City marschiert – Schützenfest gegen Chelsea

Am Sonntagnachmittag empfing Manchester City im (erhofften) Spitzenspiel der 26. Premier League-Runde den FC Chelsea. Während es für die „Light Blues“ um die zwischenzeitliche Tabellenführung ging, benötigte die „Blues“ mindestens einen Punkt um nicht aus den Champions League-Rängen zu rutschen.

Aufgrund dieser Rahmenbedingungen und dem Chelsea-Sieg im Hinspiel war eigentlich ein knappes und intensives Spiel zu erwarten. Gegen ein offensiv gnadenloses City konnte Chelsea aber wenig entgegensetzen und rutschte in ein Debakel. Prinzipiell offensiv auf- und eingestellt und großteils mit (versuchtem) Angriffspressing wollte Chelsea auftreten. Was ihnen auch zum Verhängnis wurde, da sie von dieser Grundidee auch nach frühen Gegentoren nicht abwichen und so wahrscheinlich nur die im Laufe des Spiels etwas fester werdende Handbremse von Manchester City eine noch höhere Niederlage verhinderte.

Natürlich sei erwähnt, dass aufgrund der doch offensiven Herangehensweise auch Chelsea zu der ein oder anderen guten Torchance kam, aber auch in dieser Kategorie nicht mit den gnadenlos effizienten Citizens mithalten konnten.  In einem nominellen 4-3-3 bestand die Viererkette vor Tormann Kepa aus Alonso, Luiz, Rüdiger und Azipilicueta. Im Mittelfeld besetzten Barkley und Kanté die Halpositionen neben dem zentralen Jorginho, während in der vordersten Reihe Hazard und Pedro Mittelstürmer Higuain flankierten.

Die folgende Analyse soll sich aber in erster Linie auf die taktische Herangehensweise von Manchester City konzentrieren und wie sie es schafften Chelsea in praktisch allen Mannschaftsteilen vor Probleme zu stellen und letztendlich zu dominieren. Wie gewohnt entwickelte Pep Guardiola einen Matchplan der von vielen seiner Spieler eine große Flexibilität und taktische Intelligenz bei der Positionsbesetzung in den unterschiedlichen Spielphasen verlangte.

Untypischer Spielaufbau und daraus resultierender „Personalmangel“

Ob von vornherein geplant oder als Anpassung an Chelsea’s Angriffspressing, im Spielaufbau wich City vom üblichen „Guardiola-Aufbau“ in einer 2-3- bzw. 3-2-Formation (üblicherweise mit den beiden Innenverteidigern, den in den defensiven Halbraum einrückenden Außenverteidigern und Fernandinho als Sechser) ab.

Wohl um seinen Prinzip treu zu bleiben in jeder Linie Überzahl zu haben, blieben die Außenverteidiger oft breit und folglich baute City’s Viererkette – bestehend aus Zinchenko, Laporte, Stones und Walker – in einer U-Form auf, stets unterstützt durch Fernandinho zentral davor. Zusätzlich dazu ließ sich Gündogan im Spielaufbau wenn nötig situativ in den linken Halbraum fallen, um eine zusätzliche Anspielstation hinter Chelsea‘s erster Pressinglinie zu bieten.

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Abbildung 1 „City pressingresistent“: Kanté läuft Laporte an. Währenddessen stellt Hugain den Querpass auf Stones zu und Fernandinho, Zinchenko und Walker werden mannorientiert versucht zuzustellen. Zinchenko und Walker stellen sofort Breite her und Gündogan lässt sich als weitere Anspielstation fallen und zieht durch diese Bewegung seinen Gegenspieler Jorginho mit.

Zinchenko wird durch seine breite Positionierung anspielbar und kann Pedro mit einem Doppelpass mit Fernandinho überspielen. City befreit sich so von Chelsea’s Angriffspressing mit sechs Mann und läuft plötzlich einen Angriff in Überzahl gegen Chelsea’s Restverteidigung.

Dadurch verschob sich das übliche Verhältnis in City’s Aufbauspiel oft von einem 5:5 zu einem 6:4.

Versuchen üblicherweise die fünf Offensivspieler sich so zwischen den Gegenspielern und Linien zu positionieren, dass sie die acht Spieler der gegnerischen Abwehr- und Mittelfeldreihe binden, blieben in diesem Fall dafür nur vier Spieler. Während Sterling und Bernardo Silva die offensiven Außenpositionen besetzten, wechselten De Bruyne und Agüero zwischen den offensiven Halbräumen und dem Zentrum, wobei es meist an Agüero war für die notwendige Tiefe zu sogen.

Durch eine bestechende Ballsicherheit, starken Spielverlagerungen und kluger Positionierung schaffte es City immer wieder Chelsea’s Angriffspressing zu umspielen, lange in Ballbesitz zu bleiben und sich so auch die notwendige Zeit zu verschaffen, um Spieler dann in die gegnerische Hälfte nachrücken lassen zu können und so die durch das Aufbauspiel bedingte numerische Unterlegenheit in der Offensive auszugleichen. So besetzte dann Gündogan die freie Position im Halbraum oder ein aufziehender Außenverteidiger den einrückenden Flügelspieler auf seiner Seite in diesen.

Im 4-3-3 gegen den Ball

Blieb Chelsea länger in Ballbesitz, was City im Laufe des Spieles mit komfortabler Führung immer wieder mal zuließ, verteidigte City in einer 4-3-3-Grundordnung. Gündogan schon dann hoch und unterstütze so De Bruyne und den immer wieder als ersten anlaufenden Agüero in der höchsten Verteidigungslinie. In der Zwischenzeit rückten Sterling und Bernardo Silva in die Halbräume neben Fernandinho ein. Durch die doch sehr zentrumslastige Besetzung dieser sechs Spieler gegen den Ball wurde die Mittelfeldreihe Chelseas – vor allem Jorginho – gut umstellt und aus dem Spiel genommen. Ohne ihre übliche erste Anspielstation wurde Chelsea im Aufbauspiel immer wieder vor Probleme gestellt.

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Abbildung 2 „City gegen den Ball“: Chelsea in Ballbesitz. De Bruyne läuft den Spieler in Ballbesitz an und nimmt mit seinem Deckungsschatten die nächste vertikale Anspielmöglichkeit aus dem Spiel. Agüero verhindert den Pass auf den anderen Innenverteidiger, während Sterling hereinrückt und die Position neben Fernandinho besetzt. Chelsea bleibt nur der Rückpass zum eigenen Tormann – City setzt aggressiv nach, zwingt Kepa zu einem langen Abschlag und kommt so in Ballbesitz.

Fazit

Interessante Anpassung taktischer Details, bessere individuelle Qualität und gnadenlose Effektivität der Citiziens führten zu einem Kantersieg. 4:0 nach 25 Spielminuten, alle der ersten 4 Torschüsse fanden ihren Weg ins Ziel und schon zum sechzehnten Mal brachte der erste Torschuss auch die frühe Führung – statistische Belege für die bessere Chancenauswertung. Was man auch betonen muss, denn einerseits muss man auch hervorheben dass Chelsea auch nach den frühen Gegentoren nicht aufgab und selbst auch Torchancen vorfand, andererseits führte dieser Harakiri-Stil auch zu der deutlichen 6:0 Klatsche.

Autor: Thomas Plasser

 

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