5 Fragen zur Bundesliga

Was muss Bayern/Kovac ändern, um die Saison noch zu retten?

Tobias: Grundsätzlich muss man aktuell sagen, dass bei den Bayern sofort wieder Panik ausgebrochen ist. Niko Kovac ist mit Sicherheit nicht alleine Schuld an der Misere. Die Kaderplanung ist nicht optimal und viele Spieler befinden sich in einem Formtief. Jedoch muss Niko Kovac das System, das er implementierte anpassen. Die Achter stehen für meinen Geschmack zu hoch, deshalb besetzen die Bayern den Zwischenlinienraum zu selten. Des Weiteren ist das Spiel zu flügellastig. Die Mitte ist unzureichend besetzt und die ballnahe Unterstützung entweder nicht existent oder zu viele Spieler schieben auf eine Seite. Dies hat Auswirkungen auf das Gegenpressing. Jenes ist aktuell eine der Schwächen der Bayern und macht sie so konteranfällig.

Alles in allem vermisse ich klare Richtlinien in Ballbesitz. Die Positionierungen der Spieler wirken sehr improvisiert und führen aktuell dazu, dass die Mannschaft keine Durchschlagskraft entwickeln kann. Niko Kovac muss das Spiel mit dem Ball verbessern, damit man nicht nur mehr Torgefahr ausstrahlt, sondern auch im Umschaltmoment besser abgesichert ist.

SB: Da wir erst den 7. Spieltag abgeschlossen haben, denke ich, dass es sich so oder so einpendeln wird. Kovac wäre nur gut beraten, das Gegenpressing besser einzustudieren. Gerade gegen Gladbach war das ein Totalausfall. Es wäre zudem wünschenswert, dass weder Robben noch Ribéry stammspielen. Ihre Leistungen bislang sind nicht ausreichend, um Talente wie Gnabry auf der Bank schmoren zu lassen. Und Thiago muss jedes Spiel auf der Sechs spielen. Jedes. Javi kann dieser Mannschaft aktuell nicht die notwendigen offensiven Impulse von dieser Position aus geben.

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Simon: Der Kader ist so schwach und klein, wie schon lange nicht mehr. Deshalb ist es auch verständlich, dass diese Saison vielleicht nicht ganz so erfolgreich sein wird. Außerdem werden die Spieler teilweise in unpassenden Positionen/ Rollen eingesetzt. Die Achter stehen deutlich zu hoch, um eine Verbindung zwischen Abwehr und Angriff zu bilden. So gibt es kaum Möglichkeiten durch das Zentrum oder den Halbraum nach vorne zu kommen. Dadurch wird Bayern leichter zu verteidigen, da sie quasi jedes Mal über den Flügel kommen. Außerdem wird durch die hohe Positionierung der Achter das Gegenpressing deutlich schwächer.

Julius: Gerade das letzte Ligaspiel gegen Gladbach offenbarte vorhandene Schwächen im Ballbesitzspiel. So fehlte meistens im letzten Drittel eine klare Spielvorgabe, um sich vermehrt Torchancen zu kreieren bzw. um sich in eine gute Abschlussposition zu bringen. Äußerst spannend festzustellen ist, dass die Münchener 41% ihrer Tore nach Standardsituationen erzielten. Diese Zahl untermauert, welche Probleme die Bayern im Spiel mit dem Ball haben, hinzu kommt eine nicht vorhandene Effizienz. Ob man es nun gutheißen soll, dass Kovac die Bayern dahingehend zu einer neuen Qualität verholfen hat, oder ihnen mögliche Strukturen in der Offensive fehlen, kann jeder für sich entscheiden. Fakt jedoch ist, dass die Bayern Erfahrung mit etwaigen Krisen haben und die Länderspielpause sicherlich für eine ausführliche Analyse diente.

Was macht Dortmund aktuell so gut?

