Kurz ausgeführt: Inters Probleme in Spielaufbau und Pressing

Zu Beginn der Saison hatte Inter unter dem neuen Trainer Luciano Spalletti durch sehr überlegten Ballbesitzfußball geglänzt, zeitweise vor Juventus Turin und Napoli die Tabellenführung der Serie A übernommen und war über 16 Spiele ungeschlagen. Mittlerweile sind die Mailänder spielerisch wie tabellarisch eingestürzt und müssen um die Teilnahme an der Champions League bangen. In diesem Artikel soll kurz erklärt werden, was Inters offensichtliche Schwächen sind, die in jüngerer Vergangenheit zu mittelmäßigen Resultaten (0:0 gegen Milan und Atalanta, 0:1 gegen Torino) und unnötigen Punkteverlusten im Kampf um Europa geführt haben.

Zu Beginn der Saison wurde gerade die neue Stabilität unter Spalletti gelobt und der Neuzugang Škriniar als absoluter Königstransfer gepriesen. Mittlerweile werden Woche für Woche seine und Mirandas Pressingresistenz auf die Probe gestellt und Inter darf nicht mehr ungestört aufbauen.

Bei hohem Pressing des Gegners zeigt sich die Abwehrreihe der Mailänder verunsichert. Man kann keine vernünftige Struktur zum Herauskombinieren finden, die Dreiecksbildung lässt zu wünschen übrig und gelegentlich lassen sich zu viele Spieler fallen, was bei einer mannorientierten Spielweise des Gegners nur ein höheres Herausrücken provoziert und Inters Verteidigern lediglich das Herausschlagen des Balles übriglässt.

Die obere Abbildung verdeutlicht den Sachverhalt: Škriniars Körperhaltung ermöglicht nur einen Lauf nach rechts, die komplette linke Feldhälfte ist aufgrund des gegnerischen Pressings schon in diesem Moment nicht mehr bespielbar, hinzu kommt Mirandas ungünstige Positionierung – Inter läuft ins gegnerische Pressing hinein. Teilweise konnte sogar Cagliari am vergangenen Dienstag, zumindest zu Beginn der Partie, die Nerazzurri  auf diese Art in die Bredouille bringen.

Gegen Mannschaften, die nicht zwingend an Ballbesitz interessiert sind, sondern eher auf Hit-and-run setzen, kann das fatal sein, da Inter es verpasst, das Spiel zu beruhigen. Gegen Atalanta beispielsweise hatte die Abwehrreihe unermessliche Probleme, Papu Gómez zu verteidigen. Der Argentinier startete sehr klug durch die Halbräume durch und sorgte mit seiner Quirligkeit für massive Übergabeprobleme und riss große Lücken.

Auch die Abstimmung im Mittelfeld bei der Übergabe von Gegenspielern ist hierbei nicht nennenswert besser. Zu oft ballt man sich ballnah und verwaist bestimmte Räume, die der Gegner im Gegenzug nur klug besetzen muss, um den Ballbesitz zu halten.

Auch im Angriffspressing zeigen sich die Nerazzurri  von einer ähnlichen Seite: während Icardi anläuft, versucht die offensive Dreierreihe, bestehend aus Perišić, Candreva und dem Zehner (Borja Valero/Rafinha) den Raum zu verknappen, die Sechser verhindern lange Pässe nach vorne. Jedoch kann der Gegner, wenn er die komplette Spielfeldbreite nutzt, indem er beispielsweise die Außenverteidiger im Aufbau einbindet, durch schnelle Spielverlagerungen auf die andere Seite des Spielfeldes kommen. Nicht selten sind die eingerückten Perišić/Candreva dann aber schon zu weit weg vom Geschehen und kommen nicht hinterher, die Konsequenz ist, dass Inter überspielt wurde.

Hier ist zu sehen, wie weit eingerückt Karamoh steht. In dieser Situation schlägt Cagliaris Innenverteidiger den Ball heraus, gegen Atalanta oder Milan beispielsweise wurde oft auf den ballfern stehenden Außenverteidiger verlagert und Inters Pressing einfach aufgelöst.

Auch offensiv wird das Spiel Inters in Mitleidenschaft gezogen: dadurch, dass man bei einem Ballgewinn gegen einen aufgerückten Gegner Räume nach vorne sieht, wird man oft dazu verleitet, den schnellen, befreienden Pass nach vorne zu Icardi zu spielen, der den Ball halten soll. Allerdings hapert es nicht selten an den Nachrückbewegungen, da die Distanzen nach vorne auch ziemlich groß sind. Man geht viel öfter als in der Hinrunde den „einfachen“ Weg über Ablagenspiel anstatt den Gegner im eigenen Drittel festzunageln. Möglicherweise hat dies auch taktikpsychologische Ursachen, da man auf diese Weise viel mehr Abschlüsse generieren kann. Diese sind dann allerdings in der Realität nicht immer so vielversprechend (Weitschüsse, Flanken, Unterzahldribblings).

Fazit

Aus Sicht der Mailänder ist zu hoffen, dass man die Probleme zeitig in den Griff bekommt, zumal man mit technisch und taktisch versierten Spielern wie beispielsweise Gagliardini oder Borja Valero ein enormes spielerisches Potenzial besitzt. Lediglich muss diese in die richtigen Bahnen gelenkt werden, es scheint nur an simpleren gruppentaktischen Abläufen zu hapern. Dies sollte dem Ziel Europa nicht im Wege stehen.

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