Werder variabel, Schalke mit dem Ball ohne Ideen

Die noch junge Saison war bereits turbulent für den Vize-Meister Schalke 04. Man startete sehr schwach in die Saison und konnte seinen ersten Sieg erst am fünften Spieltag gegen Mainz 05 feiern. Vor der Länderspielpause berappelte sich das Team ein wenig, allerdings haben die Schalker weiterhin sehr große Probleme in Ballbesitz.

Bremen auf der anderen Seite startete stark in die Saison und spielt oben mit. Insbesondere das Spiel in Ballbesitz ist sehr variantenreich und gefährlich. Florian Kohfeldt kann auf einen interessanten Kader mit Spielern wie Kruse, Bagfrede, Eggestein und Pizarro zurückgreifen. Aktuell holt er das Maximum aus dem Team heraus und Bremen ist spielerisch eines der interessanteren Teams in der Bundesliga.

In einem ausgeglichenen Spiel mit wenigen Chancen stach Maximilian Eggestein zweimal aus dem Nichts zu und Werder konnte sich am Ende mit einem 2:0 die drei Punkte auf Schalke sichern. Nach Gladbachs Sieg steht Bremen nun auf Platz 3.

Bremens variables Offensivspiel

Vorab, dieses Spiel war eines der schwächeren der Kohfeldt-Elf, wie Taktik- und insbesondere Werder-Experte Tobias Escher auf Twitter ebenfalls anmerkte.

Trotzdem konnte man sehr spannende Abläufe und Grundlagen im Spiel von Werder mit dem Ball erkennen. An besseren Tagen kann man aus den sich bietenden Möglichkeiten mehr herausholen. Aktuell steckt die Mannschaft noch in einem Lernprozess, doch das Projekt Werder Bremen sieht verheißungsvoll aus.

Werder Bremen läuft grundsätzlich im 4-3-3 auf, fokussiert sich dabei auf Angriffe über die Flügel bzw Halbräume. Dies ist typisch für viele Bundesligateams, jedoch hat Werder viele interessante Spielzüge, um hinter die letzte Linie des Gegners zu gelangen, gerade über die Außenverteidiger.

Um hinter die Abwehr zu gelangen nutzen sie viele wechselnde vertikale und diagonale Bewegungen der Spieler ohne Ball. Ausgangspunkt für die Spielzüge ist ein andribbelnder Innenverteidiger. Die Außenverteidiger schieben auf die Höhe der gegnerischen Sechser, während die Flügelspieler einrücken und so die Linie öffnen.

Die Achter positionieren sich im Halbraum und zusammen mit den diagonal fallenden Bewegungen von Kruse sind sie essenziell, um die gegnerische Defensive zu knacken.

Wenn durch den Halbraum angegriffen wird, lässt sich Kruse diagonal aus dem Zentrum fallen und fungiert als kurze Anspielstation. Gleichzeitig bewegt sich der Achter nach vorne und kann die letzte Linie besetzen, so dass der Passweg auf Kruse weiter geöffnet wird. Der eingerückte Flügelspieler hält entweder seine Position, stößt nach vorne oder fällt ebenfalls etwas tiefer. Dabei positioniert er sich aber immer noch hinter der Mittelfeldlinie. Der Außenverteidiger kann gleichzeitig die Tiefe attackieren oder Breite geben, um den Ball durch das Spiel über den Dritten zu erhalten.

Meist wird bei dieser Variante dann Kruse angespielt. Darüber hinaus ist es eben auch möglich den Flügelspieler anzuspielen, der dann den Ball nach außen oder zum höher postierten Achter prallen lassen kann.

Florian Kohfeldt
Kainz Bewegung öffnet die Außenbahn. Sahins Abkippen stellt eine Überzahl im Aufbau her. Mascarell hat das Problem, er muss den Sechserraum zustellen und Klaassen decken

Die dritte Variante ist ein Anspiel auf den Achter im Halbraum. In diesen Situationen ist es meist der Flügelspieler, der diagonal oder vertikal in die Tiefe startet, um die Abwehr des Gegners nach hinten zu drücken. Der Achter versucht dann mit dem ersten Kontakt auf den Außenverteidiger durchzustecken.

Schalke stabil, Bremen zu vorsichtig

Gegen die variable Bremer Offensive entschied sich Domenico Tedesco für ein kompaktes 4-4-2 gegen den Ball. McKennie unterstütze dabei Burgstaller in der ersten Hälfte an vorderster Front. Gerade zu Beginn presste Schalke hoch und war in der Lage durch bogenförmige Läufe der Stürmer das Aufbauspiel der Werderaner zu isolieren und Bremen zu langen Bällen zu zwingen.

Die Flügelspieler der Schalker rückten dabei immer wieder heraus. Sie konnten entweder die Innenverteidiger nach Seitenwechseln pressen, oder sie orientierten sich an den Außenverteidigern der Kohfeldt-Elf. Zwar konnten die Flügelspieler mit ihrem Deckungsschatten den Halbraum abdecken, sollten sich aber vermutlich auf die Außenverteidiger von Bremen konzentrieren.

