich sehr oft aus und unterstütze auf der Außenbahn oder im Zwischenlinienraum.

Der Zwischenlinienraum wurde vom HSV gezielt überladen. Neben Holtby, Waldschmidt und Hunt, schoben auch Ito und Kostic immer wieder weit in die Mitte. Schalke versuchte die Mitte zu sichern. Aufgrund der mannorientierten Spielweise gab es zwar klare Zuordnungen gegen Hamburgers Fünferangriff, jedoch konnten die Hamburger mit ihren Außenverteidigern die offenen Räume auf den Außen nutzen. Darüber hinaus schaffte es der HSV durch ein sehr bewegliches Offensivspiel einzelne Spieler der Schalker aus der Position zu ziehen und die offenen Räume durch Läufe in die Tiefe, wie beispielsweise Holtby beim 2:1 zu nutzen.

Besonders Schalkes Mittelfeld war überfordert mit den vielen Hamburgern im Zentrum. Goretzka und Meyer waren selten in der Lage, die Angriffe des HSVs zu stoppen.

Zugang Zwischenlinienraum

Hier schafft es Sakai Goretzka aus der Position zu ziehen. Kostic kann mit eine kurzen Dribbling sich genug Raum verschafften, um Waldschmidt anzuspielen. Wichtig gegen das Herausrücken der Schalker Innenverteidiger war die Tatsache, dass jeder Hamburger sofort eine Anspielstation hatte. Waldschmidt legte hier sofort auf Ito ab und Stambouli hatte so keinen Zugriff. Stattdessen öffnete sich der Passweg für Ito zu Hunt, der sich in den Raum hinter Stambouli bewegte. Thilo Kehrer konnte diesen nicht sofort schließen, da er nicht nur Ito, sondern auch Santos verteidigen musste. Der HSV hatte hier eine numerische Überzahl und den Ball ungestört in einem strategisch vorteilhaften Raum mit Blick zum Tor.

Der HSV wurde von Trainer Titz bestens eingestellt und schaffte es häufiger Überlegenheit im Zentrum herzustellen. Speziell die ausweichenden Bewegungen von Hunt und Waldschmidt aus dem Zentrum zum Flügel und das gleichzeitige Hereinschieben von Ito und Kostic stellte die Schalker vor größere Probleme.

HSV

Hier zeigen sich die Vorteile davon, dass der HSV weit nach vorne schob. Die Schalker wurden nach hinten gedrückt, hier bietet sich Waldschmidt dann mal im Raum hinter der ersten Pressinglinie der Schalker an und Papadopoulos zeigt, dass auch er einen guten Pass zwischen die Linien spielen kann. Wichtig ist hier noch Itos Position. Der Japaner bewegte sich zwischen Stambouli und Kehrer und zwang Kehrer dazu sich näher an Stambouli zu orientieren, um den Raum zu schließen. Daraus folgte, dass Santos bei der Ballannahme erstmal kurz Zeit hatte.

Ito zwischen Linien

Nachdem Santos den Ball erhielt, löste sich Ito noch etwas mehr ins Zentrum. Waldschmidts Laufweg zwingt Stambouli etwas tiefer zu fallen, um den Laufweg aufzufangen. Darüber hinaus wurde Max Meyer aus dem Zentrum gezogen und Ito konnte sich nach der Ballannahme im Halbraum recht einfach drehen. In diesem Moment hatte sich der HSV wieder in eine vorteilhafte Lage gespielt, da Ito den Blick aufs Tor hatte, mussten die Schalker zuerst schnell reagieren, um überhaupt Zugriff zu erhalten. Die geöffneten Räume durch das Herausrücken der Schalker nutze der HSV meist gut, kann sich aber gerade in puncto Balance noch verbessern.

HSV

Ito schaffte es letztlich nicht den Ball in eine gefährliche Zone zu spielen, sondern versuche Hunt mit einem komplizierten Lupfer ins Spiel zu bringen. In diesen Situationen zeigt sich noch, dass die Abläufe im Offensivspiel noch viel Verbesserungspotential haben. Ito hätte hier beispielsweise Waldschmidt mit einem Lupfer in Szene setzten können. Auch Lewis Holtby wäre zwischen den Linien für kurze Zeit eine Option gewesen. Allerdings ist gerade der Laufweg von Holtby kritisch zu beurteilen. Dadurch, dass Holtby nach vorne stieß, fehlte es Ito an einer Passoption im Halbraum. Ein Halbraumwechsel hätte den Angriff des HSVs wesentlich gefährlicher machen können. Denn dann hätte man eventuell auch noch einmal Kostic ins Spiel bringen können.

Auch das Gegenpressing des HSV ist stark verbessert. Dies hängt speziell mit der verbesserten Offensivstruktur zusammen. Da die Offensivspieler des HSV näher zusammenstehen, sind auch die Wege nach einem Ballverlust nicht mehr so weit und es kann als kollektiv der Ballführende attackiert werden.

Eine sehr wichtige Rolle nimmt Matti Steinmann ein. Er soll die Offensive absichern und lose Bälle aufsammeln. Denn gerade, wenn alle fünf HSV Offensivspieler nach vorne preschen ergeben sich Räume die Steinmann versuchen muss zu füllen. Dies gelang ihm gegen die Schalker meist sehr gut. Aufmerksam rückte er schnell heraus und konnte die Schalker Gegenangriffe oft unterbinden, oder wenn er zu weit weg war, sicherte er zusammen mit den Innenverteidigern die Tiefe gut ab. Aber auch hier kommt es noch auf die Balance beim HSV an. Greifen zu viele Akteure gleichzeitig auf einer Linie an, entstehen Lücken im Zentrum, die auch gegen Schalke sichtbar waren.

Fazit

Der HSV hat letztlich verdient gegen schwache Schalker gewonnen. Auch die Umstellung auf eine Raute in der zweiten Hälfte brachten den Schalkern nicht die erhoffte Kontrolle des Mittelfeldes. Die Hamburger hingegen waren nicht nur von der Einstellung, sondern auch taktisch an diesem Tag sehr gut drauf und können wieder Hoffnung im Abstiegskampf schöpfen. Christian Titz brachte die Mannschaft in seiner bisher kurzen Amtszeit bereits durch mutige neue Ideen voran und hält die Hoffnung am Leben.

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