Jogis Stürmerwahl

Am 15 Mai gab Joachim Löw seinen vorläufigen Kader für die WM 2018 in Russland bekannt. Die letzten Wochen gab es stehts die Diskussion, ob Mario Gomez oder Sandro Wagner oder vielleicht sogar beide mit zur WM fahren. Die Entscheidung fiel auf Mario Gomez nach einer starken Rückrunde in Stuttgart. Überraschend war aber, dass statt Sandro Wagner Freiburgs Nils Petersen, der bisher noch kein Spiel für die Nationalmannschaft bestritt nominiert wurde.

Jetzt wird es Zeit einen Blick auf die drei nominellen Stürmer in Joachim Löws vorläufigem Kader zu werfen. Timo Werner scheint gesetzt zu sein, Mario Gomez und Nils Petersen kämpfen um ihren Platz im Kader. Aktuell ist anzunehmen, dass Petersen noch gestrichen wird, allerdings hat jener jetzt die Chance sich zu beweisen. Doch welche Spielertypen nominierte Joachim Löw eigentlich für den Sturm? Was zeichnet die drei Kandidaten aus?

Timo Werner – Joachim Löws erste Wahl

Aktuell ist Timo Werner die Nummer eins im Sturm bei Joachim Löw. Werner vereint die Fähigkeiten eines echten Stürmers mit den mitspielenden Fähigkeiten, die für Deutschlands Stil notwendig sind. Werner kann sich immer wieder ins Mittelfeld fallen und hat dabei ein gutes Timing bei Ablagen auf seine Mitspieler. Oftmals zieht er einen Verteidiger aus der Kette und spielt die Ablagen in die richtigen Räume, um seinen Mitspielern einen Vorteil zu verschaffen. Die offenen Räume kann er aufgrund seiner Geschwindigkeit und seines Antritts dann sofort nutzen.

Gerade seine Geschwindigkeit machen ihn sehr wertvoll in Umschaltsituationen. Werner nutzt die Räume hinter der letzten Abwehrlinie durch sein gutes Timing und seinen schnellen Antritt. Mit Mitspielern wie Özil und Draxler, die in der Lage sind genaue Schnittstellenpässe zu spielen, ist seine Geschwindigkeit eine Waffe. Besonders gegen Teams, die in Ballbesitz weiter nach vorne schieben und nicht nur auf die Defensive fokussiert sind.

Allerdings kann Timo Werner auch gegen tiefere Gegner sich effektiv in vorteilhafte Situationen bringen. Er weicht gerne aus dem Zentrum in die Halbräume oder nach außen aus. Dadurch ist er meist in das Kombinationsspiel involviert und beschäftigt die gegnerische Defensive sehr geschickt. Besonders sein Freilaufverhalten ist sehr stark. Meist erkennt Timo Werner, wann sich ein Verteidiger zu sehr auf den Ball konzentriert. In diesen Momenten steuert er dann den freien Raum an. Für Schnittstellenpässe bewegt er sich bogenförmig weg vom Ballführenden, um Raum zu schaffen und den Verteidiger dazu zu zwingen sich stets umschauen zu müssen, was Zeit kostet.

Werner Bogenlauf

Gerade wenn er auf den Flügel ausweicht kommen seine guten Dribbling-Fähigkeiten zum Tragen. Darüber hinaus ist aber auch sein Verhalten im Sechzehner auf sehr hohem Niveau. Er antizipiert Situationen frühzeitig und bewegt sich dementsprechend vor dem Verteidiger in die richtigen Räume. Für die deutsche Nationalmannschaft die ideale Besetzung im Sturm, wenn er richtig eingesetzt wird.

Mario Gomez

Der zweite Stürmer im Bunde ist Mario Gomez. Fälschlicherweise wird er in der Öffentlichkeit immer noch als klassischer Mittelstürmer, der nur im und um den Sechzehner auf Zuspiele wartet, verkannt. Gomez ist in Wirklichkeit ein Stürmer, der sich sehr intelligent bewegt, und eben sich eben nicht im Strafraum wund liegt.

