Bremen fehlt gegen Gladbach die Balance

Am 11. Spieltag trafen sich Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach. Beide Mannschaften starteten fulminant in die Saison. Doch während Gladbach die Form halten konnte und auf dem zweiten Platz steht, sind die Bremer in den letzten Wochen auf ihre Grenzen gestoßen und kassierten gegen Gladbach die dritte Niederlage in Folge.

Doch was fehlt den Bremern, was die Gladbacher schon haben? In diesem Artikel soll es darum gehen, warum Bremen noch nicht auf dem Niveau der Gladbacher ist. Und vor allem um die Frage: Was hat Bremen falsch gemacht?

Gladbach wie üblich, Bremen angepasst

Die Gladbacher spielten ihr einstudiertes 433-System. Im Mittelfeld verzichtete Hecking ein weiteres Mal auf Kramer und Zakaria, dafür spielte Strobl auf der Sechserposition, Neuhaus und Hofmann besetzten davor die Halbräume. Auf der Neun spielte Stindl, der von Hazard und Plea flankiert wurde. Beide Außenspieler blieben nicht stur auf dem Flügel, sondern zogen immer wieder in die Mitte

Der SV Werder Bremen dagegen stellte um und verzichtete ein weiteres Mal auf das übliche 433. Stattdessen wollte Trainer Florian Kohfeldt das Zentrum dicht machen. Dafür opferte er einen Stürmer und brachte von Anfang an vier Mittelfeldspieler. Interessant: Bremen agierte nicht mit einer Raute, wie beispielweise gegen Stuttgart, sondern spielte mit einem flachen Vierermittelfeld. Dabei agierten Sahin und Bargfrede zentral, Klaassen und Eggestein auf den Außenpositionen. Naturgemäß zogen die äußeren Spieler nicht nach außen, sondern spielten sehr zentral. Das Zentrum und die Halbräume wurden verdichtet, nur 19% der Gladbacher Angriffe gingen über das Zentrum.

Angriffe

Bremens (orange) und Gladbachs (blau) Angriffe über die Flügel und das Zentrum, Quelle:https://www.whoscored.com/Matches/1294609/MatchReport/Germany-Bundesliga-2018-2019-Werder-Bremen-Borussia-M-Gladbach

In der vordersten Reihe agierte neben Kruse Harnik. Der Österreicher stand dabei etwas weiter vorne und sollte für die Tiefe, die im Offensivspiel in den letzten Wochen häufig fehlte, sorgen. Kruse spielte dahinter, suchte im Offensivspiel den Zwischenlinienraum und sollte in der Defensive Strobl aus dem Spiel nehmen.

Erste Halbzeit: Gladbach mit Mannorientierungen, Bremen mit zu wenig Präsenz im letzten Drittel

Da sich Sahin und Kruse im Aufbauspiel eine Reihe zurückfallen ließen und die Außenverteidiger sehr hoch standen, wurde aus Bremens 4411 ein 3151. Doch Gladbach ließ die erste Reihe der Bremer ungestört aufbauen. Das Zurückfallen von Sahin sorgte somit dort für einen Mann mehr, wo man ihn nicht brauchte.

Bargfrede, der zwischen den beiden Reihen stand, wurde von Stindl gedeckt. Dahinter die Fünferreihe mit beiden Achtern im Halbraum, dazwischen Kruse und auf den Flügeln die hoch aufgerückten Außenverteidiger. Gladbachs Flügelspieler ließen sich weit zurückfallen und bildeten so für ein gleichwertiges Pendant – eine 5-gegen-5-Situation. Die Fohlen verteidigten hier mit Mannorientierungen: Strobl blieb bei Kruse, die Achter gingen auf die gegnerischen Achter und die Flügelstürmer auf Bremens Außenverteidiger.

Und ganz alleine neben vier Verteidigern: Martin Harnik. Ein aussichtsloses Unterfangen.

Bremens 3151

Die Gladbacher Abwehrkette wurde durch die Präsenz von nur einem Spieler nicht nach hinten gedrückt. Das Gegenteil war der Fall: Die Abwehrkette konnte noch etwas weiter vorrücken und so den Weg zum Tor vergrößern und die Abstände zwischen der Abwehr- und Mittelfeldkette weiter verkleinern. So wurde der Zwischenlinienraum, den Werder Bremen gerne bespielt, kleiner und kaum bespielbar.

Gladbach verteidigte kompakt, wenn sie mal früher attackierten, schafften sie es aggressiv und kompakt rauszurücken. Vor allem die Achter Hofmann und Neuhaus rückten teilweise sehr aggressiv raus. Das Risiko war gering, da problemlos einer der Verteidiger zum freigewordenen Gegenspieler vorrücken konnte.

