Bayer Leverkusen – Borussia M’Gladbach

Nach einer durchwachsenen Hinrunde trennte sich Bayer Leverkusen von Heiko Herrlich und ersetzte ihn mit Peter Bosz. Herrlich wurde vorgeworfen, dass es ihm nicht gelungen ist, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Dafür ist nun der Niederländer verantwortlich. Das Bosz Mannschaften mit jungen Spielern entwickeln kann, zeigte er bei Ajax Amsterdam. Bei Borussia Dortmund hatte Bosz aber mit Problemen zu kämpfen und wurde früh entlassen.

Nach gerade einmal zwei Wochen Vorbereitungszeit konnten sich die Leverkusener durchaus einen leichteren Gegner als die Gladbacher wünschen. Nach einer durchwachsenen Rückrunde in der Saison 2017/2018 änderte der Trainer Dieter Hecking das System – aus Gladbachs 4-4-2 wurde ein 4-3-3.

Aufstellungen

Zum Rückrundenauftakt traten beide Mannschaft wie erwartet im 4-3-3 an. Peter Bosz setzte dabei auf die sehr offensive Doppelacht Brandt und Havertz, Bailey und Bellarabi tauschten ihre gewohnten Seiten, um mit dem starken Fuß in Richtung Tor ziehen zu können.

Bei Gladbach gab es im Vergleich zur Stammformation der Hinrunde nur eine Änderung: Zakaria spielte für Neuhaus auf der linken Achterposition.

Peter Bosz Debut

Leverkusen startet gut

In den ersten 15 Minuten der Partie war Leverkusen die bessere Mannschaft. Sie hatten mehr Ballbesitz und kamen mit Angriffen über die Flügel nach vorne. Vor allem die linke Seite mit Brandt und Wendell zeigte sich sehr durchschlagskräftig und kreierte einige gute Situationen. Nach Pässen Leverkusens auf den Flügel konnte Gladbach die ballnahen Anspielstationen eigentlich mannorientiert zuschieben, es fehlte aber der letzte Zugriff und so konnte sich Leverkusen immer wieder befreien und verlagern oder sich auf der Seite durchspielen.

Im Mittelfeldpressing formierten sich die Gäste im 4-5-1. Stindl hatte Aranguiz in seinem Deckungsschatten, konnte sich der Chilene befreien, rückte Strobl heraus. Zakaria und Hofmann orientierten sich an ihren Gegenspielern und ließen sich so häufig nach hinten drücken. Dadurch fehlte Gladbach der Zugriff auf den Leverkusener Spielaufbau. In manchen Situationen konnte die Achter – vor allem Hofmann – aber rausrücken. In diesen Situationen stellte Gladbach zunächst alle Anspielstationen im Mittelfeld zu. Nach einem Querpass der Innenverteidiger rückte Hofmann mit Brandt im Deckungsschatten heraus. Stindl behielt Aranguiz so lange im Deckungsschatten, bis der Querpass auf den anderen IV gespielt wurde, den er dann anlief.

mittelfeldpressing
Stindl hat Aranguiz im Deckungsschatten. Tah hat keine Anspielstation nach vorne und passt zu S. Bender, Hofmann rückt auf ihn heraus. Hofmann und Stindl haben jetzt Brandt und Aranguiz im Deckungsschatten, Leverkusen bleibt nur der Rückpass zum Torwart.

Da Hofmann und Zakaria sich aber häufig zu weit nach hinten drücken ließen, konnte Gladbach den Leverkusener Spielaufbau nicht konstant unter Druck setzen. Gladbach kam in dieser Zeit überhaupt nicht ins Spiel. Bälle konnten sie – wenn überhaupt – erst im eigenen Strafraum erobern oder mussten mit einem Abstoß das Spiel eröffnen. Die vielen langen Bälle landeten aber bei den Gastegebern.

Probleme zeigten sich auch im Angriffspressing. Musste Leverkusen Hradecky ins Aufbauspiel einbinden, rückten die Gladbacher mannorientiert vor. Strobl verfolgte Aranguiz, die Achter blieben bei ihren Gegenspielern. Das Herausrücken einzelner Spieler war dabei aber schlecht abgesichert, Leverkusen konnte die Überzahl nutzen und die Gladbacher umspielen.

Gladbach wird dominanter

Nach etwa 15 bis 20 Minuten wurde Gladbach dann aktiver und hatte mehr Ballbesitz. Das Leverkusener Mittelfeldpressing ähnelte dabei sehr dem der Gladbacher. Brandt und Havertz orientierten sich an ihren Gegenspielern. Aranguiz rückte auf Strobl vor, tat dies aber häufiger als es andersrum der Fall war. Das Mittelfeldpressing war die bevorzugte Herangehensweise von Bosz, gelegentlich ging Leverkusen aber auch ins Angriffspressing über, beispielsweise wenn ein Gladbacher den Ball mit Blick zum eigenen Tor annehmen musste. Auch Leverkusen lief in diesen Situationen aus dem Mittelfeld mannorientiert an, Volland positionierte sich so, dass Gladbach das Spiel nicht verlagern konnte. Die langen Bälle landeten häufig bei Leverkusen.

