Trainerblog I – Ein neues Abenteuer beginnt

Dies wird der erste kurze Einstieg in eine Reihe von Blogeinträgen sein, wo ich über Trainingseinheiten, Spiele oder auch Probleme von meiner neuen U13 (2006er Jahrgang) berichten werde. Dies kann von Erfahrungsberichten oder Erkenntnissen über Spielanalysen reichen oder eine simple Aufzeichnung von Spielformen sein, die wir im Training gemacht haben. Ich bitte euch über die ganze Zeit hinweg rege zu diskutieren, eigene Erfahrungsberichte in der Altersklasse zu erzählen oder Verbesserungsvorschläge zu machen.

I. Eine ungewisse Zukunft

Erst letztes Jahr zum Verein gestoßen, um die dortige U16 in der Verbandsliga zu trainieren, zeichnete sich dieses Jahr eine andere Aufgabenstellung für mich ab, so sollte ich den Verein im Bereich Videoanalyse besser aufstellen und des weiteren als U17 Co Trainer fungieren. Dieses Angebot nahm ich auch sehr gerne an, weil es mir die Gelegenheit bot, noch einmal mehr zu lernen und eher in die 2. Reihe zu rücken, um so weniger Verantwortung zu übernehmen.

Dieses Vorhaben stellte sich sehr schnell als nicht umsetzbar heraus, weil unsere neue U13 2 Wochen vor Trainingsstart immer noch keinen Trainer vorweisen konnte und das Ungeduld im ganzen Vereinsumfeld verursachte. Hier muss man erwähnen, dass die U13 eine sehr wichtige Jugend in unserem Verein ist, weil hier sich zumeist noch sehr viele Talente tummeln, die erst nach und nach ihren Weg in Nachwuchsleistungszentren finden.

In den letzten 10 Jahren konnte man 8 mal einen ersten Platz in der Gruppenliga vorweisen und vor allem im letzten Jahr sich zu einer der besten U13 Mannschaften Deutschlands zählen, wozu auch ein gewonnener Leistungsvergleich gegen RB Leipzig, Leverkusen und Bielefeld beitrug.

Der 2006er Jahrgang stellt sich nun aber ganz anders dar und wird im Verein mehr oder weniger als Problemjahrgang angesehen. Der vorherige Trainer schied mehr oder weniger eigenständig aus und der Druck im nächsten Jahr in der C Jugend Verbandsliga als U14 konkurrenzfähig zu sein, steht über sehr vielen anderen Dingen.

Ich selbst hatte bisher mit einer U13 nichts zu tun und trainierte ausschließlich C oder B Jugendmannschaften. Allerdings reizte mich dieses Engagement von Anfang an sehr, weil es mir noch mehr die Möglichkeit gibt, Spieler und eine Mannschaft zu formen und zu beweisen, dass dieser Jahrgang zu Unrecht einen so schlechten Ruf bekommen hat.

So begann unsere Reise 4 Wochen vor Serienstart…

II. Woran sollen wir glauben?

Unsere gemeinsame Reise begann sehr herzlich und interessant und die Jungs waren sehr froh und neugierig viele neue Dinge auszuprobieren, vor allem im Training erwartete sie doch eine gänzlich neue Herangehensweise, weil zuvor doch sehr viel eingeschliffen wurde und nicht allzu viele Spielformen benutzt wurden. Nichtsdestotrotz konnte ich auf ein gutes Fundament an Wissen bei den Spielern zurückgreifen und sehr schnell machten sich auch schon Verbesserungen im spielerischen Bereich bemerkbar. Die Vorteile eines spielnahen Trainings in Spielformen wurde auf unserem und in vielen weiteren Blogs schon näher erläutert.

Die Diskussion um den Pass

El rondo – Més que un Trainingsübung Teil 1

El rondo – Més que un Trainingsübung Teil 2

Zu Beginn musste ich mir dennoch erstmal einen klaren Plan überlegen, wie genau ich an diese Mannschaft herangehe bzw. welche Formen ich ins Training einbaue, wie groß darf der Raum bei der spielerischen Qualität sein etc. Dies war zu Beginn sehr neu für mich, obwohl ich gleichzeitig auch überrascht war wie gut die Jungs in den verschiedensten Spielformen zurechtkamen, dennoch zeigten sich immer wieder noch Entscheidungsschwierigkeiten bzw. litt die Entscheidungsqualität unter der Problematik, dass die Jungs mit Druck teilweise noch nicht so gut umgehen konnten.

