Derby der Kreativlosigkeit

Der Hamburger Sportverein gegen den FC St. Pauli. Mehr Derby geht nicht. Mit viel Vorfreude startete die Partie. Es wurde jedoch zu einem Spiel, bei dem nur die allerwenigsten wirklich Spaß haben konnten. Die Bilanz: Kaum Chancen, keine Tore. Aber warum?

Grundformation

Grundformation

Pässe ohne Gewinn

Die Gastgeber spielten wie immer unter Titz mit einer einem hohen Torwart, der sich aktiv im Spielaufbau beteiligte. Durch die Gegentore, die der HSV in den letzten Spielen kassierte, hielt sich der Hamburger Schlussmann etwas mehr zurück als in den letzten Wochen und Monaten. Trotzdem stand Julian Pollersbeck teilweise zwischen den beiden Innenverteidigern, meistens aber etwas weiter hinten als sichere Anspielstation.

Davor bot sich meistens Janjicic – manchmal auch Mangala- an. Zusammen bildeten sie eine Raute, die aber zu flach war, da die Innenverteidiger sehr breit und Janjicic und Pollersbeck zu nah nebeneinander standen, um den Raum hinter den Stürmern St. Paulis zu nutzen.

St. Pauli ließ den Hamburger Sportverein in Ruhe aufbauen. Bei gegnerischem Ballbesitz rückte Buchtmann nach vorne. Die Gäste verteidigten so in einem tiefen 442. Die zwei Viererketten standen sehr eng und gaben den Gastgebern keinen Raum im Zwischenlinienraum. Der HSV durfte den Ball haben, sollte nur nicht nach vorne kommen.

Der Pass auf den Sechser, der dann das Spiel weiter nach vorne leiten sollte, wurde durchgehend verhindert. Pollersbeck wurde weder angelaufen, noch gedeckt. Hatte der Torwart den Ball, zogen sich beide Stürmer zurück und orientierten sich an Hamburgs Sechser

St auf Sechser

Besaß einer der Innenverteidiger den Ball, wurde dieser angelaufen, der andere Spieler in der ersten Reihe blieb bei Janjicic.

St verschieben

Durch dieses Verhalten von Buchtmann und Diamantakos versuchte man den Weg durch das Zentrum zu erschweren. Mit Erfolg. Die Gastgeber fanden nur sehr selten eine Möglichkeit, ihren zentralen Mittelfeldspieler anzuspielen. Die Konsequenz: Ein kreativloses Ballzugeschiebe, kein Risiko, viele Sicherheitspässe ohne Raumgewinn zwischen den Innenverteidigern und ihrem Torwart. Die Statistik untermauert das: 91,2% ihrer Zuspiele in der eigenen Hälfte kamen beim Mitspieler an.

Wie kommt der HSV nach vorne?

Kurze Antwort: gar nicht. Die Gastgeber hatten große Schwierigkeiten gegen das tiefe 442 der Gäste. Einen einzigen Schuss brachte der Hamburger SV auf das gegnerische Tor.

Trotzdem hatte der HSV ein paar gute Ansätze und versuchten immer wieder den freien Halbraum neben den beiden Stürmern St. Paulis zu nutzen. Beispielsweise mit dem Zurückfallen eines Achters in den Halbraum, wie es auf dieser Darstellung zusehen ist.

Abkippen Achter

In der zweiten Halbzeit versuchte auch Sakai ,den freien Halbraum zu nutzen und rückte immer wieder Richtung Mitte.

Doch auch wenn man die ersten beiden Gegenspieler überspielte, hatte der HSV große Schwierigkeiten. Der Hamburger Sportverein konnte meistens den Ball nur zurück spielen und nicht aufdrehen, da die Achter und Außenverteidiger sofort von einem gegnerischem Mittelfeldspieler attackiert wurden. Das machte St. Pauli wirklich gut. Die Viererketten St. Paulis standen tief, große Räume zwischen den Ketten gab es genauso oft, wie erfolgreiche Ideen des HSVs diese zu knacken. Die Viererkette im Mittelfeld hatte vier Gegenspieler vor sich, sodass keiner der gegnerischen Spieler einfach angespielt werden konnte (siehe gelbe Markierung). Wurde dieser trotzdem angespielt, wurde er sofort attackiert . Dahinter (blauer Block) haben die Gäste eine Überzahlsituation.

HSV Spielaufbau

St. Pauli offensiv ähnlich einfallslos

Der Hamburger SV presste hoch und ließ den gegnerischen Verteidigern keine Zeit, den Ball in Ruhe anzunehmen und dann weiterzuspielen. Das reichte, um St. Paulis Angriffsbemühungen zu stoppen. St. Pauli spielte selten flach von hinten raus, stattdessen wurde der Ball immer wieder hoch nach vorne geschlagen. Keine 60% der Pässe kamen am Mitspieler an. Eine katastrophaler Wert.

Der „Weltpokalsiegerbesieger“ von 2002 hoffte vermutlich auf eine Standardsituation oder einen Konter. Doch selbst bei Kontermöglichkeiten setzten sie die Priorität auf die Defensive und sicherten mit sechs Spielern ab. Wenn es trotzdem die Möglichkeit gab, einen Konter auszuspielen, wurde zu früh der Abschluss gesucht.

Doch am Schluss des Spiels wurden diese Konter sogar relativ gefährlich, da der HSV den Gästen immer mehr Raum anbot. Das Besetzen des Zentrums wurde von Janjicic immer öfter vergessen. Stattdessen rückte er immer riskanter aus dieser Zone und lud St. Pauli zu Chancen ein.

Fazit

Beide Mannschaften hatten die gleichen Probleme: Sie hatten keine Ideen, wie sie nach vorne kommen konnten. Die Gründe dafür waren jedoch andere. St. Pauli war spielerisch zu schwach, um sich aus dem hohen Pressing nach vorne kombinieren zu können. Dem HSV wäre es wohl lieber gewesen, wenn St. Pauli auch ein hohes Angriffspressing gespielt hätte. Doch diesen Gefallen tat St. Pauli ihnen nicht. Stattdessen ließ man den Gastgeber in Ruhe aufbauen und verdichtete die Zonen dahinter. Das reichte.

Beide Teams versuchten es deshalb immer wieder mit langen Bällen. Doch auch dafür hatten beide Mannschaften zu wenig Spieler im letzten Drittel und die falschen Stürmer. Insbesondere Lasogga wäre hierfür deutlich besser geeignet als Arp. Auch auf der anderen Seite hätte man mit Veerman einen kopfballstärkeren Spieler.

Beide Mannschaften spielten defensiv taktisch gut, offensiv dafür umso schlechter. Und so wurde es von einem Derby mit viel Zuversicht und Hoffnung zu einem langweiligem Spiel ohne Ideen in der Offensive, einem Derby der Kreativlosigkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.