Hecking mit neuen Ideen und erfolgreichem Start

Hecking hat ein neues System, und es funktioniert sogar. Gegen Bayer 04 Leverkusen, die für einige Leute als Geheimfavorit auf die Meisterschaft gelten, brauchte die Borussia einige Zeit. Doch in der zweiten Halbzeit spielten sie sehr guten Fußball und gewannen letztlich mit 2:0.

Dabei wich der Gladbacher Coach schon von so etwas wie einer Institution in Gladbach ab. Seit Lucien Favre in Gladbach anfing, war das 4-4-2 mit zwei beweglichen Stürmern mit kurzen Ausnahmen der Standard im Borussia-Park. Das man meist mit zwei kleinen wendigen Akteuren wie Raffael, Hazard oder Stindl im Sturmzentrum auflief, hob die Borussia von dem Rest der Liga ein wenig ab.

Gegen Leverkusen nutzte Dieter Hecking ein 4-3-3, um das 4-4-2/4-2-3-1 der Leverkusener zu kontern. Wie sich das neue System in Ballbesitz schlug, möchte ich in diesem Artikel erörtern. Vorab; Gladbach zeigte einige Szenen, die sinnbildlich für das Ballbesitzspiel in der Bundesliga stehen können.

Die Grundidee

Die negativen Aspekte des Gladbacher Spiels mit dem Ball konnte man besonders in der ersten Halbzeit des Öfteren beobachten. Gegen gut organisierte Leverkusener fand man kaum Wege nach vorne und wurde längere Zeit hinten gebunden. Die Mannschaft von Heiko Herrlich drückte die Gladbacher nach hinten und spielte sich die größeren Chancen heraus. Auch defensiv schafften sie es Dieter Heckings Mannschaft konstant auf den Flügel zu drängen.

Doch die Gladbacher machten es ihnen auch leicht, da der Übergang von der tiefen Ballzirkulation nach vorne nur selten gelang. Grundsätzlich bauten die Innenverteidiger Jantschke und Ginter das Spiel mit flachen Pässen auf. Sechser Strobl bewegte sich hinter der ersten Pressinglinie der Leverkusener und bildete so ein Dreieck mit den beiden Verteidigern.

Rechts gab der junge Beyer die Breite, hielt sich aber etwas mehr zurück als sein schwedisches Pendant Oscar Wendt auf der anderen Seite. Dies lang unter anderem an der asymmetrischen Spielweise der Borussia in Hälfte eins.

Auf der rechten Seite blieb Hazard wesentlich breiter als Johnson. Der Amerikaner bewegte sich links zwischen dem Innen- und Außenverteidiger der Bayer-Elf. Die meiste Zeit hielt er sich neben Benjamin Henrichs auf und verhinderte, dass der Außenverteidiger am Flügel unterstützen konnte. Dementsprechend schob Wendt öfters weiter nach vorne, auch um Ablagen von Johnson empfangen zu können.

Jonas Hofmann nutze so den Raum, der durch die hohe Position von Wendt entstand, um sich die Bälle neben dem Defensivblock abzuholen. Dies hatte besonders in der ersten Hälfte eher negative Auswirkungen auf das Ballbesitzspiel der Borussia. Florian Neuhaus hingegen bewegte sich konstant zentral. Gerade in der zweiten Hälfte stieß er ballfern in den Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld.

Mit Raffael bot Dieter Hecking dieses Mal nur einen Stürmer auf. Der Brasilianer besetzte zumeist das Sturmzentrum, konnte sich aber immer wieder weiter nach hinten fallen lassen, um zu unterstützen oder Dribblings zu starten. Regelmäßig ließ er sich einige Meter fallen und agierte aus dem Zehnerraum oder wich in die Halbräume aus, um anspielbar für die Innenverteidiger zu bleiben.

