So spielte sich die TSG Hoffenheim auf Platz 3

Letzter Bundesliga-Spieltag. Neben dem Abstiegskampf war auch noch der Kampf um die Champions-League-Qualifikation recht spannend. Leverkusen, Hoffenheim und Dortmund kämpften um die Plätze 3-5. Dabei hatte zwar die Borussia aus Dortmund die beste Ausgangslage, allerdings fuhren sie zum direkten Duell nach Sinsheim zur TSG Hoffenheim.

Die Mannschaft von Julian Nagelsmann war nicht nur die spielerisch stärkere Mannschaft, sondern konnte dieses Mal auch den Sieg davon tragen. Letztlich sicherte sich die TSG Platz drei durch einen 3:1 Sieg, während Dortmund noch mit einem blauen Auge davonkam und nur wegen der besseren Tordifferenz auf Platz vier steht.

Die Partie zwischen Hoffenheim und Dortmund war auch aus taktischen Gesichtspunkten interessant. Ich habe mir zwei Fragen gestellt und versuche diese im Laufe des Artikels zu beantworten.

Die erste Frage dreht sich um das Aufbauspiel der TSG. Borussia Dortmund startete nämlich etwas überraschend in einem 3-4-1-2 mit Schürrle auf der Zehn und der Doppelspitze Reus und Sancho. In der defensiven Phase formierte sich der BVB dann in einem 5-2-3. Ich habe mich bereits mit den speziellen Eigenschaften dieser Defensivformation beschäftigt. Die erste Frage lautete deshalb:

Wie bespielte die TSG das 5-2-3 im Aufbau?

Julian Nagelsmann wählte im Vergleich zum Spiel in Stuttgart eine etwas andere Formation. Mit dem Ball agierte die TSG zu Beginn in einem 3-4-3 oder 3-2-5, wenn Schulz und Kaderabek weit aufrückten. Dabei hatte die TSG eine echte Doppelsechs mit Grillitsch und Zuber, anders als noch in Stuttgart, wo man mit drei Zehner auflief.

Julian Nagelsmann

Hier zeigt sich die Grundproblematik für die TSG. Das passivere Pressing des BVB sorgte dafür, dass Hoffenheim zwar in Ruhe den Ball in der ersten Linie laufen lassen konnte, aber Anspiele auf die beiden Sechser und damit das Spielen durch die Mitte, durch die fünf Dortmunder erschwert wurde.

Jedoch hatte die Mannschaft von Julian Nagelsmann durch einzelne Bewegungen einen Plan, um das 5-2-3 zu knacken. Mark Uth und Andrej Kramaric kam diesbezüglich eine wichtige Rolle zu, beide ließen sich ballnah in den Halbraum fallen und stellten so eine Überzahl her. Meist wurden sie nicht verfolgt, da Szalai und der ballferne Flügelstürmer, der einrückte, die BVB Abwehr beschäftigten.

Sollte dann doch ein Halbverteidiger des BVBs aus der Kette schieben, versuchte die TSG durch lange Bälle den offenen Raum zu attackieren.

Das fallen lassen eines Stürmers sorgte beim BVB für Zuordnungsprobleme hinter der ersten Linie. Weigl und Sahin orientierten sich des Öfteren an einem direkten Gegenspieler und wurden so aus der Position gezogen oder waren nicht in der Lage zwei Hoffenheimer effektiv zu verteidigen.

Zuber zwischen Linien

Hier zeigt sich das Problem des BVB. Uth lässt sich fallen, während sich Zuber im Zentrum anbietet. Sancho und Reus orientieren sich an den Halbverteidigern der TSG und passen so ihren Deckungsschatten nicht an. Schürrle läuft ebenfalls in einem ungünstigen Winkel an, zwar stellt er den Passweg zu Grillitsch zu, jedoch hätte der von Weigl verteidigt werden können. Vogt kann ohne große Probleme den Pass auf Zuber spielen, der in der Folge viel Platz erhält, da Sahin lieber Uth verfolgt.

Jedoch schaffte es Julian Nagelsmanns Mannschaft zu selten so zwischen die Linien des BVBs zu kommen. Zu selten wurden wirklich Pässe zwischen die Dortmunder Linien gespielt, denn zu oft blockierte einer der Sechser den diagonalen Passweg zu einem der Stürmer. Auch wenn mal ein Pass durch Dortmunds Block auf Uth oder Kramaric funktionierte, fehlte es an der passenden Anbindung.

