Hamburgs neuer Sergio Ramos

Der HSV ist wahrscheinlich eine der interessantesten Teams in Deutschland. Seit dem Amtsantritt von Christian Titz entwickelte sich der HSV immer weiter zu einer Ballbesitzmannschaft. Titz implementierte nach und nach neue Mechanismen, eine bessere Struktur, aggressiveres Pressing und eine mutige Spieleröffnung.

Trotz des Abstiegs hat der HSV nicht mit dem typischen Aderlass zu kämpfen. Spieler wie Sakai, Pollersbeck, Holtby und Hunt bleiben dem HSV erhalten. Neben der Verlängerung des Supertalents Arp spielt auch Kyriakos Papadopoulos weiterhin beim HSV. Papa, genauso wie Gideon Jung, ist aktuell aber verletzt, dies bringt einen der Neuzugänge in den Vordergrund.

David Bates heißt der Neue, im Sommer wechselte er aus der physischen, mannorientierten und wenig technischen Schottischen Liga nach Hamburg. Endlich ein körperlich starker Verteidiger neben Papadopoulos, damit der HSV in der zweiten Liga den Kampf annehmen, und den Wiederaufstieg mit schierer Willenskraft schaffen kann. Das könnten die stereotypischen Erwartungen an einen Spieler aus Schottland sein. Auch Christian Titz merkte dies bei Bates Vorstellung an.

„David kommt ja eher aus der Kick-and-Rush-Dynastie. So einen Transfer wie den machen wir eigentlich nicht.“

Christian Titz

Doch der HSV unter Christian Titz wäre nicht der HSV unter Christian Titz, wenn dieser Spieler nur körperliche und defensive Attribute aufweisen würde. In der Tat, David Bates kann vielmehr als nur verteidigen. Sein Spiel mit dem Ball wusste in den bisherigen Auftritten zu überzeugen.

Für die Spielweise des HSVs benötigt Cheftrainer Titz Innenverteidiger, die das Spiel mit flachen und scharfen Pässen eröffnen können. Da der HSV zu den absoluten Topteams in der zweiten Liga gehört, wird er oft das Spiel machen müssen. Ein spielstarker Innenverteidiger ist hier von Vorteil, wenn nicht sogar essenziell.

David Bates bringt alle Anlagen mit, die man für die Spielweise des HSV benötigt. Wo genau diese Stärken liegen und warum Bates eine tragende Rolle im System des HSV spielen kann, erfahrt ihr im Folgenden. In Schottland nannten sie ihn liebevoll Ginger-Ramos

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Quelle: https://www.bild.de/sport/fussball/hsv/bates-schotten-trauern-ihm-nach-55388222.bild.html

Bates, der Mann mit Mut

Nachdem die eigentlich gesetzten Innenverteidiger Gideon Jung und Kyriakos Papadopoulos beide für lange Zeit ausfallen, wird David Bates wohl viele Minuten in der 2. Bundesliga erhalten.

Bereits beim ersten ernstzunehmenden Testspiel gegen Rapid Wien zeigte Bates wo seine Qualitäten liegen. Gegen das höhere Pressing von Rapid brillierte Bates mit einer unheimlichen Ruhe und Gelassenheit unter Druck.

Seine scharfen Pässe halfen dem HSV regelmäßig zwischen die Linien der Hütteldörfer zu gelangen. Die bereits sehr gute Struktur des HSV in Ballbesitz halfen dem 21-jährigen Schotten, der nie in einem Nachwuchsleistungszentrum trainierte, seine Stärken voll zur Geltung zu bringen.

„Wir haben schnell gemerkt, dass David einen unglaublichen Willen hat, sich weiterzuentwickeln. Er hat die Aggressivität und das gute Zweikampfverhalten, will sich aber auch fußballerisch unbedingt verbessern.“

Christian Titz

Die angesprochene Ruhe zeigte Bates vor allem in Drucksituationen. Zusammen mit Pollersbeck und van Drongelen überspielte er das hohe Pressing durch ruhige und klare Pässen. Des Weiteren zeigte er zu Beginn geschickte Hacken mit dem Ball am Fuß, um sich aus der gegnerischen Umklammerung zu lösen.

Spiel über den Dritten als großer Vorteil

Gerade das Überspielen der Mittelfeldlinie gelang Bates in dieser Partie sehr gut. Er besitzt ein gutes Timing, die Pässe kommen scharf und flach, sind aber trotzdem gut zu verarbeiten. Bates war dabei meist das untere Ende einer Raute. Oder wie hier der Initiator für das Spiel über den Dritten.

David Bates

Für den HSV ist es entscheidend, dass sie Verteidiger haben, die diese Pässe sicher spielen können. Dadurch ist es für den Gegner schwieriger den Spielaufbau zu pressen. Es reicht nicht aus nur die ballnahen Anspielstationen zu zustellen, denn Bates erreichte die Offensivspieler zwischen den Linien trotzdem. Gerade gegen mannorientiert verteidigende Gegner in der zweiten Liga, wird der HSV so häufiger in gute Angriffspositionen kommen.

