Dominanz und Variabilität dank des Positionsspiels

Am vergangenen Champions League Spieltag kam es zum Duell Shakhtar Donetsk gegen Manchester City. Die Engländer konnten sich klar mit 3:0 durchsetzen und führen ihre Gruppe trotz der Auftaktniederlage nach dem dritten Spieltag bereits wieder an. Bemerkenswerter als das Ergebnis war allerdings die Dominanz und Variabilität von Manchester City. Die erste Halbzeit war laut Pep Guardiola die beste in seiner knapp zweieinhalb-jährigen Amtszeit.

Dominant in jeder Formation

Nominell starteten die Citizens in einem 4-3-3. Dabei gab es nur eine größere Überraschung, John Stones spielte anstelle von Kyle Walker auf der Rechtsverteidigerposition. Im defensiven Mittelfeld startete wie gewohnt Fernandinho, vor ihm Kevin de Bruyne und David Silva. Auf den Flügeln erhielten Raheem Sterling und Ryad Mahrez den Vorzug, im Sturmzentrum startete Gabriel Jesus.

Wie man es von Guardiolas Zeit in Manchester kennt, startete seine Mannschaft aber nicht in einem „klassischen“ 4-3-3. Gegen jeden Gegner werden die Positionen und Rollen aus dieser Formation heraus so angepasst, dass Manchester City den Gegner dominieren kann. Die Rolle der vorderen fünf Spieler wird nur selten verändert, die der hinteren fünf Spieler dafür aber in so gut wie jedem Spiel. Gegen Shakhtar Donetsk wurde diese Dominanz und Variabilität mal wieder beeindruckend unter Beweis gestellt.

Falsche Außenverteidiger

Während seiner Zeit in München „erfand“ Pep Guardiola die Rolle der falschen Außenverteidiger. Auch bei Manchester City gehören diese Rollen zum Standardrepertoire seiner Spieler. So fanden sich zu Beginn des Spiels Mendy und Stones häufig in den tiefen Halbräumen wieder. Die Idee dahinter: Gegner binden und Passwege öffnen.2-3-5 Grundordnung

Im Aufbauspiel versucht Manchester City den Ball diagonal auf einen der Flügelspieler zu spielen. Damit die Spieler aufdrehen und Aktionen nach vorne starten können, müssen sie möglichst viel Zeit und Platz bei der Ballannahme haben. Gegen das 4-4-2 der Ukrainer konnten die äußeren Mittelfeldspieler und die Außenverteidiger durch das Positionsspiel gebunden werden. Ein zu frühes Rausrücken der beiden Spieler würde eine freie Anspielstation im Halbraum bedeuten.

In der Grafik ist aber schnell zu erkennen, dass die Passwege der Innenverteidiger bis zum Flügelspieler sehr lang sind. Um kürzere Passoptionen zu schaffen, erhielt Stones eine Sonderrolle. Wenn Manchester das Spiel über die rechte Seite aufbauen wollte, lies er sich zurückfallen. Die Engländer waren dann nicht mehr in einer 2-3-Staffelung, sondern in einer 3-2-Staffelung. Ein gutes Beispiel ist diese Szene aus der 26. Minute:

Diese Sequenz zeigt neben dem guten Positionsspiel eine weitere Stärke von Manchester City: Sie sind sehr gut darin, Gegner mit Pässen und Dribblings anzulocken, um in der Folge das Spiel zu verlagern. Um sich neu zu sortieren, muss sich der Gegner etwas fallen lassen. Man beachte, wie die Ukrainer von Bild zu Bild immer weiter nach hinten weichen müssen, ohne das Manchester in die Formation hineinspielen musste.

Durch die Rolle von Stones ergab sich eine Linkslastigkeit im Aufbauspiel. Mahrez hatte mit de Bruyne nur eine Option vor sich, zudem war im rechten tiefen Halbraum kein Spieler, um den linken Mittelfeldspieler der Ukrainer zu binden. Die meisten Angriffe wurden deshalb über die linke Seite vorgetragen.

Fernandinho kippt ab

Manchester City spielte aber nicht nur in dieser Mischung aus 2-3-4-1 bzw. 3-2-4-1. Nach 20 Minuten zum ersten mal und anschließend immer häufiger kippte Fernandinho zwischen die Innenverteidiger ab. Die Formation wurde so zu einem klaren 3-2-4-1. Allerdings ergab sich das Problem, dass der Sechserraum über weite Strecken unbesetzt blieb. Dieses Problem konnte vereinzelt durch ein Fallenlassen von Silva in diesen Raum, ein Freilaufen von Stones hinter dem linken Stürmer oder ein Andribbeln von Fernandinho behoben werden. City tat sich aber insgesamt schwerer, den Ball im Aufbauspiel von Seite zu Seite zirkulieren, um sich selbst mehr Räume zu schaffen und den Gegner nach hinten zu drücken. Es ergaben sich trotzdem einige gute Aufbauszenen.

Noch eine Formation

Weil es nicht reicht, den Gegner in zwei recht ähnlichen, aber unterschiedlich ausgeführten Formationen zu dominieren, spielten die Engländer vereinzelt auch mal im 3-1-4-2. Die Dreierkette bestand aus Laporte, Otamendi und Stones, auf den Flügeln spielten Mendy und Mahrez. Sterling war zweiter Stürmer neben Jesus.

Das 3-1-4-2 kam insgesamt nur ein paarmal im Spiel vor, in diesen Situationen folgte der Aufbau immer über die linke Seite. Laporte dribbelte an und hatte dank der guten Bewegungen von Sterling drei Anspielstationen: Mendy auf dem Flügel, Silva im Halbraum vor ihm und Sterling im Zentrum.

Fließende Positionswechsel von Fernandinho und Stones

Zu Beginn des Spiels deutete sich noch eine weitere Aufbauvariante an. Aus der 3-2-Staffelung rückte Stones in den tiefen Halbraum nach vorne, Fernandinho lies sich von der Sechserposition auf die rechte Innenverteidigerposition fallen. Der Sinn dahinter wurde nicht so recht deutlich, schließlich war die Staffelung quasi gleich wie nach dem zentralen Abkippen von Fernandinho. Vermutlich kam sie auch deshalb nur in den ersten Minuten des Spiels vor.

Die beste Mannschaft der Welt?

Das Champions League Spiel gegen Shakhtar Donetsk war ein weiterer Beweis der Qualität von Manchester City. Die Spieler haben die Regeln von Guardiolas Spiel verstanden und verinnerlicht und können so auch in einem Spiel zwischen verschiedenen Formationen hin- und herwechseln und den Gegner dominieren. Mit dem Positionsspiel als Grundlage, durchdachten Gegneranpassungen als Verfeinerung und die individuellen Klasse der Spieler gelingt es der Mannschaft von Pep Guardiola immer wieder, den Gegner nach belieben zu dominieren. Diese Mischung ist derzeit bei wohl keinem Team der Welt so gut wie beim amtierenden englischen Meister.

6 Kommentare

  1. Pingback: 4 Trainer - 4 Fragen - thefalsefullback

  2. Pingback: Monatsrückblick November - thefalsefullback

  3. Pingback: David Silva -the man for the details - thefalsefullback

  4. Pingback: Mattéo Guendouzi – Zidane mit Locken?

  5. Pingback: Monatsrückblick November

  6. Pingback: David Silva -the man for the details

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.