Meine Ziele mit der Mannschaft sehen zu Beginn wie folgt aus:

  1. Mutiges und selbstbewusstes Spiel mit Ball. Lösungen müssen individuell getroffen werden, müssen gleichzeitig aber auch angeboten werden. (mind. 2 Anspielstationen)
  2. Bessere Blickorientierung bei Lösungsfindung (1. Zentrum/Halbraum 2. Außen)
  3. Mut Entscheidungen zu treffen – Dribblings werden akzentuiert (ballhaltend und gegnerüberwindend) = wenige bis gar keine Kontaktbeschränkungen
  4. Torwart spielt aktiv mit (Torwartkette?)
  5. Kollektivgedanke gegen den Ball – individuelle Möglichkeiten Passoptionen einzuschränken

Und noch weitere Details, die sich eher im Individual und Gruppentaktischen Bereich befinden.

In den ersten Trainingswochen war es immer wieder wichtig Rondos einzubauen mit wenigen involvierten Spielern wie z.B. 3 vs.1, um die Passqualität zu verbessern und vor allem die Qualität der Entscheidungsfindung zu verbessern. Hier variierte ich noch sehr oft mit der Kontaktanzahl von 2 Kontakten bis hin zu 1 Kontakt oder 2 und 1 Kontakte im Wechsel. Dies funktionierte mit der Zeit immer besser und ich forderte immer wieder vermehrt mit 2 Kontakten auszukommen (Kontrolle –> Pass) und dabei den ersten Kontakt schon so effektiv wie möglich zu nutzen, um das Pressing auszuhebeln.

III. Ausgewählte Spielformen

  1. 4 vs. 4 +3 „Umblickverhalten“
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Ziel: 8 Kontakte = 1 Punkt

Ablauf: Spiel im 4 vs. 4 +3 , wobei die beiden neutralen an den Stirnseiten 2 verschiedenfarbige Hütchen in der Hand haben. Sobald ein Spieler den Ball von einem neutralen Spieler an den Stirnseiten bekommt, muss dieser zuvor mit Schulterblick zum anderen Neutralen blicken, welcher gleichzeitig ein farbiges Hütchen nach oben zeigt, und die Farbe laut rufen. Geschieht dies nicht oder falsch kommt die andere Mannschaft in Ballbesitz.

Coaching: weites auffächern – Schulterblick/Vororientierung, sowie offene Stellung –

Blick zum weitest entfernten Spieler

  1. 3 vs.3 +1 – Ballsichern und Passen -Fokus auf ballhaltendes Dribbling
3 vs. 3 +1

Ziel: Ball unter Druck des Gegners sichern

Ablauf: 3 vs. 3 in der inneren Zone und jeweils ein Spieler in einer Ausweichzone. Nach 30sek bekommt immer die Mannschaft einen Punkt, welche gerade im Ballbesitz ist.

Sollte der Spieler in der Ausweichzone angespielt werden, muss dieser mit dem ersten Kontakt in die mittlere Zone hineindribbeln.

Variation: 3 Pflichtkontakte

Coaching: variables Dribbeln zur Ballsicherung unter erhöhtem Gegnerdruck auf engem Raum mit dem Ziel der Ballsicherung.

  1. 2 + 1N vs. 1 +1 vs. 1 im Felderwechsel
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Ziel: Freilaufbewegung gegen Manndeckung

Ablauf: Blau spielt zusammen mit dem Neutralen in Gelb(nur in der Mittelzone) – nach 5 Pässen darf Blau in Feld 2 wechseln, hierbei wechselt ein blauer Spieler mit in Feld und ein weiteres 3 vs.1 beginnt. Nach 5 Balleroberungen wechseln die Roten mit Blau.

Coaching: ausspielen des 3 vs. 1 – Felderwechsel durch Steil – Klatsch – Lauffinten aus der Tiefe, um sich vom Gegenspieler zu lösen.

Dies wären zunächst 3 Spielformen, wo das individuelle Verhalten im Vordergrund steht und gecoacht werden sollte. Gleichzeitig sind natürlich auch einige Gruppentaktische Elemente des Spiels im Ballbesitz vorhanden, sowie auch Umschaltmomente, worauf ich zunächst aber erstmal nicht den Fokus legte.Um einfache Verhaltensweisen schon im D Jugend Alter herbeizuführen, haben wir beispielsweise eine 4sek Regel etabliert, welche besagt, dass 4 sek nach Ballverlust eine Ballrückeroberung stattfinden muss, ansonsten müssen alle Spieler hinter den Ball kommen.

Alles zielt zunächst erst einmal darauf ab, dass individuelle Fähigkeiten gestärkt werden und diese im kollektiven Spiel bestmöglich angewandt werden.