Mehr Probleme hatte Leverkusen aber aus dem Mittelfeldpressing heraus. Das 4-3-3 interpretierten sie dabei anders als es der Gegner bei eigenem Ballbesitz tat. Die Außenverteidiger rückten weiter auf, die Flügelstürmer Hazard und Plea dafür ein. Da durch das Einrücken die gesamte Viererkette gebunden werden konnte, konnte das Fallenlassen von Stindl noch effektiver genutzt werden und es entstand eine Überzahl im Mittelfeld. Diese wurde noch dadurch verstärkt, dass Aranguiz oft auf Strobl rausrückte und Leverkusen dann in einer Art 4-4-1-1 verteidigte, wobei die Doppelsechs aus Brandt und Havertz bestand.

Peter Bosz Debut
Elvedi dribbelt an und wird von Volland unter Druck gesetzt. Hazard und Plea binden vier Verteidiger, dadurch sind Zakaria und Stindl im Zwischenlinienraum anspielbar. Stindl kann nach dem Zuspiel von Elvedi aufdrehen, Hofmann schaltet sich im rechten Halbraum mit gutem Timing ein und spielt den entscheidenen Pass auf Plea.

Gladbach konnte Leverkusens Mittelfeld dank des guten Positionsspiel überspielen. Der Spielaufbau lief über die Innenverteidiger, die mit ihren Pässen die Halbräume und das Zentrum anvisierten, um die Überzahl dort auszunutzen. Elvedi zeigte sich sehr mutig in seinem Spiel, ließ sich von Volland nicht unter Druck setzen und konnte mit Pässen das Mittelfeld überspielen. Eine solche Aktion führte auch zum einzigen Tor der Partie. Durch das Einrücken der Flügelspieler entstand auch auf dem Flügel mehr Platz für die Außenverteidiger, den Gladbach nutzen konnte. Auf der rechten Seite spekulierte Bellarabi häufig auf den Pass auf Ginter, den Freiraum hinter ihm konnte Lang nutzen.

Peter Bosz Debut
Aranguiz rückt auf Strobl heraus. Hofmann und Hazard binden Wendell, dadurch entsteht mehr Platz für Lang
szene ii
Weil Wendell gebunden war, muss Brandt auf den Flügel rücken. Ohne die Absicherung von Aranguiz – der noch nicht zurück ist – konnte Hofmann sich aber in seinem Rücken fallen lassen, während Wendell weiter von Hazard gebunden wurde. Hofmann spielt weiter auf Stindl, der den Ball auf Hazard durchsteckt.

No risk, no fun?

Gladbachs Spiel wurde zwar mit einem Tor belohnt, trug aber auch einige Risiken mit sich. Durch das Aufrücken der Spieler sind die Außenverteidiger und Achter höher als ihre Gegenspieler und haben nach Ballverlust somit einen weiteren Weg zum eigenen Tor. Nach Ballverlusten im Zwischenlinienraum hat Gladbach mit Strobl und den beiden Innenverteidigern nur drei Spieler zur Absicherung hinten. Gerade zu Beginn des Spiels kam Leverkusen immer wieder zu gefährlichen Kontern.

Peter Bosz Debut
Bei Gladbach stehen sieben Spieler höher als das gegnerische Mittelfeld. Ginter versucht mit einem Chipball Hazard anzuspielen, der den Ball aber nicht kontrollieren kann. Nach dem Ballgewinn kann Leverkusen aus einer sechs-gegen-drei-Situation kontern.

Einseitige zweite Halbzeit

Die zweite Halbzeit lässt sich schnell zusammenfassen. Leverkusen hatte sehr viel Ballbesitz, spielte etwas offensiver als in der ersten Halbzeit und kam auch zu einigen guten Chancen, die rechte Seite war dabei sehr aktiv. Bellarabi – der mit Bailey die Seiten tauschte – spielte nicht mehr so weit am Flügel, sondern bewegte sich mehr in den Halbraum und ermöglichte L. Bender so ein offensiveres Aufrücken. Auch Volland bewegte sich mehr in diesen Bereich und konnte nach Pässen von Tah den Ball auf seine Mitspieler ablegen. Aus dieser Überladung konnte Leverkusen sich bis in den Strafraum durchspielen oder früh flanken und kam zu vielen gefährlichen Möglichkeiten.

Die Konterabsicherung und das Gegenpressing waren nach zwei Wochen unter Bosz schon gut. So konnte Leverkusen die Dominanz über die gesamte Halbzeit aufrechterhalten. Gladbach kam nur zu wenigen Kontermöglichkeiten.

Vielversprechendes Peter Bosz Debut

Das Debut von Peter Bosz bei Bayer Leverkusen war ordentlich, gegen einen guten Gegner konnten viele Chancen herausgespielt werden. Die Defensive mit der Doppelacht Havertz und Brandt ist allerdings sehr offensiv und könnte gerade gegen spielstarke Gegner (wie Gladbach) defensiv zu anfällig sein. Ein Unentschieden wäre aber verdient gewesen.

Gladbach spielt weiterhin eine stabile Saison. Das Ballbesitzspiel ist auf einem hohen Niveau, defensiv hat man aber schon wieder – wie zum Ende der Hinrunde – Probleme gegen einen offensivstarken Gegner gehabt und viele Chancen zugelassen.

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