Tobias: Bisher wirken die Dortmunder wesentlich stabiler als in der letzten Saison, was nicht gerade schwer ist. Lucien Favre erhöhte die defensive Stabilität des Teams. Darüber hinaus hat er es bisher verstanden die individuelle Klasse der Angreifer des BVBs passend einzusetzen. Allerdings muss man auch sagen, dass die letzten Spiele alle recht knapp werden und Favre die richtigen Entscheidungen traf. Dazu kommt noch die Formstärke und das Spielglück. Beides wird sich nicht über die komplette Saison ziehen, allerdings hat der Kader mit Spielern wie Götze, Weigl und Guerreiro noch viel spielerische Qualität. Außerdem ist der Kader wesentlich tiefer als letzte Saison. Wenn sie ihr aktuelles Niveau halten können, ist es nicht auszuschließen, dass der Meister 2019 Borussia Dortmund heißt.

SB: Ich habe Dortmund sehr wenig verfolgt aber mir ist die neue defensive Stabilität aufgefallen. Das ist eine deutliche Verbesserung zum Vorjahr und bringt sie in eine sehr gute Position im Kampf um die CL-Plätze, wenngleich ich davon überzeugt bin, dass sie bislang overperformed haben. Gegen Hoffenheim hätten sie beispielsweise verlieren müssen. Das fehlende spielerische Element durch die Ausbootung von Götze und Weigl könnte sie in späteren Saisonphasen Punkte kosten

Simon: Favre hat eine Mischung zwischen dem Offensivfußball von Bosz und dem Defensivfußball von Stöger gefunden. Die Neuzugänge helfen ihm dabei enorm. Diallo und natürlich Witsel sorgen für Stabilität, Alcacer für Torgefahr und Unberechenbarkeit, weil er ein ganz anderer Spielertyp ist wie Philipp. Aber auch wenn momentan die Ergebnisse stimmen, sollte man nicht vergessen, wie knapp viele Spiele gewonnen wurden und dass das auch ganz schnell anders laufen kann.

Julius: Neben der zweifelsohne bestehenden spielerischen Stärke der Borussen, ist ebenfalls auffällig,über welch physische Stärke die Mannschaft trotz der Dreifachbelastung verfügt. Die Spiele gegen Leverkusen und Monaco veranschaulichten dies eindrucksvoll. Gelingt es dem BVB die defensive Stabilität zu wahren und ihr Flügelspieler weiterhin konsequent und erfolgreich durchführen, stehe den Westfalen eine erfolgversprechende Saison bevor.

Wer ist eure Überraschung der bisherigen Saison?

Tobias: Im Allgemeinen gibt es einige Überraschungen in der bisherigen Bundesliga-Saison. Mannschaften wie Bremen, Hertha BSC oder Wolfsburg, die sehr gut spielen oder kriselnde Schalker. Überraschend kommen für mich die schwachen Leistungen der Leverkusener. Ich war letzte Saison ein großer Fan von Heiko Herrlichs Arbeit in Leverkusen. Der Kader hat enormen Potenzial, ist allerdings bisher offensiv ungefährlich und defensiv nicht stabil. Die positive Überraschung für mich ist bisher Borussia M´Gladbach unter Dieter Hecking. Das neue 4-3-3 gefällt mir sehr gut und Hecking nutzt die vielen Offensivspieler sehr geschickt zwischen den Linien. Außerdem konnte er eine passende Rolle für Jonas Hofmann finden. Auch spielerisch hat sich Gladbach weiterentwickelt und ist aktuell nicht nur über Konter gefährlich. Auf die weitere Entwicklung bin ich dort sehr gespannt.

SB: Ich bin allgemein von vielen Teams angenehm überrascht, da sie im Vergleich zur Vorsaison spielerisch viel stärker geworden sind. Dazu zählen u.a. Bremen, Wolfsburg, Mönchengladbach aber auch Düsseldorf. Am meisten hat es mir allerdings Hertha BSC angetan, die mit ihrem starken Mittelfeld aus Maier, Duda und Grujic eine neue Flexibilität dazugewonnen haben. Ihr Spiel gegen Schalke habe ich genauer verfolgt und gerade dort hat mir Ondrej Duda wahnsinnig imponiert. Rein technisch und taktisch könnte er meiner Meinung nach auch bei Bayern oder Dortmund spielen.