Durch den hohen Pollersbeck und spielstarke Innenverteidiger muss keiner der Mittelfeldspieler vor das gegnerische Pressing fallen. Dementsprechend besitzt der HSV einen Spieler mehr zwischen den gegnerischen Linien.

Gute Positionierung

Neben seinem sehr guten Passspiel zeigte Bates in den bisherigen Testspielen auch gute Ansätze in der Positionierung und im Freilaufverhalten. Die Positionierung ist auch für einen Innenverteidiger wichtig, wenn seine Mannschaft den Ball hat. Oftmals wird das von Fans und Experten nicht direkt wahrgenommen, doch wenige Meter sind entscheidend für den Spielaufbau einer Mannschaft.

Unter Christian Titz agieren die Innenverteidiger recht breit in der Spieleröffnung. Zum einen liegt es daran, dass Torwart Julian Pollersbeck eingebunden wird, zum anderen ergeben sich bessere diagonale Passmöglichkeiten für einen Innenverteidiger, wenn er sich im Halbraum positioniert.

David Bates passt seine Position sehr schnell an, beispielsweise lässt er sich zügig fallen, wenn der Gegner höher presst und Julian Pollersbeck so unter Druck geraten würde. Dabei ist die Körperstellung des Innenverteidigers entscheidend. Er muss eine offene Stellung zum Spiel einnehmen, um einerseits den Pass vom Torwart annehmen zu können, und andererseits das Feld und mögliche Gegenspieler im Auge zu behalten.

David Bates

Gerade Bates fordert deshalb die Pässe häufiger etwas in den Lauf, damit er den Ball sofort mit seinem starken rechten Fuß nach vorne dribbeln. Darüber hinaus, ergeben sich mehr Möglichkeiten durch sein schnelles Andribbeln. Nach Seitenwechseln braucht Bates nicht so lange, um den Ball nach vorne zu bringen.

Dementsprechend erhält der Gegner weniger Zeit zum Verschieben. Dies bietet dem HSV offene Räume, die er nutzen kann.

Kernkompetenz Defensive

Schaut man sich seine Auftritte bei den Glasgow Rangers an, fällt einem sehr schnell auf, dass seine Stärken in der Defensive liegen. Bates verfügt über einen sehr starken Körper, bringt aber trotzdem die notwendige Schnelligkeit mit, um auch in der schnellen 2. Bundesliga bestehen zu können.

Besonders in der Luft und im direkt Duell weiß er seinen Körper geschickt einzusetzen. Meist bringt er seinen robusten Körper gut zwischen Mann und Ball oder setzt ein Tackling mit gutem Timing an. Speziell sein Timing beim Herausrücken ist auf einem hohen Niveau. Selten kommt er zu spät und wird ausgespielt, sondern meist setzt er den Gegner schon bei der Ballannahme unter Druck.

„Das körperbetonte Spiel liegt mir. Ich habe gute Defensivqualitäten und bin schnell“

David Bates

Seine defensiven Stärken werden dem HSV helfen, um sich in der körperlichen zweiten Liga behaupten zu können. Sollte er in der Lage sein, seine Leistungen defensiv konstant zu bringen, hat er einen Vorteil gegenüber Kyriakos Papadopoulos. Der Grieche ist zwar ein Leader, ständiger Antreiber und beinharter Verteidiger, allerdings fehlen ihm teilweise die technischen Möglichkeiten, um Pässe konstant zwischen die Linien des Gegners spielen zu können.

Fazit

Mit David Bates hat sich der HSV sehr clever verstärkt. Der 21-Jährige bringt alle physischen Attribute mit, die er in der 2. Bundesliga benötigen wird. Daneben zeigte er bereits sehr gute Ansätze im Spiel mit dem Ball.

Es bleibt aber festzuhalten, dass er noch Luft nach oben hat. Zwar lobte ich bisher sein Passspiel ausschließlich, jedoch gab es in den Testspielen auch noch Szenen, in denen seine Pässe zu riskant waren und in diesem Moment nicht die beste Entscheidung waren.

„Am ersten Trainingstag hier in Hamburg habe ich mich ein bisschen verloren gefühlt. Ich habe die ganzen Übungen vom Trainer gar nicht verstanden. Aber in den Wochen darauf habe ich mich schnell an alles gewöhnt. Ich musste eben erst einmal lernen, welchen Fußball der Trainer bevorzugt.“

David Bates

Bates wird sich in den nächsten Wochen und Monaten erst einmal an das Spiel in der 2. Liga gewöhnen müssen, wie wahrscheinlich die ganze Mannschaft des HSVs. Der Schotte ist zwar schnell, aber auf den ersten Metern wirkt er nicht immer fix genug. Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich, dass auch in den ersten Spielen bestätigt. Alles in allem hat der HSV mit Bates einen cleveren Transfer getätigt, der sich durch die Verletzungen von Jung und Papadopoulos in den nächsten Wochen und Monaten beweisen darf.

Kategorie Allgemein, Portraits, Spielerportrait

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