IV. Die ersten Bewährungsproben

Nach den ersten gemeinsamen Wochen folgten nun auch die ersten Spiele, wobei schon vor der Saison klargemacht wurde, dass Ergebnisse nicht im Vordergrund stehen, auch weil durch unsere mutige Herangehensweise einige Fehler zu Gegentoren führen können. Nichtdestotrotz spielen wir alle Fußball und im Fußball geht es vorrangig darum auch Spiele zu gewinnen, weshalb man Kindern nie vollends sagen kann, dass das Ergebnis komplett zweitrangig ist.

Dies merkt man leider immer noch öfters, wenn der Ball unnötig lang geschlagen wird und sich immer wieder vor engen Situationen gefürchtet wird. Dies ist aber mit der Zeit schon vermehrt zurückgegangen und die Jungs akzeptieren unsere Spielweise und tragen diese auch zu 100% mit.

Wie bereits schon erwähnt, soll unser Spielstil sehr mutig sein und stets im Fokus haben, Lösungen mit Ball zu finden. Aufgrund von unterschiedlichen Spielstärken meiner beiden Torhüter habe ich mich dazu entschieden zwei unterschiedliche Systeme zu spielen, um beide Torhüter gut ins Ballbesitzspiel bzw. besser gesagt Aufbauspiel mit einzubinden. Ein Torhüter ist fußballerisch sehr stark und wurde von mir auch schon öfters als Feldspieler eingesetzt, er verfügt über ein sehr gutes Pass-  und Bewegungsspiel und weiß es geschickt sich in offene Räume nach vorne zu bewegen. Deshalb habe ich es bei ihm mit einer Torwartkette forciert, so bildet er mit 2 IVs eine 3er Kette mit einem 6er davor, 2 Außenspielern, 2 „8er“ und einem Stürmer in einem quasi 3-1-4-1. Dies tut uns vor allem gegen sehr manndeckende Mannschaften sehr gut, weshalb wir zumeist einen freien Mann erspielen können.

Beim anderen Torwart beließen wir es erst einmal bei der etwas konservativeren Variante im 1-3-2-3, wobei der Torwart auch hier sehr gut eingebunden ist, allerdings eher aus einer tieferen Position. Problematischer ist es hier aber beim herausspielen von Torchancen, sowie generell der Ballsicherheit. In den meisten Fällen werden wir komplett manngedeckt und haben damit doch immer wieder größere Schwierigkeiten Lösungen dagegen zu entwickeln.

Bislang funktionieren beide Herangehensweisen erstaunlich gut, wobei noch sehr häufig Ungeduld und Nervosität aufkommt, weshalb wir sehr unruhige Spiele dabei haben, wo wir sehr leichtfertig schlechte Entscheidungen treffen und dem Gegner es sehr leicht machen Chancen zu ermöglichen. Allerdings schaffen wir es in sehr vielen Fällen doch relativ leicht im Aufbau nach vorne zu kommen, hierbei mangelt es dann eher an der Chancenverwertung.

https://www.youtube.com/watch?v=mFUtNeUtpo8&list=PLgo8HZUZj0cB4WGE-fyz5A7hthxrJoAFC&index=8&t=1s

In der Playlist könnt ihr die bisher gespielten Spiele ansehen. Diese sind nicht geschnitten und auch nicht geordnet.

Dies war ein erster kleiner Einblick in meine neue Aufgabe als U13 Trainer und ich hoffe, dass meine Erfahrungen und meine Herangehensweise euch zum diskutieren anregen. Die nächsten Blogeinträge werden in keinen allzu großen Abständen folgen.

Taktische Periodiserung im Amateurbereich – Ein Selbstversuch

Zum Abschluss auch nochmal ein Link zu meinem Artikel über die Taktische Periodisierung, die ich so in der Form zurzeit bei der U13 nicht anwende. Hierbei wechsel ich zumeist von Gruppentaktischen Schwerpunkten zu Individualtaktischen Schwerpunkten von mal zu mal, wobei ich in der Woche jeweils eine Spielphase als Schwerpunkt setze. In den bisherigen Wochen blieb der Schwerpunkt eher in der Phase „Offensive – eigener Ballbesitz“ und damit verbunden auch „Umschaltmoment von Offensive zur Defensive“. Defensive Schwerpunkte und „Umschaltmoment von Def zu Off“ hielt ich bisher erstmal zurück, weil ich die Entwicklung mit Ball voranbringen wollte, gleichzeitig coachte ich defensive Punkte wie z.B. Deckungsschatten oder kollektives Verschieben immer wieder mit.

Kategorie Spielformen, Training
Autor

Robin Schüßler (25) kommt aus dem schönen Nordhessen, wo auch gleichzeitig seine fußballerische Heimat ist. Er ist seit nun 7 Jahren Jugendtrainer und trainiert aktuell die U14 beim KSV Baunatal in der Verbandsliga. Auf Twitter findet ihr ihn unter @vorstopper94

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