Vollgasveranstaltung in Frankfurt

Eine schwierige Aufgabe erwartete den Tabellenführer Borussia Dortmund auswärts in Frankfurt. Die Eintracht zählt nach einem schwierigen Saisonstart mittlerweile zu den unangenehmsten Gegnern in der Liga und steht nicht umsonst auf dem fünften Tabellenplatz. Adi Hütters Mannschaft weiß vor allem durch ein aggressives Pressing und Gegenpressing, sowie ein gutes Umschaltspiel zu überzeugen. Vor allem die drei Angreifer Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller spielten sich durch ihre immense Torgefahr und Durchschlagskraft in den Fokus. Zusammen kommen die Drei auf 31 Tore und 17 Vorlagen in 19 Spielen.

Aufstellungen

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Im Vergleich zum letzten Spiel in Bremen startete der Winterneuzugang Martin Hinteregger für den verletzten Kapitän David Abraham in der Frankfurter Dreierkette. Zudem ersetze Ndicka Falette und der gegen Werder gelbgesperrte Gelson Fernandes kehrte auf die Sechserpostion neben Rode zurück. Die Flügel im 3-4-1-2/3-4-3 der Eintracht besetzen zum einen links Filip Kostic sowie rechts Danny da Costa. In der vordersten Linie starteten mit Rebic, Jovic und Haller die drei Topscorer der Hessen. Beim BVB gab es im Vergleich zum 5:1 Heimsieg gegen Hannover nur eine Änderung, Paco Alcacer startet vorne in der Spitze für Mario Götze.

Die Viererkette bildeten wie schon in den anderen beiden Spielen nach der Winterpause Lukasz Piszczek, Julian Weigl, Abdou Diallo und Achraf Hakimi. Auf der Doppelsechs spielten wie gewohnt Thomas Delaney und Axel Witsel, auf den Flügel im 4-2-3-1/4-4-2 begannen Jadon Sancho und Raphael Guerreiro und auf der Zehn Kapitän Marco Reus.

Frankfurt im Ballbesitz: Fokus auf Vertikalität und den zweiten Ball.

Die Eintracht versuchte im Ballbesitz möglichst schnell aus der Dreierkette in die Tiefe zu kommen. Frankfurts Spiel zeichnet sich durch sehr viel Vertikalspiel aus. Hierzu wählten sie gegen den BVB vor allem den langen Ball als Mittel. Zielspieler war vor allen Dingen Haller, der die Bälle entweder auf die Flügel ablegen oder in die Tiefe verlängern sollte. Teilweise wurde auch versucht die Bälle in den Rücken der Dortmunder Viererkette zu spielen, wenn dies der Fall war, war es meistens Rebic, der diesen Raum attackierte.

In Frankfurts Dreierkette positionieren sich die Halbverteidiger nicht wie häufig bei anderen Mannschaften im Halbraum, sondern wesentlich breiter. Das ermöglicht es den Flügelspielern entweder weiter nach vorne oder mehr Richtung Zentrum zu schieben, und damit die Präsenz für den zweiten Ball zu erhöhen.

Problematisch wird es wenn der Gegner, wie die Borussen über einen Großteil des Spiels, die Dreierkette durch den relativ großen Abstand, mit hohem Pressing unter Druck setzten. Jadon Sancho und Raphael Guerreiro liefen die Frankfurter Halbverteidiger immer wieder früh an, während vor allem Marco Reus Makoto Hasebe unter Druck zu setzten versuchte.

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Die Eintracht reagierte darauf in dem sich meistens Fernandes neben Hasebe fallen ließ und dadurch eine Viererkette entstand. Hinteregger und Ndicka positionierten sich noch breiter, wurden quasi zu Außenverteidigern und gaben somit da Costa und Kostic, die Möglichkeit ins Zentrum zu schieben. Rode blieb in dem Fall, der einzige Sechser vor der Abwehr, durch das Einrücken der Flügelspieler und die damit  verbundene Kompaktheit war die Gefahr, schnell überspielt zu werden, jedoch gering.

Eine andere Möglichkeit war, dass sich Kostic und da Costa etwas weiter zurück fallen ließen, um die Halbverteidiger beim Spielaufbau zu unterstützen oder aber auch um den jeweiligen Dortmunder Außenverteidiger aus seiner Position zu ziehen. Hierbei startete der ballnahe Stürmer in den sich ergebenden Raum, jedoch hatte dies eher mäßigen Erfolg, da die Dortmunder Sechser entweder gut durchsicherten oder aber Witsel und Delaney zum pressen an den Flügel kamen und der Außenverteidiger in seiner Position bleiben konnte.

Vor allem das schnelle Frankfurter Gegenpressing sorgte häufiger für Probleme beim Tabellenführer. Durch eine solche Situation fiel dann auch der Ausgleich für die Hessen, als sie nach einem geklärten Eckstoß auf der rechten Seite den Ball wieder eroberten und durch Jovic eine Drei gegen Eins Überzahlsituation am langen Pfosten nutzen konnten.