Positionierungsprobleme

Grundsätzlich versuchten die Gladbacher in den Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld zu gelangen. Häufig versuchten Jantschke und Ginter solche Pässe aus der Aufbaulinie nach vorne zu spielen. In der ersten Hälfte gelang dies nur selten. Außerdem schafften sie es auch kaum über die Mittelfeldlinie nach vorne zu kommen.

Hauptsächlich war das Problem, dass die Positionierung der Offensivspieler nicht passend war. Leverkusen versperrte das Zentrum. Strobl beispielsweise kam so gut wie nie wirklich in die Partie, und auch die Achter wurden selten passend eingesetzt.

Dieter Hecking

Besonders Jonas Hofmann bewegte sich regelmäßig raus aus dem Defensivblock und besetzte den Raum links. Dementsprechend fehlte es an Anspielstationen im Zentrum. In der Szene hier erkennt man sehr gut, wie Gladbach keine Möglichkeit hat ins Zentrum zu gelangen. Volland und Havertz versperren den Passweg zu Strobl und Johnson.

Dadurch dass Hofmann sich nach außen bewegte, konnte Havertz sich voll auf das absichern von Brandt konzentrieren. Auch der Nationalspieler konnte aggressiv herausrücken. Auch wenn Hofmann dies nutzen würde, gäbe es keine direkte Gefahr für Leverkusen. Hofmann könnte immer noch von Havertz gestoppt werden und hätte sowieso keine direkte Anspielstation. So ließ sich die Borussia recht einfach am Flügel festmachen. Leverkusen konnte durch die 5v4 Überzahl einfach pressen und die Angriffe bereits im Keim ersticken lassen.

Darüber hinaus waren auch die Struktur und damit die Unterstützung des Ballführenden besonders in der ersten Halbzeit nicht optimal. Gerade auf der rechten, aber auch auf der linken Seite konnte man oft genug beobachten, wie Gladbach ein einfaches Rechteck aufspannte.

Viereck am Flügel

Durch die Struktur, die man auch in diesem Beispiel beobachten kann, tat sich die Borussia schwer, zwischen die Linien zu gelangen. Diagonale Pässe haben den Vorteil, dass sie einerseits für Raumgewinn sorgen und andererseits dem Passempfänger ein Blickfeld Richtung gegnerisches Tor bei der Ballannahme ermöglichen.

Des Weiteren sind diagonale Pässe schwerer zu verteidigen, da meist verschiedene Zuständigkeitsbereiche durchspielt werden, und der Gegner seine Position beim Herausrücken ganz anders verändern muss.

Durch die Struktur im oberen Beispiel gab es keine diagonalen Passwinkel. Deshalb tat sich Gladbach sehr schwer die Linien der Leverkusener zu überspielen. Außerdem hatte die Borussia einen Nachteil durch die breite Position von Jonas Hofmann in dieser Situation (roter Kreis). Kai Havertz konnte sich wieder rein auf das Sichern der Mitte fokussieren und wenn nötig ballnah unterstützen. Dabei gab es keine Befürchtung, dass ein Gladbach ballfern komplett frei zwischen den Linien stehen würde.

Die Funktionsweise und positiven Ansätze des neuen Systems

Bei allem Negativen was ich bisher nannte, hat die neue Feldaufteilung von Dieter Hecking auch sehr viele positive Aspekte. Die Borussia erhält prinzipiell im Zentrum eine Überzahl. Zwar spielen genauso viele Spieler zentral wie im 4-4-2, jedoch sind die Passwinkel diagonaler und die Ablagemöglichkeiten dadurch einfacher.

Gladbacher Netz

Zentral bildet die Borussia so eine Raute, gerade über die Achter gibt es nach Ablagen viele Möglichkeiten nach vorne zu gelangen.

Spielt Hofmann beispielsweise Sechser Strobl an, kann dieses entweder direkt zu Raffael in den Zehnerraum oder über Neuhaus auf die andere Seite verlagern.

