Warum Lars Stindl den Gladbacher Angriff vervollständigt

Nach seinem Syndesmosebandriss und der verpassten WM ist Gladbachs Kapitän Lars Stindl zurück und gibt den Gladbacher angriffen eine neue Dimension. In den bisherigen Spielen wurde aber noch nicht sein volles Potenzial ausgeschöpft.

Die letzten Jahre waren kleine Mittelstürmer, die fälschlicherweise oft als Falsche Neuner bezeichnet wurden, in Fußball-Deutschland verpönt. Nur in Gladbach überlebte diese Art Mittelstürmer. Nachdem Max Eberl bei Luuk de Jong, dem letzten großen „echten“ Mittelstürmer daneben lag, setzt man in Gladbach auf kleine wendige Stürmer. Zuerst war es das geniale Duo Max Kruse und Raffael, nach Kruses Abgang übernahm Lars Stindl dessen Position und entwickelte sich zum Leistungsträger und Nationalspieler. Nachdem es in der letzten Saison bei Borussia M´Gladbach nicht mehr rund lief, verpasste Dieter Hecking seinem Team ein neues Korsett. Im neuen 4-3-3 System trumpfen die Borussen bisher auf. Nun ist Lars Stindl zurück. Der Kapitän könnte dabei das fehlende Puzzlestück im Gladbacher Angriff sein.

In dieser Saison machte die Borussia wieder einen Schritt zurück. Nachdem man sich in den letzten Jahren immer weiter zum Ballbesitzteam entwickeln wollte, legte Heckings Trainerteam im Sommer mehr Wert auf das schnelle Umschalten. Eine Stärke der Gladbacher seit Lucien Favre das Team vor dem Abstieg rettete. Gerade zu Saisonbeginn war die Mannschaft von Dieter Hecking brandgefährlich. Mit den vielen technisch starken Akteuren in der Offensive konnten Konter mit wenigen Kontakten schnell abgeschlossen werden. Doch das Ballbesitzspiel wurde nicht komplett ad acta gelegt. Gegen einen tieferen Gegner zeigt die Mannschaft gute Ansätze. Lars Stindl macht aus guten Ansätzen zählbare Ergebnisse in Form von mehr hochkarätigen Torchancen.

Intelligenz, Übersicht und Technik

Lars Stindl war einer der stärkeren Akteure in einer schwachen Gladbacher Mannschaft in der letzten Saison. Nicht ohne Grund konnte sich der ehemalige Hannoveraner Hoffnungen auf eine Teilnahme bei der WM in Russland machen. Durch seine Verletzung musste der Stürmer das deutsche Debakel von zu Hause mit ansehen. Stindl bringt eine große Palette an Talenten mit, die seiner Mannschaft weiterhelfen auch gegen tiefe Gegner den Durchbruch zu schaffen. Intelligentes Positionieren, kluge Freilaufbewegungen und ein allgemeines Verständnis der Dynamik des Spiels machen Lars Stindl so einzigartig. Besonders seine Spielintelligenz wird den Gladbachern die erforderliche Qualität zwischen den Linien bringen.

Der Kapitän hat für die Gladbacher dabei einen besonderen Stellenwert, wie auch sein Trainer nach seiner Rückkehr anmerkte: „Es spricht für die Mannschaft, dass sein Fehlen bislang kein großes Thema war. Aber wenn der Kapitän, der deutsche Nationalspieler Lars Stindl, wieder an Bord ist, tut es uns allen gut. Es gibt mir noch mal eine klasse Option mehr für die Offensive und für die Spieler kommt der Anker zurück, an dem sich viele hochziehen können, wenn er auf dem Platz steht.“

Dabei wurde Lars Stindl in den ersten Wochen der Saison noch kaum vermisst. Nachdem sein kongenialer Partner Raffael ebenfalls verletzt ausfiel, übernahm Neuzugang Plea die Position im Sturmzentrum. Zusammen mit Jonas Hofmann und Thorgan Hazard, die beide vom neuen System profitieren, spielte der Franzose groß auf. Auch wegen dem starken Trio haben sich die Gladbacher diese Saison oben festgespielt.

