Siegesserie gerissen – Lyon schlägt PSG im Spitzenspiel

Am Sonntagabend empfing Olympique Lyon den bis dato in der Liga ungeschlagenen Spitzenreiter Paris St. Germain. Die Mannschaft von Thomas Tuchel dominiert die Liga eigentlich nach Belieben. Beim großen Härtetest vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen Manchester United musste PSG aber eine unangenehme Niederlage einstecken. Gegen eine starke Mannschaft aus Lyon konnte Paris nie seine Stärken komplett entfalten und das trotz der frühen Führung durch Ángel Di María.

Lyon auf der anderen Seite mausert sich immer mehr zum Favoritenschreck. Nachdem man bereits gegen Manchester City keine Niederlage in der Gruppenphase kassierte, konnte man nun auch die Millionentruppe aus Paris bezwingen. In der Champions League wartet nun der Fc Barcelona. Die Katalanen können sich auf einen harten Kampf in Lyon einstellen. Die Mannschaft von Bruno Génésio ist nicht nur stark in der Defensive, sondern verfügt auch über jede Menge Offensivtalent.

Paris mit Problemen im Positionsspiel

Aktuell muss Thomas Tuchel auf einen seiner Superstars verzichten. Neymar, der unter Tuchel eine zentrale Rolle einnimmt, fehlte aufgrund einer Verletzung. Gleiches galt für Marco Verratti, neben dem aussortierten Rabiot und Neuzugang Paredes, der einzige echte zentrale Mittelfeldspieler. So kam es, dass Tuchel auf Marquinhos als Sechser setzte. Der Brasilianer wurde dabei von Julian Draxler und Ángel Di María unterstützt.

In Ballbesitz agierte Paris mit einer Dreierkette bestehend aus Thiago Silva, Kimpembe und Thilo Kehrer. Die beiden nominellen Flügelverteidiger Bernat und Dani Alves gaben die Breite, während Edinson Cavani und Kylian Mbappé zwischen Innen- und Außenverteidiger auf Pässe in die Tiefe lauerten.

Über große Teile des Spiels tat sich die Mannschaft von Thomas Tuchel schwer Chancen zu kreieren. Dies lag zum einem am starken Pressing von Olympique Lyon, zum anderen an der schwachen Raumaufteilung bei PSG.

Zu oft passten die Bewegungen der einzelnen Akteure nicht zusammen. Draxler und Di María unterstützten die Flügelverteidiger zu selten, wenn jene den Ball erhielten. Außerdem schafften sie es nicht, sich konstant zwischen den Linien anzubieten, Räume zu öffnen und im Zusammenspiel mit den Stürmern hinter die Mittelfeldkette der Lyonnais zu gelangen.

Zwar versuchten die Akteure von PSG immer wieder in der Nähe des Balles zu unterstützen, jedoch passten die Abstände nicht. Teilweise positionierten sich die Akteure zu nahe beieinander, verschlossen Passwege auf andere Mitspieler und waren nicht in der Lage Raum zu schaffen. Lyon konnte diese Ungenauigkeiten mit ihrem kompakten Pressing nutzen und Paris kam eigentlich nur über Einzelaktionen zu Chancen.

schlechte Positionierung PSG

Auch im Angriffsdrittel fehlte es dem Team von Thomas Tuchel an den passenden Bewegungen. Gerade Di María und Draxler verstanden sich beide mehr als Spielmacher aus der Tiefe anstatt die Räume zwischen Lyons Ketten zu besetzen. Di María schob zwar vereinzelt weiter nach vorne, allerdings war dies selten passend eingebunden.

PSG formierte sich entsprechend häufig mit einer flachen Fünferkette vor dem Mittelfeld von OL. Die fehlenden Verbindungen nach vorne hatten zur Folge, dass man weder Durchschlagskraft noch eine gute Struktur für das Gegenpressing entwickeln konnte.

Lyon überzeugt mit starkem Pressing

Doch nicht nur die schwache Struktur, sondern auch das kompakte Pressing von Lyon führte dazu, dass Paris kaum wirklich ins Spiel kam. Zwar konnte sich Tuchels Mannschaft naturgemäß einige Chancen erspielen, allerdings resultierte viele daraus aus hohen Balleroberungen oder individuellen Aktionen am Flügel. Das Aufbauspiel hatte Lyon im Griff.