Darüber hinaus ist die Aufteilung beim Gegner eine andere. Während der Gegner recht leicht eine mannorientierte Zuordnung gegen Gladbachs 4-4-2 finden konnte, schaut dies im 4-3-3 anders aus. Gerade weil so viele Bundesligateams, auch Bayer Leverkusen, in einem 4-4-2 verteidigten.

Beispielsweise hatte die Borussia einen Akteur im Spielaufbau, der von Volland und Alario nicht immer zugestellt werden konnte. Kohr und Havertz hingegen orientierten sich meist an den Achtern und konnten deshalb nicht auf Strobl herausrücken. Außerdem verhinderte Johnsons hohe Position, dass Raffael konsequent von den Innenverteidigern verfolgt wurde.

Neben der Raute im Zentrum waren auch die Verbindungen zum Flügel durchaus da. Im oberen Beispiel das Dreieck aus Wendt und Johnson. Die vielen diagonalen Anspielstationen eröffneten dem Passempfänger einige Anspielstationen.

Dieter Hecking

Dieses Beispiel ist typisch für die Herangehensweise der Borussia gegen Leverkusen. Gerade Jantschke zeigte immer wieder schöne flache Pässe, die die Mittelfeldlinie der Werkself überspielten.

Entscheidend für die Pässe waren die Bewegungen von Neuhaus und Hofmann. Speziell letztgenannter zeigte immer wieder passende kurze Bewegungen, die die Passlinie für Jantschke öffnete.

In der zweiten Hälfte war dies häufiger zu beobachten, da Hofmann und Neuhaus beide etwas tiefer und vor allem konstant im Halbraum positioniert waren und nicht nach außen wichen. Dies verhinderte, dass Kohr und Havertz sich rein auf das abdecken des Raumes konzentrieren konnten. Denn Leverkusens mannorientierte Deckung konnte durch die ausweichenden Bewegungen destabilisiert werden.

Durch Johnsons hohe Position konnte auch hier recht einfach Wendt freigespielt werden. Entweder Brandt positioniert sich tiefer und zentraler um den Pass zu verhindern oder er stellt den Passweg zu Wendt zu.

Im ersten Fall wäre ein direktes Passspiel zu Wendt möglich gewesen, im zweiten Fall der Passweg auf Johnson noch freier.

Engendribblings führen zum Erfolg

Neben den angesprochenen Pässen von Jantschke auf Johnson, Hazard und Raffael führte noch ein weiteres Mittel zum Erfolg. Bei einer besseren Struktur erhielten Spieler wie Hofmann und Raffael den Ball unter Druck, hatten aber Anspielmöglichkeiten. Die Dribblings der Beiden führten immer wieder zu gefährlichen Momenten.

Gerade bei Gladbachs zweitem Treffer leitete ein Hofmann Dribbling die Aktion ein. Die passende Position von Neuhaus, der ballfern immer weiter nach vorne rückte, half um Leverkusens Mittelfeld zu überspielen.

Fazit – Dieter Hecking und sein neues System

Alles in allem zeigte die Borussia eine gute Leistung. Das neue System von Dieter Hecking brachte viele Vorteile und nach anfänglichen Schwierigkeiten erspielte sich die Borussia dementsprechend auch mehr Chancen gegen eine gute Leverkusener Mannschaft.

Allerdings mangelt es noch an der Feinabstimmung. Zu oft passten die Bewegungen der Spieler ohne Ball nicht, oder die Ablagemöglichkeiten wurden nicht konsequent genutzt. Auch die eigentlich vielen Kombinationsmöglichkeiten nutze die Borussia noch selten. Dies lang an schlechter Körperhaltung, ungenauen Pässen oder risikoärmeren Angriffsvarianten. Sollte an diesen Details noch gearbeitet werden und sollte es Dieter Hecking schaffen die fehlenden Akteure wie Cuisance, Plea oder Zakaria noch einzubauen, könnte Borussia M´Gladbach diese Saison ein sehr gefährliches Team werden.

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Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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