El rondo – Més que un Trainingsübung Teil 2

El rondo im Training

„Everything that goes on in a match except shooting, you can do in a rondo. The competitive aspect, fighting to make space, what to do when in possession and what to do when you haven´t got the ball, how to play one touch soccer, how to conteract the tight marking and how to win the ball back.” – Johan Cruyff

El rondo, Kreis, Eckle, piggy in the middle. Das rondo hat nicht nur viele Namen sondern bietet auch eine Vielzahl an Variationsmöglichkeiten. Je nach Spielphilosophie können unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Steht die Akzentuierung des Umschaltspiels im Mittelpunkt der Trainingsarbeit eignen sich andere Varianten des rondos, als wenn das Positionsspiel im eigenen Ballbesitz trainiert werden soll. So berichtet der Guardiola-Biograph Martí Perarnau, dass Guardiola bei seinen rondos immer bestimmte taktische und technische Ziele festlegt, welche umgesetzt werden sollen. Im Sinne des differentiellen Lernansatzes erzeugen diese verschiedenen Varianten immer wieder neue Schwankungen und Herausforderungen für die Spieler.

Die wohl geläufigste Variation der Grundform ist die Begrenzung der Kontaktzahl. Viele Trainer nutzen die Forderung nach direktem Spiel oder die Beschränkung auf zwei Ballkontakte jedoch ohne sich der Implikationen bewusst zu sein. Das direkte Spiel mit nur einem Ballkontakt je Spieler fördert vor allem die Passtechnik. Die Pässe müssen nun sehr präzise gespielt werden und so dosiert sein, dass ein direktes Weiterpassen des Balles möglich ist. Als Konsequenz des direkten Spiels ergibt sich ein deutlich höheres Tempo, was die Zeit zur Entscheidungsfindung reduziert.

Dies kann die Spieler zunächst überfordern, die Überlastung führt mit der Zeit jedoch dazu, dass die Spieler sich der schwierigeren Situation anpassen (vgl. hierzu das Overload Prinzip bei Verheijen). Wird die Übung dauerhaft auf einem zu einfachen Niveau durchgeführt, finden keine bzw. nur geringe Verbesserungen statt. Die Vorgabe mit zwei Ballkontakten als Pflicht zu spielen fordert von den Spielern einerseits den Ball so anzunehmen, dass eine Spielfortsetzung mit dem zweiten Kontakt möglich ist, andererseits wird so die Beidfüßigkeit geschult, da die Spieler den Ball unter Gegnerdruck häufig nicht mit dem gleichen Fuß annehmen und weiterspielen können.

Eine weitere Möglichkeit das rondo über die Kontaktanzahl zu variieren, ist das Einführen einer 1-2 Kontaktregel: Benötigt ein Spieler zwei Ballkontakte, so muss der nächste Ball direkt gespielt werden. Dies erfordert eine hohe Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, die Spieler werden zusätzlich kognitiv gefordert. So ist beispielsweise Thomas Tuchel dafür bekannt seine Spieler im Training geistig maximal zu fordern, damit diese im realen Wettkampf dann nicht überfordert sind. Das Einführen eines Rückpassverbotes (der Ball darf nicht zu dem Spieler zurückgespielt werden, von dem der Ball zugespielt wurde) provoziert ebenfalls eine schnelle Entscheidungsfindung und fordert die Spieler zusätzlich auf der kognitiven Ebene. Der angespielte Spieler hat nun eine Anspielstation weniger als in der Grundform, der Passweg zum vorherigen Passgeber kann von den Verteidigern bewusst freigelassen werden. Außerdem können die Spieler so implizit die taktischen Vorteile eines Doppelpasses erfahren, der beispielsweise zum Anlocken von Gegenspielern genutzt werden kann.

Eine ebenfalls häufig angewendete Variation des rondos ist die Vorgabe für die Verteidiger den Ball zu kontrollieren, das bloße Berühren des Balles reicht also nicht mehr aus, um die Mitte verlassen zu dürfen. So sollen die Spieler erfahren, dass es im realen Spiel auch keinen Nutzen bringt den Ball beim Pass eines Gegners leicht zu berühren, wenn dieser trotzdem ankommt. Einfache Regeln um die tatsächliche Eroberung des Balles bewerten zu können, sind die Vorgabe, dass die Verteidiger den Ball zwei Mal berühren oder untereinander einen Pass spielen müssen.