Dabei formierte Coach Génésio ein 4-2-3-1/4-4-2 gegen den Ball. Stürmer Dembélé hatte dabei die Aufgabe Paris auf eine Seite zu lenken. Meist lief der Stürmer Thiago Silva an, um einen Pass auf den Halbverteidiger zu forcieren. Anschließend versuchte der zentrale Stürmer Pässe ins Zentrum zu versperren. Der ballnahe Flügelspieler ging nach einem Pass auf den Halbverteidiger ins Pressing über. Je nach Staffelung bei PSG versperrte er den Passweg ins Zentrum, oder in manchen Situationen auch den Pass auf den Flügel.

Unterstützt wurden sie dabei von den zentralen Mittelfeldspielern, die recht mannorientiert agierten. Kapitän Fekir hatte die Aufgabe Sechser Marquinhos aus dem Spiel zu nehmen. Dies geschah meist durch eine mannorientierte Spielweise. Allerdings konnte man in der aktiven Balleroberung beobachten, wie Fekir das ein oder andere Mal den Brasilianer in seinem Deckungsschatten zurückließ und die erste Linie von PSG zusammen mit Dembélé presste.

Pressing Lyon Grafik

Hier erkennt man sehr schön, wie Dembélé den Pass auf den linken Halbverteidiger verhindert. Fekir deckt gleichzeitig Marquinhos ab, könnte aber auch Kehrer pressen, da Ndombélé dahinter absichert. Aouar verschließt den Passweg zu Mbappé und ermöglicht es gleichzeitig Depay ins Pressing überzugehen und Kehrer zu stören. Zwar hat PSG in der Angriffslinie ein 4v4, allerdings können die Mannen von Thomas Tuchel dies kaum nutzen, da alle Anspielstationen durchs Zentrum versperrt sind.

Olympique Lyon schaffe es immer wieder Paris zu isolieren. Dies lag wie bereits angesprochen an den grundsätzlichen Problemen im Positionsspiel bei PSG, allerdings auch an den sehr sauberen Verschiebebewegungen von Lyon. Die Hauptstädter konnten sich entsprechend selten in der gegnerischen Hälfte festsetzen, hatten über weite Teile des Spiels sogar weniger Ballbesitz als Olympique.

Pressing Lyon Grafik 2

Wieder landet der Ball bei Kehrer, Draxler versucht tief zu unterstützen, allerdings deckt er dabei Marquinhos ab. Das gelbe Viereck zeigt wie sauber Lyon diagonal absicherte und damit Paris kaum eine Anspielstation durchs Zentrum erlaubte. Depay konnte letztlich ins Pressing übergehen und das Spiel nach außen lenken.

Am Flügel schaffte es Lyon sehr oft Paris zu isolieren. Pässe hinter die Abwehr auf Cavani und Mbappé waren selten möglich, da erstens beide Stürmer zentraler positioniert waren, und zweitens Lyon diese Passwege gut zustellte. Erst als Mbappé nach der Führung für die Lyonnais mehr über die linke Seite kam, konnte sich PSG von dort aus hinter die letzte Linie kombinieren.

Das rote Dreieck ermöglichte Lyon stets Druck auf den Ballführenden zu machen, Pässe ins Zentrum und nach hinten zu unterbinden bzw. Paris weiter nach hinten zu drücken.

Tempo und gute Struktur

Neben der starken Defensivleistung waren die Lyonnais aber auch gefährlich in der Offensive und konnten sich viele gute Chancen, gerade in der ersten Hälfte, erarbeiten. Im Aufbauspiel besetzte grundsätzlich einer der Sechser den Raum vor der Abwehr, während sich der andere weiter nach vorne bewegte. Durch die tiefere Position von Nabil Fekir entstanden kurzzeitig 4-3-3 Staffelungen.

Gegen das 4-4-2 von PSG baute Lyon, nachdem man früh durch einen Ballverlust zurücklag, mutig auf und versuchte des Öfteren spielerische Lösungen zu finden. Während Traoré häufiger etwas breiter agierte, zeigte sich Depay auch immer wieder im Zentrum präsent, auch wenn die Niederländer nicht seinen besten Tag erwischte.

Der klare Plan bei Lyon war es, den Ball schnell zu bewegen und nach Seitenwechseln über den nachstoßenden AV für Gefahr zu sorgen. Durch die gute Besetzung der Räume zwischen den Linien konnte Lyon auch immer wieder so für Gefahr sorgen. Entscheidend war, dass Aouar und Ndombélé anders als bei PSG immer wieder in die Nähe des Balles verschoben, um den Ballführenden zu unterstützen.