Dementsprechend stellte Nagelsmann nach 20 Minuten um. Fortan war Grillitsch der einzige Sechser, während Kramaric und Zuber auf den Halbpositionen agierten und Uth neben Szalai stürmte. Dadurch dass Uth hin und wieder tiefer agierte, konnte man wieder ähnliche Staffelungen wie gegen den VFB beobachten.

Allerdings tat sich Hoffenheim auch nach der Umstellung schwer, das passive und nicht immer kompakte Pressing des BVBs zu überspielen. Dabei gab es grundlegende Probleme bei der TSG, die unter anderem mit den Halbverteidigern zu tun hatten.

Beide Halbverteidiger bei Hoffenheim spielten die meisten Pässe nach außen auf die Flügelverteidiger weiter, und schafften es nur selten den Ball diagonal ins Zentrum zu spielen. Dies lag zum einen an der schwachen Ballannahme. Besonders Akpoguma orientierte sich bei der Ballannahme sofort nach außen, auch wenn der BVB ihn nicht presste. Dies verhinderte, dass nach einem Seitenwechsel ein Pass schnell ins Zentrum gespielt werden konnte. Dortmund bot im Zentrum besonders nach einer Verlagerung eigentlich Raum.

Julian Nagelsmann

Die Ballannahme nach außen hing aber auch mit der Positionierung der TSG im Zentrum zusammen. Nach der Umstellung rückte auch Zuber weit nach vorne, man versuchte die letzte Linie des BVBs zu überladen. Allerdings nahm dies die Anspielstationen im Zentrum. Zuber war für Akpoguma selten anspielbar. Teilweise ließ sich Uth noch in den freien Raum im Zentrum fallen, jedoch war dies nur sporadisch und konnte nur selten durch Akpoguma genutzt werden.

Letztlich lässt sich meine eingangs gestellte Frage in Teilen beantworten. Hoffenheim schaffte es eigentlich gut, dass etwas passive 5-2-3 der Dortmunder zu bespielen. Man überlud das Zentrum und nutzte die Schwächen der Sechser bzw. das fehlende Umblickverhalten von Dortmunds Angreifern. Allerdings hatte die TSG einzelne Probleme in puncto Struktur, so dass die sich ergebenden Räume nicht immer perfekt genutzt wurden.

Bei der Mannschaft von Julian Nagelsmann gab es aber auch Mittel ohne das perfekte Aufbauspiel die Schwächen des BVBs zu nutzen. Dies bringt mich zu meiner zweiten Frage.

Wie versuchte Hoffenheim den BVB zu knacken?

Die Hoffenheimer waren in diesem Spiel natürlich die Mannschaft, die unter Zugzwang war. Für Platz drei und damit die sichere Qualifikation für die Champions-League musste sie das Spiel gewinnen. Dabei gab es verschiedene Varianten für Gefahr zu kommen. Die erste spielte mit den bereits oben genannten Besonderheiten im Aufbauspiel zusammen.

Grillitsch Steilpass

In diesem Beispiel konnte die TSG ihre Überlegenheit im Mittelfeld nutzen. Nach der Umstellung von Nagelsmann gab es bei der Mannschaft von Peter Stöger weitere Probleme bei der Zuordnung im Mittelfeld. Dadurch, dass die TSG so viele Spieler in der letzten Linie hatte, wurden auch Dortmunds Sechser weiter nach hinten gedrückt. Sahin und Weigl orientierten sich meist an den Achtern, was zur Folge hatte, dass Grillitsch nicht immer sauber verteidigt wurde.

Im oberen Beispiel kann die TSG nach einer Verlagerung das Spekulieren von Schürrle und den Raum im Zentrum nutzen. Grilltisch bewegt sich geschickt im Rücken von Schürrle in den freien Raum und erhält sofort den Pass von Zuber. Uth, Szalai und Kaderabek ziehen die Abwehr auseinander, Grillitisch spielt den Ball sofort in die Tiefe und Hoffenheim kommt so zur Chance.