Simon: Das Überraschendste finde ich, dass Hertha BSC erfolgreichen Offensivfußball spielen lässt. Andere positive Überraschungen sind für mich Wolfsburg und Gladbach durch ihr gutes Offensivspiel und Augsburg, da sie mit ihren Mannorientierungen auf dem ganzen Feld sehr mutigen Fußball spielen. Bremen ist für mich dagegen keine Überraschung, da Kohfeldt schon letztes Jahr gezeigt hat, was er für ein herausragender Trainer er ist und die Mannschaft sehr gut verstärkt wurde. Negative Überraschungen sind für mich Schalke und Leverkusen. Beide Mannschaften haben sich vor allem defensiv stark verschlechtert, was mich sehr überrascht.

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Julius: Die derzeitige Bundesliga Saison bietet einiges an Überraschungen und das sowohl in positiver als auch in negativer Sicht. Positiv zu notieren ist, dass der FC Augsburg in den Begegnungen gegen Borussia Dortmund und Bayern München, jeweils situativ in einem enorm hohen Angriffspressing agierte. Der Punktgewinn auswärts in der Allianz-Arena, war die Belohnung für ein solch mutiges Auftreten. Ebenfalls zu erwähnen ist die Mannschaft von Patrick Kohfeldt. Werder Bremen spielt neben Bayern und Dortmund die meisten Pässe in der Liga. Kohfeldt hat Bremen hinsichtlich des eigenen Ballbesitz eine klare Struktur verliehen, welche es ihnen ermöglicht, gerade in ballnähe wesentlich mehr Anspielpunkte zu besitzen und somit eine schnellere Passfolge zu generieren.

Enttäuscht haben bislang Leverkusen und Schalke 04, gerade wenn man ihre Ergebnisse in Verbindung mit ihrem Kaderpotenzial sieht. Leverkusen schaffte es bis dato nur bedingt ihre Offensivpower in Abschlussaktionen, respektive Tore umzuwandeln. S04 hingegen hatte einen äußerst schwierigen Saisonstart, was unteranderem an der ungewöhnlich hohen Anzahl an Gegentreffern lag. Beide befinden sich jedoch in einem langsamen Rehabilitationsprozess, es bleibt demzufolge spannend, wohin die Reise beider Vereine in dieser Saison noch  hingeht.

 

Was traut ihr Weinzierl in Stuttgart zu?

Tobias: Sehr viel. Weinzierl bringt die Fähigkeiten mit, einer Mannschaft nicht nur ein solides Defensivkonzept an die Hand zu geben, sondern auch spielerische Lösungen mit dem Ball zu implementieren. Der Kader des VfB ist für mich sehr interessant und bietet viele Möglichkeiten guten Offensivfußball zu spielen. Das gelang Tayfun Korkut nicht. Für mich war Stuttgart bisher spielerisch die unattraktivste Mannschaft in dieser Saison. Weinzierl wird sicherlich das spielerische Potenzial der Innenverteidigung besser zu nutzen wissen. Denn dieser Kader ist deutlich stärker als das was er bisher zeigte.

SB: Weinzierl hat in Augsburg, gerade 2013, gezeigt, dass es es versteht, einer Mannschaft guten, strukturierten Offensivfußball einzuimpfen ohne dabei ungeachtet der gegebenen Stärken und Schwächen vorzugehen sondern optionsorientiert sehr gute Lösungen zu finden. Stuttgarts Kader gibt auf jeden Fall mehr her als man bislang auf das Parkett bringen konnte. Dennoch würde ich eine personelle Schwäche im Mittelfeld ausmachen, da ich weder Gentner noch Ascacibar für spielerisch stark genug halte, um einen guten Ballbesitzfußball tragen zu können. Weinzierl hatte in seiner Vergangenheit ebenfalls das Privileg mit anderen Kalibern à la Baier, Meyer oder Goretzka zu tun zu haben und so ein Spieler geht Stuttgart derzeit meiner Meinung nach ab.