Bremen schaffte es selten mit flachen Kombinationen nach vorne zu kommen und sich von den Mannorientierungen zu befreien. Doch durch die hohe Abwehrkette von Gladbach öffnete sich der Raum dahinter. Die gefährlichsten Situationen von Bremen entstanden durch einen Lauf hinter die Abwehr und einen hohen Ball nach vorne. Gerade Harnik ist ein Spieler der diese Tiefenläufe hinter die Abwehr sehr gerne vollzieht. Aber auch Kruse zeigte ein paar Mal gute Läufe hinter die Abwehrkette.

Zweite Halbzeit: Bremen mit zu viel Präsenz im letzten Drittel

Florian Kohfeldt ist kein Trainer der Angst vor Risiko und hohen Pleiten hat. Ganz im Gegenteil: Liegt sein Team hinten bringt er Offensivspieler nach Offensivspieler für Defensivspieler nach Defensivspieler.

Gegen Stuttgart hatten die Bremer zu zehnt plötzlich sieben Offensivspieler auf dem Feld. Auch gegen die Fohlen scheute der 36-jährige Trainer das Risiko nicht und brachte in der Halbzeit Johannes Eggestein für Bargfrede.

Sahin ging dafür auf die Sechserposition. Der deutschtürke ist ein sehr interessanter Spieler in Ballbesitz, defensiv hat er aber Schwächen. So wurde die Auswirkung der Auswechslung von Bargfrede und das damit verbundene Fehlen eines Balancegebers deutlich. Sahin rückte immer wieder zu stark nach vorne oder auf die Seite und ließ das Zentrum frei. Gladbach konnten immer wieder den freigelassenen Raum nutzen und so ihre Konter ausspielen.

Aber nicht nur defensiv fehlte es an der Besetzung der Mitte, denn auch offensiv hatte Bremen Probleme mit der richtigen Zonenbesetzung. Sahin ließ sich weiterhin nach hinten fallen, Klaassen, Maxi und Johannes Eggestein positionierten sich aber höher als in den ersten 45 Minuten. Die Bremer hatten dadurch eine große, unbesetzte Lücke dazwischen, da sich die Mittelfeldspieler entweder auf der letzten oder vordersten Reihe befanden. Die logische Folge: keine Verbindung der Abwehr mit dem Mittelfeld. Bremen kam nur über die Flügel oder durch hohe Bälle nach vorne.

Über den Flügel fehlte Bremen dann die Verbindung in die Mitte. Selten war der Halbraum gut besetzt, um sich so spielerisch in die Mitte kombinieren. Die Achter befanden sich auch dafür zu hoch. Ständen sie etwas tiefer, wären sie auch für die Außenverteidiger besser anspielbar gewesen.

So bleib Bremen meistens nur eine Option: Flanken. Alleine in der zweiten Hälfte versuchte es Bremen 20 mal mit einer Flanke.

Flanken

Flanken von Bremen (orange) und Gladbach (blau), Quelle:https://www.whoscored.com/Matches/1294609/Live/Germany-Bundesliga-2018-2019-Werder-Bremen-Borussia-M-Gladbach

Was machte Gladbach so gut?

Gladbach fokussierte sich auf die Umschaltsituationen. Durch die Herausnahme von Bargfrede konnten diese auch besser ausgespielt werden. Aber egal zu welchem Zeitpunkt: Man konnte gut erkennen, wie gefährlich und durchschlagskräftig diese Offensive sein kann. Insbesondere Plea war gegen Bremen kaum zu stoppen. Dass er auf der Außenposition spielt, macht ihn sogar noch gefährlicher, da er so durch das plötzliche in die Mitte rücken unberechenbar ist.

Defensiv konnte man meinen, Lucien Favre hätte die Fohlen nie verlassen: Die Ketten standen eng zusammen, alle Spieler verschoben sehr gut und die Gegenspieler wurden gut zugestellt.

Fazit

In einem spannenden Schlagabtausch zwischen Bremen und Gladbach sind es am Schluss Details, die den Unterschied machen: Feinheiten in der Offensive und ein Alassane Plea. Bremen fehlte es gegen Gladbach an der Balance zwischen Offensive und Defensive. In der ersten Halbzeit hatten sie eigentliche eine gute Struktur, doch es fehlte die Präsenz in der letzten Linie, um auch wirklich gefährlich zu werden. In der zweiten Halbzeit verloren sie immer mehr diese gute Struktur und fanden keinen Weg durch das Gladbacher Bollwerk.

Die Gladbacher dürfen sich freuen: Die Offensive läuft ordentlich und in der Defensive stehen sie wirklich sehr gut. Gladbach zeigte die vielleicht beste Defensivleistung, die ich in dieser Saison gesehen habe.

 

2 Kommentare

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