Jedoch half ihnen auch die Defensivausrichtung von PSG. Interessanterweise pendelte die Mannschaft von Thomas Tuchel zwischen 5-3-2 und 4-4-2, je nach der Position von Dani Alves. Dies bedeutete, dass Alves vornehmlich wie ein Flügelspieler verteidigte, während Di María auf der anderen Seite eher konstant im Halbraum blieb und wie ein Achter im 5-3-2 verteidigte. Dies hatte zur Folge, dass Lyon gerade über die rechte Seite mit Außenverteidiger Dubois und Traoré für Gefahr sorgen konnte, da Bernat sich meist zwei Gegenspielern gegenübersah.

Lyon wechselte dann immer wieder geschickt das Tempo im Kombinationsspiel und durch passende Bewegungen ohne Ball konnte man Räume öffnen. Interessanterweise fiel das Tor von Dembélé aus einer solchen Situation. Man verlagerte kurz nach innen, Bernat orientierte sich im Halbraum an Lyons Offensivspieler und konnte dann Dubois bei dessen Flanke nicht mehr effektiv stören.

Auch auf der rechten Seite von PSG bekamen die Hauptstädter Probleme. Durch Dani Alves unklare Rolle musste Thilo Kehrer immer wieder Depay weit verfolgen. Jedoch wurde dies nicht passend aufgefangen und es ergaben sich Räume zwischen Kehrer und Thiago Silva, in die entweder Depay oder Aouar bzw. Fekir stoßen konnte. PSG brachte sich so selbst in Gefahr.

Die Übergabemomente zwischen Dani Alves und Thilo Kehrer wirkten oft unklar und Draxler konnte zentral durch seine Positionierung nur wenig Raum abdecken. Dem ehemaligen Schalker fehlte das Gespür und die Umsicht, um die richtigen Passwege zu versperren.

Lyon dominiert

Das bemerkenswerte an Lyons Leistung war die Dominanz, die Génésios Mannschaft ab der 20 Minute bis zum zweiten Tor ausstrahlte. Dies war bedingt durch die gute Struktur, die Lyon im eigenen Ballbesitz hatte. Jene ermöglichte ein schnelles und kompaktes Gegenpressing.

Neben dem kollektiven Aspekt verfügt Lyon außerdem über viele sehr dynamische Spieler, die immer wieder aggressiv nachsetzen und Paris zu unkontrollierten Aktionen zwingen konnte. Zwar schaffe es PSG sich hin und wieder aufgrund ihrer immer noch ordentlichen Struktur und technischen Fähigkeiten zu befreien, jedoch unterbrach Lyon sichtlich PSGs Rhythmus.

Gegenpressing Lyon Grafik

Diese Szene war exemplarisch. Nach dem Ballgewinn möchte sich PSG spielerisch lösen. Lyon jagt sofort hinter her und kann Marquinhos unter Druck setzen. Depay reagierte schnell und setzte sich etwas nach hinten ab, um bei einem langen Ball nach rechts zu helfen. Aouar und Ndombélé bewegten sich sofort nach vorne, um den Mittelfeldspielern von PSG keine Möglichkeit zum Aufdrehen zu geben. Der lange Ball auf Cavani wurde des Weiteren sehr gut verteidigt. Lyon verhinderte den Konter und konnte den Ball in der gegnerischen Hälfte zurückerobern.

Fazit

Es war ein wildes und attraktives Topspiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten. PSG hatte mit einigen Problemen zu kämpfen, ihre individuelle Klasse und der Grundstein des Positionsspiels ermöglichte es ihnen aber trotzdem hochkarätige Chancen zu erspielen. Torhüter Lopes von Lyon war aber an diesem Abend besonders gut aufgelegt. Vor dem Spiel gegen Manchester United steht noch viel Arbeit vor Thomas Tuchel.

Lyon hingegen scheint gut vorbereitet auf das Aufeinandertreffen mit Barca zu sein. Ihr junges und dynamisches Team arbeitete sehr gut in der Defensive und zeigte auch offensiv eine gute Leistung. Mit diesem Team ist zu rechnen und Barca wird in der Champions League vor einer Herausforderung stehen.

Kategorie Allgemein, International, Spielanalysen

Interessiert sich für Taktik und Training. Positionsspiel, hohes Pressing und dynamische Positionswechsel. Großer Pep Guardiola Fan. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, kann du dies für 1€/Monat auf Patreon machen und erhälst exklusive Beiträge dazu (https://www.patreon.com/user?u=33684939&fan_landing=true)

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