Dies hatte teilweise negative Folgen für die Schalker, wenn es Bremen gelang einen ihrer Spielzüge durchzuführen. Denn dann hatte Werder eine Überzahl im Halbraum. Und des Öfteren verloren die Flügelspieler die Außenverteidiger Werders aus den Augen, da sie sich nicht nur auf den Gegenspieler, sondern auch auf den Ball konzentrieren mussten. Oder der Flügelspieler stand zu breit und öffnete den Halbraum.

Florian Kohfeldt
Bremens Bewegungen von Eggestein(vertikal nach vorne), Kruse und Osako stellen Übergabeprobleme her. Durch den breiten Harit und Eggesteins Bewegung nach vorne wird Osako letztlich zum freien Spieler

Alles in allem blieb Schalke sehr stabil. Die Mittelfeldspieler verschoben präzise und so konnte Bremen selten die Überzahl im Zentrum nutzen. Der ballnahe Sechser konzentrierte sich auf den Achter Bremens, während der andere Schalker Sechser auf Kruse schob. Auffällig war, wenn Bremen dann doch mal seine Spielzüge mit vielen Bewegungen versuchte durchzuführen, schafften es die Bremer hinter die Mittelfeldlinie. Dann verteidigte Schalke aber wieder solide und Bremen fehlte die letzte Präzision im Passspiel.

Neben der fehlenden Präzision kamen dann auch noch unsaubere Positionierungen bei Werder hinzu. Schalke konnte so die Innenverteidiger Werders isolieren und zu schnellen Aktionen unter Druck zwingen, die zu unpräzise waren.

Kohfeldt passt an

Nach ungefähr zwanzig Minuten passte Kohfeldt das Aufbauspiel seines Teams etwas an. Schalkes Spitzen standen sehr eng und versuchten das Zentrum zu verschließen, gerade Veljkovic fand deshalb Raum halbrechts vor, den er für das Aufbauspiel nutzen konnte.

Nuri Sahin kippte daraufhin häufiger zwischen die Innenverteidiger ab, die dementsprechend breiter stehen konnten und so in der Lage waren, die sich bietenden Räume zu nutzen.

Vor dieser kleinen Anpassung waren Eggestein und Klaassen teilweise zu hoch positioniert. Gegen das aggressive Schalker Pressing führte das zu fehlenden Verbindungen. Durch das Abkippen von Sahin bewegten sich nun beide tiefer und insbesondere Eggestein sorgte für Verbindungen nach vorne.

Außerdem wurde es für das Schalker Mittelfeld nun komplizierter im Pressing. Denn vor ihnen warteten Klaassen und Eggestein während im Rücken der Schalker Sechser Kruse und die Flügelspieler Kainz und Osako auf ein Anspiel lauerten. Rückte ein Sechser zum falschen Zeitpunkt heraus, hätte dies gravierende Folgen für die Schalker Defensive haben können.

Jedoch nutze Bremen die sich bietenden Vorteile nur selten. Denn durch die neue Grundordnung hätte man Klaassen und Eggestein häufiger mit Blick zum Tor in einer aussichtsreichen Position anspielen können, tat dies nur nicht. In der Folge schob Klaassen wieder weiter nach vorne und die potenziell interessanten Optionen gegen das Schalker Pressing wurden nicht genutzt.

Tedesco bringt Uth und stellt um

Als das Spiel drohte mit einem Unentschieden in die Pause zu gehen, erzielte Eggestein etwas überraschend die Führung für Werder. Zwar kamen die Bremer besser in die Partie, hatten aber kaum große Chancen vor dem Tor.

Zur Pause reagierte Tedesco auf die Unterzahl im Zentrum und die daraus folgenden Probleme in der Offensive. Mit Uth für Mendy stellte er auf eine Raute um. Hinter Uth und Burgstaller agierte nun Harit, während sich Bentaleb, Mascarell und McKennie um den Übergang kümmerten.

In dieser Phase waren die Schalker wesentlich drückender und nahe am Ausgleich. Kohfeldt auf der anderen Seite wechselte clever und brachte Pizarro und Langkamp. Von da an agierten die Bremer in einem 5-3-2. Entsprechend konnten sie die beiden Spitzen der Schalker besser verteidigen. Außerdem standen sie im Zentrum wieder kompakter und konnten die Schalker Angriffe besser verteidigen.

Nachdem die Schalker noch di Santo als zusätzlichen Offensivspieler brachten und ihre größte Chance durch McKennie hatten, erzielte Eggestein nach einem etwas glücklichen Konter das 2:0 für Bremen. Danach passierte nicht mehr so viel und Bremen konnte einen unterm Strich nicht unverdienten Sieg feiern.

Fazit

Zwar war Werder Bremen nicht übermäßig dominant, allerdings standen sie auf Schalke sehr stabil und hatten die besseren offensiven Ansätze. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt scheint zu reifen, auch wenn sie nicht ihren besten Fußball zeigte, so versuchte sie trotzdem ruhig ihren Plan durchzuziehen und wurde schlussendlich belohnt. Schalke auf der anderen Seite steht wieder stabil in der Defensive im Vergleich zu den ersten Spielen in dieser Saison. Spielerisch gehören sie aber immer noch zu den schwächeren Teams der Liga und werden diese Saison so weiterhin Probleme haben konstant positive Resultate in der Bundesliga zu erzielen.

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