5:0 im Pokal – Was hat sich in Leverkusen geändert?

Nach einem sehr schwachen Saisonstart und ständigen Gerüchten über eine Entlassung von Trainer Heiko Herrlich ist Bayer Leverkusen zur Zeit im Aufwind. Nach einem fulminanten 6:2 Sieg in Bremen trafen sie im Pokal auf Borussia M´Gladbach.

Die Mannschaft von Dieter Hecking ist diese Saison sehr stabil, auch wenn es gegen Freiburg eine 3:1 Niederlage gab. Hecking setzt dabei auf sein neues 4-3-3, dass allen voran Jonas Hofmann zu Gute kommt. Gegen Leverkusen wollte man sich das Weiterkommen sichern. Das lief aber alles andere als Rund.

Am Ende einer intensiven Partie schossen die Leverkusener die Heimmannschaft und sicherten sich durch ein 5:0 das Weiterkommen. Doch, wie schaffte Leverkusen es nach Bremen auch gegen das zweite Formstarke Team so deutlich zu gewinnen? Und wo liegen die Gründe für Gladbachs Zerfall?

Zurück zur Dreierkette – zurück zum Erfolg?

Letzte Saison setzte Heiko Herrlich wie viele Trainer in der Bundesliga auf ein 3-4-2-1, das gegen den Ball zu einem 5-2-3 wurde. Bereits in der abgelaufenen Spielzeit und zu Saisonbeginn setzte der Leverkusener Coach vermehrt auf eine Viererkette. Dies sollte Offensiv für mehr Präsenz sorgen, funktionierte bisher aber gar nicht. Nun wechselte er zurück auf eine Dreier-/Fünferkette. Die Ergebnisse der letzten zwei Spiele sprechen für sich.

Während Leverkusen letzte Saison versuchte selbst das Spiel zu machen, verließen sie sich in den letzten beiden Partien auf eine kompakte Defensive und schnelle Konter. Mit Kai Havertz und Julian Brandt hat man Spieler, die jede noch so kleine Lücke nutzen können, um das gegnerische Gegenpressing zu überwinden. Mit Volland und Bellarabi stehen darüber hinaus schnelle und technisch starke Stürmer zur Verfügung.

Gegen Gladbach kam ihnen zu Gute, dass sie früh in Führung gingen und so abwartender agieren konnten. Um die variable und gefährliche Offensive der Fohlen zu stoppen, formierte sich Heiko Herrlichs Mannschaft in einem sehr kompakten 5-4-1. Dabei versuchte nur Kevin Volland gelegentlich den Spielaufbau im zweiten Drittel zu stören. Damit die Gladbacher auf eine Seite spielten, lief Volland nach einem Pass zwischen den Innenverteidigern bogenförmig an.

Grundformation Leverkusen

Die Mittelfeldlinie konzentrierte sich stark darauf, das Zentrum kompakt zu halten. Zuspiele auf Stindl, Hofmann oder Neuhaus sollten verhindert werden. Man sah kaum Spieler, die aus der Kette schoben, um Druck zu erzeugen. Der Fokus lag auf dem Halten der engen Abstände zwischen den Ketten und das Schließen der Passlinien.

Pressing am Flügel

Wie bereits erwähnt, sicherte Leverkusen die Mitte und bot Gladbach die Flügel an. Der Plan war es, die Fohlen nach einem Pass auf den Flügel zu pressen, da sie durch ihr 5-4-1 die Räume schnell schließen konnten. Gladbach hatte große Probleme nach einem Pass auf den Außenverteidiger ins Zentrum zu gelangen. Der Außenverteidiger der Gladbacher konnte durch den Herausrückenden Flügelspieler und/oder den Flügelverteidiger gepresst werden. Gerade wenn Gladbach seine Spieler auf dem Flügel nicht unterstützte, konnte der Flügelverteidiger herausrücken. Der Halbverteidiger übernahm dann Gladbachs Flügelangreifer.

Leverkusen sehr kompakt

Die Mannschaft von Heiko Herrlich nutzte im Mittelfeld und in der Verteidigung kurze Mannorientierungen, um die Gladbacher bei der Ballannahme zu stören. Allerdings war das Halten der Position stets die höchste Priorität. Dieter Heckings Team nutzt regelmäßig ausweichende Bewegungen der Achter, um den Gegner vor Herausforderungen zu stellen. Die Sechser Havertz und Bender verfolgten den Gladbacher Achter, übergaben ihn dann aber an den nächsten Mitspieler, sobald er ihre Position verließ. So blieb die Bayer-Elf stets kompakt im Zentrum.

Gerade wenn der Ball am Flügel war, konnte der Sechser Gladbachs Achter auch einfach an den herausrückenden Flügelverteidiger übergeben, während der Flügelspieler ins Pressing überging.

Gladbachs Positionierungsprobleme

Durch den frühen Rückstand musste die Mannschaft von Dieter Hecking das Spiel machen. Allerdings fehlte es den Gladbachern an den nötigen Ideen, um den tiefen 5-4-1 Block der Leverkusener zu knacken.