In einem weiteren Schritt können zusätzliche Anschlussaktionen der Verteidiger in die Übung miteinbezogen werden. So kann gefordert werden mit dem Ball aus dem Feld zu dribbeln oder in bestimmte Zonen oder Tore außerhalb des Feldes zu passen. Über einfache Veränderungen lassen sich so auch die Umschaltphasen trainieren. Erhalten die Verteidiger beispielsweise die Vorgabe nach Ballgewinn aus dem Feld zu dribbeln, so trainieren sie das offensive Umschaltmoment, den Übergang vom Ballbesitz der gegnerischen Mannschaft zu eigenem Ballbesitz. Für die Spieler die den Ball verloren haben wird im Umkehrschluss das defensive Umschaltmoment trainiert. Durch ein effektives Gegenpressing können die Verteidiger am aus dem Feld dribbeln gehindert und der Ballbesitz gesichert werden. Implizit werden so die Reaktions- und Antizipationsfähigkeit geschult.

In diesem Kontext stellen auch rondo-Varianten mit Felderwechsel eine Möglichkeit dar, das Verhalten während den Umschaltphasen zu trainieren. Befindet sich zwischen den Feldern eine Mittelzone, in der ein zusätzlicher Verteidiger eine Verlagerung verhindern soll, können zudem das Umblickverhalten, die Deckungsschattennutzung, sowie das Freilaufen in der Blind Side des Verteidigers fokussiert werden.

Diese vorgeschlagenen Variationsmöglichkeiten stellen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten dar, mit denen die Grundform des rondos verändert werden kann. Zudem können die verschiedenen Regeln in unterschiedlichen Kombinationen miteinander kombiniert werden. Der Kreativität sind bei der Einführung zusätzlicher Regeln keine Grenzen gesetzt, der Trainer sollte sich jedoch bewusst sein, welche (impliziten) Folgen diese herbeiführen und ob die Ziele der Trainingsübung dadurch erreicht werden können.

Abschließend sollen exemplarisch zwei rondo-Varianten aus meiner Trainingsarbeit bei der Alemannia Zähringen vorgestellt werden:

Reaktionsrondo (aus einer Trainingseinheit von Diego Simeone)

rondo training

Aufbau: Das Feld wird durch ein kleines Quadrat, welches in einem größeren Quadrat liegt begrenzt. Der Abstand von den Seitenlinien des kleinen Quadrates zu denen des großen, sollte ca. 3-5 Meter betragen. Wir haben das rondo im 8 gegen 2 gespielt, die Spielerzahl kann jedoch flexibel geändert werden.

Ablauf: Das rondo findet im kleinen Quadrat statt. Die Überzahlmannschaft versucht den Ballbesitz gegen die Verteidiger zu sichern. Nach jedem Pass, den ein Spieler der Überzahlmannschaft gespielt hat, muss dieser zu einer (möglichst der nächstgelegenen) Seitenlinie des großen Quadrates sprinten und zum kleinen Quadrat zurückkehren bevor er erneut angespielt werden darf. Sobald diese Grundregel verinnerlicht wurde, können weitere Regeln einbezogen werden.

Erklärung: Durch die vorgegebene Grundregel entwickelt sich eine extrem dynamische und intensive Spielform. Um grundsätzlich die Intensität bei rondos hochzuhalten bietet es sich an ein Ballreservoir vorzubereiten, wird zudem mit Leibchen gespielt sollten diese von den Verteidigern nicht angezogen, sondern in den Händen gehalten werden, um einen schnellen und reibungslosen Wechsel der Rollen zu ermöglichen. Über die Vielzahl an kurzen Sprints können konditionelle Aspekte (vor allem Ausdauer und Schnelligkeit) nicht nur bei den Verteidigern, sondern auch bei den Spielern der Überzahlmannschaft spielerisch trainiert werden.

Zudem werden die Spieler kognitiv stark beansprucht. Wo sich gerade noch ein Mitspieler befunden hatte, kann sich schnell ein freier Platz auftun, falls dieser nach einem Pass zu einem Sprint an die äußere Linie gezwungen wird. Die direkte Umgebung der Spieler ändert sich immer wieder mit einer hohen Frequenz. Dadurch wird die Handlungsschnelligkeit der Spieler gefördert, welche auf die sich schnell ändernden Situationen reagieren müssen. Auch die Spieler die nach dem Sprint zum rondo im kleinen Quadrat zurückkehren, müssen sich schnell neu orientieren. Neben der Reaktionsfähigkeit wird also auch die Orientierungsfähigkeit trainiert, zudem gilt es Bewegungen der Mitspieler zu antizipieren.