Simon: Keinen besonders interessanten Fußball, aber interessanteren Fußball als jetzt. Weinzierl hat ja schon in Augsburg gezeigt, dass er guten und nachhaltigen Fußball spielen lässt. Ich würde Weinzierl als pragmatischen Trainer beschreiben, das heißt er wird das Passende für den Kader finden. Der Kader ist mindestens durchschnittlich,Weinzierl wird dieses Potenzial entfachen können.Zusätzlich hoffe ich, dass er wieder mehr jungen Talenten, die der VFB ja reichlich gekauft hat, Chancen gibt.

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Julius: Die Arbeit von Markus Weinzierl in seiner Zeit bei Augsburg, aber auch in Regensburg, sollte man weiterhin im Hinterkopf haben. Dort schaffte er es mit teils sehr geringen Mittel, das Maximum aus Mannschaft und Verein herauszuholen. Nun ist der VfB Stuttgart allein von der Medienpräzenzs ein ganz anderes Kaliber. Das Potenzial der Mannschaft ist enorm, doch blieb es bislang unausgenutzt. Schafft er es allerdings den VfB in einen ähnlichen Lauf, wie zum Ende der letzten Saison zu bringen, dann sollte dieser Mannschaft noch einiges zuzutrauen sein.

 

Welche taktischen Entwicklungen seht ihr dieses Jahr in der Bundesliga?

Tobias: Es kommt auf Flexibilität an. Hoffenheim und Julian Nagelsmann haben für mich da den Anfang gemacht. In der heutigen Zeit reicht es nicht, nur noch gut zu verteidigen und dann schnell zu kontern. Dies kann kurzfristigen Erfolg bringen, wie man auf Schalke beobachten konnte, langfristig braucht ein Team aber Lösungen mit dem Ball. Diesbezüglich haben einige Teams einen Schritt nach vorne gemacht. Bremen, Gladbach und auch Wolfsburg versuchen nicht nur über Konter gefährlich zu werden. Das erhöht bisher auch die Attraktivität der Spiele. Um im internationalen Wettbewerb wieder mithalten zu können, müssen die deutschen Teams spielerisch besser werden und in der Lage sein, schnell auf den Gegner zu reagieren. Es scheint so, als hätten viele Teams hier den ersten Schritt getan.

SB: Ich finde dass tendenziell im Vergleich zu letzter Saison spielerische Qualität mehr gefragt ist. Viele Mannschaften haben ihre Trainer behalten und aktuell sind viele gute, junge Trainer in der Bundesliga vorstellig und erfahrungsgemäß haben gerade die sich eingespielt. Allerdings sollte dies nicht zu hoch gehängt werden. Insgesamt fehlen mir Mannschaften, die eine klare strategische Philosophie verfolgen und ihre Taktik daran anpassen. Sogar bei Leipzig oder Bayern, die in den letztem Jahren für Pressingfußball bzw. Positionsspiel bekannt waren, ist heutzutage eine strategische Anpassungsfähigkeit Trumpf. Die Mannschaften ähneln sich immer mehr und das macht die Spiele teilweise unattraktiv.

Simon: Ein positiver Trend: Viele Mannschaften zeigen wieder mehr Mut und wissen, was sie mit dem Ball anfangen sollen.

Julius: Grundsätzlich lässt sich ein wesentlicher Trend erkennen und dies ist die Flexibilität, hinsichtlich taktischer Ausrichtungen. Viele Mannschaften haben von ihren Trainern die verschiedensten taktischen Grundformationen impliziert bekommen, was ihnen ermöglicht auf differenzierteste Spielsituationen einzugehen, das macht viele Mannschaften in ihrer Herangehensweise ein Stück unberechenbarer. Erstaunlich ist jedoch mit welch einer Konsequenz die Manndeckung wieder praktiziert wird. Sicherlich wird diese immer noch in Kombination mit einer Art Raumdeckung durchgeführt, aber die Entwicklung zeigt, dass dies wieder ein ernsthaftes taktisches Mittel ist.

 

Kategorie Allgemein, Kleine Einblicke

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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