Das neue Gladbacher System

Das neue System erlaubt dem Stürmer der Gladbacher viele Freiheiten. Die beiden Flügelspieler stehen oft sehr hoch, um die gegnerische Verteidigung zu binden und hinter die letzte Linie zu sprinten. Thorgan Hazard bewegt sich auch gerne mal etwas tiefer und hält seine Position nicht so strikt. Mit Jonas Hofmann hat man einen intelligenten Achter, der immer wieder die richtigen Entscheidungen trifft und so das Offensivspiel der Gladbacher belebt. Neben Hofmann läuft in der Regel ein eher vertikaler Achter auf, der zusätzliche Torgefahr mitbringen kann. Bisher teilten sich Florian Neuhaus und Dennis Zakaria die Minuten.

Lars Stindl

Lars Stindls Fähigkeiten passen perfekt zum Anforderungsprofil des Stürmers in Heckings System. Neben seiner Spielintelligenz hat Lars Stindl eine gute Passtechnik. Durch sein Gespür für die Situation kann er saubere Pässe hinter die letzte Linie spielen. Dabei hat er ein breites Arsenal an Pässen. Flache Pässe in die Tiefe, einfache Weiterleitungen mit dem ersten Kontakt oder Lupfer über die Viererkette. Das alles vereint Lars Stindl mit gutem Verhalten unter Druck. Nicht nur ist die neue Rolle wie gemacht für den Kapitän, sondern auch seine Mitspieler werden sich über viele präzise Vorlagen freuen können.

Im letztjährigen 4-4-2 fehlte es den Gladbachern des Öfteren an Verbindungen und passenden Abläufen in Ballbesitz. Die beiden Stürmer Raffael und Stindl hatten darunter häufiger zu leiden, da beide abgeschnitten vom Rest des Teams sich zwischen den gegnerischen Linien bewegen mussten. Nun haben die Gladbacher nur noch einen Stürmer im Zentrum. Unterstützt wird jener aber durch beide Achter, während die Flügelspieler die gegnerische Defensivlinie binden. Lars Stindl wird vielen Defensiven Kopfzerbrechen bereiten, wenn er den Ball frei zwischen den Linien erhält. Spieler wie Plea, Johnson, Hazard oder Herrmann können dann sofort in die Tiefe starten und auf die Zuspiele von ihrem Kapitän warten.

Bisher läuft noch nicht alles rund

Bereits bei seinem Startelf-Comeback zeigte Stindl seine Wichtigkeit für die Gladbacher. In München steuerte Stindl nicht nur einen Treffer bei, sondern war auch eine der Stützen der Mannschaft. In Heckings 4-3-3 bekommt Stindl mehr Platz und kann so seine Nachteile im physischen Bereich durch gute Positionierungen und Timing ausgleichen. Durch Neuzugang Plea und den Formstarken Hofmann und Hazard wurde die Offensivlast auf mehrere Schultern verteilt. Zu Saisonbeginn mischte auch Raffael mit. Der Brasilianer ist ein ähnlicher Spielertyp, hat aber mit kleineren Verletzungen zu kämpfen. Doch Raffael wird um seinen Platz bangen müssen. Im 4-3-3 gibt es nur eine freie Position für Stindl und Raffael

Doch bisher wurde Lars Stindl noch nicht perfekt eingebunden. Bei den Niederlagen gegen Leverkusen und Freiburg hing der Kapitän etwas in der Luft. Zu oft musste er die letzte Linie besetzen, statt sich zwischen die Linien fallen zu lassen. Dies hat auch mit der Positionierung der Flügelspieler zu tun. Zu Beginn der Saison rückten diese noch weiter ein. Aktuell bleiben die Außenspieler eher am Flügel, binden so aber die Verteidigung nicht. Folglich liegt der Fokus der Innenverteidiger voll auf Stindl.

Lars Stindl

Wenn es Dieter Hecking gelingt das System anzupassen, werden die Qualitäten von Lars Stindl das Spiel der Gladbacher weiter verbessern. Wenn die Flügelspieler sich öfter zwischen dem Innen- und Außenverteidiger des Gegners bewegen, könnte keiner mehr Stindl verfolgen und der Angreifer wäre der freie Mann zwischen den Linien.

Umso erfolgreicher die Gladbacher in dieser Saison werden, umso mehr Teams werden sich erst einmal tiefer positionieren. Mit Lars Stindl hat Dieter Hecking aber den perfekten Stürmer, um auch tiefe Gegner zu knacken. Durch dessen Comeback hat man nicht nur eine weitere Offensivwaffe, sondern möglicherweise das noch fehlende Puzzlestück zur fluiden Offensvie.

Kategorie Allgemein, Portraits, Spielerportrait

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