Doppeltes Umschaltrondo (aus einer Trainingseinheit von Arrigo Sacchi)

rondo training

Aufbau: Auch bei dieser rondo-Variante setzt sich das Feld aus zwei Quadraten zusammen, wobei das kleinere innerhalb des größeren liegt. Der Abstand der Seitenlinien ist jedoch etwas größer. Zudem werden an zwei gegenüberliegenden Seiten des großen Quadrates Tore platziert (alternativ kann auch mit Minitoren an allen vier Seiten des großen Quadrates gespielt werden). Wir haben das rondo mit 10 Spielern gespielt, aber auch hier kann flexibel variiert werden (auch in Abhängigkeit davon, ob zwei Torhüter zur Verfügung stehen).

Ablauf: Im kleinen Quadrat wird zunächst ein 4vs2 rondo gespielt, die Regeln können hierfür je nach Trainingsschwerpunkt angepasst werden. Außerhalb des kleinen Vierecks platzieren sich die restlichen 4 Spieler, welche im selben Team spielen, wie die 2 Verteidiger im kleinen Quadrat. Gelingt es diesen den Ball zu erobern oder spielt das Überzahlteam einen ungenauen Pass, versucht das vorher verteidigende Team den Ballbesitz nun im großen Quadrat in einem 6vs4 rondo zu sichern. Gelingt es nun der Unterzahlmannschaft den Ball zu erobern kontert sie auf eines der beiden Tore bzw. versucht in eines der 4 Minitore zu treffen. Sowohl im kleinen als auch im großen rondo können Punkte nach einer bestimmten Anzahl an Pässen erzielt werden.

Erklärung: In dieser rondo-Variante kann das Verhalten in allen vier Spielphasen trainiert werden. Neben dem für rondos typischen Training des Verhaltens in eigenem Ballbesitz bzw. bei Ballbesitz des Gegners werden die offensiven und defensiven Umschaltmomente akzentuiert. Auch hier stellt die Förderung der Handlungsschnelligkeit einen zentralen Trainingsinhalt dar. Dadurch, dass sich die Mannschaft, welche den Ball erobert in Unterzahl befindet, wird sie dazu gezwungen schnell zu reagieren. Im Fokus steht nicht nur die bloße Balleroberung, sondern auch die Wahl einer geeigneten Anschlussaktion, sowie das Umschalten auf die Erfordernisse der neuen Spielphase (z.B. Dreiecksbildung in Ballbesitz). Ein weiterer Trainingsschwerpunkt kann auf das Verhalten bei Ballverlust gelegt werden. Neben einer schnellen Reaktion, wird auch die individuelle Entscheidungsfindung im Gegenpressing geschult. Je nach Spielphilosophie kann vom Trainer ein anderes Verhalten im Gegenpressing gefordert werden (Orientierung am Ball, Mannorientierung, Passwegorientierung).

Fazit – Rondo Training

Kaum eine Trainingsübung ist so populär wie el rondo. Auf unterschiedlichsten Niveaus wird das Kreisspiel als Aufwärmspielchen, Technikübung oder Spielform genutzt. Die Variationsmöglichkeiten sind beinahe unendlich, je nach Trainingsziel kann die Grundform modifiziert werden. Um ein zielgerichtetes und effektives Training gewährleisten zu können ist es jedoch unerlässlich, dass der Trainer über entsprechendes Wissen bezüglich der angewendeten Trainingsübung verfügt.

Oftmals wird el rondo in unterklassigen Vereinen nur als Alternativübung genutzt, um die Intensität des Trainings zu mildern. Beim FC Barcelona hingegen sind die verschiedenen rondo-Spiele ein Leitmotiv im Training, in welchen sich die Grundprinzipien der Spielphilosophie des Vereins wiederspiegeln. Mes que un club lautet der Anspruch des FC Barcelona, mehr als ein einfacher Fußballverein zu sein. Aber nicht nur für den Verein aus Katalonien ist el rondo mehr als eine einfache Trainingsübung.

Literatur

Barthmann, Ben: Fußball in seiner einfachen Komplexität, http://www.spox.com/de/sport/fussball/1511/Artikel/training-rondos-anwendung-umsetzung-methoden-guardiola.html (2015).

Champions League Final Statistics: https://www.bbc.com/sport/football/13588273 (2011).

Davies, Jed: Coaching the Tiki Taka Style of Play (2013).

Goigitzer, David: “Mein“ Juego de Posición: El Rondo, http://fussballeinheiten.weebly.com/blog/mein-juego-de-posicion-el-rondo (2016).

Henseling, Marco/ Marić, René: Fußball durch Fußball (2015).

Henseling, Marco: Positionsspiele, http://www.spox.com/myspox/group-blogdetail/positionsspiele,168621.html (2012).

Townsend, Jon: The Allure oft he Rondo, https://thesefootballtimes.co/2014/09/01/the-allure-of-the-rondo/ (2014).

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