Gerne weicht Gomez auf die Flügel aus, um Lücken zu schaffen, die er oder seine Mitspieler dann attackieren können. Gerade beim VfB zeigte er in der Rückrunde seine Qualitäten im Attackieren solcher Räume. Der VfB agierte viel über lange Bälle und Konter. Daniel Ginczeck war dabei der zentrale Akteur, während Gomez sich des Öfteren nach außen bewegte. Er ist zwar nicht mehr so schnell wie vor einigen Jahren noch, allerdings kann er immer noch durch seine gute Ballmitnahme, enge Ballführung und effektive Nutzung von Schussfinten brillieren.

Gomez im Konter

Des Weiteren kann Gomez auch durchaus als Wandspieler seine Qualitäten zeigen. Eine Eigenschaft, die im Ballbesitzspiel der Nationalmannschaft notwendig ist. Auch seine Ballannahme unter Druck genauso wie die Fähigkeit auch auf einem kleinen Raum sich eine Schussmöglichkeit zu erarbeiten waren sicherlich Gründe für seine Nominierung. Neben seinen offensiven Fähigkeiten verhält er sich auch im Pressing intelligent und hilft seiner Mannschaft so weiter.

Nils Petersen

Die Überraschung in diesem Jahr ist Nils Petersen. Zwar zeigte Petersen bereits die letzten Jahre bei einer schwächeren Mannschaft wie Freiburg herausragende Leistungen und war auch diese Saison mit seinen 15 Treffern maßgeblich für den Klassenerhalt der Breisgauer verantwortlich. Allerdings ist es trotzdem etwas verwunderlich, dass Petersen Sandro Wagner vorgezogen wurde. Wagner zeigte bei den Bayern als Back-up von Robert Lewandowski sehr gute Leistungen und würde aufgrund seiner Fähigkeiten mit dem Rücken zum Tor besser zur Spielweise der Nationalmannschaft passen.

Auch Nils Petersen agiert oft mit dem Rücken zum Tor, wenn er in das Freiburger Ballbesitzspiel involviert ist. Regelmäßig wird er mit flachen Pässen aus dem Zentrum gesucht. Hier agiert er ebenfalls als Wandspieler und versucht diese Pässe auf seine Mitspieler prallen zu lassen, um dann selbst offene Räume zu attackieren. Allerdings ist in diesem Punkt Sandro Wagner stabiler und seine Ablagen intelligenter. Petersen fehlt es hier häufiger mal an den technischen Fähigkeiten, allerdings spielt er in Freiburg natürlich auch mit schlechteren Akteuren zusammen.

Sonst ist Nils Petersen im Strafraum sehr stark. Sein Kopfballspiel ist präzise und das Anlaufen gut getimt. Auch seine Ballbehandlung im Sechzehner lässt sich sehen, für Freiburg schoss er diese Saison schon das ein oder andere sehenswerte Tor. Sein Abschluss ist seine große Stärke und ermöglicht es ihm auch mit dem ersten Kontakt aus vollem Lauf zu treffen.

Petersen im Sechzehner

Jedoch fehlen Nils Petersen die spielerischen Eigenschaften eines Mario Gomez oder auch Sandro Wagners. Ähnlich wie Gomez weicht auch Petersen mal etwas nach außen aus, um dann in die offenen Räume zu attackieren. Allerdings ist er in diesem Bereich längst nicht auf dem Niveau von Gomez. Wie genau Löw Petersen nutzen will bleibt abzuwarten. Für ihn spricht, dass er bei Freiburg auch als Joker sofort gefährlich war und eine gewisse Präsenz im Sechzehner mitbringt. Dinge, die Sandro Wagner aber auch alle bereits zeigte. Verdient hat sich Petersen die Nominierung aber aufgrund seiner Leistungen alle Mal.

Fazit

Die Position des Mittelstürmers bleibt weiterhin die Position, über die am meisten diskutiert wird. Mit Timo Werner und Mario Gomez ist „Die Mannschaft“ aber gut aufgestellt. Gerade Werner kann sich als einer der Newcomer bei dieser Weltmeisterschaft in den Vordergrund spielen, wenn er in Top-Form kommt.

Alles in allem hat Joachim Löw unterschiedliche Spielertypen, die er je nach Gegner einsetzen kann. Mit Lars Stindl fällt eine interessante Option aufgrund von einer Verletzung leider weg. Neben Sandro Wagner lässt sich aber auch über die Nicht-Berücksichtigung von Mark Uth diskutieren, der den Mittelweg zwischen Mario Gomez und Timo Werner darstellen hätte können.

Kategorie Allgemein, Portraits, Spielerportrait

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