Das Ziel der Truppe von Julian Nagelsmann war es, nach Pässen ins Zentrum sofort schnell in die Tiefe zu spielen. Der BVB hat bereits die gesamte Saison damit zu kämpfen, diese Pässe zu verteidigen.

Julian Nagelsmann

Hoffenheim versuchte deshalb sofort durch Sprints in die Tiefe die Schwächen der Borussia zu nutzen. Hier zeigt sich schön, wie Kramaric und Szalai bogenförmige Läufe machen, um Raum für einen Pass von Zuber zu schaffen. Die Dortmunder schafften es zwar in dieser Partie die langen Bälle hinter die Kette meistens zu verteidigen, jedoch hatte die TSG sehr viele Spieler in Ballnähe, um sofort ins Gegenpressing überzugehen und den Ball zurückzuerobern.

Neben den Pässen in die Tiefe aus dem Zentrum, nutzte Hoffenheim auch schon früher hohe Bälle, die dann von Kevin Vogt geschlagen wurden. Dabei bewegte sich einer der Hoffenheimer etwas tiefer, um sich als kurze Anspielstation anzubieten. Durch das Verfolgen der Dortmunder öffneten sich Räume dahinter, in die dann die anderen Akteure der letzten Linie starten konnten. Alles in allem waren aber diese langen Bälle nur sehr selten gefährlich, da der BVB viele abfangen konnte. Des Weiteren waren sie auch nicht immer perfekt vorbereitet, sprich der Raum war nicht groß genug oder die Pässe wurden diagonal nach außen geschlagen, was es schwieriger machte gefährlich zu werden.

Neben dem Spielen durch die Mitte, dem Gegenpressing und den langen Bällen, versuchte Hoffenheim wie üblich diagonal von außen ins Zentrum zu gelangen. Beim 2:1 der TSG war dies wieder zu beobachten. Kaderabek spielt einen halbhohen Ball diagonal ins Zentrum, die Stürmer können den Ball festmachen und durch die ausweichenden Bewegungen den Ball letztlich zum freistehenden Szalai bringen.

Doch auch beim Tor durch Szalai zeigte sich das Problem der TSG, sie schafften es sehr selten diagonal ins Zentrum zu gelangen. Beim Tor war es ein ungenauer halbhoher Ball. Zwar versuchten sie es wieder, wie gegen Stuttgart, sehr oft durch Kramaric, der nach links abkippte, allerdings fehlte es an den richtigen Anspielstationen und Freilaufbewegungen.

Julian Nagelsmann

Hier spielt Kramaric den Ball zurück zu Bicakcic. Zwar gibt es sehr viel Raum hinter Reus, allerdings kann Bicakcic aus seiner breiten Position den Diagonalpass auf Grillitsch nicht spielen. Auch über Kramaric schafft es Hoffenheim nicht direkt in den freien Raum zu gelangen. Was bei der TSG hier fehlt, sind kleinräumige Kombinationen in engen Räumen, die den Gegner aus der Position ziehen und so Räume und Passwege offenbaren. Wie bereits gegen Stuttgart agierte die TSG hier zu weiträumig und schaffte es nicht durch eine Ballzirkulation in engeren Räumen den Gegner anzulocken und Lücken zu finden.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass die Mannschaft von Julian Nagelsmann die reifere Spielanlage hatte und wesentlich geplanter an das Bespielen der gegnerischen Defensive heranging wie der BVB. Allerdings fehlt es der TSG in Teilen noch an den Feinheiten im Ballbesitzspiel, um noch häufiger zwischen die Linien zu gelangen. Natürlich spielt hier die Besetzung des Teams eine Rolle. Zuber ist nicht der beste Akteur unter Druck, während Bicakcic und Akpoguma spielerische Schwächen offenbaren, die ein besseres Bespielen der gegnerischen Formation verhindern.

Zum BVB möchte ich an dieser Stelle nicht viel sagen, in Ballbesitz verließ man sich viel auf das Talent von Reus und Sancho. Gerade wenn die Beiden mit Guerreiro über links angriffen konnte es gefährlich werden, jedoch waren die Anschlussaktionen und Bewegungen der Mitspieler nicht passend. Im Sommer wird sich in Dortmund mit Sicherheit einiges ändern.

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