Dies lag vor allem daran, dass Gladbach zwar ein grundsätzlich gutes System in Ballbesitz hat, gegen Leverkusen aber einzelne Details nicht passten. Im Folgenden möchte ich kurz auf verschiedene Beispiele eingehen, um Gladbachs Probleme zu erklären.

Doppelt besetzte Außen

Eines der Probleme war die Tatsache, dass Gladbach die Außenbahnen doppelt besetzte. Damit konnte Leverkusen die Gladbacher recht einfach verteidigen, da Lang beispielsweise nur vertikale Pässe auf Herrmann spielen konnte. Durch die breite Position von Herrmann wurden keine Räume geöffnet. Leverkusen fokussierte sich auf das Schließen des Zentrums und schob einfach erst nach außen, wenn der Ball dort hingepasst wurde. Herrmann oder Hazard hatten sowieso kaum Möglichkeiten ins Zentrum zu spielen und waren entsprechend gern gesehene Pressingopfer.

Des Weiteren führten die Pässe der Innenverteidiger nach außen nur zu wenig Raumgewinn. Denn Ginter und Elvedi spielten meist die Außenverteidiger an. Von dort aus wanderte der Ball dann zu den Flügelspielern. Leverkusen hatte entsprechend sehr viel Zeit zum Verschieben und Gladbach war im bekannten U gefangen.

Außerdem erleichterte die breite Position der Flügelspieler von Gladbach den Leverkusener Innenverteidiger das Herausrücken. Durch eine eingerückte Position der Flügelspieler hätten sie die Leverkusener Innenverteidiger binden und damit Tiefe geben können. Das hätte es Stindl und Hofmann zwischen den Linien erleichtert.

Durch das Ausweichen der Achter nach außen verlor Gladbach immer wieder die Präsenz zwischen den Linien und stellte so die Leverkusener kaum vor Probleme im Verschieben. Natürlich fanden sie auch selten Anspielstationen zwischen den Linien. Jonas Hofmann und Lars Stindl fanden so kaum ins Spiel.

Schwache Raumaufteilung

Neben den doppelt besetzten Außenbahnen fehlte den Gladbachern auch die Raumaufteilung im Zentrum. Die Abstimmung zwischen Kramer, den Achtern und Stindl passte nicht immer. Zu oft wurden Passwege durch Mitspieler versperrt. Manchmal fehlte dann die Unterstützung für einen Mitspieler oder zwei Spieler standen sich auf den Füßen.

diagonalball Ginter Grafik

Matthias Ginter versuchte die Schwächen des Leverkuseners 5-4-1 Blocks zu nutzen und durch den Halbraum andribbeln. Seine präzisen diagonalen Pässe wären eine Waffe gewesen, jedoch wurden die Passwege zu den Spielern zwischen den Linien zu selten geöffnet. Gladbach gelang so kaum in den Zwischenlinienraum.

Auffällig ist im oberen Beispiel die Tatsache, dass Hofmann, Kramer und Stindl sehr eng beieinanderstehen und so den Passweg ins Zentrum von alleine verschließen.

Außerdem besetzten die Mannen von Dieter Hecking die Zwischenlinienräume nicht sauber genug. Gerade vor der Mittelfeldlinie fand man meist nur Kramer, oder einer der Achter kippte zum Flügel ab. Im Zentrum fehlten folglich die Spieler, die den Ball nach einem diagonalen Pass von außen zwischen die Leverkusener Linien hätten spielen können.

keine Tiefe

Elvedi hatte keine Anspielstation im Zentrum. Der Pass nach außen auf Hazard kann Gefahr bringen, allerdings verschob Leverkusen meist sehr schnell. So konnten sie auf der Außenbahn Druck erzeugen und Gladbach kam nicht vernünftig ins Zentrum. Die roten Laufwege sollen in diesem Beispiel Alternativen darstellen. Entscheidend wäre gewesen, dass Elvedi eine diagonale Anspielstation ins Zentrum gehabt hätte. Entweder Hofmann hätte dann den Ball frei zwischen die Linien spielen können, oder ein Pass auf Wendt wäre eventuell einfacher gewesen. Leverkusen hätte nicht mehr so kompakt stehen können.

In der zweiten Hälfte war die Raumaufteilung in der vorderen Linie etwas besser. Leverkusen stellte zur Pause auf ein 4-4-2 gegen den Ball um. Kramer kippte folglich zwischen die Innenverteidiger ab. Zwar war die Raumaufteilung der Fohlen in der vordersten Linie dadurch besser, jedoch hatten sie Probleme die Verbindungen nach vorne zu halten und das Offensivspiel landete sehr früh auf dem Flügel.

zweite Hälfte gegen 4-4-2

Fazit

Es war eine sehr spannende Partie, die über weite Strecken ausgeglichen war. Gladbach hatte mehr Ballbesitz schaffte es aber kaum für Gefahr zu sorgen. Zwar stoppten sie in der ersten Hälfte viele Konter der Leverkusener bevor diese entstehen konnten. Allerdings waren Leverkusens Angriffe nach dem Lösen aus dem Gegenpressing extrem gefährlich. Die Offensive von Heiko Herrlichs Team schaffte es für sehr viel Durchschlagskraft zu sorgen, allen voran Dank Julian Brandt.

Kategorie Bundesliga, Spielanalysen

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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