Verlagerungsfokus in Rondovariation

Der Twitter-Kanal von Zeb Jacobs bot in der Vergangenheit bereits einige spannende Übungsformen, die sich beliebig auf jede Leistungsklasse umformen ließen. Kürzlich jedoch entdeckte ich ein sehr innovatives Rondo, welche ich in dieser Durchführung bis dato ebenfalls nicht kannte. Dies veranlasste mich Kontakt zu ihm aufzunehmen und seine Gedanken bezüglich dieser Rondoform zu erfahren. Die von Jacobs eigens kreierte Übung möchte ich nun im Detail etwas genauer beleuchten und auf etwaige Lernziele eingehen.

Aufbau – Rondo mit Verlagerungsfokus

Die Effektivität dieser Übung rührt daher, dass sie in ihrem Aufbau äußerst einfach gehalten wurde, allerdings eine hohe Wiederholungszahl zulässt. Würde man die innen aufgestellten Minitore weglassen, würde es schlicht eine normale 3 vs. 1 Rondoform sein. Das klassische 3 vs. 1 bietet meiner Meinung die Grundlage für diese Übungsform, da dies ähnliche Schwerpunkte enthält.

Die vier Spieler positionieren sich, wie in der Skizze dargestellt. Den Auslöser der Übung bringt ein kurzes Dribbling des blauen Spielers, welcher auf der ungefähren Höhe der Tore einen Pass zum Mittelspieler (im folgendem auch: Verlagerungsspieler) spielt. Das primäre Ziel der ballbesitzenden Mannschaft ist es durch eine schnelle Verlagerung ein Tor zu erzielen. Dies kann der alleinige Verteidiger verhindern, indem er zuvor Tor mit der Hand (verschließt) berührt. Die Position sollten nach jedem Abschluss getauscht werden, da die äußeren Positionen andere Schwerpunkte stellen, als das Zentrum.

Rondo
(Grundszenario der Übung)

Coachinpunkte

(ballferne Verlagerungsoption ist durch Deckungsschatten zugestellt)

Das übergeordnete Lernziel dieser Rondovariation ist das Passspiel, gefolgt vom Sekundärschwerpunkt der Spielverlagerung. Weiterhin enthält diese Rondoform auch Fintierbewegungen, die den Verteidiger zeitweise auf die falsche Seite „locken“ sollen. Ein spielnaher Bezug kann deshalb hergestellt werden, da sich die Räume in dieser Form sehr klein halten und dies provoziert, dass zeitweise nur das Passspiel mit einem Kontakt möglich ist. Ein Video des FC Barcelona aus dem Jahr 2013 veranschaulicht all diese Aspekte, welche an das moderne Ballbesitzspiel unter Druck gestellt werden.

Durch die flache dreiecksartige Anordnung der Spieler, bleibt keine Anspielstation in der Tiefe. Weiterhin erzeugt eine kluge Positionierung des Verteidigers eine situative 2 vs. 1 Situation, welche durch ein scharfes Anspiel auf den Verlagerungsspieler und dem damit verbundenen Seitenwechsel, aufgelöst werden soll. Maßgebend dafür ist präzises und scharfes Anspiel auf den ballentfernten Fuß, um mit dem zweiten Kontakt die Seite verlagern zu können. Eine permanente offene Körperstellung aller Spieler erleichtert einen flüssigen Ablauf des Passspiels.

All die Punkte des präzisen Passspiels werden verknüpft mit dem Anspruch der stetigen Vororientierung, um das Laufverhalten des Verteidigers genauer erfassen zu können. Die Kenntnisnahme zum Verhalten des verteidigen Spielers setzt dann voraus, dass die Information durch eine gute Handlungsschnelligkeit zielgerecht umgesetzt werden.

Rondo
(Fintierbewegung zieht Räume für Verlagerung frei)

Fintierbewegungen wie der Cruyff-Turn oder andere gleichwertige Abkippbewegungen, haben das Ziel den Gegenspieler kurzzeitig auf die falsche Seite zu ziehen. Dies öffnet den Raum für die gegenüberliegende Spielseite und erzeugt zeitgleich einen verlängerten Laufweg für den Verteidiger. Der Passempfänger ist damit weniger Gegnerdruck ausgesetzt, was den Abschluss auf das Minitor vereinfacht. Auch diese Bewegungsabläufe müssen effizient durchgeführt werden, da durch den Gegnerdruck ansonsten ein Ballverlust droht.

Fazit

Bei einem Training mit wenigen Spielern halte ich diese Rondovariation für besonders effektiv. Sie berücksichtigt neben den genannten technischen Elementen des Passspiels und der Fintierbewegungen, auch die taktischen Inhalte der Spielverlagerung. Diese Ansprüche lassen sich zumeist auf zentrale Spieler zuschneiden. Themen wie Vororientierung und Handlungsschnelligkeit lassen sich aber auf alle Spielertypen transferieren, daher ist diese Übung äußerst universell einsetzbar.

Kategorie Spielformen, Training

Julius Riemann ist seit jeher absolut fußballaffin und hat vor vier Jahren mit dem Trainerdasein begonnen. Die Trainertätigkeiten von Bielsa, Sampaoli oder Guardiola verfolgt er äußerst interessiert. Er trainiert aktuell die U14 als Co-Trainer im NLZ des 1.FC Magdeburgs. Zusätzlich ist er als Videoanalyst beim Fußballverband Sachsen-Anhalt tätig. Ihr findet ihn auf Twitter unter @julius_riemann

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