Frankfurt gegen den Ball

Frankfurt agierte gegen den Ball äußerst mannorientiert. Sie attackierten dabei sehr hoch aus ihrem 3-4-1-2 heraus und versuchten so, das Aufbauspiel der Westfalen früh zu stören.Der ballnahe Flügelspieler schob vor auf den Außenverteidiger der Borussia, Haller und Rebic orientierten sich an den Innenverteidigern, Jovic blieb bei einem der Sechser. Der ballferne Flügelspieler rückte ins Zentrum ein. Sowohl Rode als auch Fernandes mussten häufig weit nach vorne verteidigen. Das lag vor allem daran, dass die Dortmunder in der ersten Halbzeit ihr Spiel nahezu ausschließlich über die linke Seite aufbauten. Sowohl Witsel als auch Delaney schoben meistens weit auf die linke Seite, wodurch einer der Beiden ohne direkten gegenspieler war. Zum Großteil war es Fernandes, der auf einen der Dortmunder Sechser vorschob und ein 3-1-4-2 entstand. Problematisch daran war die daraus fehlende Absicherung des Pressings. Dortmund blieb zum Teil mit vier Spielern in der letzten Linie oder im Zwischenlinienraum hinter Rode und Fernandes, was es vor allem für Hinteregger und Hasebe schwierig machte den Dortmunder Offensivspielern zu folgen. Taten sie dies unbedacht, ergab sich in ihrem Rücken Räume.

Dortmunder Lösungen gegen die Frankfurter Mannorientierungen

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Die Dortmunder überluden ihre linke Seiteneben dem Verschieben der Sechser zusätzlich mit Marco Reus. Witsel war immer wieder derjenige der das Spiel des BVBs antrieb. Er agierte häufig eng an den Innenverteidigern und ließ sich auch hin und wieder zwischen Diallo und Weigl fallen oder kippte nach halblinks ab. Hatte der Belgier zu viel Zeit kamen immer wieder gute Bälle in den Rücken von Rode und Fernandes. Aber auch Diallo war immer in der Lage einen Ball in den Zwischenlinienraum zu spielen. Manchmal stellte er die Frankfurter zudem durch seine typischen Dribblings nach vorne vor Probleme.

Dortmund nutzte vor allem Seitenverlagerungen, um dem Druck der Frankfurter zu entkommen, häufig zu beobachten waren Dribblings von Hakimi ins Zentrum. Durch seine Geschwindigkeit und Frankfurts Mannorientierungen konnte der junge Marrokaner den Ball meistens auf Sancho oder Piszczek verlagern. Sancho suchte nach einer Verlagerung meistens Eins gegen Eins Duelle gegen Ndicka oder auch Eins gegen Zwei Situationen, wenn Kostic noch unterstützen konnte. Der junge Engländer konnte sich immer wieder durchsetzen, was zu einigen guten Möglichkeiten für den BVB führte. Hierbei nutzte auch Sancho häufig Dribblings ins Zentrum.

Eine Stärke der Dortmunder waren auch immer wieder clevere Freihziehbewegungen. Die Schwarzgelben verstanden es durch das Wegziehen ihrer direkten Gegenspieler Platz für den Ballführenden oder andere Mitspieler zu schaffen.

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Beispielszene für die freiziehenden Bewegungen: Nachdem Delaney den Ball klatschen gelassen hat, zieht er Jovic durch seinen Lauf nach außen und öffnet für Hakimi das Zentrum. Unterstützt wird diese Bewegung durch Diallo, der sich nach hinten absetzt, Haller spekuliert aufgrund der Körperposition Hakimis auf den Rückpass zum Innenverteidiger und öffnet den Raum. Reus bemerkt während er sich zurück fallen lässt, dass Fernandes ihn verfolgt er bricht ab und orientiert sich wieder tief Richtung Frankfurter Dreierkette, Fernandes folgt ihm. Da Costa übt direkten Druck auf Hakimi dieser entkommt mit einem Dribbling ins geöffnete Zentrum und kann auf Piszczek verlagern.

Eine andere wichtige Komponente des Dortmunder Spiels waren die Bewegungen von Guerreiro. Zunächst blieb er in einer breiten Position auf der linken Seite, bewegte sich aber im Laufe des Angriffs mit sehr gutem Timing ins Zentrum und konnte so häufig zwischen den Linien frei gefunden werden. Selbst wenn Hinteregger ihm eng folgte, öffnete das wiederum die linke Seite, wo Hakimi tief geschickt werden konnte. Genau so eine Aktion führte auch zur Führung der Gäste. Witsel wurde von Fernandes nicht genug unter Druck gesetzt, der Belgier findet den einrückenden Guerreiro,der seinen Gegenspieler Hinteregger durch einen Doppelpass mit Reus aus dem Spiel nimmt.

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Die Dortmunder zeigten sich sehr stark im Spiel im mit wenig Kontakten, was gegen ein aggressives Pressing wichtig ist. Sie verpassten es aber vor allem in der ersten Halbzeit in den richtigen Momenten das Spiel zu beruhigen. Dadurch kam es immer wieder zu Ballverlusten und vielen Umschaltaktionen für die Eintracht.

In der zweiten Halbzeit schaffte es Dortmund die Hessen häufiger nach hinten zu drängen und auch mal den Ball über einen längeren Zeitraum in den eigenen Reihen zu halten und über die Sechser zu verlagern. In solchen Situationen presste Frankfurt aus einem 5-2-1-2 heraus, blieb aber ihrem aggressivem Pressing und den Abläufen weitestgehend treu. Der eingewechselte Mijat Gacinovic agierte immer mal wieder tiefer im Pressing, so dass häufiger 5-3-2 Staffelungen in der eigenen Hälfte entstanden.

Haller und Rebic gingen nur selten ins Rückwärtspressing sondern orientierten sich an Weigl und Diallo. So hatte Frankfurt immer zwei Spieler in der Tiefe und war jederzeit in der Lage schnell nach vorne umzuschalten. Gefährliche Kontersituationen wurden aber immer wieder durch die starke mittlere Achse der Borussia bestehend aus Witsel, Delaney und den beiden Innenverteidigern unterbunden. Gerade Weigl und Diallo gewannen nahezu alle 1 gegen 1 Situationen und zeigten eine starke Leistung.

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